DayZ - Zwischenstand aus der Alpha und die Geschichte von Dave

Es läuft und läuft und läuft.

Fiel mein Urteil Anfang Januar noch zwiegespalten aus, nimmt die DayZ-Stand-alone-Version immer konkretere Formen an. Nicht ganz zwei Wochen spiele ich schon Version 0.32.114557 und für diese Woche hat sich das nächste große Update angekündigt. Der aktuelle Patch brachte Speedloader für diverse Waffen mit sich, damit das Nachladen zumindest so lange auf Druck von "R" funktioniert, wie man gefüllte Clips im Rucksack mit sich führt. Dazu kamen zahllose Balance-Updates, Fixes und kleinere Ergänzungen, die das Spiel an der Basis verbreitern.

Auch Schrotflinten gibt es jetzt und die dazu passende Metallsäge gewährt einen ersten Vorgeschmack auf das Crafting-System: Mit ihr kürzt man den schlagkräftigen Doppelläufer, damit er in einen Rucksack passt. Andernorts finden sich Sprühdosen verschiedenster Farben, mit denen sich zumindest das Moisin-Nagant-Gewehr schon mal umgestalten lässt. Der Test ist zum Großteil geglückt und lässt doch sehr für zukünftige Individualisierungsmöglichkeiten hoffen. Leider sorgt ein Bug derzeit dafür, dass so modifizierte Moisins nur noch eine Kugel fassen. Der noch für diese Woche angekündigte Patch soll hier schon Abhilfe schaffen.

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Taktisch unklug: mitten über die Wiese auf die Scheune zu, anstatt im Schutz der Bäume.

Wunderbar ist vor allem, wie die Entwickler "Chernarus+" unentwegt verbessern. Mit Svetloyarsk gibt es nun eine neue Stadt am entlegenen Fjord im Nordosten der Karte. Hier findet ihr ein Polizeirevier, einen Hafen, ein Bahnhofsgelände und ein Krankenhaus sowie einen großen Marktplatz. Dazu reichlich taktisch interessanter Höhenunterschiede, denn das Städtchen fällt in Richtung Hafen deutlich ab und die nahen Klippen bedeuten reichlich Heckenschützengefahr von Norden aus. Hier wird es einige interessante Schlachten zu schlagen geben. Da bin ich mir sicher. Wenn die Norderweiterung der Karte so weitergeht, wird sich das gesamte (Über-)Leben nachhaltig dorthin verschieben. Rocket hatte im Vorfeld schon viel von den Veränderungen an der Karte erzählt. Sie aber jetzt mit jeder Stadt, die man das erste Mal in überarbeiteter Form sieht, am eigenen Leibe zu erfahren, ist schon etwas ganz Besonders. Alles wirkt noch organischer, detailfreudiger und apokalyptischer. Es ist vielleicht die überzeugendste Spielwelt, die ich kenne, und sich in ihr zu bewegen ist eine wahre Freude. Der Spaziergehsimulator 2014 - jetzt mit Schusswaffen!

Sein Name war Dave

Svetloyarsk war auch der Ort, an dem für mich eine merkwürdige Freundschaft begann. Im Polizeirevier clippte meine Spielfigur in der zweiten Etage durch eine Wand und brach sich beim Sturz das Bein. Weder Morphium führte ich mit mir, noch einen Stock und ein Seil, mit denen ich eine Schiene hätte anfertigen können. Nachdem ich etwa 50 Meter in Richtung einiger Garagen gerobbt war, wo ich die entsprechenden Utensilien erhoffte, zerschnitten zwei Revolverschüsse die Luft. Ich drehte mich um und wollte gerade meine Waffe ziehen, als ich sah, dass der andere Überlebende keine 20 Meter hinter mir gerade zwei Zombies niedergestreckt hatte. Jetzt bedeutete er mir, die Waffe besser stecken zu lassen. Er fragte nicht, ob ich "friendly" sei, und im Geiste überlegte ich schon, welche Route ich mit meinem nächsten Charakter einschlagen würde. Das musste doch das Ende sein.

Tatsächlich stand der motorradbehelmte Fremde auf einmal über mir und versorgte offensichtlich meine Wunden. Und siehe, ich konnte wenige Augenblicke später wieder laufen. "Ich bin Dave. Hast Du Lust, zusammen zum nordöstlichen Flughafen zu gehen?" Das NEAF ist ein militärisches Gebiet, das zwar nicht ganz so lukrativ ist wie sein berüchtigtes nordwestliches Gegenstück. Aber zwei kleine Gefängnisse, zwei Hangars und ein ATC ziehen auch so genügend Aufmerksamkeit auf sich. Es ist in aller Regel eine Shoot-first-ask-questions-later-Zone und sich zu zweit zum Beutezug dorthin zu begeben eine taktisch sehr aufregende Angelegenheit. Klar wollte ich, Dave hatte offensichtlich ein Herz aus Gold - und eine Moisin Nagant mit dem stärksten aller Zielfernrohre im Spiel. Ein echter Scharfschütze.

