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Großbritannien blockiert Microsofts Activision-Deal - Was sind die Gründe?

Update 6: Die CMA zweifelt an Call of Dutys Lauffähigkeit auf der Switch.

Update vom 27. April 2023: Zusammen mit der Bekanntgabe der Entscheidung der britischen Competition and Markets Authority (CMA) zu Microsofts geplanter Activision-Übernahme wurde auch ein 400-seitiger Bericht veröffentlicht.

Daraus geht hervor, dass die CMA Zweifel daran hegt, dass Call of Duty auf der Nintendo Switch lauffähig ist. Microsoft hatte zuvor öffentlich eine zehnjährige Vereinbarung mit Nintendo angekündigt, um Call of Duty auf Nintendo-Plattformen zu bringen.

"COD ist derzeit auf zwei Spielkonsolen erhältlich - Xbox und PlayStation", heißt es darin. "Wir haben festgestellt, dass diese Konsolen in Bezug auf Inhalt, Zielgruppe und Konsolentechnologie eng miteinander konkurrieren. Wir haben außerdem festgestellt, dass Nintendos Konsolen weniger stark mit der Xbox oder der PlayStation konkurrieren, da sie im Allgemeinen Konsolen mit anderen technischen Spezifikationen anbieten und ihre beliebtesten Titel eher familien- und kinderfreundlich sind."

"Nintendo bietet derzeit kein COD an, und wir haben keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass ihre Konsolen technisch in der Lage wären, eine COD-Version auszuführen, die in Bezug auf die Qualität des Gameplays und der Inhalte mit denen von Xbox und PlayStation vergleichbar ist."


Update vom 27. April 2023: Einen Tag nach Bekanntgabe der Entscheidung der britischen Competition and Markets Authority (CMA), die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft zu blockieren, kritisiert Microsoft-Präsident Brad Smith die Regulierungsbehörde scharf.

Im Interview mit der BBC spricht er von einem "schlechten Tag für Großbritannien" und bezeichnet es als "den vermutlich schwärzesten Tag in unseren vier Jahrzehnten im Vereinigten Königreich".

"Das erschüttert unser Vertrauen in Bezug auf die Möglichkeiten, ein Technologieunternehmen in Großbritannien aufzubauen, mehr als wir es je zuvor erlebt haben", sagt er.

"Es gibt eine klare Botschaft: Die Europäische Union ist ein attraktiverer Ort für Unternehmensgründungen als das Vereinigte Königreich", fährt er fort. "Der Ärmelkanal war noch nie so breit wie heute."

Die CMA teilte wiederum gegenüber der BBC mit, man müsse das tun, was für die Menschen am besten sei, und "nicht Firmen mit kommerziellen Interessen zusammenführen".


Update vom 27. April 2023: Auch Analyst Michael Pachter von Wedbush Securities hält den Deal noch längst nicht für gescheitert. Vielmehr ist er überzeugt davon, dass Microsoft die Berufung für sich entscheiden könne. Und selbst, wenn das nicht der Fall ist, könne man weitere Kompromisse eingehen, damit der Deal über die Bühne geht.

"Obwohl die erfolgreiche Anfechtung einer CMA-Entscheidung aus mehreren Gründen eine schwierige Aufgabe ist, sind wir der Meinung, dass die CMA mit dieser Entscheidung auf der falschen Seite des Gesetzes steht und dass ihre Bedenken ausgeräumt werden können", sagt er (via VGC).

"Letztendlich hängt die Entscheidung von der Überzeugung der CMA ab, dass Microsoft aufgrund seiner Marktdominanz im Bereich Cloud-Gaming den Preis bestimmen kann. Wir sind der Meinung, dass die Annahme der CMA richtig ist und dass es ein Fehler von Microsoft war, diese Frage nicht vor der Entscheidung der CMA zu klären. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass Microsoft bereit ist, eine Beibehaltung des Preises von 15 Dollar pro Monat plus Inflation zu akzeptieren, und wir glauben, dass die CMA ihre Position ändern wird, wenn Microsoft dieses Angebot macht."

Wenn die Berufung scheitert, könnte man nach Ansicht von Pachter die CMA noch überzeugen, indem man zustimmt, Activision-Blizzard-Spiele in Großbritannien nicht im Game Pass anzubieten.

"Man kann den Game Pass UK vom Game Pass in anderen Ländern abtrennen, indem man entweder eine separate Einheit in Großbritannien gründet, die von der CMA oder einem Dritten leicht überwacht werden kann, oder indem es das britische Geschäft einfach separat führt", sagt Pachter. "Wir gehen davon aus, dass dies für die CMA ausreichen würde, um die Fusion unter der Bedingung zu genehmigen, dass Activision-Titel nicht im Game Pass verfügbar sind."


