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Risen

Angespielt und ausgehorcht

„Erfolg freigeschaltet 50G Raffzahn“ – für PC-Rollenspieler wirken diese kryptischen Einblendungen ungewohnt. „Die Spieler wollten sich schon in Gothic gerne besser vergleichen können“, erklärt Daniel Oberlerchner, der bei Herausgeber Deep Silver Verantwortliche für die Marke Risen. „Deshalb übernehmen wir die Erfolge der 360-Version auch für den PC.“

Gamerscore sammeln am PC? Warum nicht. Gegen Extra-Herausforderungen habe ich nichts einzuwenden. 1.000 Punkte gilt es zusätzlich zum eigentlichen Abenteuer zu erarbeiten. Der Erfolg „Raffzahn“ bedeutet zum Beispiel, dass ihr 300.000 Münzen hortet – ein langer Weg von dem Moment am Strand, wo ihr zu Beginn als Schiffbrüchiger landet und einer Leiche das erste Goldstück abknöpft.

Es gibt noch jede Menge weiterer Erfolge für passionierte Achievement-Whores, also Erfolge-Huren, wie der Engländer augenzwinkernd die Zunft der leidenschaftlichen Gamerscore-Jäger betitelt: „Heimwerkerkönig“ für 20 gefundene Werkzeugbeutel, „Großwildjäger“ für 2.000 getötete Monster, „Witzbold“ für 25 verwendete Witz-Zaubersprüche. Oder auch einen Erfolg für Hobby-Bergsteiger: „Idiot“ - drei Mal zu Tode gestürzt. Doch lohnt es sich auch, so viel Zeit in Risen zu investieren?

Angelegte Rüstungsteile trägt der Held sichtbar im Spiel.

Nach einem hungrigen Seegeier, jungen Stachelratten, Gnomen, Wölfen und einer Grabmotte treffen wir Neil. Neil hockt vor einer verlassenen Hütte, dampft gerade einen Joint und spült mit einem Schluck Gerstensaft nach. Probleme mit dem Jugendschutz? „Nicht in Deutschland, die USK sieht so etwas entspannt. Wegen der Altersfreigabe in England mussten wir allerdings in allen Versionen entfernen, wie Leute pinkeln“, verrät Oberlerchner. Danke, England. „In Australien erscheint das Spiel wegen den thematisierten Drogen vielleicht sogar gar nicht, aber dabei möchten wir auch keine Kompromisse eingehen.“ Tja, spätestens seit Fallout 3 kennt man die Schwierigkeiten mit der Prüfstelle in Down Under.

Nicht euer Bier. Ihr plagt euch mit anderen Hemmnissen. Als ihr fragt, wer Neil denn sei, rückt er schnell die Machtverhältnisse klar: „Ich bin der mit dem Schwert und du bist derjenige, der antwortet.“ Alles klar, Herr Kommissar. Nicht gerade sehr warmherzig, diese Banditen. Als ihr Neil von eurer Fahrt als blinder Passagier, dem Schiffbruch und der Landung am Strand erzählt, taut er auf. „Also hat doch jemand überlebt, wir dachten schon, der Inquisitor sei der Einzige.“ Der Inquisitor. Das war also der mysteriöse Typ, der sich mitten im Sturm davon teleportiert hat. Es bleibt spannend!

Der Gnom bewacht den Eingang zu einer Mine.

So hatte ich mir das mit der Vulkanfestung nicht vorgestellt. Ich hätte misstrauisch werden sollen, als dieser Türsteher namens Santiago zu mir meinte: „Keine Sorge, Kleiner, es tut nicht weh. Zumindest nicht sehr.“ Jetzt habe ich den Salat und stecke mitten in der Grundausbildung zum Inquisitor-Gehilfen. Gleichzeitig wird der Auftrag des Banditen-Anführers Brogar im Quest-Logbuch als gescheitert markiert. Denn Inquisitoren und Banditen vertragen sich nicht miteinander.

Der Spieler muss sich über kurz oder lang entscheiden, auf welcher Hochzeit er tanzt. Die Inquisition bietet für Magier mehr Möglichkeiten, Banditen kommen dafür an die fieseren Schlagtechniken und lernen zu stehlen. „Dass du jetzt für die Inqusition eingezogen wurdest, ist noch nicht endgültig“, beruhigt Oberlerchner mein ungutes Gefühl. „Du kannst auch später noch einmal die Seiten wechseln. Erst wenn du die Hafenstadt erreichst, solltest du wissen, was du willst.“ Also gut. Nachdem ich mir meinen Hare-Krishna-Inquisitions-Talar abgeholt habe, falle ich zumindest optisch unter diesen ganzen Rekruten nicht mehr sonderlich auf. Und etwas Gutes hat die Sache auch: Die Burschen hier bringen mir ein paar Kniffe für den Stabkampf bei. Tricks, die aber zunächst mit den eben angesprochenen Schmerzen verbunden sind.