Wenn Spieler das Universum verändern: Die Geschichten von EVE Online

Schlachten, Kriege, Pioniere und die nächtliche Jagd nach einem einzelnen Raumschiff.

Es ist eine eigene Welt. Island weniger als gedacht, aber das EVE Fanfest 2016, zu dem CCP netterweise eingeladen hat, gibt arkane Einblicke in eine Welt, die nichts mit dem zu tun hat, was ich sonst mit Videospielen verbinde. Ja, man wusste natürlich zumindest ungefähr, was EVE ist und auch bedeutet, aber es direkt zu erleben, zu sehen, in einer Masse aus Fans zu spüren, deren Klatschen in den Ansprachen und Panels ganz sicher nicht das künstliche Abfeiern von unterbezahlten Jubel-Dienern ist. Es ist echter Enthusiasmus, den man spürt und der sich über Dinge ergießt, die man als Außenstehender nicht nachvollziehen kann, weil einem einfach das Wissen fehlt, auch nur die Größenordnung einschätzen zu können.

Aber verdammt ist das alles spannend und aufregend!

Das ist so weit weg von dem üblichen Spielevent, selbst von großen Community-Veranstaltungen, einfach, weil die Welt von EVE sich in Dimensionen bewegt, die nicht mal die Entwickler so einfach für sich erfassen können. Was sich in den Keynotes und Vorstellungen auftut, zeugt von einem Science-Fiction-Universum, das nicht nur die Geschichten seiner Schöpfer hinter sich ließ, sondern bei dem auch bereits die Erlebnisse um Aufstieg und Untergang, Verrat und Heroismus in den festen Teil der Annalen eingingen. Die Vorstellung, dass all dies nicht von einem Entwickler als Hintergrund seines Settings entworfen wurde, sondern dass es etwas ist, was Spieler getan haben, dass das Spiel dies zuließ, ist ausgehend von der Vorstellung, die man von einem Videospiel hat, schlicht absurd.

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Das EVE Fanfest 2016 im Hauptsaal des Konzerthauses von Reykjavik.

Es gibt auch schlicht kein zweites Spiel, das dies auf diese Weise leisten könnte. Die Sandbox mag aus einer Not heraus entstanden sein, aber was auch immer genau die der Nukleus war, der vor über 18 Jahren den Kern bildete, er hat sich als vielleicht einziges Single-Shard-MMO, zumindest das in dieser Größe läuft, zu etwas Einzigartigem entwickelt. Es ist eine Welt, deren Zugang fast unmöglich erscheint und einer der Entwickler, der sich derzeit genau damit auseinandersetzt, wie es neuen Spielern in diesem Kosmos ergeht, nannte die bekannten Probleme. Neue Spieler verabschieden sich in mehr als der Hälfte aller Fälle bereits nach zwei Stunden aus dem Spiel. Schlicht, weil EVE lange Zeit einfach keinen Weg zeigte, den sie zumindest anfangs gehen können. Es ist eine Welt voller Geschichten, mit einer Historie aus dem Spiel heraus und einer weiteren, viel umfangreicheren, die die Spieler schreiben. Aber Teil dieser zu werden, erscheint eine fast so große Aufgabe, wie es in der realen Welt ist, einen Namen für sich zu machen. Ein Teil des Lösungsansatzes sollen Geschichten sein, initiale Stories, die die Spieler näher an das Narrativ der Herrscherhäuser heranführt. Wie solche Tutorial-Sequenzen sich mit dem entscheidenden Element verbinden lassen, das der Sprecher - CCP Ghost - nannte, ist schwer vorstellbar. Dieses wäre nämlich "Mastery and Purpose", das Meistern des Spiels selbst und eine Bestimmung, ein Ziel darin zu haben.

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Weiter weg von allem kann man Spiele nur schwer entwickeln: Der Blick von dem Konzerthaus, der Harpa, über den alten Hafen von Reykjavik, hinten mit dem Hauptquartier von CCP.

Der Unterschied lässt sich relativ gut an einem traditionellen MMO-RPG festmachen. In Elder Scrolls Online gibt es eine Quest zu Beginn, wo ihr einen König vor einem Attentat bewahrt. Anschließend steht der Ausrufer auf dem Platz vor dem Schloss und lässt die ganze Welt wissen, dass ihr, der Spieler, der große Held seid, der dies vollbracht hat. Er tut das zig Mal in jeder Minute, immer, wenn wieder ein Spieler diese Quest hinter sich gebracht hat. Man soll sich freuen, aber man weiß natürlich, dass man nichts getan hat. Der König wird immer da sein, für jeden Spieler. In Eve ist das nicht der Fall. Alles in diesem Universum ist einzigartig und wenn ihr es zerstört oder nutzt, dann hat das Konsequenzen, weil es andere Spieler automatisch betrifft.

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Wie wichtig ist CCP für Island? Dass der Präsident des kleinen Landes eine Rede zum Abschluss des Festes hält sagt einiges darüber aus.

Das kann von einem kleinen Raumscharmützel zu einem Krieg mit mehreren zehntausend Spielern reichen, aber alles davon ist einzigartig, weil es nicht einer fest als Story geschriebenen Quest entsprang, sondern nur aus euren Aktionen. Diesen Aktionismus des Spielers in eine Bahn für ihn selbst zu lenken, das ist die Aufgabe. Er muss seine Bestimmung in EVE Online letztlich alleine finden, seinen "Purpose", und dafür auch mehr tun, als einer abgesteckten Questfolge oder einem Raid-Verlauf folgen. Es ist vielleicht nicht ganz einzigartig in der Spielewelt, aber auf diesem Level, mit diesem Grad der Komplexität innerhalb des Spiels selbst, dieser Größe und diesem Engagement der Community, ist es bisher das Einzige seiner Art. Und wie hier ein Abarbeiten von Standardquests initial helfen kann, sehe ich nicht, denn es würde den Moment, in dem der Spieler dann seinen eigenen Weg finden muss, nur hinauszögern. Andererseits... Mehr als nur einer hat in seinem Leben mal was studiert, weil es einfach ein fester Weg war, der das Finden seiner eigenen Bestimmung im Leben noch ein wenig hinauszögerte und am Ende fand er dann doch noch den Raison D'etre.

