Es gibt eindeutig zu wenig durchgeknallte Arschlöcher in Videospielen. Die meisten Hauptfiguren, aber auch ihre Gegenspieler sind einfach strukturiert und berechenbar. Ihre Motive stammen meist aus dem Baukasten für Konfliktbewältigung, ihre recht vorhersehbaren Reaktionen sorgen mal mehr, mal weniger für Langeweile und selbst ihre Wutausbrüche erinnern an einen entspannten Nachmittag im Altersheim.

Dabei liefert gerade die Filmindustrie einige charismatische Beispiele für echte Schweinepriester. Ob bei "Trainspotting", "Natural Born Killers" oder "From Dusk Till Dawn", ein wenig Wahnsinn hilft so ziemlich jedem Plot auf die Sprünge, mag er auch noch so abgefahren sein.

Crytek hat sich für ihren nächsten Titel diesen Umstand zu Herzen genommen und alle Figuren noch einmal auf die Besetzungscouch geschickt, schließlich war ein Kritikpunkt ihres Action-Blockbusters Crysis die Profillosigkeit des Hauptdarstellers Nomad, der außer der Heldenrolle wenig zu sagen hatte. Für den Ableger Crysis: Warhead wurde deswegen sein Kollege Psycho verpflichtet, der nicht gerade für seine geistige Stabilität bekannt ist, aber mit seinen wahnsinnigen Augen und lebensmüden Angriffen für gepflegte Irrenhaus-Atmosphäre sorgt. Vielleicht nicht der nette Weltenretter von Nebenan, dafür aber deutlich unterhaltsamer als die üblichen Flachpfeifen.

Doch Crytek beweist nicht nur hier, dass sie bereit sind, aus ihren Fehlern zu lernen. Auch andere Baustellen, wie die viel zu hohen Hardware-Herausforderungen, die fragwürdige Alien-KI und die schnarchnasigen, linear aufgebauten Level-Abschnitte zum Ende hin werden konsequent vom ungarischen Tochter-Studio Crytek Budapest in Angriff genommen. Nur den fiesen Cliffhanger aus dem ersten Teil werden sie wohl nicht auflösen. Crysis: Warhead spielt parallel zum ersten Teil, kurz nachdem Psycho von der Zentrale abkommandiert wurde und endet auf dem Flugzeugträger, auf dem sich Nomad dem Mutterschiff der Aliens stellt.

Neue Szenarien wird es also kaum geben, stattdessen liefert Warhead eine deutlich straffere und action-reichere Inszenierung. Eine weitere Lektion, die sie aus den mittelmäßigen Verkaufszahlen gezogen haben – das perfekt inszenierte Call of Duty 4 verkaufte selbst auf dem PC mehr Einheiten als Crysis. Und auch der Multiplayer wird einer Generalüberholung unterzogen.

Speziell der Power Struggle Modus war viel zu komplex und fehlerbehaftet, um die Online-Fangemeinde längerfristig in seinen Bann zu ziehen. Zusammen mit Warhead soll es ein Update geben, das ihm neues Leben einhaucht. Wieso dann aber gleich der komplette Multiplayer-Support von Crysis eingestellt wurde, konnte uns auch Produzent Bernd Diemer nicht vernünftig beantworten.

Einen ersten Eindruck von den neuen, angeblich schlankeren System-Anforderungen konnten wir uns bei der Präsentation machen. Die benutzte Hardware (Intel Core2Duo E6750, 4 Gig RAM, 9800 GX2) sprengte zwar noch die von Crytek aufgestellte 400 Euro-Grenze – ab der Crysis: Warhead mit allen Details angeblich flüssig laufen soll – doch angesichts der hohen Auflösung von 1680 x 1050 war das Ergebnis schon beeindruckend.

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Psycho mag Explosionen...

Der Crysis-Ableger begeisterte mit fast fotorealistischer Grafik, beeindruckend detaillierten Texturen und modernsten Effekten. Viele Verbesserungen gab es auf den ersten Blick nicht zu entdecken. Stattdessen hat Crytek Budapest die Anzahl der Objekte auf dem Bildschirm deutlich nach oben geschraubt, was die frische Gameplay-Demo bombastisch unter Beweis stellte.

Während Psycho mit dem neuen Truppentransporter samt Maschinenkanone – gibt aber auch mit Gatling-Gun – in Richtung karibischem Sonnenuntergang tuckert, jagen ständig Flugzeuge über seinen Kopf hinweg und werfen ihre tödliche Fracht ab. Zwischen den aufblitzenden Explosionen tauchen Dutzende Koreaner auf, die sich wie ein Rudel hungriger Wölfe auf unseren Super-Soldaten stürzen. Dank der mächtigen Bordwaffe fallen die trainierten Gegner wie die Fliegen und nach einem Angriff auf ein kleines Fischerdorf bleiben nur rauchende Ruinen zurück.

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