Transport Fever 2: Das richtige Spiel, wenn man mal wieder am falschen Ort ist

Das also war der Sinn dieses Events.

Ach ja, Gaming-Events ... Von legendären Exzessen in den 90ern, zu den üblichen gepflegten, angenehmen Langweilern wie ein Hotelkonferenzraum mit 20 Spielstationen gibt es eine große Bandbreite. Bei diesem hier dachte ich zuerst, dass es ziemlich weit auf der bescheuerten Seite stehen würde: In Berlin mietete man einen historischen Zug. Nichts Cooles, nur einen DDR-Restbestand, in dem immer noch Duft von ca. 1971 umherwaberte. In diesem baute man ein Dutzend Laptops auf. Die dann eine Weile brauchten, bis sie funktionierten, weil man am Abend das letzte Update nicht richtig aufspielen konnte und so weiter.

Irgendwann lief dann alles und endlich konnte ich, während der Zug langsam, mit zig Stopps mitten im Nirgendwo den Stadtring entlangzuckelte, Transport Fever 2 spielen. Und langsam begann das Event Sinn zu machen. Es ist das perfekte Spiel, um an einem Ort, an dem man nicht sein möchte, von dem man nicht wegkommt und einfach die Reiselangeweile aushalten muss, ein paar Stunden totzuschlagen.

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Heile Eisenbahnwelt.

Das Spiel ist so klassisch, wie es nur wird. Nicht ohne Grund hielt man stolz eine Packung des alten Transport Tycoon in die Höhe, denn so wie auch sein Vorgänger ist Transport Fever 2 dieses Spiel. Es gibt eine hübsche Karte mit ein paar Städten, Fabriken, Ressourcen und euer Job ist es, all das miteinander zu verbinden. Züge sind ein Teil dessen, wie auch LKW-Routen, Schiffe und Flugzeuge. Letztere spielten auf den Winzkarten der Präsentation nicht so die Rolle, aber das lag nur an den etwas älteren Laptops, die man nicht überfordern wollte. Auf echten PCs wird es dann wohl sehr viel mehr in die Breite gehen.

Der Ablauf ist alt wie die Zeit, zumindest, wenn eure Zeit 1990 mit Railroad Tycoon anfängt. Ihr zieht eine erste Eisenbahnstrecke, wenn ihr mutig seid - ein paar Laster sind für einen vorsichtigen Start deutlich günstiger -, setzt einen Zug mit ein paar Waggons drauf, die entweder Passagiere oder Güter transportieren, je nachdem, wo ihr eure Bahnhöfe setzt. Erstes Geld kommt in die Kasse, davon werden neue Gleise gelegt, neue Züge gesetzt, eine erste Schiffsroute gezogen. Und die ganze Zeit über beobachtet ihr, wie performant die einzelnen Strecken laufen und wo ihr was optimieren könntet.

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Und irgendwie müssen die alle zu euren Bahnhöfen, Flughäfen und Schiffen kommen.

In dieser Richtung bietet Transport Fever 2 einiges an Möglichkeiten, vor allem im Personennahverkehr. Reichte es in den 90er-Spielen in der Regel, den Bahnhof möglichst in die Mitte der Bevölkerung zu setzen, müsst ihr hier auch Sim-City-artig - oder sollte ich mittlerweile lieber Cities: Skylines sagen? - Buslinien einrichten, schauen, dass diese reibungslos laufen und die Leute zu euren Bahnhöfen kommen, um Züge zu füllen.

Diese Ketten werden schnell ziemlich komplex, spätestens dann, wenn ihr 20, 30 oder mehr miteinander verknüpfte Waren- und Personen-Ketten habt, die sich oft genug gegenseitig beeinflussen. Und sei es nur, weil Züge auf einer beliebten Strecke sich zu oft gegenseitig im Weg sind. Hier kommt dann immer bei dieser Art von Spiel das Interface dazu und wie gut es euch nicht nur auf dem Laufenden hält, sondern wie einfach ihr eingreifen und justieren könnt. Bei der angespielten Version gab es da gute und schlechte Nachrichten: Prinzipiell scheinen alle Informationen und Funktionen da zu sein und funktionieren auch recht elegant, aber es war leider weit davon entfernt fertig zu sein. Ständig überlagerten sich neue Fenster, unintuitives Hopping von einer Tabelle zur nächsten erschwerte einem das Leben, es war sehr schnell klar, dass das hier noch die größte Baustelle in der Entwicklung sein dürfte. Aber wenn man das brav aufräumt, habe ich da keine Sorgen, dass ihr befähigt werdet, jedes Transport-Imperium zu managen.

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Schnell zusammenklicken oder ganz tief ins Detail gehen - ganz wie ihr möchtet.

Die wichtigste Neuerung ist ein sehr mächtiger Karten-Editor. Von kompletter Handarbeit bis zu Algorithmus-Gestaltung gibt es die ganze Bandbreite, je nachdem wie viel Arbeit ihr investieren möchtet. Soll eure Karte ein Netzwerk aus Seen und Sümpfen mit nur wenige Dörfern sein oder doch lieber Mega-Städte mit praktisch keiner freien Landschaft? Alles ist möglich und sogar ein tropisches Szenario für mehr Palmen ist vorhanden. Nichts davon wirkt jetzt wirklich außerhalb dessen, was andere Spiele in ähnlicher Form auch boten, aber es ist sicher eine sehr wertvolle Ergänzung, die den Langzeitspaß noch mal deutlich steigern dürfte.

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Solche Landschaften lassen sich mit dem Editor relativ schnell erstellen. Man kann jetzt schon ahnen, dass hier ein paar spektakuläre Brücken eingeplant sind.

Transport Fever 2 ist halt der direkte Abkömmling der ersten Tycoon-Zeit in den 90ern, es erfindet sich und auch nichts anderes neu, aber die Frage ist, ob das immer nötig ist. Nachdem das Spiel erst einmal lief, verflog die restliche Zeit dieser furchtbaren Zugfahrt ziemlich schnell, was wohl das beste Zeichen ist, dass Transport Fever 2 einiges richtig macht. Es hat genug Komplexität, geht in die Tiefe, erlaubt viele Details und Feinheiten, wenn ihr euch um diese kümmern möchtet. Gleichzeitig kann man, wenn die Strecken erst mal laufen, auch hier und da Fünfe gerade sein lassen, dem grafisch liebevoll inszenierten Treiben zuschauen und sich an der eigenen Miniaturwelt erfreuen, während die echte draußen vorbeirauscht. Mehr wollten diese Spiele nie und das schafft Transport Fever 2 perfekt.

Entwickler/Publisher: Urban Games - Erscheint für: PC -Erscheint am: Ende 2019 - Gespielte Version: PC - Sprache: Deutsch

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Über den Autor:

Martin Woger

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