Erstmeldung vom 26. April 2023: Die britische Competition and Markets Authority (CMA) hat am Mittag ihre Entscheidung im Hinblick auf Microsofts Activision-Deal bekannt gegeben.

Die Regulierungsbehörde hat sich dafür entschieden, die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft zu blockieren.

Womit begründet man die Entscheidung?

Nach Angaben der CMA gibt es Bedenken darüber, welche Auswirkungen die Übernahme auf den "schnell wachsenden Cloud-Gaming-Markt" haben könnte. Die Befürchtung ist, dass es dadurch zu weniger Innovationen und weniger Auswahl für britische Spielerinnen und Spieler kommen könnte.

Microsoft habe die Bedenken der CMA demnach nicht aus der Welt schaffen können.

"Microsoft hat eine starke Position bei Cloud-Gaming-Diensten, und die der CMA vorliegenden Beweise zeigten, dass es für Microsoft wirtschaftlich vorteilhaft wäre, die Spiele von Activision exklusiv für seinen eigenen Cloud-Gaming-Dienst anzubieten", heißt es.

Man schätzt, dass Microsoft beim Cloung-Gaming bereits einen Marktanteil von 60 bis 70 Prozent habe: "Die Übernahme würde den Marktvorteil von Microsoft stärken, da das Unternehmen die Kontrolle über wichtige Spiele wie Call of Duty, Overwatch und World of Warcraft erhält. Die der CMA vorliegenden Beweise deuten darauf hin, dass Activision ohne den Zusammenschluss in absehbarer Zeit damit beginnen würde, Spiele über Cloud-Plattformen anzubieten."

"Die Cloud ermöglicht es den britischen Spielern, den Kauf teurer Spielkonsolen und PCs zu vermeiden, und bietet ihnen viel mehr Flexibilität und Auswahlmöglichkeiten bei der Art und Weise, wie sie spielen. Würde man Microsoft erlauben, eine so starke Position auf dem Cloud-Gaming-Markt einzunehmen, während dieser gerade beginnt, schnell zu wachsen, würde man riskieren, die Innovation zu untergraben, die für die Entwicklung dieser Möglichkeiten entscheidend ist.

Zugeständnisse reichen nicht aus

Microsoft habe zwar verschiedene Zugeständnisse gemacht, diese reichten der CMA allerdings nicht aus, um die vermuteten Nachteile auszugleichen.

"Der Vorschlag von Microsoft enthielt eine Reihe erheblicher Mängel, die mit der wachsenden und sich schnell verändernden Natur von Cloud-Gaming-Diensten zusammenhängen", heißt es. Das waren demnach:

  • Er deckte die verschiedenen Geschäftsmodelle für Cloud-Gaming-Dienste nicht ausreichend ab, einschließlich der Abonnementdienste für mehrere Spiele.
  • Er war nicht offen genug für Anbieter, die möglicherweise Versionen von Spielen für andere PC-Betriebssysteme als Windows anbieten wollen.
  • Er würde die Bedingungen, zu denen Spiele verfügbar sind, standardisieren, anstatt sie durch die Dynamik und Kreativität des Wettbewerbs auf dem Markt zu bestimmen, wie es ohne den Zusammenschluss zu erwarten wäre.

Man habe auch die Vorteile einer möglichen Übernahme in Erwägung gezogen, aber auch diese hätten nicht ausgereicht, um die möglichen Nachteile, die daraus resultieren, vom Tisch zu wischen.

Microsoft will dagegen vorgehen

Microsoft hat sich bereits dazu geäußert und teilt in einer Stellungnahme (via VGC) mit, dass man gegen die Entscheidung Berufung einlegen werde.

"Wir halten an dieser Übernahme fest und werden Berufung einlegen", teilt Microsoft mit. "Die Entscheidung der CMA lehnt einen pragmatischen Weg ab, um Wettbewerbsbedenken auszuräumen, und entmutigt technologische Innovationen und Investitionen im Vereinigten Königreich."

"Wir haben bereits Verträge unterzeichnet, um die beliebten Spiele von Activision Blizzard auf 150 Millionen weiteren Geräten verfügbar zu machen, und wir sind weiterhin entschlossen, diese Vereinbarungen durch regulatorische Abhilfemaßnahmen zu stärken. Wir sind besonders enttäuscht darüber, dass diese Entscheidung nach langen Überlegungen offenbar ein falsches Verständnis dieses Marktes und der tatsächlichen Funktionsweise der relevanten Cloud-Technologie widerspiegelt."

"Die heutige Entscheidung der CMA ist ein großer Rückschlag für die Ambitionen des Vereinigten Königreichs, ein Technologiezentrum zu werden, und wir werden mit Microsoft zusammenarbeiten, um diese Entscheidung in der Berufung zu revidieren", schreibt Lulu Cheng Meservey, EVP Corporate Affairs und CCO von Activision Blizzard.