Ich will euch nichts über EVE Online erzählen. Nicht wirklich, ich wäre nicht der richtige dafür, denn selbst zu sagen, ich hätte an der Oberfläche gekratzt, wäre schlichte Anmaßung. Ich werde mich wohl nach diesem einzigartigen Wochenende auf die Suche nach "Mastery and Purpose" machen, aber das dürfte wohl eine Weile dauern, denn derzeit glaube ich nicht mal, dass ich die Details der Ankündigungen für EVE Online so akkurat wiedergeben könnte, dass es etwas bedeutet, schlicht, weil mir das Verständnis fehlt. Aber ich kann etwas Anderes machen, euch nämlich einige Geschichten aus EVE Online erzählen. Natürlich nicht meine eigenen, stattdessen einige von Spielern, die mir ihre Geschichten erzählten, ihre Erlebnisse in EVE. Es stimmt, dass Geschichten wichtig sind und der Schlüssel neue Spieler zu motivieren, etwas länger als die magischen zwei Stunden durchzuhalten und sich auf die Suche nach ihren eigenen zu machen. Dies sind diese Geschichten, so wie sie mir erzählt wurden. Und wenn ihr danach keine Lust habt, zumindest zu versuchen, ein Teil dieses Kosmos aus Sternen und Geschichten zu werden, dann... nun, dann ist Science-Fiction wohl einfach wirklich nicht euer Ding.

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Der nächste Schritt in EVE-Online: Die riesigen Citadel-Stationen, die erst noch gebaut werden müssen. Von den Spielern natürlich und niemand anders.

Ich schreibe diese Geschichten so auf, wie sie mir erzählt wurden. Sollte also ein EVE-Spieler der Ansicht sein, dass hier ein großer Konflikt etwas anders wiedergegeben wurde, als er es hörte... Nun, jede Geschichte hat zwei und manchmal auch mehr Seiten. Auch und gerade in EVE.

Xenuria

Xenuria wurde dieses Jahr in den 11. Council of Stellar Management gewählt. Der Council ist ein von Spielern gewähltes Gremium, das die Interessen der Community sammeln und gegenüber CCP vertreten soll.

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Xenuria, Mitglied von EVEs einflußreichem CSM.

Meine Geschichte ist keine große Schlacht. Ich saß in einer kleinen Fregatte. Sehr klein, sehr schnell und das sollte für mich gleich noch sehr wichtig sein. Ich suchte nach irgendeinem Gegenstand, welcher scheint heute fast egal, denn die nächste Stunde verlief ganz anders als geplant. Ich war allein, obwohl zu der Zeit eines unserer Fraktions-Kriege war. Plötzlich bemerkte ich ein Schiff auf dem Scanner. Es war das Schiff eines extrem bekannten und gefürchteten Piloten aus Russland, der auch noch zu der gegnerischen Fraktion gehörte. Das war ein Kerl, der wirklich einen Namen für sich gemacht hatte. Mein Herz begann zu rasen. Oh Junge, das wird hart, dachte ich bei mir. Aber ich wusste auch, dass ich für das, wofür ich eigentlich kam, nur noch ein wenig länger brauchte. Einfach nur ein wenig Zeit, einfach nur ein wenig durchhalten und überleben.

Sein Schiff war mit Raketen bestückt, während meines Blaster-Waffen hatte. Meine Taktik war sofort klar, ich musste nah genug an ihn heran, um mein Netz nutzen zu können, das ihn ausbremsen würde und mir eine Chance gäbe, ihn zu besiegen. Aber jedes Mal, wenn ich es versuchte, drehte er, kickte den Afterburner und ging ein Stück auf Distanz.

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Wir spielten kosmisches Katz und Maus. Jedes Mal, wenn meine Kanonen Zeit brauchten, um sich regenerieren, ging ich auf Distanz, was für ihn das Zeichen war, in meine Richtung zu rasen und die richtige Distanz für seine Waffen zu erreichen. Es fühlt sich wie Stunden um Stunden an, es waren 45 Minuten und auch wenn Kämpfe viel länger dauern können, dies war einer der intensivsten, den ich je erlebt habe. Jedes Mal wenn ich einen Slingshot versuchte, also schnell in einer Richtung flog, nur um dann ganz unvermittelt direkt in der Bewegung 180 Grad zu drehen, tat er das auch. Er reagierte, wie ich es noch nie gesehen habe, als läse er meine Gedanken.

Nach zahllosen Manövern kam es schließlich, wie es kommen musste, sein stärkeres Schiff und seine unglaublichen Fähigkeiten hatten mich in die Ecke gedrängt und es war klar, dass ich nicht mehr lange durchhalten würde. Erst waren die Schilde unten, dann begannen seine Waffen sich durch die Panzerung zu fressen, ich hatte nur noch 15 Prozent Strukturintegrität, was bedeutete, dass jeder weitere Treffer von ihm mein Ende sein würde.

Dann hörte er auf zu schießen.

Er tippte etwas auf Russisch. Ich antwortete, dass ich leider kein Russisch verstehe. Er tippte es noch einmal auf Englisch:

"No more Ammo". Keine Munition mehr.

