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Persona 3 Portable und Persona 4 Golden im Test - Mein Lieblingsfranchise taugt endlich was auf der Switch!

Zwei düstere Kult-Klassiker und eine Release-Party in London

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Die zwei Personas sind im Grunde klassische JRPGs, die ihre Altersschwächen mit einer dichten Atmosphäre und ihrem einzigartigen Stil ausgleichen.

Endlich sind sie da, die Personas auf der Switch! Zwar noch nicht alle fünf, aber Persona 3 Portable und Persona 4 Golden erhielten am 19. Januar 2023 eine Überarbeitung und landeten damit unter anderem auf Nintendos Konsole. Ob die neuen Umsetzungen auf der Switch wirklich eine gute Idee waren, wie die Performance auf dem Handheld ist und warum ausgerechnet die Portable-Version statt FES gewählt wurde, sieht und hört ihr im obigen Video.

Spätestens Persona 5 Royal brachte Atlus den weltweiten Durchbruch in ihrer Shin Megami Tensei Reihe. Das JRPG im Anime-Look überzeugte 2019 mit einer Mischung aus klassischen Rundenkämpfen, dem Sammeln von bis zu 225 Personas, mysteriösen Dungeons voller Rätsel, einem recht düsteren Schul-Schauplatz, dem phänomenalen Soundtrack, einem dynamischen Sozial-System. Dazu kommt noch eine beachtliche Spiellänge und ein herausfordernder Schwierigkeitsgrad. Doch wie sieht es mit den Vorgängern aus?

Die Persona-Reihe fiel schon zuvor mit der düsteren Mischung aus Pokémon und Final Fantasy auf und bekam beispielsweise 2008 ihre erste richtige Anime-Adaption mit Persona: Trinity Soul, einer Fortsetzung der Geschichte vom dritten Teil und mit Persona 4: The Animation 2011 sogar eine komplette Nacherzählung des vierten Spiels.

Fuuka aus Persona 3
Bei Persona 3 Portable und Persona 4 Golden handelt es sich um rundenbasierte JRPG mit sozialen Elementen, wie Dating. Die Spiele eigenen sich eigentlich sehr gut für die Nintendo Switch. | Image credit: Persona 3 Portable

Mit der wachsenden Beliebtheit wuchs auch der Wunsch nach einer Version auf der Switch für unterwegs. Die Stimmen nach einer Switch-Version von Persona 5 wurden von Jahr zu Jahr immer mehr und Atlus kündigte als Antwort an, dass sie daran arbeiten würden, solange die Anfrage groß genug sei. Auf sozialen Medien animierte der Publisher und Entwickler dazu, das Interesse weiterhin aktiv zu melden. Die Fanbase tat das auch, verständlicherweise, denn 130 Stunden voller Grind, Dungeons, mit kleinen Rätseln, Rundenkämpfen, sozialen Interaktionen und sogar Dating-Optionen im Look einer Visual Novel? Das schreit förmlich nach ein paar gut genutzten Pendelstrecken mit einem Handheld. Vergangenen Oktober war es für das fünfte Spiel dann so weit. Mittlerweile können wir uns aber den ganzen Werdegang der Reihe anschauen.

Natürlich sieht man Persona 3 Portable das Alter auch an den Polygonen an. Insgesamt sind die Spiele aber gut auf der Switch umgesetzt worden. | Image credit: Persona 3 Portable

Persona 3 war meine erste Begegnung mit dem Franchise, als ich 2008 einen Artikel dazu in der Animania entdeckte. Spielen konnte ich es trotzdem nicht, weil mir die passende Konsole fehlte. Außerdem hätten meine Eltern das wahrscheinlich eh nicht zugelassen, weil ihnen sofort aufgefallen wäre, dass die Mechanik, Personas zu rufen, darin bestand, sich buchstäblich mit einer Pistole in den Kopf zu schießen. Dabei haben mich die düstere Atmosphäre und der vertikale Erkundungsaspekt damals schon sehr gereizt hat und auch das Design der Charaktere hat die Tenny-Ana mit dem Grunge/Emo-Vibe sofort abgeholt. Mit diesem Release war es also endlich so weit.

Persona 4 geht mit dem Düsteren einen Schritt zurück und schlägt einen etwas anderen Ton an: Hier gibt es Brillen, um durch den Nebel im TV zu sehen und ein paar Tarotkarten, um Personas zu rufen. Der Fokus verschiebt sich vom okkulten Unbekannten ins alltägliche Leben: Es werden die unterschiedlichsten TV-Formate gezeigt, es geht um Detektivarbeit, einen alleinerziehenden Vater oder um die Mordfälle der eigenen Mitschüler. Keinem wird metaphorisch oder buchstäblich in den Kopf geschossen, doch der direkte Kontrast zwischen einer bunten, lauten Medienwelt und der Auseinandersetzung zwischen den eigenen, oft boshaften Bedürfnissen, bleibt ebenfalls hängen.