"Das nordöstliche Flugfeld ist in aller Regel eine Shoot-first-ask-questions-later-Zone."

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Man sieht den Wald vor lauter Sonne nicht. Manchmal muss man einfach stehen bleiben und einen Bild machen.

In Olsha, nordöstlich des Flugfeldes, bereiteten wir uns auf unseren Einsatz vor. Während eines durchaus netten Smalltalks über dies, das und DayZ teilte er freundschaftlich seine Tüte Reis an der Wasserpumpe des Dörfchens mit mir. So gelangten unsere Avatare in den Zustand "Healthy", in dem automatisch Gesundheit regeneriert wird. Vom nahen Flugfeld aus waren die ganze Zeit über keine Schüsse zu hören. Sehr beruhigend. Unser Plan: Wir würden zusammen den westlichen Hügel von etwaigen Heckenschützen säubern. Dave sollte dann Position dort beziehen und meine Annäherung von Osten ans Flugfeld heran mit seiner überlegenen Reichweite decken. Standardvorgehen für das NEAF. Sollte er andere Überlebende entdecken, die sich von der nahen Stadt Krasnostav nähern, würde er das Feuer auf sie eröffnen, um mich so auf sie aufmerksam zu machen. Ihr Blick würde dann auf den Hügel gerichtet sein und ich könnte ihnen mit meinem M4-Sturmgewehr in die Seite fallen. Er fragte noch, ob ich genügend Munition hätte, und wünschte mir eine "gute Jagd".

Es kam ein wenig anders als geplant. Schon am ersten Gefängnis hörte ich Stimmen. Drinnen unterhielten sich zwei recht junge Spieler, blutige Anfänger, wie es schien. Für Banditen ein gefundenes Fressen und für "die Guten" immerhin noch eine Gelegenheit, die neuen, gewaltlosen Konfliktlösungsstrategien auf die Probe zu stellen. "Hallo. Ihr zwei habt ein Problem", sprach ich in mein Mikro. "Ich stehe mit einem M4 vor der Tür und mein Freund schaut mit seinem Scharfschützengewehr auf den Ausgang." Nach etwas nervösem Kichern sahen die Jungs ein, dass sie am kürzeren Hebel saßen. Mit leeren Händen kamen sie aus dem Gebäude, mehr als einen Baseballschläger und eine Axt hatten sie nicht. Nach einer kurzen Grußgeste hoben sie die Hände. Ich fragte mit meiner Waffe im Anschlag, ob einer von ihnen Handschellen hätte. Der Ältere hatte. Ich befahl ihm "aus Sicherheitsgründen", seinen Freund damit zu fesseln, damit ich in Ruhe das Gebäude säubern könnte. Der Ältere stellte sich als Paul vor und machte noch einen Scherz darüber, dass dies seine erste virtuelle Geiselnahme sei, leistete der Aufforderung aber unter meiner Anleitung schließlich Folge. Meine eigenen Schellen schlossen sich wenig später um die Handgelenke des knienden Paul.

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Wohin soll es heute gehen?

Im Inneren des Gefängnisses gab es nichts zu holen, außer einem Paar ruinierter Stiefel. Als ich gerade die Treppe herunterkam, fiel auf einmal ein Schuss. Der gefesselte Paul, der mit seinem Kumpel gerade noch darüber witzelte, dass ihm die Knie wehtäten, sackte regungslos zu Boden. Der Jüngere war fassungslos, schrie beinahe. "Was zur Hölle!? Mach mich los, ich will weg hier!" Während ich in Richtung der Stadt das Rollfeld hinunterblickte, um zu sehen, wer da auf uns schoss, und auf meine Rückendeckung von Dave wartete, traf der nächste Schuss die zweite Geisel am Kopf. Das Feuer kam etwas bergab von Daves Position, was mir klar wurde, als der dritte Schuss auf Brusthöhe neben mir in der Wand einschlug. Hatte mein neuer Freund gepennt und einen anderen Gegner übersehen?

Ich floh fürs Erste im toten Winkel des Gefängnisses nach Süden, flankierte westlich durch Krasno, dann im Schutz der Bäume nach Nordosten in Richtung Hügel und robbte nah an die Position heran, wo ich den Schützen vermutete. Auf einmal steht Dave mit gezücktem Revolver hinter mir und kichert. "Ich hoffe, die beiden verstehen Spaß!" Während ich noch begriff, was gerade passiert war, schlug er mit einem irren Ton in der Stimme vor: "Komm! Das versuchen wir noch mal". Wir suchten eine neue Position, diesmal mit optimalem Winkel auf das westliche Gefängnis. Dave legte sich bäuchlings lauernd unter einen Baum und meinte noch, dass wir auf "Nachschub" wohl noch etwas warten müssten und ich mich diesmal besser von Westen annähern sollte. "Alles klar, Dave!" Während er sein Zielfernrohr auf das ferne Krasnostav richtete, wartend, suchend, schoss ich ihm von hinten in den Kopf.

Mehr aus der Welt von DayZ erfahrt ihr, sowie wir es erleben.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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