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Ein "Menschenvernichtungsspiel"? Darum war Star Wars: Dark Forces früher indiziert

Eine kleine Zeitreise.

Mit der Neuauflage Star Wars: Dark Forces Remaster könnt ihr den Shooter-Klassiker Star Wars: Dark Forces jetzt gänzlich neu erleben und das vor allem auch ohne Probleme in Deutschland. Denn das 1995 veröffentlichte Spiel war viele Jahre lang indiziert. Es waren damals einfach andere Zeiten und so kam es, dass kurz nach der Veröffentlichung die Indizierung der englischen und anschließend auch der deutschen Fassung erfolgte. Und so bliebt es lange Zeit. Erst im September 2020 gab es die Listenstreichung, bevor dann 2023 das Remaster angekündigt wurde.

Aber warum genau war Star Wars: Dark Forces eigentlich indiziert? Im Kino werden doch auch jede Menge Sturmtruppen und andere Imperiale über den Haufen geballert. Natürlich spielt die Interaktivität eine Rolle, denn ihr agiert hier selbst aus der Ego-Perspektive. Ihr drückt den Knopf und tötet andere Menschen. Und das ist noch harmlos ausgedrückt, wenn man sich die damaligen Dokumente zur Begründung einmal näher anschaut.

Ein Menschenvernichtungsspiel?

Die Indizierung der englischen Version geht auf einen Antrag des Stadtjugendamtes Frankfurt zurück. Darin heißt es: "Bei diesem Spiel handelt es sich um ein reines Schieß- und Menschenvernichtungsspiel das an Härte und Brutalität kaum Wünsche offen läßt. Mitleid und Mitgefühl finden in diesem Spiel keinen Platz. Der schnelle und zielgerichtete Einsatz der eigenen Waffe ist unumgänglich, da sonst die eigene Vernichtung droht. Das Spiel erscheint für Kinder und Jugendliche im höchsten Maße verrohend…"

Klingt ziemlich martialisch und das ist ein Ton, der sich gefühlt durch das gesamte Dokument zieht.

Der Grund für die Verweigerung der Altersfreigabe der englischen Version durch die USK: "Die Rahmenhandlung wird als dürftig abqualifiziert und der reinen Alibifunktion bezichtigt. Moniert wird die vollständige Abwesenheit non-aggressiver Konfliktmöglichkeiten, so komme ein 'Zurückweichen' der sofortigen Vernichtung gleich. Der Spieler sei – beständig unter dem psychischen Druck stehend, das eigene Überleben möglichst effektiv zu sichern – außerstande gesetzt, einen kritischen Abstand zum Spielgeschehen zu bewahren. Vielmehr werde vom Spielprogramm de facto das unreflektierte Vernichten des menschenähnlichen Gegners gefordert, dieses komme der Verherrlichung von Gewalt gleich und habe, … gerade auch für gewaltgefährdete Kinder negative Auswirkungen im Hinblick auf mögliche eigene Gewaltanwendung."

Star Wars: Dark Forces Remaster - Screenshots

Ritterähnliche Rüstungen und Leser-Standard-Gewehre

Dabei attestierte man dem Spiel zugleich, dass die "beherrschenden Gestaltungselemente" von Dark Forces sich an id Softwares "Marktschlager" Doom und Wolfenstein 3D anlehnen.

"Die Gegnerschar rekrutiert sich in den ersten Leveln aus napoleonähnlich bzw. grünlich uniformierten Soldaten (Imperiale Kommandos bzw. Imperiale Offiziere) und Menschen in ritterähnlichen Rüstungen (Sturmtruppen), sämtlich bewaffnet mit Leser-Standard-Gewehren [sic]. Mit ansteigendem Level ist eine Ausdifferenzierung der Gegnerschar zu verzeichnen: Androiden, Zyklopen und sonstige Phantasie-Gestalten gesellen sich den menschlichen hinzu – bleiben jedoch deutlich in der Minderzahl. Dem Spielersubstitut werden – zur Verteidigung von Leib und Leben – diverse Schußwaffen – von der einfachen 'Bryar'-Pistole bis hin zum tragbaren Granatwerfer – angedient."

Und weiter: "Als an Perfidie kaum zu überbietende Tötungsinstrumente stehen weiterhin 'Tellerminen' und sogenannte 'Thermaldetonatoren' zur Verfügung. Dabei erlaubt insbesondere der Einsatz ersterer ein sadistisches Delektieren an den Leiden des bzw. der Gegenüber: Diese werden mehrere Meter hoch in die Luft geschleudert, bevor sie ihr Leben aushauchen."

Sittliche Gefährdung

Letztlich schrieb man Dark Forces das Potenzial zu, "Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren. Die "bedenkenlos realistisch inszenierte Tötung" der überwiegend menschlichen Gegner stehe im Vordergrund, woran auch der Verzicht auf eine blutige Inszenierung nichts ändere. Durch die ständige Konzentration und das schnelle Gameplay bleibe keine Zeit, Inhalt und Kontext des Geschehens zu bewerten. Ebenso sah man die "Ausübung des Tötens im Auftrage des 'Guten'" nicht als entlastendes Argument, "(da) der Spielverlauf keine deutliche Bewertung zwischen Gut und Böse zuläßt, sondern auf einen Automatismus des Vernichtens aus ist."

"Wenngleich 'Dark Forces' auf eine blutige Inszenierung des Kampfgeschehens verzichtet, wird der Vernichtung der Gegner sowie dem Gebrauch großkalibriger Waffen große Aufmerksamkeit gewidmet: Da wird die Wirkung der Waffen durch gewaltige Explosionsblitze, verbunden mit entsprechendem Sound illustriert; werden die Getroffenen zerschmettert, 'weggepustet' oder atomisiert, während aus den Boxen die Aufforderung 'Mach ihn' fertig' vernehmbar ist", heißt es.

"Obschon die Art der Waffenbezeichnung auf einen futuristischen, irrealen Charakter derselben schließen läßt, wird vermittels der hochgradig realistischen Wirkungsweise (Erschießungs- und Sprengungszenen) ein deutlicher Bezug zu gebräuchlichen Schußwaffen- und Explosivkörpern hergestellt."

Oder anders gesagt: Die USK, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz) und das Gremium sahen hier ein in ihren Augen sehr gewalttätiges, verrohendes Spiel. Heute, fast 30 Jahre später, käme niemand mehr auf den Gedanken, Dark Forces zu indizieren. Auf Steam trägt das Remaster zum Beispiel die Alterskennzeichnung "6+", wenn auch nicht von der USK. Aber wie gesagt, es waren frühere andere Zeiten. Wie jeder, der damals mitbekommen hat, wie gefühlt jeden Monat mehrere neue Spiele auf dem Index landeten, selbst bezeugen kann. Gut, dass wir diese Zeiten hinter uns haben.

Was sagt ihr zur damaligen Begründung für die Indizierung?

In diesem artikel

Star Wars: Dark Forces

Video Game

Star Wars: Dark Forces Remaster

PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X/S, PC, Nintendo Switch

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.
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