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Moon Knight Folge 4 ist entweder die Rettung oder der Anfang vom Ende dieser Serie

Dazwischen gibt's nur Mittelmaß im weißen Anzug.

SPOILER zu Folge vier von Moon Knight!

O. K., meine Gefühle für Moon Knight sind kompliziert, so weit waren wir schon und ich weiß, den meisten gefällt die Serie gut. Auch für mich ist das nicht einfach. Ich liebe Oscar Isaac und war neugierig auf einen neuen Helden im MCU. Die Umsetzung fand ich dann aber eher mäßig.

Warum? Die ersten Folgen waren wir Zuschauer Steven Grant meilenweit voraus und durften ihm dabei zusehen, wir er zu unserem Kenntnisstand aufschloss. Episode zwei ließ dann etwas tiefer blicken, was Ethan Hawkes Bösewicht angeht (es ist Minority Report mit Mumien), während Moon Knights Skillset, oder genauer gesagt die Action, erstaunlich beliebig rüberkam. In Folge drei war dann die Gizeh-Pyramide von innen hohl (lol!), anschließend setzte eine reichlich beliebige Schnitzeljagd ein und allgemein hatte ich das Problem, jetzt auch noch ägyptische Gottheiten in diesem Universum begrüßen zu müssen. Das MCU ist mir einfach mittlerweile ein wenig zu "voll", als dass ich jetzt auch noch dieses Fass aufmachen müsste.

Ein bekannter, aber gut gemachter Twist, der keine Sekunde zu früh kommt

Was übrig ist: Oscar Isaacs exzellente Doppeldarbietung – auch wenn wir über den Londoner Akzent noch einmal sprechen müssten – und der interessante Twist, dass manchmal jemand "Den Anzug" beschwört, der keine Ahnung hat, was er damit anstellen soll. Schluckt man alles, was man bisher präsentiert bekam, war Folge vier die bisher beste, was ein wenig Mut für die letzten beiden Episoden macht. Sie macht nun ein zweiseitiges Beziehungsdreieck auf, das ich gerne weiter verfolgen werde, hat genauso viel Spaß beim Grabräubern wie ich in Tomb Raider und löst ein persönliches Geheimnis auf erfreulich kurz angebundene und nicht allzu melodramatische Weise. Der Knaller aber kam am Schluss.

Harrow ist ein seltsamer Bösewicht. Ethan Hawke spielt wie immer gut, aber wir kennen den Typus wohlmeinenden Verblender mittlerweile ebenso gut wie das klassische Superhelden-Spiegelbild. Und bisher geht von ihm wenig bedrohliche Ausstrahlung aus.

Marc bekommt ohne Anzug nicht eine, nein, gleich zwei Kugeln in die Brust. Anstatt aber zu sterben, erwacht er in einer geschlossenen Anstalt, in der einige bekannte Gesichter in anderen Rollen vertreten sind. Einschließlich eines gewaltigen WTF-Moments am Schluss, den ich sehr erheiternd fand. Das ist entweder jetzt der Haken, den es gebraucht hat, um das bisher Gesehene interessant zu machen – oder eine kurze Traumsequenz, bevor alles wieder zurück aufs mäßig spannende Normallevel zurückgeht.

Natürlich ist die Sache mit dem "Spielte alles nur in seinem Kopf" alles andere als neu. Aber die Szene gibt sich einige Mühe, uns in der Schwebe zu lassen. Sie kommt in wechselnden Teilen plausibel – das Tomb-Buster-Video oder einige Einstellungen und Äußerungen in Marcs Abwesenheit, etwa wenn sich "Psychiater-Harrow" auch nach Marcs Flucht noch nach dem Wohlergehen der Pfleger erkundigt – und dann wieder entschieden irreal herüber. Wobei man letzteres auch auf Marcs Medikamente zurückführen könnte.

Wähle deine Realität

Gleichzeitig würde sich die Frage stellen, wie Marc und Steven, die sich ja den Körper teilen, ohne Anzug auf Erzählebene A zurückkehren sollten, wenn die bisherigen drei Folgen die Wirklichkeit gezeigt haben. Mit der akuten Bleivergiftung stelle ich mir das schwer vor. Und dann ist da noch das Flusspferd am Schluss. Dabei dürfte es sich um die Gottheit Tawaret handeln, die eigentlich für den Schutz der Schwangeren zuständig ist, später aber auch den Job hatte, sich Seelen einzuverleiben, die in Osiris' Moralprüfung durchgefallen sind. Das spräche für die Anstalt als eine Art Fegefeuer für Marc / Steven. Es wäre nicht allzu weit hergeholt, wenn sich Marc mit den Jahren ein paar Mal gefragt hätte, ob er das wirklich alles erlebt. Eine geschlossene Einrichtung wäre da ein passendes Sinnbild.

Und den guten Konshu müssen wir ja auch noch rausboxen. Aber müssen wir das wirklich?

Aber … da wären wir auch wieder am Anfang: Welche Realität wäre mir denn lieber? Eine wie auch immer gerechtfertigte Rückkehr zum "Business as usual" wäre für mich ehrlich gesagt eine Enttäuschung. Derartige Erzählfinten habe ich einfach zu oft gesehen. Mir wäre es lieb, in der Psychiatrie steckte vielleicht doch ein wenig mehr Wirklichkeit, als erzählerisch bequem wäre. Dieser Teil lehnt sich endlich ein wenig kräftiger in das Seltsame dieser Sendung hinein. Natürlich nur vorausgesetzt, die Auflösung ist diesen speziellen Ausflug wert. Da sehe ich sogar gute Chancen, denn immerhin gibt es ja noch das zu lüftende Geheimnis einer möglichen dritten Identität im Heldenkörper.

Für den Moment hat Folge vier also geschafft, was den bisherigen Teilen nicht so recht gelang. Ich bin zumindest neugierig, wie Moon Knight weitergeht. Hoffen wir, dieser erzählerische Haken endet nicht an der nächsten Wand.

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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