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Capcom Arcade 2nd Stadium – Test: Wenn ihr mal wieder stilvoll in die Vergangenheit reisen wollt

... und das nicht gerade auf dem Steam Deck tun wollt.
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Stilvoll aufbereitete Sammlung mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, die das Durchspielen erleichtern.

Es ist ja nichts Neues, dass sich mit Sammlungen beliebter Klassiker gutes Geld verdienen lässt. Die Vorarbeit haben zwar findige Programmierer mit ihren meist kostenlosen Emulatoren geleistet, doch inzwischen hat die Industrie längst aufgeschlossen und bietet ebenfalls einzelne Umsetzungen sowie allgemeine Plattformen an, auf denen gleich mehrere Spiele meist eines bestimmten Publishers laufen.

Capcom Arcade Stadium ist eine dieser Plattformen, wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht und beherbergt 31 Spiele, die man in Zehnerpacks, einzeln oder als Gesamtpaket dazukaufen muss, wenn man nicht nur die Plattform samt eines mitgelieferten Spiels nutzen will. Und genau dieses Konzept führt der Nachfolger jetzt mit Capcom Arcade 2nd Stadium fort.

Von frühen Ursprüngen wie dem ersten Street Fighter...

Denn erneut könnt ihr auch das zweite Stadion kostenlos herunterladen und erhaltet damit einen Oldie (diesmal den, sagen wir mal, unscheinbaren Plattformer SonSon) umsonst dazu – für alle weiteren 31 Spiele werden entweder knapp vier Euro pro Titel oder knapp 40 für das vollständige Paket fällig. „Zehnerkarten“ gibt es diesmal nicht. Logisch: Wer den Großteil der alten Schinken nicht kennt, ist mit der Komplettausgabe daher am besten beraten. Falls ihr mehrere davon schon als Teile anderer Neuauflagen euer Eigen nennt, müsst ihr allerdings rechnen, wie ihr am effektivsten Geld ausgebt.

So oder so enthält Teil zwei der Sammlung einige Spiele (hier geht’s zur offiziellen Übersicht), die nicht ins Standardrepertoire häufig zitierter oder gar frisch aufgelegter Klassiker gehören. Wobei ich ohnehin sagen muss, dass mir schon deshalb vieles neu ist, da ich erst im Osten und später hauptsächlich am PC aufgewachsen bin. Auf jeden Fall bin ich hier gleich an mehreren Sachen viel länger hängengeblieben als das meiner Zeitplanung lieb war.

... bis zu Ablegern dann schon bekannter Serien (hier: Puzzle Fighter 2 Turbo) enthält die Sammlung eine sehr abwechslungsreiche Mischung.

Unter anderem hat es mir Three Wonders angetan, das ein Shmup, einen Plattformer und ein Puzzler enthält und von denen zumindest die ersten beiden heute noch sehr schick aussehen. Ohnehin befinden sich ein paar interessante Konzepte in dem Mix, darunter die vertikale Western-Ballerei Gun Sumoku, in der man nicht nur stur geradeaus schießt, sondern je nach gedrückter Taste nach links oder rechts, nur halb in eine Richtung oder mit jeweils einem Revolver in eine der zwei Richtungen. Klasse finde ich außerdem den Materialschlacht-Racer Rally 2011 LED STORM (so hatte man sich bei Capcom also die damalige Zukunft vorgestellt) sowie Puzzle Fighter 2 Turbo, in dem diverse Street-Fighter-Figuren herabfallende Steine möglichst schnell zu möglichst großen Blöcken zusammenfügen.

Tatsächlich sind fast alle Titel mindestens interessante, meist sogar nach wie vor richtig gute Videospiele, mit denen man locker ein paar Nachmittage verbringen kann. Verschiedene Versionen der ersten zwei Street Fighter, von Darkstalkers 3 sowie 1943 und weitere vertraute Namen runden das hochwertige Angebot dabei auf gelungene Art ab.

