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Alt+F40: Die wirklich wichtigsten Videospiele 2022 (nämlich meine Favoriten!)

Folge 36: Die wichtigste Jahresvorschau ist immer die, die man selbst geschrieben hat - und warum Don't Look Up ein dummer, aber brillanter Film ist.

Hallo und "gesundes Neues" euch allen! Ich hoffe, ihr seid ohne größere Blessuren, Einsamkeit oder alternativ Familienstreitigkeiten über die Feiertage gekommen? Für alle drei Dinge stehen dieser Tage die Chancen leider nicht so schlecht. Ich persönlich hatte extra die Woche vor Weihnachten freigenommen, um die Kinder aus der Kita nehmen zu können. Schließlich wollte ich bei den (Schwieger-)Elternbesuchen nichts Ansteckendes anschleppen. Mit dem Resultat, dass ich mit dem Kleinen trotzdem zu Hause bleiben musste, weil der sich wohl noch am letzten Tag im Hort eine Bronchitis eingefangen hatte, die er direkt an mich weiterreichte. Danke für nichts, Welt! Die Zeit zwischen den Jahren konnten wir dafür ganz gut genießen und sogar ein schönes, wenngleich ruhiges Silvester bei Bier, Wein und (dem exzellenten Gesellschaftsspiel) Codenames feiern.

Was waren eure Katastrophen so um diese Jahreswende herum?

Inhalt


Die 6 spannendsten Spiele 2022 - wenn es nach Alex geht

Die Zeit nach dem Jahreswechsel ist nicht nur die, in der man sich ständig beim Datum vertippt und schwer damit beschäftigt ist, seine guten Vorsätze weiter rauszuschieben, sondern auch die der Ausblicke aufs Neue Jahr. Wir haben für euch in den letzten Tagen bereits einen möglichst breit gefächerten Scheinwerfer auf die Highlights 2022 in diversen Kategorien gerichtet, aber das wirklich Wichtigste blieb dabei irgendwie außen vor: Was zur Hölle sind eigentlich meine meist erwarteten Spiele 2022?

Das ist jetzt nicht einmal abschätzig oder überheblich all den schönen Games gegenüber gemeint, die wir euch in den anderen Artikeln vorgestellt haben (etwa in diesem hier, dem da oder eben jenem). Auch ich freue mich wahnsinnig auf viele dieser Titel, auch auf Blockbuster wie Zelda (das 2022 ganz sicher herauskommt!) oder God of War. Das sind Games, die zeigen insbesondere, dass 2022 nach den eher übersichtlichen letzten 12 Monate wieder ein richtig starkes, geschäftiges Jahr werden kann, wie wir sie vor der Pandemie kannten. Aber auf meiner persönlichen Liste stehen jedoch noch ein paar andere ziemlich weit oben, bei denen ich mich schlagen würde, wenn sie unerwähnt blieben. Sollen wir mal?

1. Marvel Midnight Suns: Ursprünglich sollte diese Liste mit Metal Slug Tactics beginnen, aber da das Benjamin schon in einem seiner Artikel erledigt hat, belasse ich es beim Namedropping. Auf derselben Stufe taktischer Vorfreude rangiert bei mir allerdings das neue Spiel einer meiner Helden: Jake Solomon und Firaxis machen nach der legendären Wiederbelebung eines meiner All-Time-Lieblingsspiele - XCOM - mit einem Marvel-Taktikspiel weiter, an das ich seit seiner Ankündigung mindestens einmal die Woche denken musste. Sicher, ein Kartensystem wäre als Unterbau wäre nicht das Erste gewesen, was mir für Rundentaktik unter diesen Vorzeichen einfällt. Aber wenn diese Leute es machen, habe ich volles Vertrauen - und wenn man mal ehrlich sind, ist das auch nur ein dezent anderer Weg, die Figuren ihre Skills auf dem Schlachtfeld ausspielen zu lassen. Das hier wird toll, da bin ich sicher - es ist eines dieser Spiele, bei denen ich mich meine Berufswahl besonders feiere, weil ich es noch vor dem Release in der hinteren Jahreshälfte 2022 spielen darf.

2. Songs of Conquest: Da sage noch mal einer, die PC Gaming Show der E3 wäre zu nichts gut: Dort debütierte 2019 der Ankündigungstrailer von Songs of Conquest, den ich euch unten verlinkt habe. Zwischen uns flogen direkt die Funken, nicht nur, weil Optik und Konzept genau mein Ding sind, sondern auch wegen der Musik, die einfach direkt signalisiert, dass diese Leute es ernst meinen mit ihrer Fantasy-Welt. Die erkundet ihr aus der Vogelperspektive nach Art von Heroes of Might and Magic, nur viel, viel, viel schöner. Ihr entdeckt Schätze, rüstet damit eure Stadt auf und rekrutiert Monster und Soldaten für taktische Rundengefechte. Die Grafik ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man klassische Pixel-Art mit zeitgemäßen Lichtspielereien und vorgetäuschter Tiefe absolut zeitgemäß und ästhetisch anziehend gestaltet. Für mich sogar noch schöner als die Pixel-Games, die so tun, als wären sie wirklich auf dem SNES herausgekommen. Es ist ein Look und eine Bildsprache, die zugleich Retro-Sensibilitäten anspricht, und sich trotzdem genuin neu anfühlt. Angeblich ist es schon im März so weit.

