Apples zweite Spielkonsole - Apple TV 4K mit Apple Arcade

Pippin 2.0 ist das zum Glück nicht.

Apples Pippin ist eine dieser Legenden der Konsolenhistorie. Damals nicht gehyped, ignoriert, heute unbekannt und wer eine vor ein paar Jahren noch für 30 Euro auf eBay kaufte, hat eine Wertsteigerung, die man sonst bei Tesla und Bitcoin bekommt. Aber Haken dahinter, der Schrott aus den 90ern, der schon in den 90ern Schrott war, muss keinen mehr jucken. Apple hat eine neue Spielkonsole, nur verraten sie es keinem so direkt. Vielleicht sitzt die Pippin-Scham noch zu tief.

Dabei gibt es beim Neuzugang keinen Grund, sich zu verstecken oder ihn ausschließlich unter dem anderen Label einer Streaming-Box zu bewerben. Okay, Apple TV ist mittlerweile wohl etabliert. Lange vor Amazon und Google band die kleine schwarze Kiste den heimischen TV in das Appleverse mit ein - Word markiert "Appleverse" nicht als Schreibfehler, das scheint also ein echtes Wort zu sein. Natürlich nicht für Games, sondern für alle möglichen Streaming-Channels, iTunes und Airplay. Das blieb auch für eine ganze Weile so, ein wenig Casual-Gaming am Rande mal ausgenommen. Mittlerweile aber hat Apple der kleinen Kiste ein ordentliches Upgrade verpasst, steckte zumindest 64GB Speicher rein und vor allem ihren neuen Rundum-glücklich-Prozessor, den A12 Bionic. Der ist zwar die vorvorletzte Gen der Bionics von Ende 2018, aber trotzdem kräftig genug für alles, was Apple TV bisher tat - und das nun in 4K.

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Apples Multimedia-Konsolen-Ambitionen früher... (damals in Zusammenarbeit mit Bandai)

Nach dem ersten Start fällt einem Besitzer der ersten Modelle vor allem auf, dass die Oberfläche weit aufgeräumter ist. Die ganzen nicht lokalisierten Streaming-Apps - Baseball ist hierzulande doch eher eine Nische - sind verschwunden und man reduziert sich auf das Wesentliche. Das wären natürlich Apples eigene Video- und Musik-Apps und aus Gründen, die normale Menschen nicht verstehen müssen, Joyn. Über den App-Store holt man sich dann, was man noch so braucht. Von Netflix bis Spotify ist ja alles da.

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...und heute. Apple TV ist mittlerweile in der vierten Generation angekommen.

Aber wie gesagt, Streaming-Box ist eine Sache, dank des immer noch etwas kleinen - ist halt Apple - verbauten Speichers macht der Apple-Arcade-Button plötzlich sehr viel mehr Sinn. Gleich mal Fantasian ziehen. Starten. Controller benötigt, also zurück ins Hauptmenü. An diesem Punkt bin ich wirklich erstaunt, dass Apple sich nicht auf eigene Hardware verlässt. Statt einen proprietären Apple-Controller in den Mix zu werfen, kann Apple TV Bluetooth und sowohl Xbox- wie auch PS4-Controller lassen sich problemlos verbinden. Kurz ins Bluetooth-Menü, Gerät verbinden, Controller koppeln, fertig. Das aktuell einzige Problem - und es ist kein kleines - ist, dass die Controller sich die Box nicht merken und das automatische Pairing nicht so richtig will. Mit dem PS4-Controller läuft es etwas besser, beim Xbox-Controller musste ich häufiger sogar noch mal un-pairen, bevor er wieder mitspielen wollte. Das ist keine Kleinigkeit und nervt mich schon. Früher war ich bei solchen Geschichten sehr viel toleranter, aber wenn ich mich heute nicht auf die Couch werfen kann und der Controller läuft direkt, dann ist das ein Problem. Ein ultimatives Erste-Welt-Problem, aber dafür sind wir ja hier. Außerdem: Bei Apple ist man sich dessen bewusst und die neueste Version von Apple TV soll da ein wenig stabiler sein. Ich werde es wohl rausfinden.

Die neue Version der Fernbedienung tröstet mit ihrem ausgezeichneten Mini-Touch-Feld ein wenig darüber hinweg und überhaupt war die Installation generell ein Traum, solange man im Appleverse unterwegs ist. Die Einrichtung mit einem iPhone dauerte ungefähr sieben Sekunden, was nach traumatischen Erlebnissen mit den alten Apple TVs und keinen weiteren A-Geräten ein Quantensprung in Sachen Nutzerkomfort war. Aber selbst dann, wenn ich das 20-Zeichen-WLAN-Passwort eingeben müsste, mit dem Touch-Feld geht das heute auch so recht zügig. Über die Box sonst muss man äußerlich nicht viele Worte verlieren. Der optische Ausgang wurde leider irgendwann wegrationalisiert, es blieb ein HDMI-2.1-Anschluss, ein Netzwerk-Eingang und Strom, das war es. Vorne gibt es eine kleine Lampe. Für... Nun, ich hoffe ich muss nicht irgendwann Fehlercode-Blinksignale interpretieren, aber dank eines funktionierenden automatischen Standbys interessierte mich die Lampe bisher vergleichsweise wenig.

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Übersichtliche Anschlussoptionen. Ein USB-Anschluss, und sei es nur, um den Controller aufzuladen, wäre nett gewesen.