Und damit sprang er in der nächsten Sekunde aus dem System und war weg. Es war vorbei, ich hatte überlebt. Er hatte keine Raketen mehr und ich war zu langsam, als dass ich ihm hätte folgen können. Ich war wieder allein im Weltraum.

Was Geschichten angeht, an die sich heute nicht mehr viele erinnern und die in den Tiefen der Foren vergraben liegt, da habe ich die Geschichte der Allianz Hydra Reloaded und sie liegt gar nicht so lange zurück, etwa drei Jahre. Hydra Reloaded war eine Allianz von Turnier-Piloten, die wirklich wussten, was sie taten, die es draufhatten und die praktisch jeden Kampf, in den sie gingen, auch gewannen. Am Ende war es so, dass entweder diese Jungs gewannen oder Pandemic Legion, beide waren verdammt gut.

Hydra hatte gerade ein Turnier gewonnen und ihr Preis waren ein paar extrem limitierte Schiffe, die Utus. Davon gab es höchstens 20 in der ganzen Galaxis, was allein schon ihren Preis und damit auch den Wert von Hydra endlos nach oben trieb. Es waren die perfekten Trophäen, mit denen dieser Elite-Zirkel zeigen konnte, wer sie waren und keiner würde sie ignorieren.

Ich selbst hatte gerade erst angefangen das Spiel zu spielen. Psychologie und Verhaltensforschung sind mein Ding und EVE sah aus wie ein Spiel, bei dem es Spaß machen würde sich einen Namen zu machen. Ich wollte zu Hydra dazu stoßen, aber sie wiesen mich immer wieder ab. Dann jedoch starteten sie eine gewaltige Rekrutierungswelle und das mit überwältigendem Erfolg. Sie waren plötzlich die größte Allianz in EVE zu dieser Zeit. Sie waren an der Spitze angekommen.

Ich kann und werde hier nicht alle Details sagen, nur so viel, dass es manchmal hilfreich sein kann, eine andere Identität anzunehmen und sich mit den Grundlagen des Social Engineerings auszukennen. Was ich tat, war die Executor Corporation der Allianz zu infiltrieren und das gibt dir die Schlüssel zum Königreich. Du kannst Hunderte von Corps haben, aber die Executors entscheiden, was mit den Allianzen passiert. Normalerweise sind nur zwei oder drei Leute in diesem Zirkel, aber ich schaffte es in diesen Kreis vorzustoßen und als ich drin war setzte ich einen Post in den Foren ab:

"Soll Hydra Reloaded aufgelöst werden?"

Für die ersten fünf, sechs Seiten, die nun folgten, dachten die Leute es wäre der Post eines Trolls, ein Witz, ein neuer Spieler, der keine Ahnung hat, wie das Spiel funktioniert. Das wandelte sich dann aber schnell zu dem bekannten "We didn't listen!", als ich im Alleingang die größte Allianz in dem Spiel einfach auflöste.

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Was danach passierte war, dass alle Inboxen der nun ehemaligen Mitglieder von Hydra Reloaded explodierten. Wenn man aus einer Allianz herausgeworfen wird, dann bekommt man all die Kriegserklärungen der zig anderen Corporations und so hatten sie plötzlich tausendfach Post in ihren Boxen. Da waren tausende Spieler, die dachten sie würden viel Geld in diese Turnier-Schiffe investieren und von dem Ruf und den Ressourcen von Hydra profitieren, aber von einer Sekunde auf die andere war Hydra Reloaded eine leere Hülle.

Es ist überraschend, wie wenige Leute, die damals auch dabei waren, sich heute noch daran erinnern, aber das liegt auch daran, dass das zu einem gewissen Grad normal für EVE ist. Es ist hier normal, für ein Imperium erst aufzusteigen und dann manchmal in nur einem Augenblick in sich zusammenzustürzen. Und man darf nie einen neuen Spieler unterschätzen. Die Leute dachten, nur weil ich ein neuer Spieler wäre, könnte ich nichts ausrichten, aber so funktioniert EVE nicht. Statt sich durch fertigen Content arbeiten zu müssen, das übliche "töte 10 Wölfe und du bekommst ein Schwert", erschaffst du dir in Eve die Umstände, die du für deine Ziele haben musst und wenn du dazu in der Lage bist, dann ist EVE ein unglaublich tief greifendes und erfüllendes Spiel.

CCP Phantom

Fast alle CCP-Mitarbeiter treten unter ihren Pseudonymen in der Öffentlichkeit auf, um ihre Privatsphäre zu schützen, aber auch, um einen gewissen Nimbus zu schaffen. CCP Phantom ist der deutsche Community Developer für CCP.

Ich war gerade erst in EVE gestartet, Jahre bevor ich zu CCP kam und ich hatte keine Lust, einer Allianz beizutreten, da ist man dann eh nur eine kleines Licht, hat nicht viel zu entscheiden. Ich wollte lieber selbst ein wenig was aufbauen. Das Gute an EVE ist, dass man überall Leute mit ähnlichen Interessen findet, also tat ich mich mit ein paar Leuten zusammen und wir hatten das Glück, dass gerade im Osten der Karte eine neue Region im Raum erschlossen wurde. Super, dachten wir, da ist noch keiner, da kommt uns keiner in die Quere, da gehen wir hin. Die üblichen großen Träume: Unser eigenes Gebiet, wir werden reich, kein Treck nach Westen, sondern hier nach Osten.

Es war auch ein Vorteil mit nur wenigen Leuten - etwa zehn waren wir - unterwegs zu sein, man ist halt viel flexibler. Die Riesenmaschinerien der großen Allianzen müssen erst versammelt und koordiniert werden, das dauert einfach. Wir waren die ersten und es war spannend. Niemand war da. Absolut niemand, wir hatten den Weltraum für uns. Wir waren wirklich wie naive Pioniere. Wir hatten keine Ahnung von Logistik, Scouts, wie transportiert man sicher etwas, wir wussten von nichts auch nur irgendwas. Es war einfach Spaß.

