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God of War bleibt auch auf PC das radikalste Reboot aller Zeiten

Wie man einen Charakter reformiert, der keine Zukunft hat: God of War landet nach vier Jahren auf PC - und sieht keinen Tag älter aus.

Der Gott des Krieges hält nun also auch auf dem PC Einzug. Mit 4K, Unterstützung für hohe Bildraten, Ultrawide-Displays und Nvidia DLSS macht Kratos auch auf topaktuellen Computern nur die besten Argumente für teure, auf maximalen Hochglanz polierte Bombast-Action-Adventures. Auch fast vier Jahre nach dem Start wirkt das Spiel so modern und wertig wie es nur geht und macht damit mächtig Lust auf das, was noch kommen mag - vermutlich schon dieses Jahr.

Vielleicht bleiben wir direkt beim Technischen, denn für mich ist das einer der langweiligsten Aspekte, über die ich regelmäßig sprechen muss. Leider ist es gleichzeitig einer der wichtigsten. Als jemand, der hochgradig allergisch auf wacklige Bildraten reagiert, weiß ich, wie sehr es einem ein Spiel verleiden kann, wenn es nicht vernünftig performt. Machen wir es kurz: Die Umsetzung ist sehr gut und Optionen gibt es reichlich.

Einstellungen und Performance von God of War auf dem PC

Die mittlere Einstellung nennt sich "Original" und ist offensichtlich PS4-äquivalent. Es gibt eine niedrigere und zwei höhere. Auf meinem i9 mit Geforce RTX 3080 läuft das Spiel in 1440p maximalen Settings und ohne DLSS fast immer über 100fps. Mit DLSS in der Qualitäts-Einstellung deutlich jenseits der 120fps. In 4K sind so auch zwischen 80 und 100fps drin und nativ - also ohne DLSS -, sind es immer noch häufig genug fast komplett stabile 60fps. Wenn man an den Schatten und Reflexionen schraubt, sind mehr auch kein Problem.

Epische Momente gibt es auch im persönlicheren Reboot zuhauf. Ausgerechnet der neuen Kamera haben wir viele davon zu verdanken.

Das ist natürlich ein sehr starker Rechner. Doch auch auf meinem aktuellen, aber ungleich schwächeren Laptop mit AMD Ryzen 9 5900HX mit Geforce RTX 3060 mobile (entspricht in etwa einer RTX 2060 Desktop und liegt ziemlich genau zwischen GTX 1070 und 1070-Ti, hat letzteren aber DLSS voraus) sind in 1080p auf Ultra und mit DLSS Bildraten weit jenseits der 60 Bilder drin. Dazu dürfen Fans besonders glatt gebügelter Bilder sich freuen, dass sie die Bildrate in Zehnerschritten von 30fps bis 120fps festlegen dürften. Das gilt, wie gesagt, für Ultra-Einstellungen. Auch für ältere Karten ist demnach noch Spielraum für gute Bildraten, zumal das Spiel auch auf Original-Einstellungen immer noch fantastisch aussieht. Unterm Strich also ein gelungener Port, der am oberen Ende seiner Einstellungen immer noch zum schönsten gehört, was man in diesem Segment gerade so kaufen kann.

Warum man unbedingt God of War (2018) gespielt haben sollte

Mir persönlich ist God of War aber vor allem wegen einer Sache sehr im Gedächtnis geblieben. Ich kann mich mit Ausnahme der Neuerfindungen von Mario und Zelda in 3D und vielleicht Breath of the Wild an kein Spiel erinnern, dessen Reboot so gewagt und radikal daherkam. Kratos' Wiederbelebung, von der wir nicht wussten, dass wir sie haben wollten, manövrierte die Figur aus einer Sackgasse, in die sie sich in ihrer blinden, rabiaten Wut selbst verkeilt hatte. Als God of War Ascension erschien, hielt ich das Spiel nicht für einmal schlecht, aber die Rachegeschichte hatte sich wahnsinnig totgelaufen.

