Apple Arcade: Der Geheimtipp im Corona-Lockdown

Spiele werden uns nicht retten. Diese hier versuchen es trotzdem.

Da sind wir also wieder. Lockdown. Nochmal einen Monat sich des Ausnahmezustands bewusst werden und kollektiv sozial die Luft anhalten. Drückt aufs Gemüt, die Nerven und bei nicht wenigen auch auf die Brieftasche. Wie schön es wäre, wenn man ernsthaft behaupten könnte, Spiele würden dieses Problem lösen. Keine Sorge, das habe ich im Rahmen dieses Artikels nicht vor. Aber ich muss sagen, dass Apple Arcade in dieser Zeit eine kleine, aber nicht unwichtige Rolle spielen kann, um die Zeit für wenig Geld ein wenig schneller über die Runden zu bringen.

Tatsächlich würde ich sagen, dass es nie einen besseren Zeitpunkt gab, den kostenlosen Gratismonat für Apple Arcade in Anspruch zu nehmen: Mehrere Hundert durchdacht kuratierter Spiele in guter Qualität für alle Altersstufen und Skill-Level halten die ganze Familie gut unterhalten davon ab, die Wände hochzugehen. Hier bespaßt man den viereinhalbjährigen Nachwuchs in Sneaky Sasquatch genauso gut, wie einen halbwüchsigen Survival-Fan und Nachwuchs-Affentrainer in The Survivalists, bevor man Abends in einer Multiplayer-Partie Crossy Road Castle den Kindern zeigt, dass Jugend nicht alles ist.

Crossy Road Castle
Hat man mehr als einen Bluetooth-Controller, ist Crossy Road Castle einfach nur fantastisch.

Weniger den Videospielen Zugewandte zocken einen durchaus poetischen Walking-Simulator wie The Collage Atlas ohne größere Probleme und sind danach vielleicht auch anderem Interaktiven, dem kunstvollen Manifold Garden zum Beispiel, ein wenig aufgeschlossener. Mal-basierte Rätsel für ein Eltern-Kind-Gespann gibt es in "tint.", über das ich außer dem sinnlosen Punkt im Namen nichts Schlechtes sagen kann und sind sie damit durch, warten diverse Lego- und ein Spongebob-lizenzierte Games ebenfalls auf Publikum.

Wer dann doch nicht im Home Office bleiben darf und vielleicht immer noch pendelt, verkürzt die Langeweile in der gespenstisch viertelvollen Bahn mit einem der besten Match-Three-Spiele, die ich je erlebt habe - Grindstone - oder puzzelt sich durch ChuChu Rockets Rückkehr, während Kartenspiel-Fans mit Card of Darkness mit Grafik von Adventure Time-Schöpfer Pendleton Ward unermesslich viel Spaß haben. Mini Motorways ist eines der hübschesten Spiele für Touch-Geräte, die ich je gesehen habe, während Creaks und Pilgrims Adventure-Fans auf eine Art bedienen, wie es nur Amanita Design (Machinarium, Samorost) kann. Klassischer geht es in Beyond A Steel Sky zu, während Inmost sich - spielerisch verwandt - an erzählerisch sehr erwachsene Themen heranwagt und bei einem Glas Wein und spätherbstlichem Kerzenlicht bestens funktioniert.

Sowohl Casuals als auch Hardcore-Spielern gefallen clevere Puzzle-Spiele wie A Monster's Expedition, und von Slash Quest - Schwertchens Abenteuer, The Last Campfire und What the Golf? habe ich ja an anderer Stelle schon zur Genüge geschwärmt. Tetris, Shantae and the Seven Sirens, Exit the Gungeon, Oceanhorn 2 und ein spektakelgetriebenes Actionspiel wie EarthNight - wie viele andere Spiele auf Apple Arcade auch mit Controller steuerbar - bringen unterdessen reichlich Konsolen-Appeal aufs Tablet. Und Spaceland ist ein richtig ordentliches Rundentaktik-Spiel geworden.

Apple Arcade überrascht mich im Grunde schon, seit es im letzten Jahr gestartet ist, mit einer Regelmäßigkeit, die ich von einer Hardware-Firma wie dieser nicht erwartet hätte, was vermutlich auch der Grund ist, dass sich das hier ein bisschen wie ein Werbetext liest. Irgendwann musste die wachsende Bewunderung für diesen Dienst halt mal raus. Aber auch abseits davon scheint jetzt, im zweiten Lockdown dieses Jahres, der Zeitpunkt für diesen Alleinunterhalter von einem Videospiele-Vollprogramm endlich gekommen. Nicht, weil es überfällig ist, dass die Welt bemerkt, was für ein gutes Angebot dieses mit 4,99 Euro geradezu spottbillige Abo ist. Sondern weil wir alle kollektiv jedes Bisschen Zerstreuung und jedes Mü Endorphine bitter nötig haben und nicht jeder gerade eine neue Konsole kaufen kann oder will.

Insofern: Haltet zusammen - geht auch über Skype/Facetime/Discord/Telefon - bleibt gesund und begebt euch, wann immer ihr angesichts der Lage rot zu sehen droht, vielleicht ein wenig auf Spiele-Safari durch ein Ökosystem, das ihr nicht schon in und auswendig kennt. Ein kleiner Trost für schwierige Zeiten - manchmal ist das alles, was man braucht.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel. test

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