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Es gab natürlich auch genug große Allianzen, die auch in diesen Bereich einrücken wollten. Also tauchten immer wieder Scouts auf und man grüßte einander, oder ging sich ein wenig aus dem Weg. Die kannten uns natürlich nicht, wir hatten keinen Namen. Wir hingegen wussten sehr genau, mit wem wir es zu zu hatten. Die großen Allianzen waren schließlich bestens bekannt. Und sie fragten immer, was wir denn da so treiben würden. Wir waren ehrlich, ja, wir haben hier halt eine kleine Basis gebaut und machen hier so unser Ding. Die Antwort war immer ein etwas skeptisches "Aha, okay, wer seid ihr nun wirklich?" Schließlich fängt kein kleiner Trupp von Unbekannten an, den wilden Raum zu erkunden. Aber alle ließen uns in Ruhe, wir sahen schließlich nicht nur aus wie die blutigen Anfänger, wir waren es ja auch. Nach und nach entwickelten sich mit den etablierten Allianzen, die sich ihren Teil sicherten, auch Freundschaften und Bündnisse und es war schlicht eine gute Zeit. Ein einfach guter Einstand in dieses Spiel.

Das heißt natürlich nicht, dass alles nur friedlich war und später wurde es auch komplizierter. Schließlich braucht so eine Sternenbasis auch Treibstoff, den gab es da aber nicht. Also begannen wir uns Routen auszugucken, aber selbst bei der besten Route kann man über Piraten stolpern und so kam es dann auch. Die Forderungen waren das übliche: Entweder man zahlt ein wenig was und sie versprechen, einen in Ruhe zu lassen oder sie pusten einen vom Himmel. Der spannende Moment kommt, wenn man das Schutzgeld bezahlt hat: Ist es eine "ehrenhafter" Pirat, der sich an sein Versprechen hält oder verwandelt er einen trotzdem gleich in Sternenstaub? In EVE läuft alles über Vertrauen. In diesem Falle war es nicht gerechtfertigt und Lehrgeld musste gezahlt werden.

Selbst bis heute ist es noch spannend. Du springst in ein System, du weißt nicht was passieren wird, die Aufregung ist immer noch ein wenig da.

Lord Vaari

Lord Vaari hat sich als Patriarch und spirituelles Oberhaupt der Silent Infinity Allianz einen Namen im EVE-Universum gemacht.

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Lord Vaari

Als Anführer der Imperial Pharmacy, einer Corporation der Silent Infinity Allianz war es unser größter Kampf, unser verlorenes Heimat-System zurückzuerobern, dass sich einige unwissende Neider anzueignen glaubten. Aber sie haben sich getäuscht, es war unseres und es kostete uns ein Jahr voller harter Kämpfe und Arbeit, zurückzuholen was unseres ist. Es gab keine entscheidende Schlacht, keinen Trick in letzter Sekunde, keinen magischen Blueprint. Es war die Geduld, die Ausdauer, die Stärke von Imperial Pharmacy, dass wir dieses System zurückerobern konnten und nun wollen wir es in bessere Welten verwandeln, nicht nur für uns, sondern alle, die es in Frieden aufsuchen. Wir sind eine Gruppe, die jeden Willkommen heißt und unseren Sektor friedlich hält, also sucht uns auf und ihr seid eingeladen in Frieden in Providence zu leben!

Seleene

Seleene ist Spieler der ersten Stunde seit 2003, ehemaliger Anführer der Mercenary Coalition Allianz, ehemaliger CCP-Mitarbeiter und nun wieder im Führungszirkel der seit 2015 erneut aktiven MC-Allianz.

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Wie auch Xenuria steht hinter Seleene übrigens ein männlicher Spieler.

Das beste Beispiel, das ich geben kann, für das, was EVE für mich und viele andere ausmacht, ist der Aufstieg, der Fall und die Wiedergeburt meiner eigenen Allianz, der Mercenary Coaltion (MC), die bereits seit dem Frühjahr 2004 existiert und sich über die Jahre einen Ruf machte, indem wir immer wieder Dinge taten, die eigentlich jenseits unserer Stärke lagen, und das meistens mit Erfolg. Es war nie eine große Allianz, um die 200 bis 300 Spieler, aber wir wurden deshalb immer wieder unterschätzt. Wir waren zum Beispiel einer der Dreh- und Angelpunkte im ersten großen Krieg um BoB - der Band of Brothers Allianz -, indem BoB uns immer wieder anheuerte und an Brennpunkte schickte, wo wir den Job erledigten, um ihnen das Leben zu erleichtern.

Nachdem der Krieg im Norden beendet war und wir die Farbe auf der Sternenkarte verändert hatten, gingen wir zurück in den Süden. Zu dieser Zeit beginnt BoB zu verlieren, sie verlieren ihren ersten Titan - ein Großkampfschiff - und wir kommen zurück zu unserer Basis nahe des Band of Brothers Gebiets. Hier kommt eine Allianz ins Spiel, die allgemein nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt, wie sie vielleicht sollte. Sie nennt sich Against All Authorities (AAA), die von einem Russen mit dem Callsign "Evil Thug" geführt wird und es ist leider sehr schwer, mit ihnen in Kontakt zu kommen, insbesondere mit den russischen Spielern. Aber hart auf hart, Evil Thug dürfte einer der furchteinflößendsten Typen im Spiel gewesen sein und er hatte auch genau diesen Ruf. Im Laufe der Jahre kreuzten sich die Wege von MC und AAA immer wieder, ohne dass es zu einer echten Schlacht gekommen wäre. Der Verbündete von AAA war IC, das Interstellar Alcohol Conglomerate und sie beschlossen das allgemeine Chaos auszunutzen und ein Gebiet direkt neben dem BoB-Territorium zu besetzen, das wiederum von einer weiteren Allianz gehalten wurde, FIX - Firmus Ixion. MC ging also zu FIX, um das Gebiet zu verteidigen, während BoB seine Schlachten woanders austrug. Es entstand ein eigener, kleiner Krieg über den Zeitraum von zwei Monaten, in dem diese vier Allianzen gegeneinander standen, MC und FIX auf der einen Seite, AAA und IC auf der anderen.

