Digital Foundry: Hands-on mit PlayStation TV Remote Play

Vita TV hat einen neuen Namen und ein Firmware-Update zum Streamen. Digital Foundry schaut es sich an.

Monate nach seinem japanischen Debüt erscheint Vita TV später dieses Jahr endlich im Westen. Jetzt hört es auf den Namen PlayStation TV und wurde von Sony neu positioniert, als "Auffahrt" für Entwickler in Sonys Videospielökosystem. Sonys E3-Auftritt legt nahe, dass sich die Ära der Triple-A-Entwicklung und Vita-exklusiver Titel dem Ende zuneigt. Was nimmt also ihren Platz ein, wenn man von all der liebevollen Unterstützung durch Indies mal absieht? Nun, die Plattform wird als Verlängerung der PlayStation 4 vermarktet, wie Andrew House, Chef von Sony Computer Entertainment, Gamasutra auf der E3 erzählte:

"Wir verfolgen jetzt eher einen ganzheitlichen Ansatz mit unseren Plattformen", so House. "Mit Remote Play ist die Vita nun de facto eine Verlängerung oder Verbesserung der Hauptplattform in andere Räume des Hauses hinein - oder wenn jemand anderes den Hauptbildschirm benutzen will."

Wir haben uns bereits mit dem Remote Play der Vita befasst, als die PlayStation 4 startete. Unser Urteil damals: Die Bildqualität wird leicht beeinträchtigt, ist aber auf dem kleinen Bildschirm im Allgemeinen in Ordnung. Aber der Lag ist spürbar und sorgt dafür, dass sich einige Spiele einfach nicht mehr richtig anfühlen. Wie sieht das mit dem Remote Play von PlayStation TV aus? Ausgezeichnete Frage!

Vor ein paar Wochen veröffentlichte Sony ein Update für die Firmware des japanischen Vita TV, das endlich komplette Remote-Play-Funktionalität ermöglichte und uns so Gelegenheit gab, die Hardware als PS4-Verlängerung auf die Probe zu stellen. Sofern Sony die Innereien des Geräts nicht komplett überarbeitet oder die Software noch einmal updatet, sollte das Erlebnis mit den amerikanischen und europäischen Geräten das gleiche sein wie das, das unsere japanische Version hier im Büro liefert.

Es überrascht nicht, dass das Set-up von Remote Play fast identisch mit dem auf der Standard-Vita ist. Das Bedienoberfläche ist die gleiche wie auf dem Handheld, nur dass der DualShock die Aufgaben des Touch-Displays übernimmt. Die jüngste Firmware fügt dem Gerät die benötigte PS4-Link-Option hinzu. Damit ist der Zugang zur PS4 kinderleicht. PlayStation TV unterstützt sowohl DualShock-3- als auch DualShock-4-Controller, egal ob drahtlos oder verkabelt. Ein weiteres cooles Feature ist, dass beide Controller gleichzeitig angeschlossen werden können und dabei jeweils einem anderen PS4-Konto zugewiesen werden - nützlich, wenn man etwa Split-Screen-Spiele streamen will.

"Sony beweist auch bei PlayStation TV wieder ein Auge für schöne Hardware. Dies ist die coolste, hübscheste Mikrokonsole, die es gibt."

Theoretisch bietet PlayStation TV einige wichtige Vorteile gegenüber der Handheld-Version: Der 720p-Stream, den die PS4 dem kleinen Kästchen rüberschickt, wird ohne Downscaling auf den Bildschirm gebracht. Und PlayStation TV besitzt einen Ethernet-Anschluss für eine Kabelverbindung zwischen Streaming-Box, Router und PS4. Vielleicht behebt das ja die Latenzprobleme? Auf der anderen Seite war die Bildqualität schon auf dem 5-Zoll-Bildschirm nicht optimal, wie würde das erst auf einem vielfach größeren HDTV aussehen?

Zunächst einmal muss man die zugrunde liegende Technologie erklären. Die PS4 schickt anscheinend ihren Hintergrund-Medien-Stream rüber zum PlayStation TV. Man hat es also mit einem h.264-Video mit ungefähr 5mbps zu tun. Dieser Kompressionsstandard wurde dafür geschaffen, Film- und Fernsehinhalte bandbreiteneffizient zu übermitteln. Keine Überraschung also: Nachbearbeitete, weichere Bilder funktionieren besser als das typische detaillierte und aufgeregte Videospielbild.

Unter typischen Wohnzimmervoraussetzungen sieht Watch Dogs auch nach dem 720p immer noch gut aus. Aber detailintensivere Spiele (Killzone, Call of Duty: Ghosts) leiden mitunter stark unter überdeutlichen und teils abstoßenden Artefakten in schnellen Szenen. Hier hilft nur, sich etwas weiter vom Bildschirm wegzusetzen.

