Assetto Corsa Competizione Test (PS4, Xbox One): Realistischer wird's auf absehbare Zeit nicht

Problembehafteter Start.

Definitiv kein Spiel für jeden. Assetto Corsa Competizione erfreut alle Sim-Racer-Fans auf Konsolen, hat aber noch Probleme.

Assetto Corsa Competizione Test. Wann ist eine Rennsimulation realistisch und wann nicht? Und vor allem: Wie realistisch? Fakt ist, dass es verschiedene Abstufungen gibt, von den puren Arcade-Rasereien über Flaggschiff-Titel wie Forza Motorsport und Gran Turismo bis hin zu den echten Nerd-Simulatoren. Von denen gibt es wenige und das gilt vor allem für die Konsolen. Nachdem Kunos Simulazioni vor ein paar Jahren Assetto Corsa mit gemischten Resultaten auf die Konsolen brachte, folgt jetzt der auf die GT3-Serie fokussierte Ableger Assetto Corsa Competizione.

Besagtes Spiel hatte, als es letztes Jahr auf dem PC den Early Access verließ, ein paar Probleme, auf dieser Plattformen hat es sich mittlerweile aber gemausert und braucht sich vor iRacing oder rFactor 2 nicht zu verstecken. Erwartet hier nicht, mitten in der Nacht durch Städte zu rasen, in denen ein Neonlicht das andere überstrahlt, das hier ist ein pures Rennerlebnis auf verschiedenen echten Strecken wie Monza und Spa. Auf denen messt ihr euch bei Tag und Nacht, bei Sonne und Regen mit der Konkurrenz.

Der Fokus auf eine einzelne Rennserie bedeutet zugleich, dass es im Vergleich zu Assetto Corsa weniger Inhalt gibt. Dafür war es den Entwicklern möglich, sich ganz darauf zu konzentrieren und das Beste aus dieser herauszuholen - und der Preis orientiert sich ebenso daran. Stürzt euch in Ausdauer- oder 24-Stunden-Rennen und ihr habt eine echte Herausforderung, bei der ihr ab einem bestimmten Punkt die Zeit vergesst und in diesen Rhythmus gelangt, der euch Runde für Runde, in denen ihr die Strecke verinnerlicht und perfektioniert, mit einer Art Tunnelblick um den Kurs führt. Und das alles, ohne den Fokus und die Aufmerksamkeit zu verlieren, ganz wie in echten Rennen. Passiert das, macht ihr unter Umständen schnell Fehler.

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Die Beherrschung des Rennwagens ist von zentraler Bedeutung.

Und diese Konzentration braucht ihr nicht allein bei solch langen Rennen, jedes Event verlangt nach eurer Aufmerksamkeit, nach der Beherrschung des eigenen Wagens und der Kenntnis des Streckenverlaufs. Ob in verschiedenen Meisterschaftsformen, der Karriere (in anpassbarer Länge), individuellen Events oder dem Multiplayer, lasst ihr es einmal zu lasch angehen, verbremst ihr euch, verlasst die Strecke und verliert ihr die Kontrolle über den hochgepowerten Rennwagen.

Zwischen den einzelnen Vehikeln gibt es indes spürbare Unterschiede, ein Ferrari fährt sich anders als ein Porsche, McLaren oder Audi. Dem Spiel gelingt es, diese Unterschiede gut zu vermitteln und auf die virtuelle Straße zu bringen. Neben dem spielerischen Aspekt ist der Sound der Wagen ein echtes Highlight. Es klingt nach echten Rennwagen, wenn der Sound mit überzeugender Wucht aus den Boxen dröhnt, ihr förmlich die einzelnen Bestandteile eures Gefährts spürt und hört und euch Sorgen macht, dass eure Karre gleich auseinanderfällt, wenn ihr die Curbs erwischt und ein wenig abhebt. Das gilt vor allem für die Fahrerperspektive, aber im Grunde klingt Assetto Corsa Competizione aus jedem Blickwinkel toll.

Zu einem solchen Rennspiel für Enthusiasten - im Ernst, das ist nichts für Gelegenheits-Rennfahrer! - gehört natürlich ein Lenkrad. Zu sagen, Assetto Corsa Competizione funktioniere nicht mit einem Gamepad, wäre übertrieben. Klar tut es das, wenngleich es nicht die optimale Steuerungsmethode für dieses Spiel ist. Es lassen sich damit Rennen fahren und die Wagen unter Kontrolle halten, aber wer es ernsthaft mit der KI auf höheren Stufen oder mit anderen menschlichen Mitspielern aufnehmen möchte, der kommt um ein Lenkrad kaum herum. Darauf scheinen zugleich die Lenkanimationen abgestimmt zu sein, beim Fahren mit einem Gamepad aus der Fahrerperspektive gibt's einige merkwürdig anmutende Bewegungen der Arme.