AAA und IC waren in der Überzahl, sie hatten die besseren Schiffe und mehr von ihnen, wir hatten allerdings die Super-Carrier und wir stellten uns als die besseren Taktiker in diesem Krieg heraus. Es ging immer hin und her bis MC den ersten eigenen Titan baute. Es war erst der fünfte oder sechste Titan überhaupt auf dem Server und er war anders als die anderen vor ihm. Die ersten Titans waren riesige, dick gepanzerte, waffenstarrende Monster. Unserer war anders, heute würde man ihn einen Ragnarok nennen, denn unser Titan war die Grundlage dafür. Wir haben dieses Schiff für eine einzige Aufgabe entworfen: Schnell in ein System springen und noch schneller wieder wegspringen. Der Grund dafür war die damals verfügbare Super-Waffe und ihr Effekt-Radius. Ein Knopfdruck und alles in einem Umkreis von 250 Kilometern um das Schiff herum wird pulverisiert. Wir mussten also nur wissen, wo eine Flotte ist, dann zu ihr springen, diesen Knopf drücken und wieder wegspringen.

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Das erste Mal, dass wir den Titan einsetzten war die Nacht, die eigentlich unser letztes Gefecht um dieses Gebiet gewesen wäre. Wir wussten, dass wir diese Schlacht verlieren würden, sie wussten, dass wir verlieren würden. Die Mathematik gab es nicht her, wir hatten keine Chance. Was sie nicht wussten war, dass unser Titan nur drei Tage vor dieser Schlacht vom Stapel lief. Nur sechs Leute im Spiel wussten überhaupt, dass er existiert. Einer dieser sechs war leider Evil Thug, aber er wusste nur, dass wir an einem Titan bauten, aber er rechnete damit, dass es noch mindestens eine Woche oder länger dauern würde, bevor wir fertig wären. Es gelang uns, den Titan in das System zu schmuggeln und da niemand den Namen des Piloten kannten, konnten sie auch nicht nach einem Namen scannen.

Diese vermeintlich letzte, große Schlacht beginnt. Zwei kleine Gefechte bilden Auftakt und dann springt ihre Hauptflotte durch ein Gate in das System. Sie sammeln sich und es sind unglaublich viele Schiffe. Dann springe ich mit dem Titan in die Schlacht - ich selbst war der Pilot -, ich drücke den Doomsday-Knopf.

Es ist Leuten, die EVE nie spielten oder nicht lange dabei waren, nie so richtig bewusst, wie final alles in diesem Spiel ist. Es gibt keine fünf Leben oder einen Respawn, alles, was du in die Schlacht schickst musste erst aus etwas geschaffen werden. Als ich im Mai 2003 anfing zu spielen, gab es praktisch nichts im Weltraum. Nichts. Nichts auf dem Markt, keine Player-Blueprints, es gabt nicht mal Munition für die Waffen. Für alles, was da jetzt unterwegs ist, hat jemand einen Asteroiden gefarmt oder es sonst wie geschaffen. Wenn du also Monate oder sogar Jahre damit zubringst eine Allianz aufzubauen, die alle hart darauf zuarbeiten einen Titan zu bauen, was allein schon sechs bis acht Wochen dauert, selbst wenn man die Ressourcen hat, der jederzeit doch gefunden und zerstört werden kann... Wenn Du so ein Schiff dann in die Schlacht fliegst, riskierst Du das alles. Aber ich bin da und ich drücke den Knopf.

Es zerschmettert die gegnerische Flotte. 120, 130 Schlachtschiffe, weg in einer Sekunde. Unsere Flotte springt dazu und erledigt den kläglichen Rest. In dieser einen Sekunde verändert sich die gesamte Dynamik unseres kleinen Krieges. Im Laufe der nächsten ein, zwei Wochen nutzten wir diese Taktik immer und immer wieder. Der Titan lässt sich nicht festnageln und sein Spitzname ist bis heute bekannt, im aktuellen Krieg hat nämlich jemand seinen Titan "den schnellsten Titan des Nordens" genannt und unserer war damals "der schnellste Titan des Südens". Sie kriegen ihn nicht zu fassen und plötzlich halten wir sie nicht nur an der Grenze auf, um zu überleben, der Krieg dreht sich und dann gelingt es auch endlich der Band of Brothers eine Entlastungsflotte zu schicken und mit ihr konnten wir endlich das Gebiet wieder für uns beanspruchen.

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Etwa einen Monat später steht eine neue Schlacht an und diesmal hatte sich etwas im Spiel geändert. Titans anzugreifen war vorher zu schwer, vor allem, wenn sie nicht zu fassen waren wie unser Titan. Balance musst gefunden werden und ich war ironischerweise einer der Designer, der dazu beitrug, dass eine Lösung gefunden wurde. Damals kamen sogenannte Interdictor-Schiffe und ihre Warpstörungs-Blasen in das Spiel. Es sind winzige Schiffe, fliegende Särge. Aber sie haben eine einzigartige Fähigkeit, sie können nämliche eine Warp-Blase auslösen, die einen Radius von 20 Kilometern hat und alles darin kann nicht aus dem System springen. Zuvor konnten Super-Carriers und Titans kommen und gehen wie sie wollten, das war nicht fair, also kam die Warp-Blase in das Spiel.

