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LEGO Marvel Super Heroes 2 - Test

Bauklötze staunen!

Eurogamer.de - Empfehlenswert Badge
Überdrehtes Action-Spektakel nach vertrauter Formel, dafür mit vielen verschiedenen Figuren und Fähigkeiten. Eingängig, spannend und lustig.

Ich denke, ich kann mich mit Fug und Recht einen AFOL nennen. AFOL, das steht für Adult Fan of LEGO - ich bin einigermaßen erwachsen und spiele trotzdem noch gern mit Plastik-Bauklötzchen. Hauptsächlich zwar in Form von Star-Wars-Raumschiffen, hin und wieder aber auch mal mit anderen Modellen, beispielsweise jenen aus dem Marvel-Universum. Denn auch Marvel-Comics mag ich ganz gern, hier wiederum habe ich eine gewisse Nerd-Vorliebe für alles, was mit Iron Man oder Captain America zu tun hat. LEGO Marvel Super Heroes 2 ist deshalb ein Spiel, wie für mich gemacht. Erst recht, weil es neben den bekannten Avengers-Helden auch noch jede Menge andere unbekannte Figuren prominent ins Spiel integriert und so auf eine Bühne hebt, die sie sonst vermutlich nie bekommen hätten. She-Hulk taugt ja sonst nur als Witz in den Simpsons.

Gleich am Anfang müsst ihr gegen dieses riesige Ding kämpfen.

Die größte Änderung gegenüber dem schon sehr netten Vorgänger ist, dass ihr diesmal auch mit den Helden aus Guardians of the Galaxy spielen dürft, sprich mit Star-Lord, Drax, Rocket und natürlich dem allseits beliebten Groot, der auch in jeder Szene betont, dass er so heißt. Die Guardians-Geschichte haben die Entwickler ganz herrlich mit den Avengers vermischt und heraus kommt der gemeinsame Kampf gegen einen Super-Bösewicht namens Kang. Kannte ich zugegebenermaßen nicht, aber die Figur ist tatsächlich im Marvel-Universum als irrer Zeitreisender verwurzelt. Hier hat er Manhattan in Chronopolis verwandelt, eine Zeitreise-Hub-Welt, aus der heraus ihr als Spieler sowohl ins Mittelalter als auch in zukünftige Weltraum-Szenarien reisen dürft. Iron Man auf LEGO-Pferd? Kein Problem. Hulk im Weltraum? Natürlich. Groot im alten Ägypten? Klar. LEGO Marvel Super Heroes 2 spielt mit dutzenden Szenarien, wirft sie wild durcheinander und schafft damit im Spiel das, was LEGO sonst nur im Kinderzimmer schafft: Fantastische Welten, die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Und das ist auch die größte Stärke von LEGO Marvel Super Heroes 2, denn am grundlegenden Gameplay hat sich im Vergleich zu den unzähligen anderen LEGO-Spielen nicht besonders viel geändert. Ihr bringt eure Gegner um die Ecke, löst hier und da kleinere Rätsel, indem ihr auf Knopfdruck LEGO-Modelle zusammensteckt und besiegt Bosse. Schön, dass die Entwickler die zahlreichen verschiedenen Marvel-Helden auch mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet haben. So gibt es etwa bestimmte Schalter, die nur von Captain America bedient werden können - beispielsweise aber auch Stellen, die ihr nur erreichen könnt, wenn ihr gerade eine Figur spielt, die fliegen kann, etwa Iron Man oder Thor. Das zwingt euch nicht nur dazu, zwischen den Figuren zu wechseln, es sorgt auch dafür, dass ihr Brücken für eure weniger talentierten Kollegen bauen müsst. Wenn Iron Man einfach einen Berg hochfliegt, steht Captain America eben noch düpiert unten herum und braucht eine Leiter. Die müsst ihr erst mal bauen - natürlich aus LEGO.

Spider-Man auf der Brooklyn Bridge. Die Taxis könnt ihr übrigens per Knopfdruck in ihre Einzelteile zerlegen.

Trotz aller Verliebtheit in sowohl LEGO als auch Marvel: LEGO Marvel Super Heroes 2 ist ein LEGO-Spiel wie viele zuvor, wirklich unvorhergesehene Gameplay-Änderungen integrierten die Entwickler nicht. Das wiederum führt dazu, dass ich mit dem Spiel das gleiche Problem habe wie mit den meisten anderen LEGO-Spielen. Es sind diese Passagen, in denen ich nicht wirklich weiß, was ich als nächstes machen soll. Es ist nicht so sehr, dass ich nicht weiß, wie ich ein Rätsel lösen soll, viel mehr erkenne ich nicht, was überhaupt das Rätsel ist. So laufe ich also mit meiner Figur durch die Gegend, bis ich irgendwann herausfinde, was das Spiel gerade von mir will. Zugegeben, es dauert nicht besonders lang, bis das geschieht. Wir reden hier vom einstelligen Minutenbereich. Aber diese Momente bremsen das eigentlich sehr Action-geladene Gameplay doch merklich.

