Alt+F40: Aliens Fireteam Elite, Creed Champions und warum Fan-Service manchmal ein Problem ist

KW 35/2021: Alex hat mit zwei Lizenzspielen zu kämpfen und fragt sich, ob es okay ist, seine Nostalgie so in Geiselhaft zu nehmen.

Ein schönes Wochenende im Voraus, liebe Leute! Ich entschuldige mich jetzt schon mal, falls mir heute die Spritzigkeit fehlt, aber mir macht eine Erkältung ein wenig zu schaffen. Permanent die Nase zu, Kopfschmerzen hinter den Augen und nervender, unproduktiver Husten. Keine Sorge, hatte drei negative C19-Tests in den letzten drei Tagen, aber Erkältungen sterben nun mal nicht aus. Vor allem, wenn man kleine Kita-Kinder im Haus hat, die man so manches Mal gerne nach dem Nachhausekommen kopfüber in einen Eimer Desinfektionsmittel tauchen würde. Was will man machen?

Trotzdem hat es energiemäßig gestern noch dafür gereicht, den Wahl-O-Maten durchzuexerzieren und ich kann das jedem nur empfehlen. Im Großen und Ganzen war das Ergebnis erwartbar - auch wenn zwei Parteien bei mir im Ergebnis nur vier Prozent auseinanderliegen und da noch weitere Analyse der Programme erforderlich ist. In der Tendenz hat sich mein Bauchgefühl jedoch bestätigt. Das muss natürlich nicht immer so sein und auch deshalb finde die Art und Weise sehr hilfreich, wie der Wahl-O-Mat die Parteien auf ihr Programm und ihre Positionen reduziert und damit von Gesichtern und Personalien entkoppelt. Denn die sollten eigentlich zweitrangig sein, immerhin hat politischer Personenkult in der Vergangenheit regelmäßig Despoten an die Spitze gebracht.

Also: Macht den Wahl-O-Mat, aber nehmt euch Zeit, einige der Fragen eingehender zu verstehen (auch ich war überrascht und erschrocken über wie viele aktuelle Vorgänge ich nicht im Bilde war), schlagt mal was nach und traut euch auch mal, in einer Frage neutral zu sein, wenn ihr nicht sicher seid, wo ihr in der Sache steht. Vielleicht überrascht euch das Ergebnis. Und natürlich: Geht am Ende auch wählen!

Inhalt

Hey Rocky, ich erkenne dich, aber bist du es noch?

Diese Woche hatte ich gleich zwei Lizenzspiele vor der Brust: Aliens: Fireteam Elite und Big Rumble Boxing: Creed Champions. Und wo vor zehn bis 15 Jahren der eine oder andere Spieletester mit dieser Prognose für seine Arbeitswoche lieber ins Wasser gegangen wäre, als seinen Job zu machen, sind die Probleme mit solchen Spielen heutzutage deutlich milder. Wie ich an mir selbst herausfand, sind sie tatsächlich sogar eher philosophischer Natur. Denn nichts demonstriert mir mehr, wie schädlich der Gedanke des Fan-Service für dieses Medium sein kann, als diese beiden eigentlich nicht weiter verwerflichen Titel.

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Vor ein paar Jahren hätte dieses Bild noch gereicht. Tut es fast immer noch.

Beide Games sind komplett funktional, für jedes davon kann man einen Moment finden, in dem es seine Existenz beinahe vollauf rechtfertigt. Auszugsweise macht das sogar Spaß. Gerade Aliens - eine Art Dreier-Left-4-Dead gegen Xenomorph-Horden - ist nicht wahnsinnig weit entfernt von einem guten Spiel, weil die Handhabung passt und die Systeme an sich einen beinahe soliden Shooter ergeben - der eigentlich nur dadurch irgendwann nervt, wie deprimierend gleichförmig sich das alles spielt und aussieht. Und Creed Champions ist nun mal ein schnelles, buntes Beat-em-up, das vielleicht mit Boxen wenig zu tun hat und dem schneller die Luft (und das Licht) ausgeht als mir nach einer Runde im selben Ring wie Clubber Lang. Aber als primitiver Dampfablasser zu zweit vor der Glotze funktioniert es für einen oder zwei Abende, sofern gerade nichts Besseres zur Hand ist.

