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World in Conflict: Soviet Assault

Mauerfall mal anders

Montags-Demonstrationen, Perestroika und monatelange Demokratisierung. Alles Quatsch. Massive Entertainment zeigt zum 20sten Jubiläum des Mauerfalls, wie man die deutsch-deutsche Grenze mit einem militärischen Handstreich innerhalb von Minuten aus der Welt schafft. Gleich in der zweiten Mission von Soviet Assault sprengt das sowjetische Oberkommando das Prunkstück sozialistischer Unterdrückung mit einer gewaltigen Portion Sprengstoff. Kurz darauf marschiert die Rote Armee in West-Berlin ein und die Straße des 17. Juni wird in ein Schlachtfeld verwandelt.

Als begeisterter Wahlostberliner hatte ich natürlich einen Riesenspaß, die West-Hälfte mit meinen Panzer-Truppen zu überrollen. Schon die Intro-Sequenz für dieses denkwürdige Ereignis versprüht eine dicke Portion kommunistischen Charme und sorgt mit wehender DDR-Fahne und Fernsehturm für viel Ostalgie. Trotzdem machte sich schon nach wenigen Minuten, zumindest spielerisch, Ernüchterung breit. Statt dem Ausnahme-Strategie-Titel (Hier geht’s zum World in Conflict Test) ein würdiges Addon zu spendieren, wickelt Massive und Ubisoft den kommerziell wenig erfolgreichen Titel mit einer Mini-Kampagne ab, die in der Complete Edition in die US-Kampagne eingearbeitet wurde.

Anspruch und Abwechslung bewegen sich in den sechs spielbaren UDSSR-Missionen auf äußerst niedrigem Niveau. Wie in World in Conflict üblich, wird zwar ein bombastisches Spektakel mit gewaltigen Explosionen und packenden Kämpfen abgefackelt, doch frische Ideen sind Mangelware. Es gibt nur einen neuen taktischen Angriff (Phosphor-Angriff). Und der entpuppt sich als schwache Variante des amerikanischen Originals. Ganz anders sieht es dagegen bei den Zwischensequenzen aus, die in puncto Inszenierung mal wieder Zeichen setzen.

Dank kommunistischer Effizienz ist die Mauer nach wenigen Minuten Geschichte.

Drei ganz unterschiedliche russische Offiziere vermitteln ein packendes Bild der sowjetischen Invasionstruppen. Denn nicht jeder Soldat steht voll hinter dem Angriff auf die westliche Welt. Das Politbüro handelte aus purer Verzweiflung, da mit der Öffnung zum Westen das Ende des Kommunismus droht. Neben den privaten Ressentiments, Gefühlen und Gedanken der Soldaten, werden auch ernstere Themen, wie der Umgang mit der Zivilbevölkerung oder der Einsatz von Massenvernichtungswaffen behandelt. Hollywoodreif und erstklassig. Schade, dass das Gameplay so wenig Grund zum Jubeln gibt.

Während die Kampagne also erzählerisch Sinn macht, bringt sie durch die gleichen Einheiten spielerisch keine Abwechslung. Mal abgesehen von den Fallschirmtruppen aus der ersten Mission, die mit Schalldämpfern bewaffnet eine amerikanische Stellung sabotieren, gleichen sich amerikanische und sowjetische Einheiten wie ein Ei dem anderen. Eine Erleichterung für das Mehrspieler-Balancing, eine Katastrophe für die Mini-Kampagne. Da Ihr Euch nach den zwei Einstiegs-Aufträgen auch noch auf bekannten Karten tummelt, verliert Ihr schnell die Lust und ärgert Euch über die investierten 15 Euro.

Die Einstiegsmission ist packend inszeniert, aber wie der Rest zu leicht.

Zu Grafik, Sound und Multiplayer wurde dagegen schon fast alles gesagt. Selbst 2 Jahre nach Release macht World in Conflict Emporkömmling Dawn of War II in Sachen Optik den Genre-Thron streitig. Auf dem Bildschirm entfesselt sich ein eindrucksvolles Feuerwerk, das auch noch mit einer einmaligen Sound-Kulisse unterlegt wurde. Die neuen Missionen machen hier natürlich keine Ausnahme. Auch der Multiplayer bleibt erstklassig, fließt bei diesem Test aber nicht in die Wertung ein, da die Erweiterung nur neue Einzelspieler-Missionen umfasst. Für Käufer der Complete Edition bleibt er aber das ausschlaggebende Element.

Nur um das noch einmal klar zu stellen: Die Wertung gilt nur für das Addon als solches, das mit 15 Euro bei dem Umfang schlicht überteuert ist. Die Complete Edition würde trotz des hohen Alters durch die Sowjet-Missionen die gleiche Wertung wie damals erreichen, immerhin satte 9 Punkte. World in Conflict: Soviet Assault alleine enttäuscht dagegen mit gerade mal einer neuen Karte, nicht einem einzigen neuen Fahrzeug und wenig taktischen Alternativen. Die neuen Missionen funktionieren deshalb nur im Zusammenhang mit der US-Kampagne, um die andere Seite der Medaille zu beleuchten. Für Besitzer des Originals schlecht angelegtes Geld und ein eher schwacher Abgang dieser einmaligen Strategiespielfranchise.

World in Conflict: Soviet Assault ist für 15 Euro als Download und als Box erhältlich. Die Complete Edition kostet 29 Euro und integriert die neuen Missionen in die US-Kampagne.

6 / 10

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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