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Pro Evolution Soccer 2010

"Wir mussten unseren Ansatz ändern"

2009 war kein gutes Jahr für PES Productions. Auf der Suche nach der perfekten Balance für ein langsam, aber sicher überaltertes Spiel verloren die Tokioter den Fortschritt aus den Augen und mussten sich laut einhelliger Pressemeinung gegenüber dem einstmals ewigen Zweiten aus dem Hause EA geschlagen geben. Die Kanadier hatten einfach mehr für’s Spiel getan und konnte vor allem technisch ordentlich Eindruck schinden. Für 2010 will man den „Normalzustand“ wieder herstellen und mit PES einmal mehr die Referenz in Sachen Fußball stellen.

Wir haben uns für euch mit Shingo Takatsuka, dem Mastermind hinter Pro Evolution Soccer, unterhalten. „Seabass“ über Neuanfänge, Zonenverteidigung und Realismus.

EurogamerIhr seid dieses Jahr in einer neuen Situation. Im letzten Jahr fand alle Welt, dass Fifa PES eingeholt hatte. Welche Auswirkungen hatte das auf die Entwicklung von PES 2010?
Shingo “Seabass” Takatsuka

Wir sahen das ein bisschen anders. Unserer Meinung nach war FIFA im letzten Jahr besser als wir. Sie haben nicht aufgeholt. Sie waren sehr viel besser. Natürlich ist uns zwar wichtig, wie gut oder nicht FIFA ist, aber das ist nicht der Punkt. Viel schockierender war für uns aber, wie die PES-User dachten. Wir haben gesehen, dass sie nicht zufrieden waren mit PES 2009 und das war viel schockierender für uns und erzeugte großen Druck. Wegen dieser Reaktionen schulden wir ihnen ein viel besseres Spiel für 2010.

Das war das Gefühl, mit dem wir an die Entwicklung von PES 2010 herangegangen sind.

EurogamerWie hat sich das in der Entwicklung niedergeschlagen?
Die Spielergesichter müssen sich vor der Konkurrenz nicht verstecken
Shingo “Seabass” Takatsuka

Mit PES 2009 endete eine Ära. PES 2010 ist auch für uns ein vollkommen neues PES, ein Spiel, das die Grundlage einer neuen Generation bildet. Wir sagen das, weil wir die Art, auf die wir PES kreieren, verändert haben. Bis einschließlich 2009 haben wir das Spiel Aktion für Aktion kreiert und das zu einem Spiel zusammengesetzt. Das war bis 2009 ok. Aber das Gameplay wurde uns zu arkadig, zu actionorientiert.

Für PES 2010 sagten wir uns: Wir müssen unseren Ansatz ändern. Wir haben uns also von vorne herein verschiedene Ziele gesetzt: Wo wir hinwollten, welche Spieler wir ansprechen wollten und wie die Matches aussehen sollten, und haben darauf hingearbeitet. Wir haben also den Entstehungsvorgang verändert.

Zweitens: In PES 2010 wollten wir den Angriff der Spieler noch verbessern, wollten aber keine Spiele, in denen zu viele Tore fallen. Also haben wir einen neuen Zonen-Verteidigungsstil entwickelt, der dafür sorgt, dass die Ergebnisse realistischer bleiben.

Diese Art der Entwicklung haben wir nun das erste Mal seit 15 Jahren verwendet und daher kann man sagen, dass wir mit PES 2010 endlich den nächsten Gameplay-Level erreicht haben. Wir haben außerdem die Slider-Strategien und das Kartensystem bei den Spielern eingeführt. Diese Features sind für sich ebenfalls ein Beispiel für den neuen Ansatz.

Eurogamer Die 360-Grad-Kontrolle hat FIFA ja als erstes angekündigt. Jetzt macht ihr es auch. Wie lange untersucht ihr diese Technik schon und was denkst du, tut sie für Pro Evolution Soccer?
In der Meisterliga darf man Talente jetzt in eine Jugendmannschaft stecken.
Shingo “Seabass” Takatsuka

Wir experimentieren tatsächlich schon lange mit der 360-Grad-Kontrolle. Wir dachten immer viel daran, wann wohl das beste Timing dafür wäre. Erst dachten wir letztes Jahr wäre es die rechte Zeit gewesen, dann dieses Jahr. Wir haben immer an das Timing gedacht - und weil FIFA es jetzt auch macht, dachten wir natürlich, dass wir es endlich auch in unser Produkt integrieren sollten. Aber es ist nicht einfach nur ein Kampf „Fifa macht es, also müssen wir auch“. Wir haben schon immer damit herum experimentiert und wollten das schon eine ganze Weile machen.

In Sachen Ballkontrolle: Das solltest du einfach selbst mal ausprobieren, um herauszufinden, wie sich das Spiel verändert. Ich kann dir aber sagen, dass man besonders an den Seitenlinien eine große Veränderung bemerken wird. Wo damals die Bälle ins Aus gegangen sind, kann man sie in PES 2010 mit einer nur kleinen Bewegung vielleicht noch im Spiel halten. Andererseits: Wenn man nicht aufpasst, kann man den Ball mit der 360-Grad-Steuerung auch leichter ins Aus befördern. Man wird diesen Unterschied also sehr deutlich spüren. Besonders an den Linien.

EurogamerSchaust du selbst viel Fußball zu Recherche-Zwecken? Holst du dir daher neue Ideen?
Shingo “Seabass” Takatsuka

Tatsächlich bekomme ich den hauptsächlichen Input davon, wenn ich PES-Spielern beim Spielen zusehe. Das verschafft mir eine andere Perspektive, als wenn ich echten Fußball schaue. Mir fallen viel mehr Dinge ein, die ich ins Spiel integrieren könnte. Es gibt immer etwas zu verbessern. In der Tat habe ich sogar schon Ideen für die nächsten Jahre.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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