Remote Control

Die ganze PS3 in einer Hand

Ihren Status als billigster Blu-ray-Player hat die PS3 eingebüßt. Schnäppchen gibt es für 150 Euro und die verbrauchen trotz der neuen Sparsamkeit der Slim immer noch deutlich weniger Strom und kennen auch geringe Laufgeräusche größtenteils vom Hörensagen. Nämlich dann, wenn ihnen die immer noch nicht lautlose PS3 was flüstert. Der größte Vorteil ist jedoch eine Fernbedienung, die sich sofort mit allen Funktionen erschließt. Ganz ohne Rätselraten, wofür denn Kreuz, Kreis und Quadrat noch mal zuständig waren.

Auf der PS3 kann man da jedoch Abhilfe schaffen und muss sich nur Gedanken machen, was man braucht und investieren möchte.

Der Klassiker: Sony PS3 Remote Control

Hersteller: Sony

Erhältlich über: Amazon

Praktisch zusammen mit der ersten PS3 erschien die Fernbedienung von Sony selbst und sie hat sich bis heute bewährt. Sie fühlt sich halbwegs hochwertig an, zumindest im Rahmen von Preis und Plastik, hat alle Tasten, die man an einem normalen Kinoabend braucht und vor allem hat man keinen einzigen Knopf des Pads vergessen.

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Bewährt seit 2007: Die Sony Remote Control.

Um das Mittelkreis sind die vier rechten Tasten angeordnet, darunter die Home, Start und Select-Köpfe. Selbst L1 bis R3 sind vertreten und so gibt es praktisch nichts außerhalb eines Spiels, was ihr mit der Remote nicht ganz bequem einhändig dirigieren könntet. Selbst an Eject wurde gedacht. Perfekt.

Ein weiterer, vor allem angesichts der Masse an USB-Ports bei der Slim nicht zu unterschätzender Vorteil ist die direkte Konnektivität. Kein Dongle nötig, die Remote hat Bluetooth und so könnt ihr die PS3 auch dann noch steuern, wenn ihr sie in einem Schrank hinter verschlossenen Türen eingebaut haben solltet.

Der vielleicht größte Nachteil beim Filmgucken in abgedunkelten Räumen ist das Fehlen jeglicher beleuchteter Tasten. Für 25 Euro kann man das durchgehen lassen, angesichts preislich ähnlicher Lernfernbedienungen mit genau diesem Feature muss man das aber nicht. Trotzdem, eine genau auf ihr Ziel abgestimmte Fernbedienung mit allem, was wichtig ist.

Die Preiswerte: Speedlink Media Remote

Hersteller: Speedlink

Erhältlich über: Amazon

Für etwa 10 Euro ist die Speedlink sicher ein echtes Schnäppchen, aber man bekommt halt manchmal auch nur das, was man bezahlt. Zum Beispiel ebenfalls keine Tastenbeleuchtung. Das gänzliche Fehlen der Nummerntasten lässt sich sicher gut verschmerzen, dass es keine Tasten für Audio oder Untertitel gibt, weniger. Dies sollte eigentlich die Minimalanforderung sein. Immerhin lässt sich das Menü aufrufen und dann auch bedienen, aber viel weiter geht es hier nicht.

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Klein ja, mit dem fein hapert es dann doch ein wenig: Speedlink Media Remote.

Wenn man jedoch diesen Kompromiss eingeht, dann müssen auch noch weitere folgen. Die Verabeitung der Scheckkarte ist nicht gerade glorreich, die Tasten reagieren mitunter auch erst nach sehr kräftigem Drücken und wirklich Spaß macht das Handling nicht. Es ist eine Krücke und eine brüchige dazu. Dass für so wenig Euronen hier kein Bluetooth verbaut wurde, war zu erwarten. Dementsprechend belegt ein USB-Infrarot-Dongle einen USB-Port. Dass heißt jedoch auch, dass der Sichtkontakt zur Konsole unabdingbar ist. Sonst tut sich nichts.

Für manchen ist dieser USB-Stecker jedoch wesentlich interessanter als die winzige Speedlink selber. Eine lernfähige Fernbedienung kann nämlich von dieser die IR-Codes übernehmen. Anschließend steuert eure Systemfernbedienung die PS3 über den USB-Dongle an und ihr spart euch ein Stück Plastik auf dem Tisch vor dem Fernseher. Ein echter Gewinn für jeden, der wie ich der Meinung ist, dass eine Fernbedienung für alles reichen muss.