Was jetzt den Spielkonsolen-Anteil angeht: Apple Arcade ist eine Menge. Ich scrolle mal locker durch: Fantasian, Wonderbox, Badland+, World of Demons - das neue Platinum Game -, Sonic Racing, Dread Nautical, Oceanhorn 2, Sayonara Wild Hearts, Atone, Little Orpheus, Shantae, Last Campfire und viele, viele mehr. 180 Games sind mittlerweile im 5-Euro-pro-Monat-Abo drin und darunter genug Highlights, um diesen Preis zu rechtfertigen. Wäre das aber alles, dann wäre es noch nicht genug, als dass ich zufrieden mit meinen Gaming-Optionen wäre. Aber hier hilft der App-Store aus.

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Fantasian, einer der exklusiven Apple Arcade Titel.

Im Store finden sich mittlerweile zig Games, die klar darauf ausgelegt sind, dass man einen Controller mit praktisch allen Apple-Geräten verbinden kann und am Apple TV kommt es der Idee einer Spielkonsole natürlich am nächsten. Dead Cells, Wonder Boy, Evoland, Inside, Horizon Chase, Trials und vieles mehr aus der Indie-Ecke gehen deutlich über jedes Mobile-Casual hinaus. Das größte Problem hier? Irgendwas zu finden. Sicher, dieses Problem haben alle Stores in der einen oder anderen Form, aber selbst eine lose Genre-Einteilung fehlt hier - im Arcade-Reiter ist sie vorhanden, warum also nicht im regulären Shop? Rätsel über Rätsel und in die Untiefen des Games-App-Shops einzutauchen, macht aktuell wenig Spaß. Ich habe nie den Eindruck, dass ich das sehe, was möglich wäre, sondern dass hinter irgendeinem Klick vielleicht genau das wartet, was ich möchte. Nur verrät mir der Store nie, was dieser Klick sein könnte...

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Chaos. Im bunten Store kann man sich treiben lassen, aber Struktur wurde hier als optional betrachtet.

Davon abgesehen spielte ich glücklich mit dem Pad Fantasian und zwar im direkten Wechsel mit dem Spiel auf dem iPhone. Das Feature der nahtlosen Mitnahme, das die Switch natürlich noch weiter auf die Spitze trieb, funktioniert hier ausgezeichnet. Apple Arcade synchronisiert sich tadellos und so kann ich schnell mal nebenbei auf dem Phone ein wenig grinden und später wieder auf dem TV die Story genießen. Das ist natürlich gelogen, die Story ist so generisch, dass ich aktuell meist nur das Wegdrücken genieße, aber das Spiel dahinter schätze ich doch sehr, so wie seine Synchronisationsfreudigkeit. Spannend übrigens für die PC-Gamer: Es gibt die Steam-Link-App und bei einem kurzen Test funktionierte sie tadellos. Mit dieser lassen sich Games, die ihr habt, auf den TV bringen, ohne, dass man groß Kabel vom Computer zum TV ziehen müsste. Ein nettes Extra-Feature hier.

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Zumindest bis der Apple Controller kommt funktionieren sie tadellos per Bluetooth. Zumindest wenn sie erst mal Verbindung aufgenommen haben.

Zurück zum Apple TV. Ist es jetzt eine Spielkonsole? Nun, es gibt nicht viele Gründe, es nicht so zu nennen. Es ist eine Box, die man an einen TV anschließt, mit einem Controller verbindet und einer Auswahl an Spielen, die jetzt schon weit größer ist, als im Falle einiger historischer Geräte, die jeder, ohne zu zögern, so nennen würde. Für den Apple Pippin waren es vielleicht 30. Großzügig gerechnet. Und das Ding nennt jeder eine Spielkonsole. Dazu kommt, dass der Anbieter sich sogar anschickt, ein paar First-Party-Games ins Rennen zu schicken, siehe Fantasian oder Wonderbox. Also ja, auch wenn es ein Gerät ohne jegliches optionales, physisches Medium ist - was anderes sind die laufwerkslosen Varianten von Xbox und PlayStation ja auch nicht -, dann ist das neue Apple 4K TV meiner Ansicht nach Apples nun zweite Spielkonsole.

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Übergreifend. Apple TV kann man als Spielkonsole rein für sich nehmen. Oder man ergänzt damit das restliche Appleverse.

Wohin die Reise damit nun geht, das wird sich zeigen. Die Hardware hat auf dem Papier schon mal deutlich mehr Leistung als eine Switch - nicht, dass das heutzutage so schwierig wäre - und auf der gibt es jede Menge hervorragende Spiele. Das größte Problem dürfte bei Core-Ambitionen der minimale und nicht erweiterbare Speicher sein. Selbst wenn ein Witcher 3 gerade so auf diese 64GB passen könnte, ein zweites Spiel hätte da keinen Platz mehr. Insoweit dürfte es für den Moment bei der Art von Spielen bleiben, die sich dort so tummeln: Ein paar kinderfreundliche Casual-Familien-Dinge, eine gar nicht so kleine, aber feine Auswahl an Indies und der eine oder andere Exklusive, den sich man sich als eine der finanzstärksten Firmen der Welt hier und da gönnt. Damit wäre für mich das Apple TV ein ideales Wohnzimmer-Zweitgerät, das neben der all seinen Streaming-Optionen auch noch ein durchaus valides Gaming-Angebot bietet. Gut so, denn mit 160 Euro für 32GB Speicher und 220 für 64GB ist es preislich immer noch ein Apple-Gerät. Andererseits, eine Pippin kostete inflationsbereinigt 1996 fast 900 Euro...

Apple TV 4K gibt es bei Apple zu kaufen, aber auch bei Amazon, Cyberport, Media Markt und wo immer es noch Apple-Dinge zu kaufen gibt.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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