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MultiVersus gegen Smash Bros Ultimate: Wer zieht den Kürzeren?

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Die Qualität der Super-Smash-Bros-Reihe zu erreichen, ist eine fast unmögliche Aufgabe, aber genau das ist die Herausforderung, der sich MultiVersus stellt, ein neues, kostenloses Smash-ähnliches Spiel von Entwickler Player First Games. Es befindet sich jetzt in der offenen Beta für PS5, Xbox Series X, Last-Gen und PC und ist ein 5 GB großer Download, bei dem jeder einsteigen kann. Zugegeben, die Optionen sind nicht sehr umfangreich - wie man es von einer offenen Beta erwarten kann -, aber man kann mit 17 Charakteren spielen, die alle über eine eigene Stimme verfügen. Entscheidend ist, dass MultiVersus auch mit einem robusten Online-Modus startet, der von Grund auf mit Rollback-Netcode entwickelt wurde und damit sofort einen Vorteil gegenüber dem Online-Part von Super Smash Bros Ultimate auf der Switch bietet. Das ist schon mal ein guter Start. Wenn man jedoch nur das visuelle Design von MultiVersus als Unreal-Engine 4-Titel betrachtet, wie sehr kann es sich dann mit Nintendos Schwergewicht messen? Und woran scheint es in seinem offenen Betastadium zu hapern?

Was ist eigentlich in dem 5-GB-Paket enthalten? Ganze Modi sind noch mit einem "Coming Soon"-Schriftzug versehen, aber ihr erhaltet einen Übungsmodus, um alles auszuprobieren. Allein die Auswahl der Charaktere in MultiVersus ist schon faszinierend genug, um einen Versuch zu wagen. Anstatt die Maskottchen der Videospielwelt gegeneinander antreten zu lassen, wie es bei Smash der Fall ist, sind es hier bekannte Gesichter von Warner Bros. Mit Comics, Film-Franchises und TV-Shows wird ein breiteres Netz ausgeworfen. Ehrlich gesagt ist das Ergebnis genauso vielschichtig, wie es klingt: Von Batman bis Bugs Bunny und von Arya Stark bis LeBron James (in seinem Space-Jam-Kostüm). Glücklicherweise ist das Spiel im Kern mechanisch solide. Smash-Fans werden sich im 1v1- oder 2v2-Nahkampf wie zu Hause fühlen: Standard- und Spezialangriffe, Doppelsprünge, Ausweichen, all das ist vorhanden. Auch wenn die Bewegungen etwas gewöhnungsbedürftig sind - und ich bevorzuge in diesem Punkt weiterhin Smash Bros Ultimate -, ist es beeindruckend, wie viel MultiVersus richtig macht.

Die technische Seite von MultiVersus auf Konsolen zeigt sich stark. Kurz gesagt: Auf PS5 und Xbox Series X gibt es native 4K mit 60 fps, während die Series S auf 1440p mit 60 fps abzielt. Da es sich um einen Unreal-Engine-Titel handelt, wird zwar eine dynamische Skalierung verwendet, aber die Bildraten sind auf allen drei Rechnern mit 60 Bildern pro Sekunde grundsolide, abgesehen von einmaligen kleinen Einbrüchen auf der PS5 auf der Sky-Arena-Stage. All das ist eine hervorragende Grundlage für einen Konkurrenten zu Smash Bros. Um die beiden zu vergleichen, habe ich die beste Karte in Smash Bros Ultimate mit der kleinen Auswahl in MultiVersus verglichen. Ich gebe zu, dass einige Vergleiche ein wenig weit hergeholt sind. Trotzdem könnt ihr anhand der Bilder unten sehen, dass einige Karten - wie das Kolosseum – ein direktes Gegenstück haben.

Der erste Vergleichspunkt ist die Bildqualität. Multiversus hat dank der 4K-Auflösung auf Premium-Konsolen ein makelloses, fast aliasingfreies Bild zu bieten. Es sieht auf eine Art sauber aus, mit der Smash Ultimate auf Switch einfach nicht mithalten kann, da dort nicht mehr als 1080p möglich sind. Nichtsdestotrotz skaliert Nintendos Prügelspiel immer noch gut auf einem modernen 4K-Display, wo die ehrgeizigen Charakterdesigns die Action selbst in großen Spielen mit acht Spielern lesbar machen. Der Look von Smash Bros. ist insgesamt sehr scharf, was hilfreich ist, während MultiVersus sich für ein sauberes, makelloses, nachbearbeitetes Bild entscheidet. Seltsamerweise aktiviert MultiVersus standardmäßig fette, farbige Umrisse für die Charaktere, damit die Aktionen leichter zu erkennen sind. Eine ungewöhnliche Entscheidung, vor allem, wenn man bedenkt, dass Nintendos Ansatz auch ohne solche visuellen Hilfen gut lesbar ist. Aber sie lassen sich deaktivieren.

Vergleichen wir die Kolosseum-Stages. Die 4K-Auflösung begünstigt MultiVerse, wenn es um die allgemeine Bildqualität geht, aber oft fallen die Vergleiche zugunsten von Smash Bros. Ultimate aus, wenn es um die Details der Levels geht.