Das Problem ist, dass diese Bewertung im Vakuum ein schmeichelhafteres Bild von ihnen zeichnet, als sie unter Echtweltbedingungen eigentlich abgeben. Vor besagten zehn oder 15 Jahren hätte es hierfür Anerkennung gesetzt (wobei es im Fall von Creed schon damals deutlich bessere Boxspiele gab), aber Videospiele selbst von kleinen Teams sind mittlerweile so gut, dass es längst nicht mehr reicht, solide Basics zu liefern und sich ansonsten allein auf die Zugkraft eines alten Film-Franchises zu verlassen. Denn sind wir mal ehrlich, ist das Verhältnis dieser Games zum ursprünglichen Werk ein parasitäres. Ob sie nun wollen oder nicht, diese Spiele zehren von der Liebe, die ihr für etwas anderes empfindet, vereinnahmen sie für sich und tun selbst nur das nötigste, um euch nicht von sich wegzustoßen.

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Ist ok, sieht aber nach entschieden mehr Spaß aus als es macht.

Auch wenn man es landläufig "Fan-Service" nennt, erweisen sie sich also in erster Linie selbst einen Dienst. Keines dieser Spiele bringt euch eurer Liebe zu diesen Kino-Erlebnissen näher, erweitert sie in irgendeiner Weise oder lässt sie euch aus einer nennenswerten, neuen Perspektive erleben. Man kann das richtig machen, das parasitäre Lizenzverhältnis in eine Symbiose verwandeln. Spiele wie Alien: Isolation zum Beispiel, die Arkham- oder Riddick-Reihe, das alte The-Thing-Spiel sogar Sachen wie Jurassic World Evolution, das zwar kein guter Park-Builder war, aber den Reiz des Films gut verstand. All sie sind Fan-Streicheleinheiten von der guten Sorte, geben der Marke und der Community drumherum auch etwas zurück. Aber wenn die Lizenz und der Willen, Fan-Service zu fabrizieren, die primäre Initialzündung für die Entwicklung waren, anstatt einer guten Idee, was mit dem jeweiligen Szenario anzufangen ist, wird es im schlimmsten Fall zynisch.

Und dann sollte man es natürlich auch noch richtig machen, wenn man sich schon daran versucht. Mir mag nicht jeder darin zustimmen, aber bei Aliens: Fireteam Elite deprimiert mich ein bisschen, wie das furchteinflößendste aller Kinomonster zum Kanonenfutter degradiert wird - ein ambitionierteres Spieldesign hätte euch gnadenlosere Xenomorphe vorgesetzt und vielleicht das Überleben eines ganzen Trupps an Marines (vielleicht als Extraleben) als Gradmesser eures Erfolgs herangezogen. Und Creed Champions bekommt es doch glatt hin, die Geschichte von Rocky 3 fälschlicherweise auf 1979 zu datieren und den Italian Stallion in einer Rückblende in komplettem Boxer-Dress - oberkörperfrei und mit Handschuhen - Geld für Gazzo eintreiben zu lassen. Das ist hart.

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Gerade noch da, gleich schon weg. Xenomorphe sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Aber hey, zum Glück sind die Unterschiede zwischen der guten und der schlechten Art von Fan-Service auch abseits solcher einzelner Verfehlungen in der Regel leicht festzustellen ("Spieleentwickler hassen diesen TRICK!"): Man fragt sich einfach, wie viel von der Spaß-Arbeit hat allein die Lizenz und die Art ihrer Implementierung zu schleppen? Je wichtiger der Filmklassiker-Anstrich dafür, dass das Spiel nicht komplett in der Masse untergeht, desto klarer und entschiedener sollten gerade wir Fans dieser Kinolegenden demonstrieren, dass so etwas mit uns nicht mehr zu machen ist. Wenn wir diese Streifen wirklich lieben, sollten wir bessere Spiele verlangen - oder eben die Filme Filme sein lassen.