3. Ready or Not: Keine Ahnung, wie ich den Early-Access-Start Mitte Dezember verpasst habe - ach doch, das war mein vorletzter Arbeitstag des letzten Jahres. Egal: Dieser neuseeländische Koop-Taktik-Shooter sollte auf dem Wunschzettel von Leuten, die sich schon lange ein neues SWAT oder ein klassisches Rainbow Six wünschen, ganz weit oben stehen. Als Polizei-Spezialeinheit Geiselnahmen und Überfälle per Zugriff und mit nicht immer tödlicher Gewalt zu beenden, ist ein spannendes, aber in Vergessenheit geratenes Konzept, das auf Steam gerade ziemlich gefeiert wird. Endlich mal wieder ein Shooter, bei dem man sich im Vorfeld genau überlegen muss, wie man einen Raum betritt, von wo und mit welchen Mitteln. Jedes Zimmer ein neues Rätsel. Ich werde schon bald einen genaueren Blick für euch darauf werfen.

4. Sea of Stars: Ich muss gestehen, ich war erst verwirrt, ob der namentlichen Nähe zu Star Ocean, die vielleicht, vielleicht auch nicht beabsichtigt ist. Auf jeden Fall ist es ebenso ein klassisches RPG japanischer Machart, nur eben von den Kanadiern, die sich 2018 mit The Messenger so wahnsinnig viele Freunde gemacht haben. Visuell weckt es nur die besten Assoziationen, auf die Musik darf man nach dem famos vertonten letzten Werk schon vorab sehr gespannt sein und dass Sea of Stars in demselben Universum wie The Messenger spielt, macht mich gleich doppelt neugierig. Ich habe wahnsinnig große Lust darauf, und mir gefällt schon auf den Bildern, wie der Titel im Kleinen mit Erwartungen spielt. Etwa wenn die Figuren zu Beginn eines der Rundenkämpfe einfach an eine Position hechten, die sich gerade anbietet, statt immer in derselben Ecke des Bildschirms zu stehen. Sea of Stars mag sich wegen eines Termins noch nicht festlegen - 2022 scheint aber gesetzt zu sein.

Sifu: Schon vor einer Weile schrieb ich ja darüber, wie cool Sifu vermutlich wird. Jetzt ist der technische Kung-Fu-Brawler bald da - Stichtag 8. Februar - und ich spüre ernsthafte, kribbelige Vorfreude darauf. Es kommt selten vor, dass Spiele dieser Machart ein so kräftiges und akkurates Gefühl für Kontakt vermitteln. Im Rahmen eines solchen Kampfsystems wie ein Kung-Fu-Meister an meiner Technik zu feilen, ist für mich unfassbar reizvoll - und natürlich ist der Stil ein echter Gewinner.

UFO50: Ich bin nicht sicher, ob es so einfach nachzuvollziehen ist, was der Gedanke einer 50-Spiele-Sammlung mit jemandem macht, der sie nicht mehr kennt: Spielesammlungen wie das alte, kotzgrüne 32-in-1-Game-Modul für das Atari 2600. Ich finde die Idee, mich auf eine Safari durch 50 von einigen der talentiertesten Indie-Entwickler erdachten 8-Bit-Spiele zu begeben, wahnsinnig spannend. Natürlich wird nicht alles meinen Geschmack treffen und ein paar Nieten sind so gut wie sicher auch dabei. Aber ich freue mich, blind in eine Compilation von Titeln zu gehen, Spiele, über die ich rein gar nichts weiß und die mich vermutlich an ein, zwei Ecken gehörig überraschen wird. Wenn Spelunky-Erfinder Derek Yu ein Auge darauf hat, kann eigentlich wenig schiefgehen. Außer, dass es sich weiter und weiter nach hinten verschiebt. Ich hätte auch keine Ahnung, wie ich ein solches Projekt koordinieren sollte, aber ich hätte es so langsam mal gerne. Und zwar dringend.


Weitere Notizen - KW 01/22

Bei Alex in der Rotation: Hui, Sparta haben eine neue Platte raus - ich bin allerdings nicht sicher, ob sie mir gefällt. Später mehr - es sei denn, ich vergesse es. Was gut vorkommen kann. Außerdem habe ich habe Super Mario 3D World noch einmal angefangen und sogar meinen Viereinhalbjährigen einmal kurz draufschauen lassen. Der wollte als Erstes wissen, was "das für Tiere" sind (Goombas) und warum Mario überhaupt in diesen bunten Welten unterwegs ist. Irgendwas mit Prinzessin sicherlich - ich bin erst in Welt 2, hab's aber schon wieder vergessen. Er ist zu jung für diesen Scheiß - trotzdem wird es wohl 3D World werden, wenn ich ihn nächstes Jahr vermutlich das erste Mal selbst an ein Videospiel heranlasse. Ach, ich habe mir auch noch Teardown gegönnt, das Demolierspiel, bei dem man sich seine Taktik gut zurechtlegen muss, um Dinge zu stehlen, zu ruinieren oder anderweitig verschwinden zu lassen. Darüber hört ihr demnächst ebenfalls mehr von mir.

