Die Super-Festplatten von PS5 und Xbox Series X - und warum PC-Spieler auch bald davon profitieren

Gemeinsam in die Zukunft!

Wann immer eine neue Konsolengeneration aufzieht, wird vor allem vom Sprung gesprochen, den man sich von der Grafik verspricht. Von Teraflops ist die Rede, von neuen Beleuchtungseffekten und Fantastillionen Polygonen, die einem um die Ohren fliegen werden. Seltener hören wir von Evolutionen oder gar Revolutionen in Sachen Massenspeicher. Mit dem Siegeszug der SSDs im PC-Segment liegt der letzte Sprung schon eine Weile zurück. Mit den neuen Konsolen - Xbox Series X und PlayStation 5 - soll sich das nun ändern. Und zwar in einer Weise, die mehr bedeutet, als nur die annähernde Eliminierung von Ladebildschirmen.

Tatsächlich hat der PC seit den normalen SSDs längst einen weiteren Generationensprung in Sachen Massenspeicher hingelegt. Mit dem NVMe-Standard im platzsparenden M2-Format werkeln längst Speichermedien in aktuellen Spielerechnern, die - zumindest theoretisch - um ein Vielfaches schneller sind. So zum Beispiel die WD_Black SN750, die uns Hersteller Western Digital zu Testzwecken zukommen ließ. Die liest im Optimalfall sequenziell bis zu 3.470 MB/s und schreibt sequenziell mit 3.000 MB/s, was eine normale SATA-3-SSD um das knapp Siebenfache beziehungsweise fast Sechsfache übertrifft.

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In der Spielepraxis merkt man von dieser theoretischen Überlegenheit des neuen Formats am PC leider noch recht wenig - doch das dürfte sich mit der neuen Konsolengeneration endlich ändern, denn nicht nur Sony hat angesichts immer aufwendiger Spiele und höher aufgelöster Assets die Notwendigkeit eines Umdenkens erkannt. Auch Microsoft überarbeitet die Art, wie man File-I/O-Operationen handhabt das erste Mal seit fast 30 Jahren grundlegend mit der Ankunft von Direct X 12 Ultimate für Xbox Series X und PC. Das integriert nicht nur neuartige Grafiktechnologien wie Raytracing in die Windows-eigene API, sondern bringt auch DirectStorage mit, das uns - schlicht gesagt, die kompliziertere Version gibt es bei den kompletten Spezifikationen der Xbox Series X zu lesen - erlauben sollte, den schnellen NVMe-Standard auch endlich mal auszureizen. So zumindest der Gedanke. Richard Leadbetter von DF lässt uns wissen, dass das alte I/O-System einfach nicht für derart schnellen Speicher erdacht wurde. "Es sind komplett unterschiedliche Technologien. Vor 30 Jahren konnte man sich Speicher mit nahezu unmittelbarem Zugang nicht einmal vorstellen." Heute aber schon, weshalb es nicht wundert, dass sowohl Microsoft als auch Sony Handlungsbedarf sehen.

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Ok, ob es unbedingt eine NVMe mit Kühlkörper sein muss, sei mal dahingestellt. Aber schick ist er schon ...

Sicher, in der Xbox Series X sind noch einige andere individualisierte Komponenten verbaut und auch die NVMe-Festplatten, die in der Konsole stecken, sind modifizierte Varianten der PC-Teile mit einiger Zusatz-Hardware. Und die PS5 hat ersten Berichten zufolge hier sogar noch einen theoretischen Vorsprung gegenüber der MS-Konkurrenz, sodass selbst aktuelle PC-NVMe zumindest den dedizierten Spielgeräten von Sony und Microsoft noch ein wenig hinterherhinken dürften. Oben verlinkte Western Digital ist zum Beispiel gut 2 GB pro Sekunde langsamer als zum Beispiel die Lösung der PS5. Aber NVMe-Platten mit PCIe 4.0 und bis zu 7 GB pro Sekunde sind bereits erhältlich, wenngleich aktuell noch teuer.

So oder so: Die Richtung in Sachen Ladezeiten-Optimierung stimmt, beide Konsolenhersteller schreiten gemeinsam denselben Weg in die Zukunft und werden die Spieleentwickler hinter sich herziehen, was sich wiederum im Design vieler Multiplattformspiele niederschlagen wird und sich auch mit NVMe-Speicher auf PCIe 3.0 noch stark bemerkbar machen dürfte: Die Momente, in denen sich eine Spielfigur langsam durch einen schmalen Spalt in einer Wand quetscht, um der Engine die Chance zu gehen, den Raum dahinter nachzuladen, werden ebenso eliminiert oder verkürzt, wie als lange Aufzugfahrten oder Hyperraumsprünge getarnte Ladebildeschirme. Streaming aufwendiger Assets geschieht schneller und hässliche LOD-Übergänge werden massiv reduziert.

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Auf der Series X im proprietären Speicherkartenformat mit ein wenig Zusatz-Hardware. In der PS5 dürfen allerdings optional auch zusätzlich handelsübliche NVMe zum Einsatz kommen. Auch wenn die dann nicht ganz dasselbe Tempo an den Tag legen, wie der ab Werk verbaute proprietäre Speicher.

All das sind Dinge, die nicht nur das Spielgefühl grundlegend verändern, sondern auch die Art und Weise, wie die Titel entwickelt werden. Denn nicht selten müssen Spielehersteller auch Arbeit darin investieren, Ladezeiten zu kaschieren. Man denke nur an Sonys Lieblingsbeispiel: In den U-Bahn-Fahrten in Spider-Man, wenn man die Schnellreise nutzen wollte, steckt zweifellos eine Menge Arbeitszeit, die nun anderweitig investiert werden kann. Freuen wir uns auf größere Welten, die mehr wie aus einem Guss wirken als je zuvor - und weniger Zeit, die wir mit Warten beschäftigt sind. Jetzt ist die Frage nur, wie viel Rücksicht die Entwickler auf PC-Spieler mit älterer Hardware nehmen: Stellen Gamer mit konventionellen HDDs künftig dieselbe Art von Bremse dar, die sie in vielen Online-Titeln schon länger sind?

In jedem Fall spannend, dass uns endlich mal wieder auch abseits immer opulenterer Grafik ein Paradigmenwechsel bevorstehen könnte, der grundlegend verändern könnte, wie wir unser liebstes Hobby erleben.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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