Wobei es nicht nur die Klassiker selbst sind; auch deren Aufbereitung gelingt Capcom wie mit dem ersten Teil der Sammlung schon hervorragend. Man kann ja nicht nur jederzeit speichern, sondern auch den Schwierigkeitsgrad einstellen, die Anzahl der Leben aussuchen, eine allgemeine Unverwundbarkeit aktivieren und sogar die Geschwindigkeit regeln, mit der die Programme laufen. Am hilfreichsten ist aber erst das Zurückspulen, mit dem man jeden Bildschirmtod ungeschehen machen und selbst anspruchsvolle Bosskämpfe zum Walking Simulator umfunktionieren kann. Muss man natürlich nicht nutzen! Hilft aber enorm dabei, sich frustfrei in die historische Materie einzuarbeiten.

Gun Sumoku (kann man Englisch als Gun Smoke lesen, was nicht anderes als Pistolenrauch heißt) ist vor allem aufgrund seiner Steuerung interessant.

Weiterhin gibt es für jedes Spiel gleich drei Herausforderungen, bei denen man in weltweiten Ranglisten um Punkte oder die schnellste Zeit kämpft, sodass die normalerweise einsame Zeitreise zum modernen Wettstreit wird. Man schaltet außerdem Designs der Arcade-Maschinen frei, die in dem schön gemachten Hauptmenü als Hintergrund dienen, und zu jedem Spiel erklären kurze Handbücher alle wichtigen Inhalte. Selbstredend sorgen verschiedene Filter sowie ein um 90 Grad drehbares Bild schließlich dafür, dass man die Oldies auf jedem Monitor entweder so erlebt, wie man sie damals gespielt oder stattdessen in Erinnerung behalten hat.

Wie gesagt: Capcom bereitet sein ehemaliges Spielhallen-Programm sehr umfassend und liebevoll auf – ich wünschte nur, man würde den Oldies auch ein paar Sätze widmen, die vielleicht ein Wort zur Technik, ihrer Entstehung oder den spielerischen Besonderheiten verlieren. Eine zumindest rudimentäre historische Aufbereitung sollte der nächste Schritt sein, den Sammlungen wie diese gehen.

Three Wonders enthält selbst gleich drei Spiele: ein Shmup, einen Plattformer und einen Puzzler. Von manchen Spielen existieren übrigens sowohl englische als auch japanische Versionen, von anderen nur die japanischen. Schön, dass Letztere überhaupt hierzulande veröffentlicht werden!

Abgesehen davon würde ich die PC-Fassung gerne so einstellen, dass sie statt der Knöpfe eines Xbox-Gamepads die eines PlayStation-Controllers anzeigt. Und im Idealfall gäbe es nicht zuletzt eine Tastenbelegung, die besser zu einem Arcade Stick passt, damit ich den nicht erst bei jedem Spiel an das jeweilige Steuerungsschema anpassen muss. Beim Benutzen eines Gamepads würde ich hingegen gerne die acht Richtungen eines Analogsticks als Tasten verwenden, damit sich das richtungsabhängige Schießen in Gun Sumoku zum Beispiel noch viel besser anfühlen könnte.

Capcom Arcade 2nd Stadium – Test-Fazit

Abseits kleiner Versäumnisse ist Capcom Arcade 2nd Stadium aber eine sehr empfehlenswerte Sammlung heute noch verdammt guter Klassiker, die zum einen stilvoll präsentiert werden und bei denen eine Reihe hilfreicher Optionen zum anderen den Einstieg in das grundsätzlich etwas aus der Zeit gefallene Spieldesign erleichtern. Man findet eine recht vielseitige Auswahl verschiedener Genre-Vertreter, von denen ein Großteil zudem nicht schon zigfach neu aufgelegt wurde. Der einzig echte Haken ist leider, dass die PC-Version derzeit nicht auf dem Steam Deck läuft und dort schon beim Starten abstürzt. Abgesehen davon findet man aber kaum einen besseren legalen Zugang, um in guten alten Zeiten zu schwelgen.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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