Zurück zum schnellsten Titan im Süden: Etwa einen Monat nachdem wir die anderen Allianzen zurückgedrängt hatten, loggte ich aus, aber jemandem gelang es, durch Scans festzustellen wo ich mich ausloggte. Sie wussten also, wo ich mich wieder einloggen würde. Egal, das allein wäre kein Problem. Ich logge mich ein und will gerade zu der Starbase zum Rest unserer Flotte springen, als ein Interdictor auftaucht. Er schießt seine Warp-Blase ab. Das ist zwar etwas nervig und vor allem sehr seltsam, aber eigentlich kein Thema. Wenn ich meine Doomsday-Waffe auslöse, wird die Blase zerstört, der Interdictor und falls noch was da ist, auch das.

Ich mache mich also bereit zu springen, schicke auch schon eine Nachricht an die Flotte, dass hier etwas passieren wird. Da springen auch schon über 100 gegnerische Schiffe in das System. Ich warte noch eine Sekunde, dann drücke ich den Doomsday-Knopf. Die Warp-Blase wird zerstört, die gegnerische Flotte nimmt gewaltigen Schaden, ich will in den Warp gehen und springen... Nur springt mein Titan nicht.

Die Superwaffe jedes Titan teilt eine bestimmte Art von Schaden aus. Mein eigener Ragnarok verursacht Explosiv-Schaden, ein Leviathan kinetischen Schaden und so weiter. Und so wie wir zuvor unsere Spezial-Waffe in Form des schnellen Titans bauten, konterte Against All Authorities nun mit einer viel kleineren und sehr viel spezifischeren Antwort: Einem Interdictor, der fast nichts kann, außer ein paar Warp-Blasen auszulösen und massiven Mengen an Explosivschaden standhalten. Der Name dieses Interdictor könnte kaum passender sein: Fliegenfänger. Es war unglaublich teuer, das Zehn- oder noch-mehr-fache eines normalen Interdictor, er steckte voller Faction-Supertechnik, aber er war zu 99,9 Prozent resistent gegen die Art von Schaden, gegen die er hier bestehen musste.

In dem Moment also, in dem alles um mich herum hätte vernichtet sein müssen und mein Weg wäre frei gewesen... Dieses kleine, verdammte Ding hat die Doomsday-Waffe überlebt. Sofort startete es eine neue Warp-Blase, neue Schiffe kommen in das System, Dreadnoughts kommen dazu, ich werde von allen Seiten unter Feuer genommen. Meine Position ist denkbar ungünstig, meine Doomsday-Waffe verbraucht... Sie schaffen es, sie zerstören den Titan. Sie haben teuer bezahlt, sehr teuer sogar. 16 oder 17 Dreadnoughts waren zerstört, ihre halbe Flotte verschwunden. Aber der Titan war vernichtet. Ich flippte nicht aus, ich begann nicht zu weinen, ich saß einfach nur da und atmete tief aus.

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Am nächsten Tag schrieb ich einen Post im Forum, gratulierte meinem Gegner, es gab ja auch nichts dran zu rütteln, wir würden einen neuen Titan bauen, was blieb mir anderes übrig zu sagen. Das brachte uns sogar mehr Respekt ein als alle unsere Siege vorher. Als wir einfach nur sagten, hey, gut gespielt und das war auch der Spirit, für den MC damals noch stand.

Aber dann drehte sich vieles und der Verlust des Titans war der Anfang. Die politische Situation änderte sich und ich kam auch unter viel Druck, vor allem wegen des Titans. Diese Geschichte nun hat Aspekte sowohl im Spiel als auch außerhalb. Ich wurde in 2007 als Entwickler von CCP angeheuert. Der große T20-Skandal (Anmerkung: Ein Entwickler gab interne Informationen an seine Allianz weiter) passierte etwa sechs Monate nachdem ich meinen Job bei CCP begann. Die Regel als ich eingestellt wurde war noch, dass ich im Spiel weitermachen durfte, aber ich durfte niemanden sagen, dass ich eine Verbindung zu CCP hatte, damals noch eine sehr viel kleinere Firma mit lockereren Regeln. Nach T20 geriet CCP in Panik, schließlich war ich der Anführer einer der bekanntesten Allianzen und ich war eine der bekanntesten Personen im Spiel. Sie hatten Angst, dass jemand herausfindet, dass ich ein Entwickler war, dabei hatte ich ironischerweise ja eigentlich den Untergang meines Titans selbst herbeigeführt.

Was folgte war, dass das Verhältnis zwischen mir und MC und zwischen MC und BoB zu kippen begann, es folgten ein paar seltsame Entscheidungen und Allianzen mit anderen Gruppen seitens BoB und schließlich drehte MC BoB den Rücken zu. Einige in MC wollten, dass ich endgültig verschwinde, gleichzeitig war ich unter massivem Druck von CCP das Spiel zu verlassen, also entschied ich mich im Spiel in den Hintergrund zu treten und die Entscheidungen anderen zu überlassen. Vielleicht hätte ich noch ein paar letzte Dinge regeln sollen, dann wäre einiges vielleicht anders gekommen, so jedoch verbündete sich MC mit einer Reihe von anderen Allianzen und alle zusammen nannten sich dann Tortuga. Es war ein freier Söldner-Stützpunkt in einem alten BoB-Gebiet. Zu der Zeit war das eine Riesensache im Spiel, keiner hatte damit gerechnet. Alles lief eigentlich gut, außer dass es BoB und MC um dann genau dieses Gebiet ging. Es folgte ein sechs Wochen langer Kampf um das System, dann weitere Monate an Kämpfen und dann entschloss sich BoB, mit MC aufzuräumen und ihrer geballten Macht gab es nichts entgegenzusetzen.

