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Avengers bekommt Jane Foster als Thor – aber zu Love and Thunder wird es damit noch lange nicht

Wenn aus Synergien Probleme werden.

In vielen Kreisen ist Marvel’s Avengers den spöttischen Beinamen "Avengers Porn-Parodie" nie ganz losgeworden. Und es ist auch kein Wunder: Während Crystal Dynamics und Square Enix immer betonten, ihre eigene Interpretation der Figuren und des Universums liefern zu wollen, war alles doch irgendwie zu nah dran am MCU, um so richtig sein eigenes Ding zu sein.

Während die Comics für mich problemlos genießbar sind, entstand in dem Spiel für mich eine Art Uncanny-Valley, aus dem Welt und Figuren nie so ganz rauskamen. Und das, obwohl sich der Titel abzüglich des Grind-Faktors eigentlich recht gefällig spielte und ich die Kampagne sogar als gut bezeichnen würde (vor allem machte sie Lust auf die Kamala Khan Live-Action-Serie). Unterm Strich ging das Irgendwie-aber-auch-nicht-so-richtig-flankieren des Marvel Cinematic Universe einfach nicht auf.

Dass Crystal Dynamics nun – im Schlepptau des genialen Teasers zu Taika Waititis Thor: Love and Thunder – natürlich seine eigene Jane Foster Thor-Version für das Avengers Update 2.5 im Sommer ankündigt, war zu erwarten. Und doch unterstreicht es nur erneut das Problem, das entsteht, wenn man eine Ich-auch-Kreation mit ähnlicher Lizenz zu nah neben eine deutlich beliebtere stellt: Statt einen cleveren Synergieeffekt zu nutzen, wirkt man daneben wie ein Bootleg. Ich meine, viel Erfolg, hiermit zu konkurrieren:

Zugegeben, wir haben Crystal Dynamics' "Female Thor" noch nicht gesehen. Aber mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit wird sich Natalie Portmans weiblicher Donnergott als erstes ins Bewusstsein der Zielgruppe brennen – und dort dann wieder als Vorlage stehen, neben der die Spiel-Foster wieder erst einmal wie eine Karikatur wirkt. Das ist nicht einmal als allzu harte Kritik an Square Enix gerichtet, denn ich bin selbst ratlos, was in diesem Fall die Lösung gewesen wäre.

Ich bin durchaus offen für die Möglichkeit, dass die natürliche Nähe beider Medien – von Film und Spiel – der Grund dafür ist, dass beides ein wenig miteinander clasht. Auch für mich war der Entwurf vorweg eigentlich ein naheliegender. Macht man ein Avengers-Spiel, sollten die Leute es auch im Koop das Superhelden-Team geben können. Der Gedanke, zusätzlich zu Story-Kampagnen auch wiederkehrende Action-Einsätze als Rächer-Tagwerk zu liefern und die Spieler mit Loot und Progression zu entlohnen, wirkte im Vorfeld ebenfalls nicht allzu verkehrt. Was also tun? Ich bin nicht sicher, ob wir es noch herausfinden und glaube nicht mehr daran, dass dieses Spiel die Plattform dafür sein kann.

Vorteil Crystal Dynamics: Diese Kamala ist so gut, dass sich Marvel zur Abwechslung mal am Spiel messen lassen muss.

Auf Steam mag das Spiel so gut wie tot sein – nicht ganz 400 Spieler schlagen sich durchschnittlich durch AIM-Horden, und doch werkelt Crystal Dynamics fleißig weiter am Spiel. Version 2.4 ebnet wohl im Mai den Weg für Jane Foster, indem es vornehmlich die Belohnungsanreize für die Events überarbeitet. Ob das die Wende bringt, während der Rest des Kernstudios sich in Richtung Tomb Raider aufmacht?

Meine Superhelden-Hoffnungen ruhen nun auf Firaxis' Midnight Suns, das sich optisch wie thematisch weit genug von den Filmen entfernt. Wie hätte "euer" Avengers-Spiel ausgesehen?

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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