Zwischen 2008 und 2013 waren vier Spiele erschienen, drei davon Prequels, woran man allein schon sehen kann, dass eine Reihe in Schwierigkeiten steckt. Wir schauten einem Charakter mit nur einem (zugegebenermaßen fantastischen) Trick dabei zu, wie er in einer permanenten Pirouette um sich selbst gefangen war. Eine Figur, die zwar vielleicht mal mit einer Handvoll Nuancen gestartet war, aber immer mehr zu einer Karikatur ihrer selbst wurde. Der Gedanke, aus dem vielleicht kathartischsten Gewaltsimulator seit Doom eine ernsthafte Erzählung darüber zu machen, wie einem Kinder helfen können, sich seinen inneren Dämonen zu stellen... Na ja, das schien absurd, als wir Kratos das letzte Mal sahen.

Trotzdem gelang genau das Sony Santa Monica - und das ist ja nicht das einzige. Der Kampf wurde technischer, Kratos in seiner Ausrüstung flexibler und die Reiche, die er erkundet, größer und komplexer. Die Kamera fuhr näher an seine breiten Schultern heran, lässt die Gewalt intimer, persönlicher wirken und seine Widersacher gefährlicher. Die Panoramen wirken jetzt gewaltiger, Berge und Bauten monumentaler, und dass das ganze ohne Schnitte oder veränderliche Kameraeinstellungen passiert und Kratos immer im Fokus steht, ist ein kleiner Geniestreich.

Ein Neuanfang, wie er nicht jedem gelingt

Unterm Strich mag God of War nicht wahnsinnig viel anders machen als viele andere Action-Adventures mit Klingenwaffen-Nahkampf. Erkundung, Kampf, Rätsel, Kampf, wieder ein paar Schritte Erkundung, hier und da ein Geheimnis abseits des Weges, dazu ein schlanker Skilltree und etwas Loot und - natürlich - immer wieder kämpfen. Aber es macht eben sehr viel anders als God of War es bisher machte. Dieses Spiel mag aus der Notlage entstanden sein, dass sein Held sich entweder weiterentwickeln oder auf ewig in der Versenkung verschwinden würde. Und dennoch fühlt es sich niemals bemüht an, bleibt immer eine natürliche Folge der vorangegangenen Teile an. Es ist immer noch God of War, nur eben reifer, erwachsener.

Kratos' Sohn Atreus ist eine Bereicherung für diese Reise. Wer hätte das gedacht?

Das ist etwas, was ich von Crystal Dynamics Tomb Raider Reboot zum Beispiel nicht so recht sagen kann. Gute bis sehr gute Spiele, zweifellos, aber irgendwie auch erzwungen und nicht so richtig "Lara". Gerade der Survival-Ansatz und die bunt gemischte Freundestruppe zielten meiner Meinung nach ein gutes Stück an der Figur vorbei. God of War 2018 ist wie ein detailliertes Porträt, das man auf Basis der kruden Skizze anfertigte, die die alten Spiele waren. Das ist sicher auch deshalb möglich, dass wir in Kratos' Gegenwart schauen, anstatt wie bei Lara eine neue Origin-Geschichte aus ihrer Vergangenheit zu erleben, die sich mit dem Bild beißt, das wir uns immer von der adligen Grabräuberin gemacht hatten.

Wie auch immer ihr das seht. God of War ist auch auf dem PC nicht nur ein ausgesprochen packendes, motivierendes und effektvolles Action-Adventure mit maximalen Schauwerten. Es ist auch eine technisch gute Umsetzung und ein schönes Statement, wie man reichlich angestaubten Actionhelden der Vergangenheit Textur verleiht, die über plastische Narben, Hautporen und abgewetzte Körperbemalung hinausgeht. Ein Triumph, dem man beiwohnen sollte.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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