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The Devil in Me – Test: Guter Horror oder Guilty Pleasure? Erst war ich nicht sicher, später leider schon.

Was kann in einem „Murder Castle“ schon schiefgehen?
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Noch immer nicht mehr als ein guter B-Movie um eine nicht besonders gruselige, aber sehr stimmungsvolle und erstaunlich grausige Horrorgeschichte.

Was antwortet ihr eigentlich auf die Frage nach euren "Guilty Pleasures"? Also nach Filmen, Spielen oder sonstigen Beschäftigungen, von denen man genau weiß, dass sie gelinde formuliert, nicht besonders hochwertig sind oder von Vielen gar belächelt werden. Für mich sind das Horrorfilme. Nicht alle Horrorfilme natürlich, aber die schlechten unter ihnen. Von denen es leider viel zu viel zu viele gibt.

Auch die schaue ich nämlich fast alle zu Ende – ganz egal, wie idiotisch sich mal wieder die versammelte Mannschaft verhält oder wie albern umständlich die Todesszenen konstruiert werden. Und irgendwie passt The Devil in Me, das letzte Spiel der ersten Staffel von The Dark Pictures Anthology, da ganz gut rein. Denn auch da gehen mir einige der Charaktere gehörig auf den Senkel und führen Unterhaltungen, bei denen ich gar nicht schnell genug die Augen verdrehen konnte.

Ein Filmspiel um eine Filmcrew, die selbst unfreiwillig am Schauspiel eines skrupellosen Mörders teilnimmt. In Sachen Schauspiel und Kamera ist das solide gemacht – manchmal ist der Schnitt allerdings unnötig hektisch und scheint kurze Übergänge zu überspringen, was der Orientierung schadet.

Als der Regisseur einer fünfköpfigen Filmcrew jedenfalls meint, dass es doch gar nichts zu bedeuten hat, wenn seine Tontechnikerin in einen stockfinsteren Raum gesperrt und dort zu Tode erschreckt wird und dass Blutspuren auf dem Boden eines praktisch menschenleeren Hotels ebenso normal sein könnten, da wähnte ich mich im neuen Scary Movie. Mich kickt eine derartige Idiotie leider immer aus dem Film, weshalb mich das Schicksal der Deppen dann auch nicht mehr wirklich interessiert. Was bei einem Spiel, in dem ich sie auch noch verkörpern soll, durchaus ärgerlich ist.

Ach, ja: das Hotel. Ein Nachbau des angeblichen Murder Castle von H.H. Holmes, Amerikas erstem (wohl fälschlich) so bezeichneten Serienkiller. Über den drehen die vier jungen Leute sowie ihr… überambitionierter Regisseur eine Dokumentation, weshalb sie sich mit Kamera und Skript in der vermeintlichen Touristenattraktion einmieten, um freilich bald festzustellen, dass eine unbekannte Person dort ihren ganz eigenen Film fährt, dessen Darsteller sie selbst sind. Die große Attraktion ist dabei das mit Fallen gespickte Hotel, in dem sie nun nicht ganz so sorglos übernachten können.

Man darf The Devil in Me auch online zu zweit und bis zu fünft vor einem Bildschirm spielen, wobei alle Teilnehmer dann verschiedene Charaktere spielen.

Und wisst ihr was? Der zum Teil erstaunlich grausame Horror, den man dort erlebt, ist gar nicht so schlecht! Gruselig im Sinne nervenzerfetzender Spannung finde ich ihn nicht, aber wenn das Licht einer Taschenlampe den verwinkelten Ecken alter Flure Struktur verleiht, ist das mitunter unheimlich stimmungsvoll. Vor einigen clever arrangierten Schreckmomenten ziehe ich sogar meinen Hut. Bevor ich’s mir versah, wollte ich daher unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht und fand die manchmal planlose Filmcrew gar nicht mehr so wild.

Das liegt ja nicht nur an dem guten Killer-Thriller. Es hat auch damit zu tun, dass man die Gruppe in einer erfreulich unaufgeregten Einführung erst mal kennenlernt. Da haben viele Charaktere angenehm ruhige Szenen, in denen man im Wesentlichen nur durch die Umgebung läuft, um sich zu unterhalten. Man versteht, wie die Charaktere zueinander stehen und kann sogar die Beziehungen der Figuren (je nach Konstellation romantisch oder beruflich) in verschiedene Richtungen lenken – nicht im Sinne eines Rollenspiels, aber durch Multiple-Choice-Entscheidungen. Und je nachdem, wie sie dann zueinander stehen, entwickeln sich spätere Filmszenen dann auf unterschiedliche Art.