Die Alleskönner: Logitech Harmony 515, One und PS3 Adapter

Hersteller: Logitech

Erhältlich über: Amazon (Harmony 515) / Amazon (Harmony One) / Amazon (PS3 Adapter)

Genau diesem Gedanken folgt Logitech mit dem Harmony-Konzept. Angefangen von preiswerten Einsteigermodellen bis zur kompletten Haustechnik-Steuerung mit verteilten Funkmodulen gibt es hier inzwischen eine recht breite Auswahl, die jedoch alle eins gemeinsam haben: Sie brauchen das Internet.

Die Harmony an sich bedarf einiger Erläuterungen, bevor wir zum Test an der PS3 kommen. Logitech machte sich scheinbar Gedanken, wie man halbwegs einfach eine Multi-Geräte-FB immer auf dem aktuellen Stand halten kann, ohne umständlich mit Codes und Firmwareupdates arbeiten zu müssen. Ihre Lösung ist eine inzwischen mehrere hunderttausend Geräte umfassende Onlinedatenbank, die all deren Steuercodes enthält. Ihr schließt die Harmony per USB an einen Computer (Win, Mac und mit Tricks auch Linux) an, schaut, ob es euer Gerät gibt und ladet den Code auf die Harmony.

Die Datenbank ist wirklich erstaunlich und bisher hatte ich kein Gerät, das hier nicht auftauchte. Sofern es vorhanden ist, dauert die Programmierung für das Gerät zwei Minuten und schon sind alle Funktionen, auch die einer PS3 oder Xbox 360, entsprechend hinterlegt. Sollte euer aus nordkoreanischen Kleinwagenteilen selbstgeschweißter SAT-Receiver nicht auftauchen, dann können die Harmonys dessen IR-Befehle auch lernen. Das klappt so gut wie bei jeder anderen brauchbaren FB mit einer solchen Funktion. Nur dass man hier selbst dafür über das USB Kabel und die Software gehen muss.

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Nicht ganz maßstabsgetreu: Die One (links) ist eigentlich ein ganz klein wenig größer als die 515 (rechts).

Häufig wurde die Software als langsam und umständlich kritisiert und in einem gewissen Rahmen stimmt das auch. Die Übertragung der Daten von den Logitech-Servern ist dabei zwar kein Thema mehr, aber die FB erst anzuschließen und sich durch einen recht aufwendigen Prozess aus Suchen und Speichern zu klicken, nur um eine einzelne Taste mal zwischendurch anzupassen, kann schon ein wenig nerven. Was die Umständlichkeit angeht stimmt das nur bedingt, wenn man sich die beinahe vollständige Freiheit bei der Konfiguration anschaut. Jede Taste lässt sich auf Wunsch frei belegen und umsortieren, ganz wie man es persönlich haben möchte. So viel Freiheit lässt sich nur schwer in ein schlankes Menü verpacken und so setzt am Anfang das Ganze schon ein wenig Einarbeitung voraus.

Sind alle Features eingerichtet und das Heimkino steuerbar, geht es an die Besonderheiten zwischen der Harmony und der PS3. Die Fernbedienung funktioniert über IR, die PS3 über Bluetooth. Sofern man nicht eine Lösung wie mit der Speedlink und ihrem Dongle anstrebt, muss ein Vermittler her. Diesen bietet Logitech getrennt an und das für sagenhafte 50 Euro. Was soll man dazu sagen, außer dass es schon immer etwas teurer war, einen besonderen Geschmack zu haben. Der IR-Empfänger übersetzt die Befehle der Harmony und sendet sie als BT-Signal an die PS3.

Dieses Konzept hat Vor- und Nachteile. Gerade bei der Slim ist es sicher nicht schlecht, dass kein USB-Port belegt wird und auch die Konsole kann gegebenenfalls hinter der Schranktür bleiben. Der Sender überbrückt etwa 10 Meter zwischen sich und der Konsole, Sichtkontakt zwischen Harmony und Sender ist Pflicht. Der Nachteil ist neben dem Preis der Stromhunger des kleinen Kastens. Es sind zwar nur wenige Watt, aber die sind es trotzdem, und er belegt dabei natürlich auch noch eine extra Steckdose, was immer unschön ist. Aber wohl besser als Batterien, also kann man zähneknirschend damit leben. Irgendwo muss der Saft ja herkommen. Die Funktionsweise arbeitet scheinbar einwandfrei und ohne irgendwelchen Verzögerungen bei der Eingabe.