Mit viel Witz und kleinen Sketches ist die Stimmung bei Persona 4 Golden ist schon ganz anders als noch bei Persona 3 Portable. | Image credit: Persona 4 Golden

Egal ob die Auseinandersetzung mit dem Platz in der Gesellschaft, die eigene Sexualität oder die Angst vor neuen Technologien: Die Thematisierung des Zeitgeists und gesellschaftlicher Diskurse hat schon immer eine wichtige Rolle im Persona-Franchise eingenommen. In Verbindung mit den - ich nenne sie mal - okkulten Pokémon und Dating-Elementen entstand ein ungewöhnliches und gleichzeitig spielerisch in vielen Bereichen klassisches JRPG.

Beide Spiele eignen sich gerade im tragbaren Modus für die Switch, weil die hochskalierten Hintergründe und die veralteten Polygone nicht auffallen. Je größer der Bildschirm wird, desto mehr bemerkt man aber Altersschwächen im Bild. Dafür laufen die Spiele in konstanten 60 fps. Die HD-Auflösung tut beiden Spielen gut, vor allem bei Persona 4 Golden habe ich den Unterschied zwischen Vita und Switch als eine große Aufwertung empfunden. Und auch die verkürzten Ladezeiten sind mir schnell positiv aufgefallen. Leider gibt es gerade in Persona 3 Portable wieder ein paar Probleme mit komprimiertem Sound.

Ich war selbst im Velvet Room: So gruselig ist der ja gar nicht! Trotzdem sind Persona und das Okkulte aus Shin Megami Tensei nicht voneinander zu trennen. | Image credit: Persona Release Party

Am Ende hatte ich vor allem Spaß mit den düsteren Tönen von Persona 3 Portable, gleichzeitig aber ein Problem mit der zu linearen Erkundung des Turms, um den sich das Kampf- und Erkundungssystem von Persona 3 dreht. War es anfangs noch cool, dass sich die Gegnerdesigns grundlegend von den eigenen an unterschiedliche Glaubensrichtungen orientierten Personas unterschieden, so wurden die Dämonen des Glockenturms nach einigen Ebenen unglaublich repetitiv, weil es sich oft um Variationen der ersten Gegnerwellen handelte. Zwischenbosse wurden dadurch zu einer willkommenen Abwechslung. Mit jeder neuen Ebene wartet zudem nicht viel Erkundung, sondern auch ordentlich Grind und unzählige Fusionen, um die passenden Elementarfähigkeiten zu erhalten. Diese Elementarfähigkeiten sind personatypisch mit am wichtigsten, doch manchmal vergisst man die Schwächen der Gegner, weil sie auf der Benutzeroberfläche einfach nicht festgehalten werden.


Persona 3 Portable und Persona 4 Golden ist nun auf allen aktuellen Plattformen erhältlich: Auf Steam könnt ihr Persona 3 Portable, Persona 4 Golden oder beide Spiele im Bundle kaufen. Natürlich gibt es die hier getestete Versionen auch bei Nintendo. Ebenso findet ihr beide Versionen bei Sony und inzwischen auch im Game Pass oder getrennt davon auf der Xbox Series X|S.

Dafür ist die gesamte Atmosphäre der Geschichte sehr dicht und düster. Durch Okkultismus, Tarot oder eben grenzwertigen Symbolen in Richtung aller Arten von psychischem Schmerz werden Fragen nach dem Miteinander und der Selbstfindung in die Mitte gerückt, was natürlich hervorragend in den Schauplatz "Schule" und der jugendlichen Suche nach sich selbst passt.

Die Schule ist ein guter Schauplatz für die Themen, die beide Persona-Spiele aufbereiten. Aber natürlich interessieren auch andere Plätze die Jugendlichen in Persona 4 Golden. Hier eine Bar in dem ländlichen Städtchen "Inaba". | Image credit: Persona 4 Golden

Persona 4 Golden spielt sich dahingehend besser, als dass es sich genügend Zeit mit dem Aufbau der Vorgeschichte lässt. Das vierte Spiel wechselt die Dynamik zwischen Geschichte, Grind, Sozialisierung und Erkundung viel häufiger und auch unregelmäßiger ab, sodass der Spielfluss natürlicher wirkt. Durch das Pacing ist mir nicht langweilig geworden und ich hatte nie das Gefühl, dass ich "immer wieder das Gleiche mache", obwohl ich ganz pragmatisch gesehen, genau das tat.