Ein altes Gebäude wie dieses war schon immer eine gute Kulisse für stimmungsvollen Horror.

Auch das sorgt dafür, dass man stärker ins Geschehen gezogen wird. Ich würde nur gerne diese Einblendungen abschalten, wie eine Entscheidung gerade was verändert hat. Das sollte in den Reaktionen der Charaktere lesbar sein und gerne auch mal im Dunkeln bleiben. Für mich haben rote und grüne HUD-Pfeile in einem cineastischen Erlebnis jedenfalls nichts verloren.

Abgesehen davon trifft man natürlich schnelle, pragmatische Entscheidungen, wenn’s um Leben und Tod geht. Wohin flüchtet man? Wie reagiert man, wenn der vermeintliche Mörder vor einem steht? Denn wer stirbt und wer davonkommt, liegt wie in den früheren Episoden der Dark Pictures Anthology in der Hand der Spieler. Gut, dass es dafür keine Pfeile braucht!

Man steckt also immer mittendrin. Das gelingt The Devil in Me ähnlich wie seinen Vorgängern sehr überzeugend. Dabei kommt diesmal sogar hinzu, dass man an manchen Stellen erst mal einen Weg schaffen muss, indem man zum Beispiel ein kleines Podest vor eine Anhöhe schiebt. Hin und wieder benötigt man auch Schlüssel oder andere Gegenstände, um Schlösser zu öffnen oder muss Sicherungskästen aktivieren.

Man kann jede Szene übrigens vom Hauptmenü aus laden und von dort aus auf andere Art weiterspielen. Leider darf man dabei nicht bis zur jeweils nächsten Entscheidung vorspulen, weshalb man bereits Erlebtes mehrfach ansehen muss.

Darin sind keine kniffligen Rätsel versteckt. Im Grunde handelt es sich um reine Laufarbeit. Außerdem dauert es immer eine Weile, bis die Figuren vom normalen Laufen in Bewegungen wie das Klettern übergehen. Von Vorbildern wie Resident Evil ist The Devil in Me daher weit entfernt – zumal Gefahren ja nie aus dem Spiel heraus entstehen, sondern fast immer nur in Filmszenen auftauchen. Besser als in den bisherigen Episoden fühlt sich der etwas größere spielerische Umfang aber an.

The Devil in Me - Test-Fazit

So ein richtiges Guilty Pleasure ist The Devil in Me also gar nicht. Es ist nämlich ein erstaunlich unterhaltsamer Thriller, den man zu großen Teilen selbst gestaltet. Überzeugend fand ich vor allem die dichte Atmosphäre in dem ausgesprochen grausigen Hotel und zu großen Teilen auch die Art und Weise, mit der man die Beziehungen der Charaktere beeinflusst. Das ist wie immer ein wenig holprig gefilmt und kommt nicht ohne Momente aus, in denen die hohle Hand mit Tempo auf die Stirn klatscht. Mich ärgert auch, dass man die Auswirkungen der Entscheidungen nicht ausblenden darf, denn das stört die Immersion des Geschehens. Im Gegenzug gibt es dafür ein paar ordentliche Schreckmomente, in deren Anschluss ich mir lachend einen Daumen nach oben an die Entwickler gedacht habe. Mit anderen Worten: The Devil in Me ist ein gelungener Abschluss der ersten Staffel. Die Zweite kann kommen!

The Devil in Me – Wertung: 7/10

Pro und Contra

Pros:

  • Stimmungsvolle Horrorgeschichte mit relativ offenem Ausgang
  • Einige gut platzierte Schreckmomente
  • Auch Verhalten in Multiple-Choice-Situationen beeinflusst spätere Ereignisse
  • Online kooperativ sowie abwechselnd bis zu fünf vor einem Bildschirm spielbar

Contras:

  • Einige auffallend unlogische Entscheidungen der Charaktere sowie mitunter holprige Inszenierung
  • Träge Steuerung beim Interagieren mit Umgebung
  • Anzeige der Auswirkungen von Entscheidungen nicht abschaltbar

Entwickler: Supermassive Games - Publisher: Bandai Namco - Plattformen: PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series S/X - Release: 18.11.2022 - Genre: Horror - Preis (UVP): knapp 40 Euro, in PS Plus Essential enthalten

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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