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Fummelig, gemein, faszinierend: Daedalics Barotrauma ist die Härte

Tot im Wasser – im kältesten Meer, das man sich vorstellen kann.

Seit gestern ist Barotrauma im Early Access auf Steam erhältlich und schon jetzt bereitet es mir gehörige Bauchschmerzen. Die gute Sorte Bauchschmerzen, wenn es so etwas gibt. Ich bin schwer fasziniert, sehe aber kein Land - im sprichwörtlichen wie im buchstäblichen Sinne. Trotzdem beschäftigt mich die Uboot-Simulation vor allem gedanklich fortwährend - auch wenn ich fast Angst habe, mich wieder in diese Tiefen zu begeben.

Was es ist? Stellt euch Sea of Thieves aus der Seitenansicht und in einem Unterwassergefährt vor. Habt ihr? Ok! Dann fügt ihr einen deutlich größeren Simulationsfaktor hinzu sowie eine klickverliebte Sperrigkeit, die das Spiel in unzählige interaktive Anlagen und Container ummünzt. Ok, fast da. Jetzt noch Multi-Crew auf bis zu 16 Spieler mit verteilten, mehr oder weniger festen Rollen von Kapitän über Schiffs-Doc bis zum Mechaniker aufblasen. Und nun versetzt ihr das Ganze nur noch in den Ozean des Jupitermondes Europa, der jedes Licht und jede Farbe aus der Umgebung zu ziehen scheint, um euch mitsamt der Blechbüchse, die euch umgibt, zu verschlingen, ohne dass es einer merkt.

Das Sonar ist cool umgesetzt und hilft dabei, viel der Schrecken der Vorstellungskraft der Spieler zu überlassen. (Barotrauma)

Zugegeben, es gibt ganz ordentliche (wenngleich lange) Tutorials für jede Rolle, aber bis man sich hier durchgearbeitet hat, hat man die ersten Lektionen fast wieder vergessen. Mit schlotternden Knien taucht man in diese feindselige Unterwasserwelt, von der man selten mehr sieht als die schattenhaften Umrisse, die das schaurig klingende Sonar auf den Bildschirm wirft, wann immer man an den Kontrollen steht.


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Überhaupt: Wirft man sich allein in die Kampagne und schaltet munter zwischen seinen Crewmitgliedern hin und her, weil man wichtige Sachen nicht der an sich gut gemachten Automatisierung überlassen will, muss man schon stark sein. Der Kontrollverlust, wenn man seine jeweilige Station verlässt, ist beinahe schmerzhaft. Also psychisch. Räume, die ihr nicht einsehen könnt, liegen Nebel-des-Krieges-mäßig komplett im Dunkeln. Um Lecks zu lokalisieren, schaut ihr deshalb auf den Schiffsplan an der Kommandostation - oder, wenn ihr zu weit weg seid, fangt ein wenig panisch an zu suchen, ob nicht in eurer Nähe etwas zu richten, zu flicken, auf den richtigen Pegel oder korrekt auszusteuern sei und hofft, auch das richtige Werkzeug dabeizuhaben.

Außer Gefecht gesetzte Crewmitglieder könnt ihr in Sicherheit zerren. (Barotrauma)

Man fühlt sich hilflos, ausgeliefert und muss viel Mut aufbringen, wegzuschauen. Lernen, sich auf andere zu verlassen, dass sie euch die maßgeblichen Infos durchgeben. Das ist die Devise, denn im Normalfall ist es ein Spiel über Kommunikation, denn man es optimalerweise nicht alleine. Trotzdem ist solo eine gute Gelegenheit, dahinter zu steigen, wie das Spiel tickt. Schatzsuchen, Kammerjäger-Einsätze, Transportaufträge - alles in einem Spiel, in dem es schon schwierig genug ist, unbeschadet von A nach B zu kommen. Es gab Einsätze, die waren nach fünf Minuten vorüber, weil Seebiester durch die Hülle brachen, Crewmitglieder fraßen oder ein durch eine Kollision selbst verschuldetes Leck außer Kontrolle gerät, nachdem der Mechaniker beim Flicken eines Hüllenbruches ertrank oder vom Wasserdruck zerquetscht wurde. Und dieses Spiel kennt noch weit mehr Arten, euch umzulegen. Mir ist das irgendwie sympathisch.

Ach ja, und die gibt's auch noch. Nicht nur bei Tauchgängen. (Barotrauma)

Es so richtig tief habe ich mich noch nicht in den Multiplayer getraut, aber der Gedanke, hier mit einer eingespielten - oder für nochmal erhöhten Puls wahlweise komplett fremden - Crew ranzugehen, ist bei aller Sperrigkeit und nicht zu leugnendem Fummel-Faktor durchaus reizvoll.

Zumal auch der Look zwar nicht unbedingt hübsch ist, aber der Stimmung sehr dienlich ist. Mit den Animationen der Figuren muss man sich erst anfreunden, die sehen sehr nach Ragdoll Kung-Fu aus oder wie diese Hampelmänner, die man als Kleinkind an der Wand hängen hatte. Mit der Schnur, zum Ziehen, damit Arme und Beine mittelschwer unkoordiniert durch die Gegend fliegen. Es generiert aber auch viel Slapstick, der gekonnt die enorm finstere Stimmung bricht.

Kurzum: Aktuell steckt für mich in diesem Early-Access-Titel noch mehr Faszination drin als echter Spaß. Aber wenn ich tief genug eintauche, da bin ich sicher, stehen die Chancen nicht schlecht, mit einigem Schub krachend in ein paar wirklich gute Stunden hinein zu rauschen. Barotrauma könnte sich als guter Fang für Daedalic herausstellen.


Entwickler/Publisher: Fake Fish, Undertow Games/Daedalic Erscheint für: PC - Geplante Veröffentlichung: Early Access erhältlich

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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