Spaß machen vor allem stilistische Elemente, wie das große Arkana des Tarot, nachdem die sozialen Beziehungen aller Persona-Spiele funktionierten und an die sich die Entwicklung der Hauptcharaktere in den Spielen orientiert. Der Protagonist startet beispielsweise immer als Archetyp "Narr", wie ein leeres Blatt, dessen erster Satz mit dem Start der Geschichte geschrieben wird. Zudem werden im dritten Spiel nach einigen Kämpfen ein Mini-Spiel ausgelöst, in dem man seine Boni durch das kleine Arkana erhält oder durch unbeschriebene Karten leer ausgeht. So kommt man auch an neue Personas, die man bei beiden Spielen wie gewohnt miteinander fusionieren kann.

Auch bei Persona 3 und 4 müsst ihr wieder mal eure Stärken im Rundenkampf unter Beweis stellen. Im dritten Spiel werdet ihr aber weniger mit den Elementen konfrontiert und mehr mit Statusänderungen. | Image credit: Persona 3 Portable

Im vierten Spiel gibt es diese Minispiele nicht mehr, dafür trefft ihr eine Wahl am Ende jedes Kampfes mit den gleichen Karten. Etwas schade fand ich das schon, es macht aber vollkommen Sinn, weil diese kleine Spielerei einiges an Zeit geraubt hat.

Fazit

Persona 3 Portable und Persona 4 Golden bieten beide durchaus viel Inhalt für gerade einmal 19,99€ pro Spiel. Ich finde, durch den Preis lohnt sich ein Blick in jedem Fall. Die technische Umsetzung auf der Switch ist gut gelungen, wenn man über die kleinen Soundfehler hinwegschauen kann. Falls ihr nur eine der zwei Versionen haben wollt, so ist die schwerwiegendere Frage eher die nach der Stimmung. Wollt ihr eine witzige Bande mit viel Humor, guter Laune und aktuelleren Themen, so solltet ihr eher zum vierten Spiel greifen, den typischen Anime-Wahnsinn gibt es gleich dazu! Wollt ihr eine melchancholische, düstere Stimmung und dichte Atmosphäre, so ist der dritte Teil eher euer Fall. Achtet nur darauf, dass hier teilweise wirklich eine depressive Stimmung übertragen wird.

Ich hatte mit beiden Teilen extrem viel Spaß, vor allem mit dem Hintergrundgedanken jeden Entwicklungsschritt der Reihe zu beobachten. Allerdings sind beide Spiele gealtert und waren primär der Auftakt zum gelungenen fünften Teil der Reihe, der bereits anstrengende Spielelemente und lange Durstrecken gekonnt ausgebügelt hat. Solltet ihr also euren ersten Persona-Titel suchen, würde ich immer noch zum fünften Teil raten.

Persona 3 Portable und Persona 4 Golden in der Neuauflage – Wertung: 8/10

Pro und Contra

Pros:

  • Zwei sehr unterschiedliche Geschichten, die jeweils ihren eigenen Charme haben und sich deutlich von Persona 5 Royal abheben
  • Jeweils einzigartige Atmosphären, die sich von anderen JRPGs abheben
  • Spannende Rundenkämpfe und interessante Erkundungsmöglichkeiten
  • Gelungene (besonders in Persona 4 Golden) Abwechslung zwischen Dating, Fähigkeiten in der realen Welt (Charme, Wissen, Mut etc) und Gameplay im Dungeon
  • Konstante Framerate, gute Optimierung für Nintendo Switch
  • Ein fairer Preis für die Aufwertung von alten Spielen
  • Beide Soundtracks sind voller Hits

Contras

  • Komprimierter Sound der Stimmen an einigen Stellen in beiden Spielen
  • Persona 3 Portable wurde nicht durch die FES-Optionen ergänzt
  • Beide Teile spielen sich müßiger, als Persona 5 Royal - Persona 3 ist dabei deutlich linearer und langsamer

Entwickler: Atlus, P Studio - Publisher: SEGA, Atlus - Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox Series X|S, Nintendo Switch, PC - Release: 19.01.2023 - Genre: JRPG - Preis (UVP): 19,99 im Bundle 38,99

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

In diesem artikel

Persona 3 Portable

Video Game

Persona 4 Golden

PlayStation Vita, PC

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Über den Autor
Ana Kudinov Avatar

Ana Kudinov

Video Editor

Ana macht bei Eurogamer.de seit 2020 die Video-Redaktion. Sie streamt in ihrer Freizeit und spielt viel Strategie- und Indiespiele am PC - kann aber grundsätzlich mit jedem Genre und jeder Konsole etwas anfangen. Ana liebt es sich über Japan und Anime zu unterhalten und verbringt dementsprechend auch viel Zeit mit JRPGs und anderen Besonderheiten aus dem asiatischen Raum.
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