An diesem Punkt hatte ich mich schon längst aus dem Spiel verabschiedet. Es war keiner da, der MC übernehmen konnte, also schloss ich Tore von MC. Das war im April 2008.

Und erst Mitte 2015 änderte sich das, aber das ist eine andere Geschichte.

Lazarus Telraven

Lazarus Telraven ist ein bekannter Flotten-Kommandant, der eine entscheidende Rolle im Blutbad von B-R5RB spielte, der bis dahin (Januar 2014) größten PvP-Schlacht, die je ausgetragen wurde und an der über 7500 Spieler beteiligt waren.

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Flottenkommandant Lazarus Telraven.

Die Geschichte, für die ich sicher am meisten bekannt bin, ist meine Rolle als Fleet Commander in der Schlacht von B-R5RB, die Schlacht, an die ich mich jedoch am liebsten erinnere, ist die von Lazamo. Eine Art Wortspiel aus dem Alamo und meinen Nickname. Der Name wurde gewählt, weil es ein Kampf von einer Flotte gegen vier andere war. Der Rest unserer Flotten musste nachkommen, was eine Stunde und fünfzehn Minuten dauern sollte. Diese Zeit mussten wir gegen vier Flotten durchhalten.

Wir kamen in diese Lage, weil wir eine feindliche Flotte verfolgten und meine Verband sprang mit einem Titan voraus, um diese einzelne Flotte zu stellen. Es begann harmlos genug, es folgte eine kleine Verfolgungsjagd und plötzlich brach die Hölle los. Wir hatten eine Serverzeit-Verzögerung, die der Gegner nutzen konnte, um weitere Flotten und Großschiffe in das System zu bringen. Das Verhältnis war nicht ganz Eins zu Fünf, 250 auf unserer Seite und etwas über 1100 auf ihrer. Unser Plan, ihnen eine Falle zu stellen, hatte sich komplett gedreht und wir waren nun in diesem System gefangen und konnten nicht weg.

Wir wussten, dass unsere anderen Flotten auf dem Weg waren, aber dass wir eine ganze Weile durchhalten mussten, bis sie kommen würden. Wir hatten das Glück und die Fertigkeiten, die es uns erlaubten, uns gut zu positionieren und sehr effizient ihre Zahlen zu dezimieren, ohne dass wir gleich zu viele Schiffe verloren hätten. Eine der Flotten hatte zum Beispiel Blaster-Waffen und es gelang uns leicht, außerhalb ihrer Reichweite zu bleiben. Es war trotzdem auf Messers Schneide und ab einem Punkt waren wir sicher, dass sie uns ausradiert hätten, bevor die Kavallerie kommen würde. Aber sie kam, wir waren noch da, zumindest einige von uns und die frischen Flotten hatten keine Probleme in kürzester Zeit die restlichen Gegner auszuschalten. Trotzdem, es war Rettung in letzter Sekunde.

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Oft sind es aber auch die kleinen Geschichten außerhalb des Spiels, was um das Spiel herum passiert, das mich fasziniert. Einer meiner besten Freunde ist der Anführer der Pandemic Legion und im Spiel sind das so etwas wie unsere Todfeinde. Sie sind die Gruppe, die uns wirklich Feuer geben kann. Aber auf jedem Fanfest oder anderen Eve-Meeting oder wo auch immer wir uns treffen, machen wir zusammen Party und sind Freunde. Und jedes Mal auf diesen Treffen schauen uns die Leute komplett verdutzt an, wenn sie uns so friedlich zusammen sehen, wobei wir im Spiel doch die bittersten Feinde sind. Aber das sieht man oft bei EVE. Im Spiel mag es noch so bittere Feindschaften geben, außerhalb davon haben wir alle unseren Spaß, es ist eine Art große EVE-Familie.

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht gelegentlich mal verrückte Sachen gibt. Es liegt Jahre und Jahre zurück, aber damals gab es unter den russischen Spielern eine Art großen Bürgerkrieg und einer der Spieler, der Fleet Commander der einen Seite, musste plötzlich feststellen, dass die Gegenseite den Strom zu seinem Haus gekappt hat, damit er sich nicht einloggen konnte. Die Russen nehmen das Spiel sehr viel ernster als jede andere Gruppe. In EVE sind sie dafür bekannt, dass sie sehr lange einen Groll hegen können, sogar über Jahre hinweg. Die bekommen am Ende immer ihre Rache und wenn es noch so lange dauert und deshalb legt man sich besser nicht mit ihnen an, wenn man es nicht ernst meint. Gleichzeitig, wenn sie dann mal auf deiner Seite sind, dann sind die Russen eine Gruppe, auf die du immer zählen kannst, wenn du mal Hilfe brauchst.

Hilmar Veigar Pétursson

Hilmar Veigar Pétursson ist der Global & Iceland CEO von CCP und damit der Studio-Chef der EVE-Entwicklung. Er ist einer der ursprünglichen Entwickler von EVE-Online.

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Hilmar bei der Eröffnung des Fanfests.

Ich habe diese Geschichte schon zuvor erzählt und werde es sicher wieder tun, aber es ist nun einmal meine eigene kleine EVE-Geschichte.

