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Plague Tale und Gotham Knights zerstören gerade meinen Next-Gen-Traum

Ich bin noch nicht bereit für weniger Grafik.

Wenn man "Kleinigkeiten" wie verkrüppelnde Versorgungsengpässe und Pandemie- und kriegsbedingte Verzögerungen mal abzieht, war die neue Konsolengeneration für mich eigentlich eine gute. Das liegt insbesondere daran, dass für mich nichts mehr für modernes, gutes Spielgefühl steht, als eine flüssige Performance von Konsolen, die mit Bildern nur um sich werfen. Seit Beginn der PS3-Zeit wurden uns wieder und wieder 1080p und 60 FPS versprochen, und während wir Auflösungsversprechen immer häufiger eingelöst wurden, gaben sich viele Hersteller mit den Jahren mit 30 Bildern pro Sekunde zufrieden.

Und ich weiß, dass viele sagen werden, das reicht – wogegen im Prinzip nichts einzuwenden ist. Aber zum einen blieb es selten bei 30FPS, viele Spiele performen mit dem Voranschreiten ihrer jeweiligen Generation empfindlich darunter. Und zum anderen sind 60FPS einfach objektiv besser. Die kürzeste anschauliche Erklärung, die mir dazu einfällt: Die schönste Grafik ist nur dann etwas wert, wenn ich sie klar erkennen kann. Wo 30 Bilder im langsamen Vorwärtsgang oder aus der Vogelperspektive kein Problem darstellen, bedeuten sie in Titeln aus der First- oder Third-Person mit schnellen horizontalen Kamerabewegungen schlicht, dass man weniger von der Welt, ihren Bewohnern und seinen Gegnern sieht.

Immerhin weiß ich, weshalb bei Plague Tale nur mit 30 beziehungsweise 40 FPS läuft...

Denkt mal darüber nach: Jeder Schwenk wird gegenüber 60 FPS nur mit der Hälfte der Bilder dargestellt, was ein unklares Bild zur Folge hat. Je schneller die Bewegung, desto mehr gehen Details unter. Kurzum: Sobald man sich bewegt, sieht man buchstäblich weniger von all der schönen Grafik. Wer sich 30FPS wünscht, weil das vermeintlich hübschere Optik bedeutet, muss sich im Klaren sein, dass er in Wirklichkeit weniger davon bekommt. Und dann hätten wir von Latenz und allgemein “tighteren” Kontrollen, wie man so schön sagt, noch gar nicht angefangen.

Die neue Generation war für mich insofern ein Segen, als dass erstaunlich viele Titel auf den neuen Geräten entweder nativ auf flüssige 60fps abzielen oder einen Performance-Modus bieten, der etwas Auflösung und ein paar Effekte gegen mehr Bilder pro Sekunde (lies: “mehr Grafik”) und ein flüssiges Spielgefühl eintauscht. Das war für mich Next-Gen: Spiele, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch besser anfühlen als die Werke, die die Hardware zum Schluss der letzten Generation kollektiv vor Schmerzen oder Überhitzung aufschreien ließen, während die Bildrate regelmäßig in die Knie ging.

... Gotham Knights muss sich an einem siebeneinhalb Jahre alten Vorgänger messen lassen und der Vergleich geht nicht gut für das neuere Spiel aus.

Next-Gen sollte etwas Neues einläuten, mit den Problemen der alten Generation aufräumen, sich anders anfühlen. Nicht ohne Grund kamen einem sogar Titel wie Ghost of Tsushima und God of War nach ihren PS5-Updates wie transformierte, frische Werke vor, die man mit neuen Augen erlebte – weil man endlich mal mehr von ihnen sah. Viele Entwickler sahen das ebenso und setzten sich zumindest alternative Modi zum Ziel. Diverse Spiele liefern sogar auf Wunsch 120 FPS. Dieser Push, Performance mit Grafik zumindest gleichberechtigt zu behandeln und den Spielern die Entscheidung zu überlassen, machte die Generation der Xbox Series und PS5 zur ersten seit Langem, die sich für mich nach Next-Gen anfühlt. Die Konsolen hatten mich, nach Jahren, in denen ich zu 95 Prozent am PC spielte, endlich wieder für einen guten Teil meiner Freizeit zurück.

Und jetzt ziehen Wolken am Horizont auf, in Form von Plague Tale Requiem und Gotham Knights, die es bei 30 FPS ohne alternative Performance-Einstellungen bewenden lassen. Zu Plague Tales Ehrenrettung muss man sagen, dass die Entwickler sich sehr wohl der Vorteile einer höheren Bildwiederholungsrate bewusst scheinen, denn wenn man ein 120-HZ-Display anschließt, erreicht der Titel 40 FPS, die sich entschieden flüssiger anfühlen als 30 und ein akzeptabler Kompromiss sind. Dennoch: Das ersatzlose Streichen alternativer Performance-Modi darf keine Signalwirkung an andere Entwickler haben. Denn wir wissen alle, wie das läuft. Haben wir die 30 FPS erst wieder als Standard akzeptiert, müssen wir alsbald wieder mit Spielen leben, die dieses Ziel mangels Optimierungen oder wegen überambitionierter Effektarbeit regelmäßig unterlaufen.

Es müssen ja nicht einmal die 120 FPS eines Dirt 5 sein. Aber 60 sollte man schon erreichen können, wenn man wollte.

Das wiederum führt dazu, dass sich die neuen Konsolen – neu, weil viele der Leute, die eine haben wollen, immer noch keine kaufen konnten – früher alt und überfordert anfühlen werden. Und für dieses Gefühl ist es, keine zwei Jahre nach dem Start dieser Geräte, noch entschieden zu früh.

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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