"Die Entscheidung erweist auch den Bürgerinnen und Bürgern des Vereinigten Königreichs, deren wirtschaftliche Aussichten immer schlechter werden, einen Bärendienst und wir werden unsere Wachstumsstrategie im Vereinigten Königreich überdenken müssen. Globale Innovatoren, ob groß oder klein, werden zur Kenntnis nehmen, dass das Vereinigte Königreich - trotz all seiner Rhetorik - für Unternehmen geschlossen ist."

Das sagt Bobby Kotick

Auch Activision Blizzards CEO Bobby Kotick äußert sich in einer Stellungnahme zur Entscheidung der CMA. Er schreibt, "das letzte Wort sei noch nicht gesprochen", ebenso bezeichnet er den Deal als "gut für den Wettbewerb".

"Gemeinsam mit Microsoft können und werden wir diese Entscheidung anfechten, und wir haben bereits mit der Arbeit begonnen, um beim britischen Competition Appeals Tribunal Berufung einzulegen", sagt er. "Wir sind zuversichtlich, denn die Fakten sprechen für uns: Dieser Deal ist gut für den Wettbewerb."

"Das Vereinigte Königreich hofft, seine Führungsposition im Technologiebereich auszubauen, ein Zusammenschluss von Microsoft und Activision würde genau das bewirken. In einer Zeit, in der die Bereiche maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz florieren, wissen wir, dass der britische Markt von Microsofts Stärke in beiden Bereichen sowie von unserer Fähigkeit, diese Technologien sofort zu nutzen, profitieren würde. Sollte die Entscheidung der CMA hingegen Bestand haben, würde sie Investitionen, Wettbewerb und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der gesamten britischen Spieleindustrie behindern."

"Ich persönlich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um für uns einzutreten und den Regulierungsbehörden zu helfen, die Wettbewerbsdynamik in unserer Branche zu verstehen."

Was bedeutet das für die Übernahme?

Die heutige Entscheidung der CMA ist, nachdem mehrere andere Märkte dem Deal bereits zugestimmt haben, darunter Japan, natürlich erst einmal ein herber Rückschlag für Microsoft und Activision Blizzard.

Die CMA gilt als einer der entscheidenden Faktoren dabei, ob der Deal zustande kommt oder nicht. In den USA müssen die Unternehmen noch die US Federal Trade Commission überzeugen, in Europa steht die Entscheidung der Europäischen Kommission noch aus und soll spätestens am 22. Mai 2023 bekannt gegeben werden.

Da beide Unternehmen Berufung einlegen wollen, bleibt abzuwarten, ob es letztlich bei der Entscheidung der CMA bleibt. Ausschlaggebend für die Zukunft sind natürlich ebenso die ausstehenden Entscheidungen von der FTC und der EU.

Keine Entscheidung mehr in diesem Jahr?

Wie Branchenanalyst Piers Harding-Rolls auf Twitter anmerkt, besteht das Ziel des britischen Competition Appeal Tribunal darin, die meisten Fälle innerhalb von neun Monaten zu behandeln. Sollte Microsoft hier Erfolg haben, geht der Fall wieder an die CMA.

Harding-Rolls rechnet daher nicht mehr unbedingt mit einer finalen Entscheidung in diesem Jahr: "Die Chancen, dass es in diesem Jahr abgeschlossen wird, sind jetzt gering."

"Ich denke, dass die Chancen auf einen Abschluss der Übernahme in diesem Jahr erheblich gesunken sind", teilt Harding-Rolls gegenüber Eurogamer mit. "Als Nächstes stehen die Entscheidung der EU über die Übernahme Ende Mai und die Klage der FTC Anfang August an."

"Die jüngsten Meldungen, dass die CMA ihre Bedenken auf den Cloud-Gaming-Markt beschränkte, hat Hoffnungen geweckt, dass der Deal genehmigt werden würde, nachdem Microsoft Kompromisse vorgeschlagen und sehr öffentliche Deals mit Cloud-Gaming-Unternehmen abgeschlossen hat. Schließlich befindet sich das Streaming von Spielen in Großbritannien noch im Anfangsstadium."

"Das war nicht der Fall. Die CMA ist eher besorgt über das Ausmaß von Microsofts Cloud-Gaming-Fähigkeiten über Azure, Windows und Xbox Cloud Gaming. Die Vereinbarungen, die Microsoft mit den Bring-your-own-Games-Cloud-Gaming-Diensten wie GeForce Now getroffen hat, sind keine direkte Konkurrenz zum Game Pass. Dies reichte nicht aus, die CMA davon zu überzeugen, dass es Microsoft davon abhalten würde, den Cloud-Gaming-Markt in Zukunft zu dominieren."

"Die Berufung hat Aussicht auf Erfolg, aber die CMA gewinnt die meisten Berufungen, die eingelegt werden", merkt er an. "Wenn Microsoft gewinnt, geht der Fall zur Überprüfung an die CMA zurück."

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.
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