Es war 2003, das Spiel war erschienen und wir hatten, wie es bei so einer Entwicklung üblich ist, wie die Verrückten geschuftet, um es fertig zu bekommen. Wir waren wirklich an der Grenze zum Wahnsinn, aber nun war es draußen. In den ersten Monaten nach dem Release habe ich es selbst jedoch praktisch nicht gespielt. Vieles wurde getestet, es gab viel Bug-Fixing und selbst die Server am Laufen zu halten, war mitunter eine Herausforderung. Im September 2003 wurde ich Vater, meine Tochter Eva wurde geboren. Ich nahm einen Monat Familienzeit und blieb zu Hause. Wie jeder Vater kam ich in den Groove des neuen Familienlebens und es gab diese Momente, in denen die Mutter schlief, das Baby schlief, es gab mehr von dieser Art Zu-Hause-Freizeit als ich gedacht hatte. Also fing ich an, ein paar Spiele zu spielen, in der Regel mit dem Baby auf dem Arm, wie man auf dem Bild während der Eröffnung sehen konnte. Ich wollte nicht EVE spielen, also versuchte ich Neverwinter Nights, aber das war es nicht so richtig, also spielte ich doch EVE. Als ich jedoch EVE spielte, sah ich vor allem die kleinen Bugs, die Ecken und Kanten, die ausgebessert werden mussten, ich begann Emails zu schicken, es begann sich zu sehr nach Arbeit anzufühlen. Also wieder zurück zu Neverwinter. Nein, das ist es immer noch nicht, also wieder zurück zu EVE.

Wenn ich mich dort einloggte, fragten mich ständig Leute, ob ich nicht ihrer Corporation beitreten wollte. Ich war natürlich nicht unter meinem Namen eingeloggt, sondern unter einem Alias. Trotzdem, ich fragte mich, ob ich einer Corp beitreten sollte, sollte ich lügen, wenn mich jemand fragt, wer ich bin, ich machte mir wirklich Sorgen darüber. Schließlich jedoch dachte ich, "was soll's" und trat einer Corporation bei, einer kleinen Mining Corp. Es stellte sich heraus, dass die meisten von ihnen Briten waren, deren Ziel es war, jeden von ihnen in ein Schlachtschiff zu setzen. Sie waren wirklich bei der Sache, sie hatten Abbau-Zeitpläne und ich lernte viel darüber, wie man das Spiel spielen kann.

Sie nutzten zum Beispiel die Technik, alles gemeinsam in einen Frachtcontainer zu laden - statt einfach nur in das eigene Schiff - und diesen Container dann zu bewegen, was natürlich viel effektiver war, aber auch etwas, an das wir bei der Entwicklung nie gedacht hatten. Zuerst dachte ich noch "Oh Gott, das ist zwar spannend, aber es bringt auch alles durcheinander." Auf diese Weise sind sie einfach viel besser beim Ressourcenabbau, als wir je gedacht hätten, vielleicht sollten wir das in der Entwicklung korrigieren? Dann jedoch wieder nicht, weil es eine viel bessere Art ist das Spiel zu spielen. Also gut, lassen wir das laufen und ich hatte meinen Spaß, mit den Jungs den Abbau voranzutreiben.

Ich habe selbst damals mit einem Tristan-Schiff den Abbau betrieben. Das wäre heute ziemlich lächerlich, aber so lief das damals halt. Einer hatte jedoch schon eine Thorax und der CEO hatte sogar eine Dominix und das Ziel war, jeden von uns in eine Dominix oder das Schiff seiner Wahl zu bekommen. Während ich also mit der Tristan schuftete, wollte sich mein neuer Freund mit seiner viel effektiveren Thorax gerade ausloggen, als ich ihn fragte, ob er mir nicht sein Schiff ausleihen konnte, damit ich besser arbeiten konnte. Schließlich kamen die Erträge ja in die gemeinsame Kasse. Er sagte, klar, lass uns das machen. Wir machten ein paar Sprünge, er musste noch ein paar Sachen abladen und dann übernahm ich den Thorax.

17

Juhu, ich hatte eine Thorax! Glücklich machte ich mich auf den Weg zurück in das Abbau-Gebiet, setzte den Autopiloten und ging aufs Klo. Als ich zurückkam und auf den Screen guckte war da... der Pod, der vor sich hin blinkt. Die Rettungskapsel, die nach der Zerstörung eines Schiffs bleibt. Ich dachte, "was ist hier los!?" Das ist der Pod. Das kann nicht sein. Ich habe den Pod oft in der Entwicklung gesehen, aber das war das erste Mal, dass ich ihn wirklich hier im Spiel sah. Und ich dachte nur, oh mein Gott, ich bin in ein Gatecamp geraten, einen Hinterhalt, ich hätte den Flugweg überprüfen müssen. Ich hatte das geborgte Schiff meines Freundes verloren!

Aber dann dachte ich: Halt, das ist mein Spiel. Ich mache einfach ein neues Schiff, kein Problem! Der nächste Gedanke: Oh mein Gott, ich cheate in meinem eigenen Spiel! Warum fühlt sich das dermaßen schlecht an? Ich guckte zerrüttet den Screen an. "Was macht hier mein eigenes Spiel mit mir?!" Es ist nur ein Spiel, das sollte nicht passieren!

Schließlich setzte ich mich in meinen Tristan und ich begann wieder mit dem Abbau so gut ich nur irgend konnte, schließlich musste ich schnell einen neuen Thorax kaufen und ich selbst wollte ja auch einen haben, ich hatte also viel Arbeit vor mir. An diesem Punkt, ungefähr gegen 5 in der Nacht, kommt meine Frau in das Zimmer und schüttelt nur den Kopf. "Hilmar, Du hast die letzten drei Jahre an diesem Spiel gearbeitet und jetzt sitzt Du hier im Dunkeln und spielst es. Was ist Dein Problem?"

Und das ist meine EVE-Geschichte. Jeder hat in diesem Spiel eine.

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Über den Autor:

Martin Woger

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