Noch deutlicher ist die reduzierte Bildrate von 30 FPS. In 60-FPS-Spielen wie Trials Fusion, Battlefield 4 und Call of Duty macht sich das am deutlichsten bemerkbar. Aber auch Frame-Pacing ist ein Problem und die Gleichmäßigkeit in der Ausgabe der Frames im W-LAN-Modus ist nicht optimal. Das Erlebnis bessert sich deutlich, wenn man auf ein verkabeltes Set-up umstellt. Doch dazu später mehr.

"Die Videokompressionstechnik wurde für Filme und TV-Sendungen erdacht. Angesichts der niedrigen Bitraten, mit denen PlayStation TV arbeiten muss, sind hochdetaillierte Spielgrafiken oft sichtbar komprimiert."

Runtergerechnet auf 720p und angesichts der sehr niedrigen Bandbreitenobergrenze kann man durchaus sagen, dass der Gameplay-Stream von PlayStation TV keine Bedrohung für Steams In-House-Streaming darstellt. Aber in Wohnzimmerumgebung, wo man ein Stück weit vom Schirm entfernt sitzt, ist die Bildqualität in Ordnung.

Wir wollten eine dauerhafte Sperre der Ausgangslatenzen erreichen, die beim Gameplay-Streaming zum Input-Lag hinzukommen, und sowohl das PS4- als auch PlayStation-TV-Ausgangs-HDMI-Signal erlaubten uns eine Verfeinerung unserer Testmethoden. Zu Beginn verbanden wir beide Geräte mit einem Asus-PQ321Q-Monitor mit 4K-Auflösung, der es uns ermöglichte, beide Streams Seite an Seite im Bild-in-Bild-Modus laufen zu lassen. Wir ließen die PS4 in einer 720p-Auflösung laufen, um der Menge an Berechnungen zu entsprechen, die das Display für das PlayStation-TV-Signal braucht. Dann filmten wir den Screen mit einer High-Speed-Kamera bei 120 FPS.

Danach schauten wir uns das Material an und zählten, wie viele Frames nötig waren, damit der exakt selbe Frame erst auf der PS4 renderte, bevor er auf PlayStation TV auftauchte. Das Ergebnis: Mithilfe einer direkten W-Lan-Verbindung hatten wir enttäuschende 100 bis 116 Millisekunden Latenz, Höchstwerte gingen sogar bis 150ms. Bedenkt, dass dies zum spieleigenen Input-Lag und der Latenz des Displays hinzukommt.

Als Nächstes versuchten wir eine zweite Methode: Wir versahen unseren PC mit High-End-Capture-Karten. Dafür benutzten wir eineOpen-Broadcasting-Software, um die beiden Bilder im selben Stream zusammenzufassen, und zeichneten das auf. Dieselben Tests kamen zu denselben Ergebnissen - 100 bis 116 Millisekunden Verzögerung, wenn der exakt selbe Frame von der PS4 via W-Lan auf die Vita wanderte - und dieselben gelegentlichen Ruckler beim Refreshen.

Angesichts von zwei total unterschiedlichen Messungsmethoden, die dieselben Ergebnisse lieferten, blieben wir bei der OBS-Variante für weitere Tests, hauptsächlich weil direkt eingespeiste Assets eine höhere Qualität haben als abgefilmtes Material. Dies ermöglichte es uns, das untere Video zu erstellen, ohne dass sich Ghosting einmischen konnte. Wir lassen es mit 50-prozentiger Geschwindigkeit laufen. Falls ihr YouTubes HTML-5-Player in eurem Browser aktiviert habt, solltet ihr es in doppelter Geschwindigkeit laufen lassen können und so das Ganze in Echtzeit sehen.

"Wir stellen eine Ausgangslatenz von 100 Millisekunden fest, die beim Remote-Play-Streaming hinzukommt - und das zusätzlich zu Input-Lag und Display-Latenz."

Das Bild-in-Bild-Video zeigt, wie das Erlebnis beim PlayStation -TV-Streaming durch Verzögerung beeinträchtigt wird. Sie liegt im Bereich zwischen 100 und 116 Millisekunden, falls W-Lan mit im Spiel ist. Mit einer verkabelten LAN-Verbindung ist sie bei 100 Millisekunden abgeriegelt.

Als Nächstes schauten wir, dass wir die bestmögliche Remote-Play-Erfahrung erreichen konnten. Hierfür gibt es eine Menge verschiedener Verbindungstechniken: die direkte Verbindung zwischen PS4 und Vita (nur wirklich sicher, wenn man in der Nähe der Konsole ist), daneben W-Lan und LAN-Anschlussmöglichkeiten zwischen PS4, Router und dem Extender. Um diese verschiedenen Methoden auf die Probe stellen zu können, nahmen wir dieselbe Szene aus Call of Duty: Ghosts auf.

