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Test zu Evil Dead: The Game – Ich hatte Spaß mit Monster-Matschen, Film-Flair und dem coolen PvP!

Viel mehr als erwartet, längst nicht so schlimm wie befürchtet.
Weder inhaltlich noch in Sachen Action ist Evil Dead großes Kino. Unterhaltsamer B-Movie-Splatter und ein spannender Online-Wettlauf sind aber drin.

Wie fängt man gleichzeitig eine ganze Reihe an Filmen samt dazugehöriger Serie ein, ohne deren Geschichte weiterzuerzählen? Ganz einfach: Man wirft bekannte Haupt- und Nebenfiguren in einen bunten Topf und gibt ihnen die Möglichkeit einen bekannten Bösewicht aufzuhalten. Fragt nicht, ob das einen Sinn ergibt. Das ist genauso wenig von Belang wie die Tatsache, dass man Ash Williams in gleich vier Varianten spielen darf. Drei entsprechen seiner Figur in jedem der drei Filme und eine der Serie. Dieser Eintopf ist wie so oft mehr eine Art Collage denn interaktive Fortsetzung.

Gleichzeitig passt das alles aber auch hervorragend zum Vorbild, denn so wie man hier Zombies, Skelette und mehr verprügelt, zerhackt oder zersägt, gern mit einem blöden Spruch auf den Lippen und oft mit süffisanten Kopf-ab-Finishern, ist das nicht allzu weit von der Quelle entfernt. Dem Untoten eine schwungvolle Axt in den Hals drücken, unter dem Spaltwerkzeug hindurchtauchen, sodass man ihm den Rücken zukehrt, um ihm dann mit einem Blick über die Schulter dann den Ellbogen in die Kauleiste zu drücken. Ginge sicher einfacher. Wäre aber auch weniger spaßig. An dieser Stelle habe ich den Text übrigens gekürzt, weil das Aufzählen sonst Überhand genommen hätte.

Hier legen sich Kelly und Ash mit einem der Untoten an. Die starke Bewegungsunschärfe darf man leider nicht deaktivieren, weshalb es schwer ist scharfe Schnappschüsse zu erstellen.

Klar, aussuchen kann man sich die Finisher nicht, jedenfalls nicht direkt. Sie hängen vielmehr davon ab, was der Zufall entscheidet und welche Waffe man trägt. Immerhin lagern in Kisten und Häusern verschiedene Nah- und Fernkampfwaffen, weshalb man so ein bisschen Battle Royale spielt, während man die große Karte erkundet – was man deshalb tut, weil die vier Spieler sieben Aufgaben erfüllen müssen, um das Böse davon abzuhalten noch mehr Böses zu tun. Fragt nicht! Ihr müsst nur wissen, dass ihr als Gruppe "Überlebender" immer klar markierte Punkte ablaufen sollt, an denen ständig wachsende Herausforderungen, sprich zunehmend garstigere Gegner warten.

Die sind zum einen einfach da. Zum anderen ruft die ein fünfter Spieler herbei, der den kandarischen Dämon steuert und damit ein ganz anderes Spiel spielt als es der Vierertrupp tut. Der Dämon latscht nämlich nicht zu Fuß über die Karte, sondern schwebt unsichtbar im Eiltempo umher und beobachtet zunächst mal in Ruhe seine Umgebung. Cool ist, dass man sein Raunen sogar hört, wenn er in der Gegend ist. Weniger toll, wenn er irgendwann vorgefertigte Fallen aktiviert, die Monster herbeirufen, sobald sich ein Mensch nähert. Auch die Waffenkisten kann er zu Fallen umwandeln.

Der Dämon ruft außerdem selbst Kreaturen herbei und kann jede beliebige davon für kurze Zeit steuern. Auch von einem der vier Menschen kann er Besitz ergreifen, um dessen Mitstreiter zu attackieren. Oder er wird mal eben zum Auto und rollt munter über die Gruppe hinweg. Nicht zuletzt ruft er starke Bosse herbei, die den Überlebenden mächtig zusetzen und die er immer aktiv steuern muss. Vor allem in den späten Minuten der maximal halbstündigen Partien sind die eine große Gefahr.

Der Dämon fliegt unsichtbar umher und agiert am ehesten wie ein Echtzeitstratege, der zu viel Battlezone gespielt hat.

Vorher etwa nicht? Tatsächlich spielen sie anfangs keine Rolle, weil der Dämon seine Fähigkeiten erst entwickeln muss. Je erfolgreicher und beharrlicher er die anderen Spieler angreift, desto schneller steigt er dabei im Level auf und kann die Fähigkeiten zum Beschwören von Kreaturen oder des Bosses freischalten beziehungsweise deren Schlagkraft verstärken. Die Menschen tun dasselbe und investieren ihrerseits Erfahrungspunkte in das individuelle Verbessern etwa einer Handvoll Eigenschaften. Zumindest im Kleinen haben damit alle die Möglichkeit ihre gewünschte Spielweise zu betonen und es entbrennt ein Wettlauf darum, welche Seite irgendwann endgültig die Oberhand gewinnt.

Abgesehen davon lohnt es sich mit verschiedenen Alter Egos zu experimentieren, da die Charaktere unterschiedliche Fähigkeiten haben und es auch mehrere Dämonen mit ähnlichen Eigenheiten gibt. Wo der eine etwa sein Gefolge stärker macht, ist der andere mächtiger, wenn er selbst in den Kampf eingreift. Einer kann sich klonen, ein anderer hinterlässt eine ungesunde "Duftwolke" und so weiter. Die Menschen sind hingegen mal im Nahkampf, mal auf Entfernung besonders effektiv, entdecken Waffenkisten durch Wände hindurch oder erhalten einen Teil ihres Schildes zurück, wenn sie einen Gegner töten. Das kann auf den ersten Blick überwältigend sein, bietet auf lange Sicht aber Anreiz sich auf verschiedene Art auszuprobieren.