Musiktipp der Woche: Wild Beasts - All the King's Men. Ich schätze, die Wild Beasts polarisieren. Vor allem, weil Sänger Nummer eins, Hayden Thorpe, mit seinem Falsett schon mal die Geduld strapazieren kann, wenn man sonst eher konventionelle Hörgewohnheiten hat. In diesem Stück der vor ein paar Jahren aufgelösten Combo, das man getrost als Kritik an toxischer Maskulinität begreifen darf, singt aber Nummer zwei, Tom Fleming. Dessen Bariton ist schon ein ordentlicher Bauchstreichler. Insgesamt schon etwas extravagant, aber von wunderbarer klanglicher Ästhetik und hübsch arrangiert. Und viel Glück, die Melodie des beschwipsten Background-Gesangs heute noch wieder aus dem Ohr zu bekommen!


Höhepunkt der Woche: Mein Kopfhörerverstärker ist da - eine Pro-Ject Headbox S2 - und unterfüttert meine alte Creative ZxR mit genug Muskeln und Souveränität, dass meine neuen Beyerdynamic-Amiron-Kopfhörer jetzt noch einmal mehr Spaß machen als ohnehin schon. Ich höre so unendlich viel mehr Musik (auch wenn Tidal in Hi-Fi-Qualität meine Leitung manchmal schon ganz gut beansprucht), entdecke altes neu und höre im ersten Anlauf frischer Alben produktionstechnische Feinheiten heraus, für die mir sonst nie aufgefallen wären. Ein Erlebnis! Lustigerweise hatte ein Silvesterspiel mir das gewissermaßen so vorhergesagt: "Der Titel des Songs, der Nummer 1 der Charts war, als du 22 wurdest, wird dein Motto für 2022". Bei mir war es Madonnas "Music". Fürchterlicher Song, aber ein schönes, realistisches Ziel für das neue Jahr - wieder mehr Musik hören.

Falls ihr jetzt auch nachschauen wollt, was dieses Jahr für euch in petto hat, nehmt unbedingt die US-Billboards. Ich kenne Leute, die in die deutschen Charts geschaut hatten und bei denen "Dragostea din tei" rauskam. Sie sind seither ein Schatten ihrer selbst...


Mittelpunkt (?!) der Woche: SPOILER zu Don't Look Up! Überspringt diesen Absatz, wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt. Für mich kein perfekter oder in seiner primären Erzählebene besonders cleverer Streifen. Vor allem fand ich ihn deutlich zu lang und viel vom Humor landete bei mir nicht richtig. Wichtig ist er trotzdem. Ich hab's an anderer Stelle schon geschrieben, aber ich fand faszinierend, dass ich mich bis zum Schluss selbst noch weigerte, wirklich "nach oben zu schauen". Auch ich habe unterbewusst willentlich die Warnungen der Wissenschaft in den Wind geschrieben und mir mit aller Kraft einen Restfunken Hoffnung bewahrt, dass es nicht alles so schlimm kommt, wie prophezeit. Das ist für mich das entscheidende Kunststück dieses Films und Teil des Problems, das er auf einer Meta-Ebene veranschaulicht: Wir sitzen bis zum Schluss alle im Wohnzimmer und tun so, als ginge ringsum nicht gerade die Welt unter. Das war schon mächtig.

Passend dazu: Nächstes Thema, ich bin wieder drin, in Hunt Showdown und ich bereue nichts. Das Winter Solstice Event war gut gemacht und nicht einmal besonders grindig, trotzdem macht's mich ein bisschen mürbe, dass zu spät eingestiegen war, um es weiter zu bringen, als bis zum neuen Molotov-Skin. Aber der kann sich auch schon sehen lassen. Ich wäre auch nicht so angefressen, hätte Hunt nicht immer noch mitunter die schönsten Skins von allen Games, die so etwas anbieten. Ich lasse da sowieso schon gerne mal hier und da einen Taler springen - und irgendwann kehren auch die alten Event-Skins zurück und können dann noch einmal freigeschaltet werden.

DLC, wie er mir gefällt: Einfallsreiche und aufwendige Charakter- und Waffenskins, die der Welt mehr Textur verleihen.

Tiefpunkt der Woche: Konami. Castlevania. 35. Geburtstag. Happy NFT Birthday! Das kann nicht ihr Ernst sein. Ich war gerade dabei, leise Hoffnung anzumelden - weil Grimoire of Souls auf Apple Arcade alles andere als schlecht war und auch die Collections gut gemacht sind - da hauen sie so eine Nummer raus. Schämen wäre jetzt angebracht. Aber mit der Scham ist es bei Konami offensichtlich nicht mehr so weit her.

Über die Feiertage hat sie alleine im Büro sehr gelitten. Der Doktor hat mehr Sonne verordnet. Und die soll sie bekommen. Zeit, umzutopfen.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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