The Division 2 - Unbekannte Weiten

Mehr Grün, mehr Weite, mehr USA.

Ballern in der Postapokalypse - ein zeitloses Spielkonzept, könnte man meinen. Und dennoch hat The Division bei den Fans insbesondere im Endgame für Frustmomente gesorgt, weil es vor allem zum Release des Spiels darin nicht allzu viel zu tun gab. Schon im Rahmen der E3 hat Ubisoft bekannt gegeben, dass dieses Manko beim Nachfolger nicht mehr vorhanden sein soll, Raids mit bis zu acht Spielern sollen stattdessen von Beginn an möglich sein.

Auf der Gamescom hat Ubisoft nun weniger von diesen Neuerungen berichtet, sondern geschildert, welche Neuerungen sich allein durch das neue Szenario im Spiel ergeben. Denn The Division 2 spielt nicht mehr im urbanen Dschungel von New York, sondern in der schon etwas heruntergekommenen Hauptstadt Washington, D.C.

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Das Weiße Haus: Panzersperren machen die Gartenpflege unmöglich.

The Division 2 spielt rund sieben Monate nach dem ersten Teil und das merkt man der Spielwelt an. In den gezeigten Szenen wirkte Washington, D.C. so, als hätte die Natur bereits damit begonnen, die Stadt zurückzuerobern. Das sorgt insgesamt für einen deutlich anderen Look als im ersten Teil, als noch die graue Stadt und der Schnee dominierten. The Division 2 sieht deutlich grüner aus, Gehwege sind überwuchert, U-Bahn-Tunnel teilweise überflutet. Washington, D.C. ist auf Sumpfgebiet erbaut und das soll man der Spielumgebung auch anmerken, so Ubisoft. Beim Gamescom-Termin betonte der Publisher daher, dass man sich Washington, D.C. vor Ort angesehen habe, um sich ein Bild davon zu machen, wie diese Stadt in Zukunft aussehen müsse. Auf Basis dieser Recherche sei dann die Spielwelt konstruiert worden.

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Weite Flächen ohne Deckungsmöglichkeiten wie diese hier sollen das Gameplay grundsätzlich verändern.

Grün dominiert Washington, D.C. aber nicht nur innerhalb des besiedelten Gebiets selbst. Die Stadt hat aktuell 700.000 Einwohner, für US-Verhältnisse also nicht gerade eine Metropole. Der Spieler soll daher in der Lage sein, auch dünner besiedelte Außenbezirke zu erkunden. Und genau daraus ergeben sich ganz automatisch auch spielerische Änderung. The Division 2 ist im Kern ein Deckungsshooter. Solche Spiele funktionieren gut, wenn der Entwickler hüfthohe Deckungen aneinanderreihen kann, kleine Mauern, Autos, Parkbänke, Müllcontainer - alles Dinge, die man in Städten findet. Ganz anders sieht das aus, wenn diese Deckungen auf einmal nicht mehr zur Verfügung stehen, beispielsweise im Bereich um das Washington Monument. Wie genau die Shooter-Mechanik dann funktionieren soll, wurde auf der Gamescom allerdings noch offengelassen.

Einen großen Teil seines Reizes zieht The Division 2 natürlich auch aus den bekannten Wahrzeichen. Das eben genannte Washington Monument wird dabei genauso Schauplatz wie das Weiße Haus selbst, der am besten bewachte Ort der postapokalyptischen USA. Nicht fehlen darf auch die abgestürzte Air Force One, die nun umwuchert von Schlingpflanzen vor den Stadttoren ihr trauriges Dasein fristet. Die Geschichte des Spiels soll dadurch noch an Spannung gewinnen, denn wenn Washington, D.C. fällt, fallen laut Ubisoft auch die USA. Das Szenario wirkte auf mich tatsächlich frisch und irgendwie ist so eine grüne Postapokalypse eine willkommene Abwechslung zum grau-braunen Einheitsbrei anderer Genrevertreter.

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Dieser Flügel hatte schon bessere Tage: Auch in den Innenräumen sieht Washington, D.C. etwas mitgenommen aus.

Es bleibt aber die Befürchtung, dass Ubisoft in Sachen Gameplay nicht allzu viel ändern wird. Klar, es wird vereinzelt neue Fähigkeiten und Talentbäume geben, aber die Dark Zone aus dem ersten Teil feiert in The Division 2 genauso ihr Comeback wie die grundlegende Schadensmechanik. Gegner sind Kugelschwämme, wenn ich den Begriff des "Bullet Sponge" an dieser Stelle mal übersetzen darf. Sie sterben nicht zwangsläufig, wenn ihr ihnen in den Kopf schießt, sie fallen erst, wenn ihr genug Munition in sie hineingepumpt und sie sich damit bis zum Platzen vollgesogen haben. Das funktioniert für mich in Spielen wie denen aus der Borderlands-Reihe immer gut, aber in einem auf Realismus getrimmten Szenario wie jenem in The Division wirkt es eben doch seltsam, wenn jemand mit einem Kopfschuss nach einem kurzen "Au!" weiterkämpft.

Nun muss das natürlich nicht jeden stören und auch ich habe darüber im ersten Teil von The Division nach einer gewissen Zeit hinwegsehen können. Insofern hoffe ich, dass das frische Szenario The Division 2 wirklich, wie von Ubisoft angegeben, zu einer neuen Erfahrung macht. Die Überreste der Air Force One durchforsten, das Grün beiseiteschieben, das sich die Stadt zurückholt, das Weiße Haus stürmen, mich hinter dem Lincoln Memorial verschanzen und von dort auf Gangs schießen, die über das Wasserbecken auf mich zugestürmt kommen - das wirkt reizvoll und ich sehe mich schon den Abzug drücken. Manchmal auch ins Grüne hinein.

Entwickler/Publisher: Massive Entertainment, Red Storm Entertainment/Ubisoft - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Erscheint am: 15. März 2019

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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