Einzelne Fahrhilfen stehen euch zur Verfügung, wenngleich euch das Spiel bei weitem nicht so unter die Arme greift, wie das in einem F1 oder Forza möglich ist. Eine Ideallinie lässt sich zuschalten, ebenso zum Beispiel eine automatische Kupplung. Es ist definitiv nicht so, dass sich die Wagen dann wie auf Schienen über die Wagen lenken, es ist immer ein höchstes Maß an Kontrolle eurerseits erforderlich, damit diese Biester nicht von der Strecke fliegen. Ihr merkt in jeder Sekunde, an welche Zielgruppe sich das Spiel richtet.

Das beste Rennerlebnis habt ihr in Assetto Corsa Competizione wie gesagt mit einem Lenkrad. Welche das Spiel unterstützt, lest ihr weiter unten. Unabhängig davon, ob ihr ein Pad oder Lenkrad einsetzt, lohnt es sich, ein wenig an den Details der Steuerung herumzuschrauben. Die Standardeinstellungen der Entwickler sind nicht ganz perfekt und tüftelt ihr ein wenig mit den Einstellungen herum, verbessert ihr euer Fahrerlebnis noch ein Stück weiter. Eigentlich sollte das aber nicht passieren, hier hat Kunos Simulazioni noch Grund zum Nachbessern. Zudem gibt es mit dem ein oder anderen Lenkrad noch Erkennungsprobleme. Die Entwickler betonen, dass sie daran arbeiten.

Ein wenig enttäuschend präsentiert sich die Konsolenumsetzung des Spiels in Sachen Framerate. Mehr als 30 Bilder pro Sekunde sind weder auf Xbox One X noch auf PS4 Pro drin. Andere Rennspiele kommen mit 30fps ebenso gut klar, wenngleich Assetto Corsa Competizione in manchen Situationen diese 30 Bilder nicht konstant zu halten vermag. Hier herrscht daher ebenso Optimierungsbedarf. Probleme erwarten euch darüber hinaus im Multiplayer-Modus. Zum Start sind keine privaten Lobbys verfügbar (sie sind in Planung) und um auf die kompetitiven Server zu gelangen, benötigt ihr eine gute Streckenkenntnis und eine gute Fahrerbewertung, die zeigt, dass ihr euren Wagen unter Kontrolle habt und fair bleibt. Davon abgesehen fand ich während des Testzeitraums in Zeiten, in denen ich spielte, so gut wie keine Server und öffentliche Rennen. Keine optimale Situation.

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Auch in der Dunkelheit fahrt ihr.

Was in Anbetracht der Tatsache, dass die PC-Version damals mit Schwierigkeiten an den Start ging, einen faden Beigeschmack hinterlässt. Geschichte wiederholt sich in diesem Fall. Die gute Nachricht ist: Auf dem PC hat sich bei Assetto Corsa Competizione nach dem Release einiges zum Besseren gewandelt, auf den Konsolen besteht somit die Hoffnung, dass es ähnlich läuft.

Ihr meint es ernst mit einer Rennsimulation auf den Konsolen? Ihr schreckt nicht davor zurück, euch jedes Detail anzugucken und daran zu tüfteln, buchstäblich mit den Wagen um die Kontrolle zu ringen und nach den besten Setups Ausschau zu halten? Dann ist Assetto Corsa Competizione der Real Deal für euch, eine bessere Rennsimulation gibt es auf den Konsolen nicht. Es hat eine tolle Fahrphysik, klingt fantastisch und verschafft euch ein gutes Gefühl dafür, echte Rennwagen zu steuern. Gleichzeitig gibt es in mehreren Bereichen noch Verbesserungsbedarf, damit das Spiel auf Xbox One und PS4 ebenso glänzt, wie es das mittlerweile auf dem PC tut. Da haben die Entwickler noch Arbeit vor sich.

Nach Angaben der Entwickler sollte das Spiel alle der folgenden Lenkräder unterstützen, die fett markierten haben sie getestet und sie gelten als funktionsfähig.

  • Fanatec: Podium Wheel Base DD1, DD2; Podium Racing Wheel F1; ClubSport Pedals V1, V2, V3; ClubSport Shifter (SQ) via Fanatec ClubSport USB Adapter (AO); ClubSport Steering Wheel BMW GT2, Formula, Porsche 918 RSR, Universal Hub for Xbox One ClubSport Wheel Base v1, v2, v2.5; CSL Elite Pedals; CSL Elite Racing Wheel; CSL Elite Wheel Base; CSL Steering Wheel McLaren GT3; CSL Steering Wheel P1; CSL Steering Wheel
  • Logitech: G25 Racing Wheel; G27 Racing Wheel; G29 Racing Wheel; G920 Racing Wheel
  • Thrustmaster: 599XX EVO 30; Sparco P310; F1; Ferrari 458 Italia Edition; Ferrari 488 Challenge Edition; Ferrari GTE; Leather 28 GT; T300 RS GT Edition; Sparco R383; T3PA Pro pedals; T80; T150; T300 RS; T500 RS; T500 RS F1 Advanced mode; T-GT; TH8 RS Shifter; TMX Force Feedback; TS-PC Racer; TS-XW Racer; TX

Schaut auch hier rein, was zu euch passen könnte: Die besten Lenkräder für PS4 und PC - So bleibt ihr in der Spur!

Entwickler/Publisher: Kunos Simulazioni/505 Games - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: zirka 40 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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