25 Jahre Sonic: Warum Sonic Generations das beste Sonic ist

Wie Sonic Team den Höhepunkt der Serie erschuf.

Wenn es um das schlechteste Sonic-Spiel aller Zeiten geht, kann man sich streiten. Sonic R? Shadow the Hedgehog? Sonic 06? Sonic Boom? Alles Kandidaten, die ich als Gewinner dieses traurigen Preises akzeptieren würde. Bei der Frage um das beste Sonic-Spiel gibt es aber nur einen deutlichen Gewinner: Sonic Generations. Hier hat Sonic Team die in Sonic Unleashed und Colours etablierte Formel fast perfektioniert und zeitgleich ein wunderbares Tribut an die gesamte Serie geschaffen.

Aber warum ist Sonic Generations besser als alle anderen Serien-Ableger? Dafür gibt es mehrere Gründe und ich möchte euch die fünf wichtigsten hier etwas genauer erläutern.

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1. Keine Gimmicks

Seit den ersten Teilen nach der Mega-Drive-Ära stopfte Entwickler Sonic Team immer irgendein unnötiges Gimmick in die Spiele. Sei es nun das auf Teams fokussierte Gameplay von Sonic Heroes oder die grauenhafte Bewegungssteuerung von Sonic und die Geheimen Ringe. Irgendetwas musste zwanghaft hinzugefügt werden, da die simple Aneinanderreihung normaler Sonic-Level anscheinend nicht genügte. Wer erinnert sich nicht mit Freude an die "großartigen" Werehog-Abschnitte aus Sonic Unleashed?

Zwar könnte man die Aufteilung des alten und neuen Sonics in Generations ebenfalls als eine Art Gimmick bezeichnen, allerdings hat dieser Umstand keinen Einfluss auf das Gameplay. Es ist lediglich ein gelungener Ansatz, um beide Spielstile besser voneinander zu trennen und alle Fans an die jeweils besten Eigenschaften des blauen Igels zu erinnern.

2. Keine störende Handlung

Wisst ihr, was mir damals auf dem Mega Drive bei den Sonic-Spielen nicht gefehlt hat? Eine ausschöpfende, mit peinlichem Drama unterlegte Seifenoper. Sonic hat als Plattformer nie mehr als eine simple Prämisse gebraucht. Dr. Robotnik - oder Eggman, was auch immer - macht etwas Böses und wir müssen ihn deswegen aufhalten. Mehr braucht es nicht.

Aber seit Sonic Adventure auf dem Dreamcast erstmals einen großen Wert auf seine Handlung legte, bekam jeder weitere Ableger irgendeine an den Haaren herbeigezogene Geschichte. Am besten noch eine menschliche Prinzessin oben drauf, damit das Fremdschämen so richtig funktioniert. Oder warum nicht gleich langweilige Oberweltkarten mit nervigen NPC-Unterhaltungen einbauen, die das Pacing unnötig ins Stocken bringen? Das passt bei einer auf Geschwindigkeit ausgelegten Serie ziemlich gut.

Nein, zum Glück beinhaltet Generations nur ein paar Zwischensequenzen, die fast ausschließlich bei Bosskämpfen erfolgen. Zudem werdet ihr nach dem Start nicht aufgehalten, sondern dürft direkt ohne Verzögerung die ersten Akte absolvieren, bevor überhaupt eine Cutscene auftaucht. Zwischen den Abschnitten brauche ich auch keine dämlichen NPC-Quests erledigen oder durch eine leere Oberweltkarte spazieren. Alle Level sind nebeneinander aufgereiht, so dass ich jederzeit problemlos darauf zugreifen kann. Perfekt.

3. Die beste Auswahl alter Sonic-Level

Generations schnappt sich aus fast jedem zuvor veröffentlichten Sonic-Spiel den besten Level, erstellt eine zusätzliche 2.5D- oder 3D-Variante und passt das Design auf die neue Gameplay-Formel an. Dabei schafft es der Titel sogar, den schrecklichen Level "City Crisis" aus Sonic the Hedgehog (2006) in eine turbulente Achterbahnfahrt zu verwandeln. Selbst in ihrer Urfassung gut umgesetzte Abschnitte wie Rooftop Run (Sonic Unleashed) oder City Escape (Sonic Adventure 2) sind hier deutlich besser als die Originale.