Das nächste Thema sind die Stages selbst. Die Details der Levels in Smash Bros. sind einfach viel höher, einfallsreicher und es ist mehr los. Nimmt man die Kolosseum-Levels in jedem Spiel als Beispiel, sind die Plätze in Smash Bros Ultimate mit Menschenmengen, Fahnen, Lagerfeuern und feinerem Steinmauerwerk gefüllt, es ist voll. Und was ist mit MultiVersus? Hier bekommen wir eine einfache, karge Anordnung von Hintergründen: keine Menschenmengen im Hintergrund und wenig Bewegung. Immerhin gibt es ein paar physikalische Zerstörungen, wobei sich verformende Plattformen im Batcave das Spielfeld verändern. Insgesamt ist das Stage-Design von MultiVersus sehr funktionell, lesbar, aber im Vergleich zu oft statisch. Ich wage zu behaupten, dass hier mehr möglich sein sollte, was das Spektakel angeht. Jeder Level sollte ein Thema zelebrieren, vor allem, wenn man sich so lebendige Marken wie Looney Tunes ansieht. Um noch einmal auf Smash Bros. Ultimate zurückzukommen: Jede Stage wird wie ein eigener Charakter behandelt, der sich wie ein Fahrgeschäft anfühlt und alle Nostalgiefaktoren anspricht, die man für ein Spiel haben könnte.

Schließlich sind da noch die Charakterdesigns. Auch hier verwendet Multiversus stark stilisierte Charaktermodelle im Stil eines Samstagmorgen-Cartoons, die mit vollständigem 3D-Rendering kombiniert werden. Das Ergebnis funktioniert auch oft: Alle Charaktere, unabhängig von ihrer Herkunft, bewegen sich in einem ähnlichen ästhetischen Bereich. Es ist fast ein Cel-Shading-Look ohne die hochfrequente Texturarbeit, die man bei Smash-Charakteren sieht. Die Materialien nutzen das Toolset der Unreal Engine 4, wobei Haare, Haut und Metalle jeweils das einfallende Licht reflektieren und streuen. Außerdem gibt es detaillierte Schatten und Schattenverläufe, die mit Ambient Occlusion hinzugefügt werden. Ein großes Highlight sind jedoch die Animationen. Diese sind rundum hervorragend und authentisch in einem 3D-Raum realisiert, mit einem guten Flow in der Startpose jedes Charakters, unterstützt durch die Haarphysik. Auch hier ist es nicht immer spektakulär, aber es fühlt sich alles authentisch an.

Vergleiche zwischen MultiVersus und Smash Bros Ultimate zeigen einen großen Unterschied in der Herangehensweise an das Charakter-Rendering. Materialien wie Marios Latzhose werden als Texture Map dargestellt, was den Eindruck von mehr Details vermittelt. Und was ist mit MultiVerse? Es ist minimalistischer, sauberer und kommt einer CG-Animation näher.

Bei Smash Ultimate ist Nintendos Ansatz für das Charakterdesign in mancher Hinsicht ehrgeiziger, in anderer weniger ehrgeizig. Die meisten der Charaktere haben richtige Texture Maps, was den Eindruck von mehr Details vermittelt. Fox McCloud zum Beispiel hat eine echte Felltextur-Map, im Gegensatz zur flachen Textur von Taz in MultiVersus, der in dem Punkt die beste Vergleichsmöglichkeit darstellt. Die Texturauflösung ist aus der Nähe natürlich nicht gerade schmeichelhaft, aber aus der Ferne während des Smash-Gameplays funktioniert sie. Auch Marios Jeans-Latzhose weist eine auffällige Textur auf, während Wonder Woman - um ein Beispiel zu nennen - auf einem saubereren Design basiert. Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Der Vorteil von MultiVersus ist natürlich die Beleuchtung, die Schattierung und die Physik, auch wenn die Materialien recht simpel sind. Vergleiche variieren auch je nach Charakter, aber in den meisten Fällen passt der Stil von MultiVersus hervorragend zum Material - und unterscheidet es von Nintendos Arbeit.

Das ist kein endgültiges Fazit zu MultiVersus, da es sich noch in der Entwicklung befindet. Wir müssen noch mehr Karten, Charaktere und Modi sehen, die derzeitige Präsentation ist ziemlich dürftig, was die Funktionen angeht. Was hier zu sehen ist, ist jedoch erstaunlich robust. Der Rollback-Netcode ist exzellent, die Charakteranimationen sind authentisch und die Mechanik ist im Allgemeinen gut. Dennoch ist es überraschend zu sehen, dass MultiVersus nicht ehrgeiziger bei der Nutzung von High-End-Geräten wie PS5 und Series X ist. Obwohl Smash Bros. Ultimate ein Switch-Exklusivtitel ist, setzt Nintendos Konsole immer noch auf größere Acht-Spieler-Kämpfe und dynamischere, detaillierte Karten. Der bemerkenswerteste visuelle Vorteil von MultiVersus ist das 4K-Bild auf PS5 und Series X und die insgesamt bessere Materialbeleuchtung und Schattierung. Davon abgesehen bleibt MultiVersus ein faszinierendes Projekt. Es fühlt sich wie ein Neubeginn an. Eine neue Chance für einen anderen Entwickler, ein bekanntes Spiel in der Form von Smash Bros. neu zu gestalten, und ich freue mich darauf, zu sehen, wie es sich entwickelt.


Im englischen Original von Thomas Morgan, Senior Staff Writer, Digital Foundry

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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