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Das neue Tomb Raider muss unbedingt ein Reboot sein und dann zurück zu den Wurzeln bitte!

Selbe Lara, neues Spiel.

Hey, Crystal Dynamics! Schön, dass ihr ein neues Tomb Raider macht. Euer Remake des ersten Teils war - damals - genial und Underworld ein unterschätzter Serieneintrag. Euer Reboot… Ich würde es als lohnendes Experiment bezeichnen, das mir ein paar schöne Spielstunden bescherte, toll aussah und sich gut anfühlte - aber für mich hatte es nie besonders viel mit Tomb Raider zu tun. Lara kam einst als Trendsetterin in diese Welt. Eure letzten Grabräubereien liefen dagegen spielerischen Modeerscheinungen hinterher.

Mit dem Resultat, dass - laut VGsales - Rise schon nur noch 81 Prozent der Spieler haben wollten, die Tomb Raider 2013 kauften, und Shadow dann nur noch drei Viertel der Rise-Käufer anlockte. Viele Gründe haben eine Rolle gespielt (die Zeitexklusivität von Rise auf Xbox dürfte einigen Schwung rausgenommen haben), aber unterm Strich blieb doch der Eindruck zurück, dass die Community sich mit dieser Lara nie so ganz anfreunden konnte. Für mich ist klar, es muss ein Quasi-Reboot her, der komplett zu den Wurzeln der Reihe zurückkehrt.

Das Schwarz ist ein Stilmittel. Und nein, ich habe keine Ahnung, warum man in dieser Höhle überhaupt etwas sieht.

Es muss wieder knallharte Erkundung her, bei der man sich nie so wahnsinnig sicher ist, ob man auf dem richtigen Weg ist. Bei der man sich in der ohrenbetäubenden Stille eines gigantischen Höhlengewölbes regelmäßig den Hals bricht und vor Tauchgängen nicht weiß ist, ob man an der anderen Seite wieder den Kopf aus der Suppe stecken wird (nur, um es dann doch knapp zu schaffen). Kurz: Ich will die Blasen an den Fingern förmlich platzen fühlen können. Okay, in die Ära, in der man seine knappen Speicherpunkte selbst im Level platziert (Tomb Raider 3), müssen wir nicht wieder zurück. Aber wenn jemand von euch, die ihr das hier gerade lest, damals selbst das erste Tomb Raider am eigenen Leib erlebt habt, wisst ihr, was ich meine. Vielleicht habt ihr sogar gerade wieder eine ganz bestimmte Musik wieder im Ohr.

Zum Glück gibt es gleich drei Dinge, die mich für ein solches Tomb-Raider-Reboot positiv stimmen. Erstens weiß ich, dass Crystal Dynamics Tomb Raider “kann” und kennt. Sie haben es mehrfach bewiesen, was schon mit Legend losging. Zweitens war die Ausgangslage für ein knallhartes Erkundungsspiel niemals besser als heute, wo Elden Ring in weniger als einem Monat 12 Millionen Exemplare verkauft und schwere Spiele wieder mitten in den Mainstream hineinträgt. Und drittens müssten die Entwickler nicht einmal komplett bei null anfangen. Sie können – müssen aber nicht – gerne “ihre” Lara nehmen, vielleicht einfach die Zeit für sie um zehn Jahre vorspulen und einfach die spielerische Seite wieder in Richtung der alten Teile verschieben.

Auch diese Lara kann mit den Jahren zur einsamen Höhlenforscherin geworden sein, die sich mit Fledermäusen und ausgehungerten Wölfen in den Anden herumschlägt und dabei unterirdische Tempel entdeckt. Im Jahr fünf nach Breath of the Wild wäre sogar Gelegenheit für ein einnehmenderes Klettersystem da, das Laras Ausdauer berücksichtigt und somit das Kraxeln selbst zum spannungsfördernden Element macht. “Komme ich da hoch?”, “passe ich durch diesen Spalt da hinten?” und “Kann man da oben stehen?” – das sind die Fragen, die Tomb-Raider-Spieler und Spielerinnen Ende der Neunziger umtrieben. Dieses Gefühl, allein auf der Suche nach großen Geheimnissen, an Orten, die seit Tausenden von Jahren niemand mehr betreten hat, im Dunkeln zu stochern, vermissen Tomb Raider Fans seit Jahrzehnten.

#NotMyLara. Wer ist mit mir?

Insofern, Crystal Dynamics: Lasst nicht zu, dass wir uns dieses oder vergleichbare Gefühle weiter von anderen Spielen holen müssen. Lasst Lara wieder Lara sein. Nicht Drake, nicht Ezio, nicht Survival-Protagonist #1387. Nur sie und ihre aufgeschürften Knie auf der Suche nach einer Pyramide unter Tage. Hier und da meinetwegen eine Bande nicht zu Scherzen aufgelegter Paviane, damit wir die Berettas nicht nur zum cool-aussehen mitgebracht haben. Ich zähle die Tage, bis das Prüfen und Popeln nach dem richtigen Weg zu einem alten Sarkophag endlich wieder zentraler Spielgegenstand sein darf. Das ist es, wofür wir Tomb Raider liebten.

Die Zeit ist reif, die echte Lara zurückzubringen.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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