E3 2012: Die Nintendo-Show - Kommentar

Die Show, mit der Nintendo in mein Leben zurückkehrte, Mario wieder die Sonnen scheinen ließ und Ubisoft die ZombiUes dazuholte

"Wir wollen die Spieler wieder näher an komplexere Spiele heranführen." - Shigeru Miyamoto.

Hat er das wirklich grad gesagt? Der Mann, der eine Schlüsselfigur vor sechs Jahren war, als die Wii die Spiele so weit vereinfachte, dass praktisch jeder Spaß haben konnte und nie wieder die Bowling-Bahn verlassen wollte?

Nun, das höre ich gern, Nintendo. Wirklich gern.

Dass ich kein Wii-Fan bin, ist kein Geheimnis. Letztlich gab es dafür einen wichtigen Grund: Die Technik. Ich hatte vor so gefühlt langer Zeit das Gefühl etwas zu kaufen, was nicht mit meiner restlichen Technik mithalten konnte und das selbst mein Billig-DVD-Player mehr Bild-Leistung zu bieten hatte. Die Wii U hatte mich aus diesem Grund auch sofort. 1080p und Nintendo Games. Plus die Ansage, dass diese Games auch komplex und anspruchsvoll werden sollen. Was kann man sich mehr wünschen?

Zum Beispiel eine Konsole, die zwei Pads unterstützt. Wie die Wii U zum Beispiel. Es gab ja durchaus Sorge, dass da nur eines der Touch-Pads dranhängen würde, aber das ist jetzt vom Tisch. Was das Pad sonst angeht, gibt nach wie vor die üblichen Bedenken. Infrarot-Verbindung? Stylus? Aber gut, so teuer darf das Ding nicht werden und die Möglichkeiten, die gezeigt wurden, haben mich - zumindest für Moment - in einen Gläubigen verwandelt. Selbst wenn die Show durchgehend sehr nüchtern gehalten war - was ja nichts Schlechtes sein muss - und ich die Stimme und den Auftritt von Reggie Fils-Aime nicht abkann. Sonst mag der Mann ja ein netter Mensch sein, aber bei seinen Shows, weiß ich nie, ob er mir eine Heizdecke oder einen Atomkrieg verkaufen möchte, aber ein Videospiel nehme ich ihm nie so richtig ab. Gut, dass Miyamoto selbst die Einführung des ersten Spiels übernahm.

Pikmin 3 & Super Mario Bros. Wii U

Pikmin 3, als Intro der Veranstaltung von Miyamoto persönlich mit viel Witz vorgestellt, ist ein guter Einstieg für das Versprechen des komplexeren Gameplays. Das schon früher keineswegs simple Spielchen erhält durch den Touchscreen neue Möglichkeiten. Es gibt nun vier Anführer, die die Horde der 100 Pikmins sinnvoll koordinieren müssen. Der Touchscreen zeigt eine Karte, vergleichbar mit denen anderer Echtzeitstrategiespiele und so wird sie auch genutzt. Ihr koordiniert eine Aktion auf der einen Seite, springt schnell woanders hin, gebt dem nächsten Anführer neue Kommandos und springt zu einem Dritten. Das plus die neuen Stein-Pikmins, die Hindernisse zerstören können, sollte das eine sehr solide, anspruchsvolle und unterhaltsame Spielerfahrung werden.

UND WAS FÜR EINE NIEDLICHE!!! DIE SIND SOOO SÜSSSS!!!

Nintendo kann Design, daran bestand nie Zweifel und dieses in HD-Auflösung zu sehen, ist so dermaßen wundervoll, dass ich beim Anblick New Super Mario Bros. U kindliche Freudengluckser ausstieß. Mein Eintrag an der Stelle im Notizbuch: OMG - I LOVE IT!!! Ernsthaft, ich stehe dazu, die Wii mag für mich persönlich eine verlorene Nintendo-Generation sein, ich habe sicher viel aus den falschen Gründen verpasst, aber mit der Wii U ist das Geschichte. Es ist der perfekte Mario-Stil, nur in noch viel schöner, aber mit all den Features, die man kennt. Der Touch selbst kommt dabei nicht zwangsweise übermäßig zum Einsatz, jedenfalls machte es nicht den Eindruck. Wer einfach ein Hüpfspiel haben möchte, das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu den Besten der Welt zählt, bekommt das. Aber ihr könnt auch mit vier Spielern - genug konventionelle Wii-Motes vorausgesetzt - loslegen und einen fünften Spieler als Helferlein engagieren. Er setzt Steine an strategisch günstige Orte, sodass die anderen Spieler die Level schneller beenden können. Speeddruns bekommen dadurch eine noch taktischere Komponente. Oder zumindest ein fünfter Gast etwas zu tun. So oder so, selbst wenn kein weiteres Game angekündigt werden würde, für diese beiden würde ich das Geld locker machen.

