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Download Round-Up: Iron Brigade, Corpse Party, Pullblox - Test

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Corpse Party

PlayStation Network (PSP) - 14,99 Euro

Der Grusologe von Welt weiß es längst: Echter Horror findet im Kopf statt. Was ihr euch da ausmalt, das ist um Welten schlimmer als jedes sabbernde HD-Monster und jede Kettensäge, die sich sauber animiert durch zuckende Polygon-Glieder frisst. Und genau das ist es, was Corpse Party so teuflisch macht: Durch die toll geschriebenen Texte wandert der Horror von der PSP direkt in euren Kopf. Dabei fängt alles so harmlos an, das Spiel lullt euch anfangs in ein absolut falsches Gefühl von Sicherheit. Die simple 16Bit-Grafik, die Figuren, die wie die ältesten Klischees aus der Anime-Klamottenkiste wirken... doch ehe ihr euch verseht, seid ihr in einer so gnadenlosen, so traurigen und so ausweglosen Horrorgeschichte, dass selbst Silent-Hill-gestählte Grusel-Kenner an ihre Grenzen kommen.

Die nur auf den ersten Blick so nett-harmlosen Protagonisten finden sich nach einer kleinen Nacht-Party in ihrer Schule plötzlich in den verfallenen Gängen und Klassenzimmern der Heavenly Host High School wieder. Die stand früher am Ort ihrer heutigen Schule, wurde aber nach grauenhaften Ereignissen, die sich erst im Verlauf des Spiels enthüllen, geschlossen und abgerissen. Ein Entkommen aus dem Schulgebäude scheint unmöglich, wie die unzähligen Leichen dort beweisen. Wer nicht von den bösen Geistern der Schule getötet oder tödlich verletzt wird, der begeht Selbstmord oder wird verhungern - Schicksale, die ihr durch die zahlreichen Notizen mit den früheren Opfern teilt.

Lasst euch nicht von der harmlosen Pixelgrafik täuschen. Corpse Party geht an die Substanz.

Auf Action und Kämpfe verzichtet Corpse Party praktisch komplett, und auch wenn es aussieht wie ein 16Bit-Rollenspiel, so ist Corpse Party doch am ehesten als Visual Novel zu bezeichnen. Ihr lauft zwar viel durch das Schulgebäude, folgt aber meist dann den Dialogen und Sequenzen. Dank des exzellenten Skripts und der sehr atmosphärischen (japanischen) Sprachausgabe werden diese niemals lästig. Tatsächlich vermitteln die Texte den Horror von Corpse Party weitaus besser als jede grafische Darstellung. Wenn die Figuren langsam zuerst die Hoffnung und dann den Verstand verlieren, wenn ihr einen Fehler macht und nur über die Gedanken des Protagonisten miterlebt, wie dieser gerade lebendig begraben wird... Trotz seines harmlosen Äußeren ist Corpse Party definitiv kein Spiel für schwache Nerven.

Und dann ist da noch der Soundtrack. Kurz gesagt: Wenn ihr Corpse Party nicht mit guten Kopfhörern spielt, dann entgeht euch ein großes Teil der Atmosphäre des Spiels. Die grandiosen Kompositionen schwanken zwischen optimistisch-hoffnungsvoll und absoluter Verzweiflung, die Soundeffekte und Sprachausgabe beeindrucken mit einem hervorragenden Raumklang-Effekt - immer wieder schaut ihr euch um, was da gerade hinter euch passiert.

Zugegeben, Corpse Party ist sicher nicht jedermanns Sache. Die Interaktivität hält sich genrebedingt in engen Grenzen und wer eisern auf explizite Grafik schwört, der wird mit dem 16Bit-Look von Corpse Party nicht warm werden. Dazu sollte man auch ordentliche Englischkenntnisse mitbringen - bei einem solchen Nischenspiel wäre eine deutsche Lokalisation schlichtweg nicht rentabel. Lasst ihr euch aber auf das eigenwillige Corpse Party ein, dann bekommt ihr hier japanischen Horror in seiner reinsten Form. Eine unheimliche, grausame, tragische Geistergeschichte für Genießer. Selten waren Pixelfiguren so verstörend wie hier.

Pullblox

3DS eShop - 5,99 Euro

Langsam kommt endlich Leben in den 3DSWare Service. Intelligent Systems, eines von Nintendos cleversten Studios überhaupt, bringt mit Pullblox ein enorm cleveres Knobelspiel, das nicht nur mit seinen tollen Puzzles überzeugt, sondern auch den 3D-Effekt des Handhelds ausgesprochen intelligent ins Spielprinzip integriert.

Das Ziel bei Pullblox: Durch intelligentes Ziehen und Schieben der einzelnen Bestandteile müsst ihr ein großes, dreidimensionales Puzzle erklimmen, um oben ein rundliches Kind einzusammeln. Jedes Puzzle ist in zahlreiche Elemente aufgeteilt, die ihr individuell verschiebt. Außerdem kann euer putziger Held springen wie in einem klassischen Jump'n'Run. Mit diesen Fähigkeiten nehmt ihr euch die immer kniffligeren Herausforderungen vor. Wo ihr anfangs die Rätsel noch im Sekundentakt löst, werdet ihr bald schon mit ziemlich knackigen Herausforderungen konfrontiert.

Dieses einfache Puzzle ist schnell gelöst und bereitet euch auf spätere Herausforderungen vor.

Ein wenig erinnert das Spielprinzip von Pullblox an Atlus' sexy Horror-Hit Catherine, auch da verschiebt ihr Steine, um vertrackte Strukturen zu erklimmen. Doch bei Pullblox fällt das gnadenlose Zeitlimit ebenso raus wie die unflexible Steuerung von Catherine: Wer das gespielt hat, dem kommt Pullblox zunächst etwas simpel und durch die griffige Steuerung etwas anspruchslos vor. Catherine-Veteranen, die ein komplexes Puzzle mit einem flotten Sprung um die Ecke lösen, der hat fast schon das Gefühl, irgendwie gemogelt zu haben. Fahren die späteren Pullblox-Rätsel aber erst einmal richtig die Klauen aus, dann werdet ihr für euer Hüpf-Talent mehr als dankbar sein.

Da ihr die Teile stets in den Vorder- und Hintergrund schiebt, kommt der 3D-Effekt hier sehr ansehnlich zur Geltung und hilft in späteren Levels kolossal bei der Orientierung auf den kniffligen Rätseln. Das ausgesprochen amüsante Paket wird durch einen einfachen, aber sehr effektiven Editor vervollständigt, mit dessen Hilfe ihr eigene Puzzles erschafft und per QR-Code mit anderen Spielern tauscht. Für nette sechs Euro bekommt ihr hier ein ebenso innovatives wie gelungenes Puzzle-Spiel geboten, für das man vor vielleicht zwei Jahren noch locker den Vollpreis gezahlt hätte. Unbedingt mal anschauen!

4 / 10

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