Weitere Notizen - KW 35/21

Text(e) in Arbeit: Dieser Tage ist das PS5-Metroidvania F.I.S.T: Forged in Shadow Torch bei mir eingetrudelt und auch das Comanche-Reboot ist endlich fertig und wird die Tage angeschaut. Über zwei, drei weitere Sachen darf ich noch nicht sprechen.

Musiktipp der Woche: Beach House - Myth Nicht mehr besonders aktuell - nicht, dass es hier darum ginge - aber einer meiner liebsten Tracks von ihnen. "Schöner" und verträumter geht's fast nicht mehr. Weshalb es umso besser ist, dass Victoria Legrands schwer verortbare Stimme vorsichtshalber immer auch ein bisschen Reibeisen dabei hat. Große Gesten, viel Wärme, ein Song wie wenn man Zuhause Heimweh hat.

Höhepunkt der Woche: Ich weiß, ich bin unter den ansässigen Kojima-Fans nicht gern gesehen - ich mochte MGS4 nicht genug, liebte MGS5 zu sehr und hatte mit Death Stranding wieder Probleme. Und ich glaube, das ist in der Fan-Blase so, als würde man die ungeraden Star-Trek-Filme den geraden vorziehen. Damit müsst ihr leben, es sei denn, ihr wollt, dass ab demnächst Martin die Artikel dazu schreibt - und glaubt mir, DAS wollt ihr noch weniger. Vor allem, weil Kojima trotz meines komplizierten Verhältnisses zu seiner Art, immer zu viel zu den falschen Dingen zu erzählen und andere, anscheinend wichtigere einfach ohne Worte in den Raum zu stellen, immer noch etwas Besonders bei mir auslöst. Bei keinem anderen Entwickler reicht schon der Hauch einer Ankündigung, um meine Fantasie ins Galoppieren zu bringen. So wie jetzt mit ersten Spekulationen über ein zweites Death Stranding.

Ich muss sagen, ich konnte in dieser Spielewoche an wenig anderes denken als daran, wie wohl ein zweiter Teil hierzu aussähe, denn man kann Kojima vieles vorwerfen, nicht aber, dass er sich gerne wiederholen würde. Kurzum: Ich bin wahnsinnig gespannt, und trotz der Antipathie, in der Death Stranding und ich letzten Endes auseinandergingen, sogar ein bisschen kribblig beim Gedanken daran, was als Nächstes kommt.

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Wir verstehen uns. Peace out!

Mittelpunkt (?!) der Woche: Da sind wir also und warten vermutlich noch bis ins nächste Jahr auf die Next-Gen-Versionen von Cyberpunk 2077. Einerseits unterstütze ich jeden Entwickler, sich für seine Arbeit so viel Zeit zu nehmen wie nur irgend möglich. Gleichzeitig deprimiert es mich aber auch, dass ein einst derart geliebtes und immer noch zweifelsfrei unfassbar talentiertes Studio wie dieses so lange mit der Aufarbeitung der Versäumnisse seines letzten Spiels gewissermaßen geknebelt ist. Nicht falsch verstehen: Jede Extra-Runde Politur, die die Entwickler dem Spiel angedeihen lassen, ist gerechtfertigt - und die Tatsache, dass man sich nun Hilfe aus der Modder-Szene holte, stimmt positiv. Aber ich sehne mich nach dem CD Projekt Red zurück, das mit nur einem Trailer die Spielewelt in helle Aufregung versetzte. Keine Ahnung, wie es euch da geht.

Tiefpunkt der Woche: Weite Teile von New York City standen diese Woche zeitweise unter Wasser. Vor allem aus der U-Bahn gab es Bilder, die eher an Katastrophenfilme als den Wetterbericht erinnerten. Ist sicher auch nur ein singuläres Wetterphänomen, wie sie vereinzelt immer schon auftraten und sich keinesfalls und absolut nicht mehren in den letzten Jahren. Oder?

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Die Reste von einem der weggeschnittenen unteren Blätter gefallen mir gerade gar nicht. Ich hoffe, sie wird nicht krank...

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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