Aber die Gefahr ist natürlich gering, denn einen Mangel an Spielen dürfte es wohl nicht geben. 20 bis 30 Titel sind jetzt schon auf der E3 in der einen oder anderen Vorstellungsform unterwegs. Darunter eine Menge bekannte Spiele, die nun in einer mal mehr, mal weniger leicht erweiterten Form und mit Touch-Pad-Unterstützung an den Start gehen. Den größten Jubel innerhalb eines kurzen Trailers bekam Mass Effect 3, mein Highlight war ein umfangreicheres Castlevania: Lords of Shadow, dann blitzten Eindrücke von Darksiders 2, Tekken Tag Tournament 2, Trine 2 Director's Cut, Ninja Gaiden 3 und Aliens: Colonial Marines vorbei. Wie diese Spiele den durchgehend vorhandenen "Reloaded"-Ersatz-Titel hinter dem eigentlichen Namen verdienen, wird sich in Kürze zeigen. Aber schön, dass die überzeugte Nintendo-Schar auch noch Mass Effect oder Castlevania nachholen kann. Gute Spiele sollten schließlich alle spielen können.

Batman Arkham City: Armored Edition

Mehr ins Detail ging es dann bei Batman Arkham City: Armored Edition. Dieses nimmt seinen Namensanhängsel von der neuen Rüstung, die sich mit kinetischer Energie auflädt - wie, das fragt ihr am Besten Alfred, der weiß so was - und stärkere Angriffe erlaubt, die über das Touch ausgelöst werden. Interessanter scheint das Scan-Feature, was wohl bei vielen Core-Spielen in der einen oder anderen Form zum Einsatz kommen wird. Ihr haltet den Touch vor den TV und seht darauf dann einen Detective-Gitter-Riss mit neuen Informationen. In dieser Sicht lassen sich auch Bomben platzieren und auf Fingerdruck gezielt und ohne umständliches Durchschalten explodieren, um Reihen von Gegnern auszuschalten. Auch der Batarang ist nun mit dem Touch-Screen als Sicht gezielter fernlenken. Im Spiel selbst wird es auch noch Ergänzungen geben, womit das hier sich seinen Extra-Namen definitiv ehrlich verdient hat.

Das zweite Warner-Spiel macht wahrscheinlich nicht weniger Spaß, hat aber nicht so ganz den Schauwert: Scribblenauts Unlimited setzt den kleinen Screen als Bastelfeld ein, in dem ihr schreibt, baut und euch mit Freunden austauscht, um dann auf dem TV selbst zu spielen. Was man natürlich nicht muss, denn wie viele Wii-U-Spiele wird es auch auf dem Touch alleine laufen können, sodass der Fernseher für Frau und Tatort frei bleibt.

Nintendo entdeckt Online-Gaming

Aber eigentlich soll sie ja mitspielen und der Rest der Welt auch. Man könnte fast meinen, dass so, wie es hier erzählt wurde, Nintendo gerade erst die Welt des Online-Gaming entdeckt hat. In gewisser Weise stimmt das ja auch. Der Startscreen der Wii U zeigt Spiele, die ihr gerade spielt, als Icons, andere Games, die viele Freunde zocken, auch und um diese Icons versammeln sich die Miis dieser Welt. Kurz-Nachrichten poppen auf, Miis wechseln die Plätze und es wirkt Nintendo-typisch alles sehr freundlich und schön. Wirklich was Neues ist es natürlich nicht, aber es wirkt halt niedlicher als das, was Microsoft und Sony schon seit Ewigkeiten tun. Hoffen wir nur, dass sich dahinter nicht irgendwo doch noch die unsäglichen Freundescodes verstecken.

Der Spielplatz für den Social-Teil wird Nintendoland werden und ich bin mir ehrlich gesagt in keiner Weise sicher, ob ich es wirklich verstanden habe. Was ich sah, war ein Hub, eine Art überbunter Vergnügungspark, in dem hundert Miis herumtollten und zwölf Rides zur Auswahl hatten, alle nach Nintendo-Franchises gestaltet. Da ist Zelda, Animal Crossing und Luigis Mansion und sie alle sind Mini-Games. Mal Solo, mal Multiplayer und alles scheint einfach ein Spielplatz zu sein. Einfach ist dabei vielleicht das falsche Wort, denn es macht den Eindruck einer Mischung aus Chatroom und Tollhaus, mit angedockten Minigames. Das, was Sony mal mit Playstation Home probierte, nur in schick halt. Wenn es denn funktioniert. Und einer weiß, was er damit soll. Bin wohl einfach nicht kommunikativ genug, um mich angemessen auf Nintendoland zu freuen.