Jederzeit investiert man verdiente Erfahrungspunkte in neue oder verbesserte Fähigkeiten.

Nun ist da im Moment noch jede Menge Chaos im Spiel, weil viele offenbar noch gar nicht wissen, was genau sie eigentlich tun sollen und deshalb entweder als Dämon oder als Mitspieler ziemlich wirr durch den Wald stolpern. Viele aktuelle Partien enden deshalb in klaren Siegen beziehungsweise Niederlagen, was für engagierte Teamplayer natürlich dezent frustrierend ist, aber sich auch schnell ändern dürfte.

Grundsätzlich und besonders mit routinierten Mitstreitern macht mir dieser spielbare B-Movie aber schon jetzt erstaunlich viel Laune und das liegt nicht nur an den krassen Finishern, sondern unter anderem daran, dass man sich nicht direkt mit einem oder mehreren menschlichen Gegnern misst. Auch wenn der Dämon manchen Zombie ja selbst steuert, versenkt man Kettensägen und Schrot meist in profanen KI-Untoten, während auch der Dämon das Geschehen über weite Strecken indirekt lenkt und sein Ziel ja ohnehin nur das endgültige Aufhalten der Überlebenden ist, nicht ihr umgehendes Versagen. So feiern alle ständig kleine Erfolge, obwohl die Bedrohung menschlicher Konkurrenz immer spürbar ist.

Nicht vergessen will ich auch, dass der mal bei Nacht, mal in der Dämmerung erkundbare und mal verschneite, mal neblige Wald eine sehr stimmungsvolle Kulisse hermacht. Dem konzeptionell ähnlichen Dead by Daylight oder Friday the 13th ist er damit weit voraus, mit dem noch ähnlicheren Predator: Hunting Grounds dafür durchaus vergleichbar. Ich habe tatsächlich hin und wieder innegehalten, um wenigstens für ein paar Sekunden die Stimmung aufzusaugen.

Auch im verschneiten Winter ist man unterwegs.

Gut, die Steuerung ist weder beim Umsehen noch ganz allgemein ein Glanzpunkt. Man kann keine einzige Taste neu belegen und nicht einmal die Empfindlichkeit der Sticks einstellen. Dabei nutzt Evil Dead eins dieser Beschleunigungsprofile, die ich partout nicht ausstehen kann: Erst dreht sich die Kamera nur langsam, dann plötzlich sehr schnell. Vielleicht liegt es ja daran, dass das Spiel auf den Konsolen der letzten Generation mit schwierigen 30 Sekundenbildern auskommen muss. Die werden auch durch die viel zu starke Bewegungsunschärfe nicht erträglicher. Dass man zum Aufheben oder Benutzen von Gegenständen zudem genug davorstehen und den Blick exakt ausrichten muss, bevor man die entsprechende Taste drücken darf, macht es nicht besser.

Alles in allem ist Evil Dead mit seiner immer gleichen Missionskette und der extrem überschaubaren Abwechslung in Sachen Gegner ein recht simples Schlachtfest. Steckt in dem Genre denn partout nicht mehr drin? Das grundsätzlich gute Predator: Hunting Grounds litt nämlich an einer ähnlich ermüdenden Simplizität.

Ich wünschte, dass man den Dämon vielleicht täuschen und an einen falschen Ort und womöglich dort in eine Falle lenken könnte. Optionale Missionsziele könnten die Partie ebenfalls interessanter machen – für beide Seiten. Denn auch als Bösewicht sind die taktischen Möglichkeiten letztlich überschaubar. Dabei wäre schon viel mehr drin, könnte der Dämon zum Beispiel eine Vielzahl an Fallen frei platzieren, anstatt auf ein paar feste Punkte angewiesen zu sein.

Die an die Filme angelehnten Missionen sind eine nette Ablenkung für Solisten.

Im Überbau wird die fehlende Variation immerhin dadurch ausgeglichen, dass man nicht dazu gezwungen wird zu viert gegen einen Fünften zu spielen, denn stattdessen darf die Gruppe auch gegen einen KI-Dämon antreten. Man kann außerdem an der Seite von drei NPCs losziehen und es gibt sogar eine Reihe an Solo-Missionen, die an die Filme angelehnt sind. Von einer Kampagne will ich an dieser Stelle nicht sprechen, aber um das Warten auf verspätete Online-Kumpels zu überbrücken, sind die Missionen mitunter genau richtig.

Evil Dead: The Game – Test-Fazit

Auch wenn Evil Dead: The Game also kein großer Wurf ist – dazu ist es sowohl inhaltlich als auch im Kampf viel zu einförmig –, habe ich überraschend viel Spaß damit und kann mir sogar vorstellen, dass es so manchen Multiplayer-Muffel in den Wald lockt. Dass man den sonst üblichen Online-Stress nicht so stark spürt, weil sich Dämon und Menschengruppe über weite Strecken nur indirekt gegenüberstehen, erinnert nämlich mehr an klassische Koop-Erlebnisse als an anstregenden eSport. Geht erst mal die Post ab, kann man das ebenso plumpe wie herrlich überzogene Monster-Matschen deshalb recht entspannt genießen, während man sich je nach Partei über zerschlagene Schädel oder zu Boden gegangene Menschen freut. Auf eine sehr einfache Art trifft die Action also tatsächlich das, was die Filme vorgemacht haben. Na, dann: Wo ist gleich das Benzin für die Kettensäge?

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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