Skip to main content

Assassin's Creed Chronicles: India - Test

Auf dem Pfad der Belanglosigkeit.

Assassin's Creed Chronicles: India ist nicht schlecht, kann euch aber schnell zum Einschlafen bringen.

Als mich der Abspann nach ungefähr sechs Stunden von Assassin's Creed Chronicles: India erlöste, konnte ich noch immer nicht ganz fassen, wie langweilig dieses Spiel ist. Dabei ist es nicht einmal schlecht. Der Stil sieht ganz nett aus, es läuft ohne technische Probleme und alle Spielmechaniken funktionieren. Trotzdem bin ich während des Durchgangs einmal auf meiner Couch eingeschlafen. Um 16:00 Uhr. An einem Sonntag.

Ehrlich gesagt finde ich so etwas schon fast schlimmer als ein richtig grauenhaftes Spiel. Obwohl mich digitale Schandflecke wie Ride to Hell: Retribution mit ihrer Inkompetenz in den Wahnsinn treiben, kann ich aus den grotesken Fehlern zumindest eine gewisse Art von masochistischer Freude ziehen. Vor allem zusammen mit einem Kumpel und ein paar Flaschen Bier. Zudem macht es irgendwie Spaß, solche Machwerke zu zerreißen.

Aber bei einem Spiel wie Assassin's Creed Chronicles: India, das quasi Mittelmäßigkeit definiert, fallen mir die Worte wesentlich schwieriger.

Wachen hören und sehen bis auf spezielle Einheiten nur auf einer der drei Ebenen.

Theoretisch könnte ich euch auf Martins Test zur China-Episode vom letzten Jahr verweisen. Tauscht einfach alle kulturbezogenen Begriffe mit dem jeweiligen indischen Äquivalent. Fertig. Mehr scheinen die Entwickler auch nicht geändert zu haben. Das Gameplay ist bis auf das eine oder andere Gadget vollkommen unverändert. Noch immer geht es von links nach rechts, wobei ihr zwischen drei verschiedenen Ebenen wechseln könnt, um feindliche Wachen zu umgehen. Diese können euch nur wahrnehmen, wenn ihr auf ihrer Ebene agiert. Das gilt sowohl für eure Sicht- als auch Hörbarkeit und führt beim Spielen zu einer starken Dissonanz.

Ich kann ja noch akzeptieren, dass mich eine Wache nicht sieht, wenn ich im Hintergrund auf einem Dach herumlaufe. Aber wenn ich dort lautstark einen Kollegen töte oder einen Geräuschpfeil verwende, ergibt das selbst in dieser abstrahierten Videospielwelt keinen Sinn. Generell scheint der Titel äußerst selektiv mit Auswirkungen auffälligen Verhaltens umzugehen. In Außenarealen kann ich problemlos rennen, ohne dass mich jemand hört. Doch in Gängen zeigt das Spiel plötzlich ein von meinen Fußtritten erzeugtes Geräusch an? Hat hier ein Entwickler versucht, das visuelle Design aus Mark of the Ninja für Bewegungen zu übernehmen, aber dann vergessen, es dem restlichen Team mitzuteilen? Anders kann ich mir die inkonsequente Darstellung nicht erklären. Klettern erzeugt beispielsweise nie einen lauten Ton, selbst wenn ich in schnellen Zügen an einer Hauskante entlanghechte.

Ohne den Tuschefilter aus dem Vorgänger sieht die India-Episode sogar einen Tick schlechter aus.

Damit einher geht das kaum vorhandene Spielgefühl. Animationen gehen wenig fließend ineinander über und ganz besonders Sprünge vermitteln keinerlei Gewicht in der Bewegung. Zudem steht die außerordentliche Sprungweite in keinem Verhältnis zum lahmen Lauftempo. Ihr spaziert träge über ein Dach und auf einmal hechtet euer Charakter mit aktiviertem Mond-Cheat über zwei Drittel des Bildschirms. Ich würde übrigens gerne den echten Namen des Protagonisten nennen, allerdings sind sämtliche Figuren so vergessenswert, dass es den Aufwand nicht lohnt, irgendeinen davon zu behalten. Der Versuch erhöhter Diversität ist löblich, nur bringt es nichts, wenn die Charaktere so langweilig geschrieben sind und auch die restliche Kultur abseits von visuellen Einflüssen nicht näher behandelt wird. Und nein, optionale Texte in den Menüs, die nichts mit dem eigentlichen Spiel zu tun haben, zählen nicht. Da kann ich direkt Wikipedia lesen und wesentlich mehr erfahren.


Karneval: Tolle Assassin's Creed-Kostüme

Mit Assassin's Creed-Kostümen mächtig Eindruck schinden auf den kommenden Karneval-Partys. Für Kinder und Erwachsene. Assassin's Creed-Kostüme.


Ich weiß auch nicht, was ich zu Assassin's Creed Chronicles: India noch schreiben soll und Martin nicht schon in seinem Test zum Vorgänger erwähnte. Man kann es spielen. Es tut nicht weh und frustriert werdet ihr auch nie sein. Aber falls die nächste Episode keine gewaltigen Fortschritte macht, spiele ich lieber noch ein weiteres Mal Mark of the Ninja.

Schon gelesen?