Im Betrieb hatte ich hier als Einsteigermodell die Harmony 515 und das, zumindest im normaleren Rahmen, Spitzenmodell Harmony One. Die 515 liegt etwa bei 40 Euro, die One bringt es auf 130 Euro. Und sie ist jeden Euro mehr wert. Die 515 fühlt sich nicht nur sehr leicht, sondern leider auch schlicht billig an. Die Tasten wabbeln ein wenig vor sich hin, das winzige Multidisplay lässt sich halbwegs ablesen, ist jedoch arg klein, und es ist einfach keine FB, die man liebhaben und wertschätzen kann. Zählen für euch jedoch nur die inneren Wert, dann gibt es nichts schlechtes über die kleine Harmony zu sagen. Fünf Geräte lassen sich damit steuern, was den durchschnittlichen FB-Dschungel schon ganz gut lichten sollte.

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Dieser kleine Kasten (etwa 7 cm breit) verbindet die Harmony mit der PS3.

Die One ist äußerlich das genaue Gegenteil. Oben klavierlackig – und damit fingerabdruckfreudig wie immer –, unten samtig wirkt sie äußerlich dem Preis halbwegs angemessen und das Feeling der Tasten ist weit runder und hochwertiger. Dazu bringt sie sogar einen Akku und eine Ladeschale mit, was weit komfortabler funktioniert als die normalen Batterieakkus der 515. Das Touch-LCD-Display in Farbe wirkt gleich viel freundlicher, bedient sich auch so und sofern Technik schön sein kann, ist die One es. 15 mögliche Geräte sollten schließlich eigentlich auch genug für jedes deutsche Wohnzimmer sein. Heimkino-HiFi-Enthusiasten sind hier auf jeden Fall gut aufgehoben. Die Ausleuchtung des Zimmer ist übrigens nicht wichtig: Alle Harmonys haben beleuchtete Tasten.

Es ist am Ende eine Frage des Geldes und des persönlichen Geschmacks, welches der zahlreichen Modelle euch liegt. Alle haben aber eines gemeinsam: Keine bringt von sich aus die Tasten des Playstation-Pads mit. Alle Sondertasten der PS3 wie L1 bis R3, Start, Select, Home und die rechten Tasten sind vorhanden, aber nur auf dem Display als Sonderfunktionen. Das kann ein wenig umständlich sein, wenn man häufig abwechselnd alle Tasten des Pads braucht, aber außerhalb eines Games ist das ja eher selten der Fall.

Dafür gibt es da dann sogar eine Taste zum direkten Ausschalten der Konsole ohne weitere Nachfrage. Nur beim Anpassen eines Hintergrundbildes bin ich gescheitert, da hier die Sticks des Pads gefragt waren. Aber sonst: völlig unproblematisch. Sei es nun Shop, Bilder, Blu-rays oder beinahe jeder andere Zweck, dem sich die Konsole jenseits der Spiele verschrieben hat. Und das gilt für die „schöne“ One und die „hässliche“ 515. Die Wahl zwischen den beiden bleibt also zum Glück ein Frage des Geschmacks und nicht der Kompromisse bei der Funktionalität.

Welche ist für mich die Richtige?

Wer die PS3 als Blu-ray-Player nutzt und sonst nur einen Fernseher herumstehen hat, dürfte mit dem Sony-Original immer noch am besten fahren. Der Preis ist niedrig und alle notwendigen Tasten sind vorhanden, um die PS3 komplett im Griff zu haben. Dass sie über Bluetooth läuft, ist dabei ein willkommener Bonus. Zielen nicht nötig.

Die Speedlink und andere preiswerte Vertreter sind wirklich nur dafür gut, um mal schnell beim Film eins weiter zu drücken oder den nächsten Song abzuspielen. Das Fehlen von so absoluten Essentials wie Audio oder Untertitel machen sie kaum nützlicher als das Pad. Dafür könnten die IR-Empfänger für alle interessant sein, die eine lernfähige FB im Einsatz haben.

Die Harmonys schließlich sind ein wenig zu schade und vor allem teuer, wenn es nur um die PS3 geht. Solltet ihr jedoch einen ganzen Schwung Bedienungen ersetzen wollen, dann zeigen sie sich dank der nicht immer ganz intuitiven aber leistungsfähigen Software flexibler als jede andere. Schönheit hat jedoch einen Preis und erst bei den besseren Harmony-Modelle kommt zum Nutzen auch noch der Look dazu. Und so charmant die Idee des IR-Bluetooth-Übersetzers auch ist, so hoch ist auch ihr Preis. Dass die 515 selber weniger kostet als der Sender, ist schon sportlich. Trotzdem, wer sein Heimkino kompromisslos betreibt, lächelt wahrscheinlich auch über solche Summen und eine universeller einsetzbare, letzlich immer noch bezahlbare und kurz gesagt bessere Fernbedienung, dürfte schwer zu finden sein. Und glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung und hab da einiges hinter mir…

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur

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