Die Ergebnisse waren erhellend: Während wir die Frames an jedem Punkt mit jeder Verbindungsart fallen lassen konnten, begann sich ein Muster abzuzeichnen. Auf den ersten Blick scheint die direkte Verbindung zwischen Extender und PS4 die beste Option zu sein, aber in unseren Tests hatte sie die größte Auswirkung auf die übergreifende Durchgängigkeit. Die PS4 mit einem Netzwerkkabel an den Router anzuschließen und der Vita dann via W-Lan eine Verbindung zu erlauben, verbessert es deutlich.

Schließlich hatten wir eine Art Durchbruch. Wir benutzen denselben Router und verbanden PlayStation TV übers Ethernet damit, wodurch eine vollwertige, verkabelte Verbindung zwischen beiden Geräten entstand. Wir wollen euch nicht anlügen, die Latenz immer noch deutlich erkennbar; aber diese Methode ist klar zu bevorzugen, wenn man Remote Play nutzen möchte. Killzone Shadow Fall und Watch Dogs erreichten ein Reaktionslevel, das wir vorher nicht erlebt hatten. Wir konnten beide Spiele spielen, ohne dass sich der Lag zu aufdringlich anfühlte.

Hier ist allerdings der interessante Aspekt: Ein Neudurchlauf des Latenztests, um die Zeit zwischen dem Rendern des gleichen Frames auf PS4 und PlayStation TV zu messen, ergab immer noch ein glanzloses Defizit von 6 Frames: 100 Millisekunden. Der Unterschied ist allerdings, dass die Hänger in der Reaktion deutlich reduziert sind. Der Wechsel von der kabellosen zur Kabelverbindung gibt uns die schnellstmögliche Verbindung zwischen der der Hardware und die beste Konsistenz in der Übertragung und dem Empfang der Daten.

"PlayStation TVs LAN-Anschluss bietet einen echten Vorteil gegenüber der Vita: Nimmt man das W-LAN aus der Rechnung, erhält man eine verbesserte, konsistentere Remote-Play-Spielerfahrung."

Unser Rat für die Remote-Play-Technik? Nutzt nicht die Direct-Connect-Variante. Zwei W-LAN-Geräte direkt miteinander verbunden bedeutet hier Schwächen in der Übertragungskonsistenz. Schließt die PS4 direkt an den Router an und nutzt dann W-LAN für die Vita oder PlayStation TV. Wenn ihr die Möglichkeit habt - was nicht für viele zutreffen wird -, haltet euch gänzlich an eine Kabelverbindung, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Der Wechsel vom DualShock 3 zu seinem PS4-Nachfolger brachte ebenfalls deutlich bessere Ergebnisse. Die grundlegende Latenz verändert sich natürlich nicht, aber es ist ein Lehrbeispiel, wie sehr die tote Zone der Sticks des neuen Pads verbessert wurde und wie es spürbar die Reaktion der Eingabe verbessert.

PlayStation TV - ist Remote Play gut genug?

Es sieht so aus, als gäbe es ein paar deutliche Verfeinerungen des PS4-Remote-Plays, seit wir zum Launch einen ersten Blick darauf warfen. Der gelegentliche Bildabriss, den es damals sowohl auf den Vitas der ersten und zweiten Generation gab, ist verschwunden. Die generelle Performance ist stabiler, aber die zusätzliche Latenz und der immer noch spürbare Verlust bei der Bildqualität sind nicht zu vernachlässigen. Nur bei einer vollständig verkabelten Variante gab es die Konsistenz, die den zusätzlichen Lag ausglich, und das ist in vielen Haushalten leider keine echte Lösung.

PlayStation TVs Remote Play ist eine nette Ergänzung zu allem, was es sonst zu bieten hat, aber gerade schnelle Action-Spiele leiden und können generell nicht mit praktisch Lag-freien 60Hz-Wii-U-Gamepad verglichen werden oder dem Steam-Streaming. Einige Spiele schlagen sich besser als andere und man kann vermuten, dass PS4-Titel mit einem überdurchschnittlichen Eingabe-Lag auf PSTV mit der zusätzlichen Latenz schlechter wegkommen werden. Behält man das im Kopf, findet sich Sony in einer schwierigen Lage, was die Neuausrichtung der Vita und auch PlayStation TV angeht, da beide Geräte explizit mit dem Remote-Play-Feature angeboten werden, aber die Konsistenz in der Performance einfach noch nicht ideal ist.

Man muss aber auch ganz deutlich dazusagen, dass die Wahrnehmung der Latenz von einer Person zu nächsten deutlich schwanken kann; das hier sind nur die Erfahrungen, die Digital Foundry sammeln konnte. Wenn ihr dagegen mit der Performance des Vita-Remote-Plays zufrieden seid, dann wird auch PlayStation TV eure Erwartungen als Erweiterung der PS4 erfüllen. Trotzdem bleiben ein paar Sorgen bestehen: Sobald das W-LAN nicht in Bestform läuft, wie wird sich PlayStation Now verhalten, sobald dann noch der Internet-Lag dazukommt? Das werden wir uns sicher ansehen, sobald es möglich ist.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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