Vor allem City Escape ermöglicht in Generations vollkommen neue Abzweigungen. War die Stage in Sonic Adventure 2 sehr linear, kann man nun schon im ersten Bereich über Rampen auf zwei Alternativ-Wege ausweichen, wovon einer sogar in eine unfassbar coole Grind-Sektion mündet. Generell ist das Leveldesign absolut fantastisch und regt zu mehrfachen Durchgängen an, da die Abschnitte recht kurz aber fast wie ein gutes Dark-Souls-Areal ineinander verschachtelt sind. Manchmal findet man vollkommen neue Abkürzungen erst nach dem zehnten Versuch. Eine Leistung, die selbst von den besten Ur-Sonics auf dem Mega Drive nicht erreicht wurde.

4. Hoher Fokus auf Speedruns

Sonics größtes Alleinstellungsmerkmal war seit seiner Konzeption die hohe Geschwindigkeit. Damals hauptsächlich als Marketing-Waffe im Konsolen-Krieg gegen Nintendo eingesetzt, ergaben sich nach dem Wechsel in die dritte Dimension plötzlich ganz neue Probleme. Steuerung, Kamera sowie Länge der Areale waren nun wesentlich komplexer in der Umsetzung. Generations ist in seinem Leveldesign trotz der hohen Auswahl verschiedener Wege stark reduziert. Lange Wege, sehr wenig Freiraum nach links oder rechts und Hindernisse erkennt man bereits einige Sekunden vor der Ankunft.

Aber genau deswegen funktioniert es so gut. Sonic ist dann am besten, wenn man mit Höchstgeschwindigkeit an seiner Umgebung vorbei rauscht. Deswegen sammelt Sonic mit jedem Ring Boost-Energie. Es macht den Igel nicht nur schneller, praktisch alle Feinde werden automatisch von seiner Kanonenkugel-Geschwindigkeit weggeblasen. Auch in der Oldschool-Variante sind bis auf wenige Ausnahmen alle Level auf ein hohes Tempo ausgelegt, zumindest falls man die korrekte Route kennt.

5. Grandiose Steuerung und Kameraperspektiven

Natürlich kann das angestrebte Spieltempo von Sonic nur funktionieren, wenn die Steuerung die nötige Kontrolle ermöglicht. Der eingeschränkte Spielraum nach links und rechts ist ein wichtiges Hilfsmittel, aber auch Sonic selbst fühlt sich in Generations mehr wie ein Rennwagen aus F-Zero GX an und fliegt bei einer leichten Berührung des Analogsticks nicht gleich in den Orbit. In einigen Momenten läuft er zudem automatisch nach vorne und wechselt per Knopfdruck zwischen festen Linien.

Diese Dinge gelten hauptsächlich für die modernen Sonic-Abschnitte. Aber auch in den Oldschool-Akten haben die Entwickler aus alten Fehlern gelernt. Besonders im Vergleich zu den ersten Ablegern nutzt Sonic Team hier die hohe Auflösung und 2.5D-Ansicht für angenehme Positionierung der Kamera. So schwenkt sie vorausschauend in eure Laufrichtung, um größere Schluchten zu signalisieren. Oftmals zoomt die Kamera auch für eine größere Übersicht heraus. Vor allem in Abschnitten mit langsamerem Tempo und mehreren Hindernissen zeigt sich dann ein deutlicher Vorteil gegenüber den eingeschränkten Sichtfeldern der alten Mega-Drive-Titel.

Sonic Generations mag trotz dieser Vorteile noch ein paar Schwächen aufweisen und ist sicherlich nicht perfekt. Dennoch beweist es von allen Sonic-Spielen das größte Verständnis für die hohe Geschwindigkeit des blauen Igels. Und obwohl der nächste Teil der Reihe Lost World kein schlechtes Spiel ist, hoffe ich dennoch auf eine Rückkehr der Generations-Formel.

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Björn Balg

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Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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