Dragon's Dogma

Drachenkrieger

Japanische Entwickler stehen schon seit geraumer Zeit schwer in der Kritik – Japan verpasst den Anschluss an die West-Entwickler, kommt mit den HD-Systemen nicht zurecht und wird immer irrelevanter blablabla, salbader-salbader-salbader... kennt man ja. Auch wenn manche dieser Punkte durchaus einen wahren Kern haben mögen, so wird doch gerne vergessen, dass das sicher für manche, aber lange nicht für alle japanischen Entwickler gilt – vor allem Capcom nimmt hier eine echte Sonderrolle ein.

Wie kein zweiter japanischer Entwickler gelang es Capcom bisher in jeder Generation, neue Reihen zu etablieren, bestehende Serien gekonnt auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und sich immer wieder in gewisser Weise neu zu erfinden, ohne aber seine eigene Identität zu verraten oder aufzugeben.

Zu NES-Zeiten glänzte Capcom mit tollen Disney-Jump'n'Runs und Arcade-Konvertierungen wie Strider oder Ghosts'n'Goblins. Auf 16-Bit feierte man mit Street Fighter 2 große Erfolge und setzte mit den Breath-of-Fire-Spielen sogar RPG-Akzente. Auf der PSone war Resident Evil ein gigantischer Erfolg, auf PS2 begeisterten Action-Kracher wie Onimusha und Devil May Cry, während es in der aktuellen Generation ein hierzulande verpöntes Zombie-Spiel und das spektakuläre Street-Fighter-Comeback sind. Und mit Monster Hunter sorgt Capcom im Alleingang dafür, dass sich die PSP zumindest in Japan immer noch verkauft wie geschnitten Brot.

Das vor kurzem angekündigte Dragon's Dogma scheint nun für den unbedarften Betrachter wie der gezielte Versuch, den Erfolg von Monster Hunter auf die HD-Konsolen und vor allem auch in den Westen zu übertragen. Teambasiertes Gameplay, eine Fantasy-Welt und große, große Monster. Doch dieser erste Eindruck täuscht.

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Dem Greifen geht's an den Kragen: Die Flügel brennen bereits und an seinem Hals macht sich einer der Helden zu schaffen.

Capcom klatscht hier nicht einfach eine frische Ladung HD-Farbe auf das Monster-Hunter-Gerüst, sondern vermengt gekonnt Elemente aus den eigenen Erfolgsreihen mit westlichen Open-World-Elementen und einem Touch von From Softwares PS3-Überraschungshit Demon's Souls.

Tatsächlich, auf den ersten Blick wirkt Dragon´s Dogma eigentlich so gar nicht wie ein typischer Capcom-Titel, Design und Welt erinnern eher an westliche RPG-Kost Marke Dragon Age oder Elder Scrolls. Die Geschichte beginnt, als ein riesiger Drache in euer kleines, wehrloses Dorf einfällt. Das Biest bringt Chaos und Zerstörung mit sich, doch als es euch erblickt, geschieht etwas Merkwürdiges. Der Drache erwählt euch als seinen Schützling (indem er euch wenig feinfühlig das Herz herausreißt) aus und verleiht euch besondere Kräfte: Für den Rest des Spiels ist der schuppige Unhold irgendwie so eine Art Mentor, auch wenn er nach wie vor ein grimmiges Monster bleibt.

Dragon's Dogma ist eine Mischung aus RPG und Actionspiel, wobei die Entwickler den Begriff RPG aber tunlichst vermeiden – sie bezeichnen das Spiel als Action-Adventure, wohl um Assoziationen mit den rundenbasierten Kämpfen zu vermeiden, die gerade japanische Spieler nach wie vor mit den Begriff RPG verbinden. Trotzdem, auf der einen Seite sind Charakterentwicklung und Handlung sehr präsent, auf der anderen Seite sind die Kämpfe brachial und wild – man merkt, dass hier das Team von Devil May Cry involviert ist.

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Die weitläufigen Landschaften könnten auch aus einem westlichen Rollenspiel stammen.

Das wichtigste Element im Kampf ist die Greif-Funktion. Auf Knopfdruck interagiert ihr direkt mit einem Gegner. Wie ihr das tut, hängt vom jeweiligen Monster ab. Einen kleinen Widersacher werft ihr einfach locker über die Schulter und tragt ihn mit euch herum, bis ihr ihn direkt auf ein anderes Monster schleudert.

Kniffliger ist da schon das Greifen von größeren Viechern: Bei denen haltet ihr euch dann an Fellen, Stacheln oder Hörnern fest und könnt dann auf ihnen herumklettern, um deren verwundbare Stellen besser zu erreichen – da werden Erinnerungen an Sonys famoses Shadow of the Colossus wach. Bisher war der Kampf gegen eine vierköpfige Hydra und einen mächtigen Greifen zu sehen: Während die Hydra eure Mitstreiter verschlingen kann (und ihr dann einen Weg finden müsst, sie aus dem Biest wieder herauszubekommen), ist der Greif sehr schwer zu treffen, da er sich meist in der Luft befindet – Distanzwaffen leisten euch hier gute Dienste.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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