Was schade ist, denn eben das funktioniert in LEGO Marvel Super Heroes 2 hervorragend. Neben der Tatsache, dass ihr ohnehin mit LEGO-Steinen nur so um euch werft, beeinflussen verschiedene Figuren jetzt mittels Zeitreise-Fähigkeiten die Spielumgebung. Wenn eine LEGO-Kanone vor ein paar Minuten noch nicht aufgebaut war, jetzt aber schon, versetzt ihr sie zum Beispiel ganz einfach wieder in ihren unaufgebauten Zustand zurück. Kombiniert das mit der Fähigkeit von Star-Lord, seine Kampffähigkeiten zu stärken, indem er sich auf seinem Ghettoblaster Come and get your Love von Redbone anhört und ihr kommt gar nicht umhin, vor dem Bildschirm zu lachen - selbst wenn ihr gerade allein im Raum seid. Schade, dass das Spiel nicht mehr solcher Momente enthält. Diese kurzen Come-and-get-your-Love-Augenblicke erzeugen wirklich so etwas wie ein warmes Gefühl in der Magengegend und eigentlich hätte der Guardians-Soundtrack viel mehr davon hergegeben. Stattdessen müsst ihr euch über weite Teile des Spiels mit den für Marvel-Filme typischen Pathostrompeten zufriedengeben, die man auch aus den Avengers-Streifen kennt. Nett, aber halt nicht Come and get your Love. Normalerweise kommentiere ich den Soundtrack nicht so sehr, aber in diesem Fall möchte ich sogar eine Empfehlung abgeben: Macht die lediglich akzeptable Spielmusik aus und hört stattdessen den Awesome Mix Vol. 2, also den Soundtrack des zweiten Guardians-Films. Passt perfekt, ich hab's ausprobiert.

Captain America auf einem LEGO-Pferd. Zu schön.

Hervorragend funktioniert das Spiel übrigens auch im Multiplayer-Modus. Unkompliziert kann ein zweiter Spieler einen Controller in die Hand nehmen und ins laufende Spiel einsteigen, nur online funktioniert das leider nicht. Ehrlich gesagt passt das aber zum Spiel - LEGO Marvel Super Heroes 2 ist keine unpersönliche Erfahrung, man soll es im Optimalfall gemeinsam erleben. Also ladet euch jemanden auf die heimische Couch, am besten eine Bekanntschaft, die ebenfalls auf LEGO steht.

Und wenn ihr schon dabei seid, sperrt am besten alles aus, was euch irgendwie vom Spiel und von der Musik ablenken könnte. Denn in LEGO Marvel Super Heroes 2 kann man sich herausragend gut verlieren. Ich zumindest habe nicht bemerkt, wie die Stunden nur so an mir vorbeigeflogen sind. Ich lüge nicht, wenn ich sage: Ich bin am Samstagmorgen aufgewacht, habe mich ans Spielen gemacht und als ich auf die Uhr gesehen habe war es plötzlich 16:00 Uhr. Das passiert mir nur noch mit sehr wenigen Spielen und ich kann nicht wirklich erklären, wieso ausgerechnet dieses eines davon ist. Ich glaube aber, es hat etwas mit der kindlichen Unbeschwertheit zu tun, die so ein LEGO-Spiel vermittelt. Ich habe mich ernsthaft in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt, als ich stundenlang mit meinem Wellensittich und den von ihm sehr geliebten LEGO-Burgen gespielt und dabei alles um mich herum vergessen habe. Da war ich etwa acht Jahre alt.

LEGO Marvel Super Heroes 2 enthält auch weniger bekannte Helden. Links im Bild: Miss Marvel.

Ich kann nicht wirklich abschließend beurteilen, ob andere das gleiche Spielgefühl empfinden werden wie ich. Ich habe hier die LEGO-Bausteine aus meiner Kindheit wiedererkannt, mir ein Loch in den Bauch gefreut als ich She-Hulk spielen durfte und mich über einen Soundtrack gefreut, der eigentlich gar nicht zum Spiel gehört. Aber selbst, wenn ich all das abziehe, ist LEGO Marvel Super Heroes 2 ein gelungenes Action-Spiel mit abwechslungsreichen Szenarien und vielen verschiedenen Figuren. Es holt aus seinem Marvel-Thema alles raus, was irgendwie geht, bleibt spielerisch aber ein typisches LEGO-Spiel. Technisch sauber, sehr hübsch anzusehen, aber wenig innovativ. Wenn es ein "bestes Spiel" unter den wenig innovativen gibt, ist das hier ein ganz heißer Anwärter auf den Titel.

Entwickler/Publisher: TT Games/Warner Bros. Interactive - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 59,99 Euro - Erscheint am: 14. November 2017 - Getestete Version: PS4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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