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So, mittlerweile ist es passiert. Ich habe mich mit dem Look des Remakes von Link's Awakening arrangiert, ich mag ihn sogar sehr. In erster Linie liegt das daran, dass die Knopfaugen der Überarbeitung den Charakter des Originals gut einfangen. Und das war dann der Türöffner zum Rest des Spiels. Tatsächlich bin ich mittlerweile an einem Punkt der Vorfreude angelangt, an dem ein Ersatz her muss, bis das Spiel endlich erscheint ...

... was auch erst im Herbst sein könnte, denn mehr als ein "2019" ließ Nintendo bislang nicht in Sachen Release-Termin von sich hören. Aber hey, immerhin bin ich mit diesem "Problem" nicht alleine in der Redaktion. Wie Martin die Wartezeit auf Link's Awakening totschlägt, erfahrt ihr demnächst in einem zweiten Artikel. Genügend Anregungen, was ihr bis dahin machen könnt, hättet ihr dann in jedem Fall.

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Chain Chomps und Goombas in Zelda? Das geht!

In medias res: Link's Awakening ist der perfekte Kandidat für ein Remake, markiert das Spiel doch für mich einen persönlichen Meilenstein in der Historie dieser Serie: Es war das erste Mal, dass ich als Held von Hyrule mit meinem Tun haderte und wirklich melancholisch aus dem Erlebnis ging. Warum? Ohne Spoiler ist es schwierig zu beschreiben, aber Links Handeln auf der Insel Cocolint bleibt nicht ohne Konsequenzen für Land und Leute. Dem Spiel gelingt damit eine wunderschöne Allegorie übers Leben, Wachsen, Weiterziehen, die ich nur zu gern in modernem Gewand neu inszeniert sähe.

Aber wir müssen ja warten - und wie macht man das am besten, wenn nicht mit einem anderen Taschen-Zelda. Weil ich den 8Bit-Kulturschock gerade schlecht verkraften würde, fiel die Wahl auf einen neueren Kandidaten, der mir seinerzeit schon viel Freude bereitete, dann aber scheinbar nicht nur bei mir in Vergessenheit geriet: A Link Between Worlds, auch mittlerweile sechs Jahre alt, hatte es immer ein bisschen schwer mit Traditionalisten und vielleicht ist es deshalb nie so ganz in den Herzen der Fans angekommen. Sagt ihr mir, ob ich mit dieser Wahrnehmung alleine dastehe.

Würde A Link Between Worlds heute oder zumindest in größerer Nähe zu Breath of the Wild erscheinen, stünde es vermutlich anders um das Vermächtnis dieses rundheraus beachtlichen Top-Down-Abenteuers. Vieles, was an Links Switch-Debüt faszinierte, findet sich auch in Worlds wieder. Allen voran die größere Freiheit, die hier in erster Linie durch freie Ausrüstungswahl zustande kommt. Anstatt nach und nach die traditionellen Werkzeuge freizuschalten, leiht oder kauft man sich im Laden eines fahrenden Händlers die Gegenstände, die man braucht.

Auch breitete Worlds seine Welt bereits vor Breath of the Wild in eine neue Dimension aus: Wo Link auf der Switch kletterte, soweit die Ausdauer reichte, und man das erfrischende Gefühl bekam, eine wilde Welt zu zähmen, erreicht das 3DS-Abenteuer vergleichbares, indem man sich aller Orten in ein Wandgemälde verwandelt und so an eigentlich unerreichbare Orte schmuggelt - ebenfalls so lange die Ausdauer es mitmacht. Beide Spiele eint der Gedanke, Neues zu entdecken, indem man sich seine eigenen Wege durch die Welt sucht.

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Optisch ein wenig zu nah an Link to the Past, um eigenes Flair zu versprühen. Trotzdem ein tolles Spiel.

Gleichzeitig schlägt die Von-oben-Perspektive eine schöne Brücke zu dem Spiel, das uns später, aber hoffentlich nicht so spät dieses Jahr (!!!) wieder Bildschirmweise jeden Stein umdrehen lässt. Dieses befriedigende "Mit diesem Stück der Karte bin ich fertig"-Gefühl konnte in meinen Augen keines der über die Schulter inszenierten Abenteuer jemals so recht einfangen. Es ist einfach eine wunderbar vertraute Art, eine Welt zu erkunden.

Zugegeben: Ich bin auch sechs Jahre später immer noch nicht so ganz glücklich darüber, wie A Link Between Worlds aussieht. Trotz der netten 3D-Implementierung herrscht doch flache, pastellene Beliebigkeit vor, die ein wenig an Charakter vermissen lässt, wo das Remake von Link's Awakening für manche Menschen ein wenig zu viel davon hat.

Alle spielerischen Aspekte in dieser willkommenen Rückkehr in die Welt von A Link to the Past sechs Generationen später überzeugen jedoch vollauf. Alleine schon vor der Idee, mit Lorule eine Art Spiegelbild des traditionellen Zelda-Schauplatzes so nett zu integrieren, muss man den Hut ziehen.

Gehört ihr also zu der Zielgruppe von Spielern, die Worlds seinerzeit verpassten oder habt ihr es lange nicht gespielt: Es gibt keinen besseren Zeitpunkt, es noch einmal aufzugreifen - und in diesem immer noch zeitgemäßen und elegant designten Beinahe-Klassiker die Zeit bis zur Neuauflage von Link's Awakening rumzubringen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.