ZombiUes

Aber gut, dass Online kein großes Thema mehr sein wird - oder vielmehr: kein Problem, denn auf der Show, wird es gefeiert, als wäre es etwas Besonderes. Egal, solange es in den großen Ubisoft-Titel wie Far Cry 3 oder Assassins Creed 3 laufen wird. Von denen war außer den Logos nicht viel zu sehen, dafür wurde ZombiU etwas ausgiebiger als bei der Ubi-Show demonstriert. Auch hier nutzt ihr den Touch-Screen wie schon bei Batman als Scanner, um Zombies als rote Punkte in der Dunkelheit früh ausmachen zu können. Karte und Inventar sind zwei weitere Features, die wir auf dem Touch sicher häufiger sehen werden. Und sehr nett und hektisch wirkte das Knacken von Code-Schlössern auf dem Touch, während auf dem TV die Zombiehorden näher kommen. Die Optik des Spiels macht einen ordentlichen, stimmigen Eindruck, auch wenn ich persönlich langsam von den endlosen Zombikalypsen genug habe. Ihr aber sicher nicht, also freut euch ruhig auf ZombiU.

Ein neues Wii Fit und Just Dance - letzteres von Ubisoft - mag jetzt für den Core-Gamer nicht so spannend sein, aber mit der Zahl 43 Millionen verkaufter Einheiten von Wii Fit im Hinterkopf, lässt sich schnell erkennen, dass Nintendo und auch die Third Partys Motion und Fitness-Games ernstnehmen müssen. Wii Fit setzt den Touch eher bedingt sinnvoll ein, solange auch der große Screen läuft, aber die Möglichkeit nur das Board und den Touch zu brauchen, während auf dem großen Schirm eine neue Folge Game of Thrones über die Xbox läuft, ist mehr als nur etwas reizvoll. In Just Dance lässt der Touch dagegen den fünften Spieler Spaß haben, indem er die Choreographie on the fly verändert und dafür sorgt, dass die vier überforderten Tänzer ihn hassen. Die hier in der Show waren aber gut trainierte und auch wenn sie nicht sekundengenau mit Reggies sadistischer Auswahl an Tanzmoves hinterherkamen, lächelten sie das doch elegant weg. Rechnet damit nicht bei euren Freunden.

Den 3DS gibt es ja auch noch

Der 3DS kam etwas kurz in der Show, aber da Nintendo um seine Bedeutung weiß, haben sie ihm eine eigene Show am morgigen Tag eingeräumt. Ein paar Sachen durften aber nicht ungesagt bleiben und so kommt denn Super Mario Bros. 2 und das schon ziemlich bald: Am 19. August ist es in den USA soweit. Das Spiel sieht nach dem aus, was man haben will: Mario. Nur mit viel mehr Goldmünzen. Alles dreht sich um Goldmünzen und keinen Sekundbruchteil schien Mario keine Münze zu sammeln. Dahinter stecken wohl recht intelligente Spielmechaniken, die sich in den paar Sekunden jedoch nicht so recht dem Zuschauer erschlossen. Egal, ist Mario, wird super.

Das gilt natürlich auch für Paper Mario Sticker Star. Die namensgebenden Sticker sind überall in der Landschaft verteilt und geben Mario neue Angriffe und Möglichkeiten. Sammelt einen Stiefel und ihr habt einen Tritt-Angriff, ein Hammer ist eine Waffe, andere Sachen sollen euch helfen geheime Bereich zu entdecken. Luigis Mansion: Dark Moon wurde kurz vorgestellt., dann noch Castlevania: Lords of Shadow und Disneys Epic Mickey - ein 2D Jumper - in harter Taktung abgewickelt. Gut, dass der 3DS seine eigene Show bekommt.

So, eine Stunde Reggie zuzuhören, ist hart, aber nicht wegen dem, was gezeigt wurde. Im Gegenteil, ich bin dabei, Nintendo, 1080p haben mich zurückgewonnen, Mario sowieso und alle Touch-Einsätze, die man hier sehen konnte, waren mindestens nett und nicht störend bis hin zu Oh-mein-Gott-wie-cool-ist-das-denn. Alles wohlgemerkt aus selten mehr als minutenlangen Einblicken, nagelt mich also später nicht drauf fest. Aber für den Moment bin ich überzeugt, dass die Wii U die Spielewelt bereichern wird. Eine Stunde reichte, um in diesem Zustand anzukommen und wehe, wenn die Realität auch in diesem Fall einen harten Boden zum unsanftem Landen haben sollte.

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Über den Autor:

Martin Woger

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