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Remedy braucht Max Payne nicht mehr - trotzdem schön, dass sie ihn zurückbekommen

Willkommen zurück Max! Schön, dass du keine Fortsetzung bist.

Nach fast 20 Jahren kehrt Remedy zu Max Payne zurück - für mich auf die beste erdenkliche Art: Die Finnen machen für Rockstar ein Remake der ersten beiden Teile, das im Doppelpack entwickelt und veröffentlicht wird. Das sendet in meinen Augen gleich zwei Signale, die ich sehr begrüße.

Erstens: Remedy weiß, dass der alte Neo-Noir-Ansatz der ersten beiden Teile heute reichlich bemüht wirken kann und dass es ohnehin schwierig würde, an Rockstars eigenen dritten Teil anzuknüpfen. Und zweitens: Sie haben nicht vor, das Spiel abseits der technischen Seite, für die die schicke hauseigene Northlight-Engine zum Einsatz kommt, und über gängige Quality-of-Life-Verbesserungen hinaus zu modernisieren. Und das ist super so!

Ein Ausdruck, so dumm, dass das Remake ihn bitte auch für die Nachwelt erhalten soll.

Denkt mal darüber nach: Diese beiden Titel stammen aus einer Zeit – 2001 respektive 2003, um genau zu sein –, als noch nicht jedes Spiel ein verkapptes RPG voller Skilltrees, Upgrades und Nebenbeschäftigungen sein musste. Beide waren, hintereinander weggespielt, zusammen kaum 15 Stunden lang und danach so vorbei wie die Ehe eines durchschnittlichen Hardboiled-Detektivs. Da Rockstar aber nicht im Budget-Business ist, ist es nur logisch, originalgetreu aufbereitete Neufassungen im Doppelpack zum Triple-A-Vollpreis zu verkaufen.

Das bedeutet: Wir bekommen aller Voraussicht nach wieder das unverdünnte Geradeaus-Ballern, das durch den filmreifen Bullet-Time-Effekt eine ganz neue, gewalttätige Eleganz auf den Bildschirm brachte. Mehr nicht. Aber vor allem auch nicht weniger, denn diese Spiele mit allzu ausufernden Upgrades und Sammelkram aufzublasen – damit täte man ihnen keinen Gefallen.

Optisch respektablerer Blick - spielerisch aber fast genauso reduziert wie Teil eins.

Max Payne – das ist eben einfach eine Übung im Metapher-schwangeren Monologisieren und im Ballernd-in-Zeitlupe-durch-Glasscheiben-hechten. Eine kurze Analyse eines heranstürmenden Gegnerpulks, Bullet-Time an und einen Dauerfeuer-Kameraschwenk später ist wieder Ruhe und Zeit für den nächsten Spruch des versoffenen Helden. Mehr hat es damals nicht gebraucht und wenn man es ernst damit meint, den Spielen gerecht zu werden, dann belässt man es auch dabei. Und um Himmels willen belasst es auch bei Max’ Gesicht im ersten Teil, das aussieht, als würde er sich gerade klar darüber, dass der Toilettengang mal wieder länger dauern wird.

Denn: Remakes wie diese macht man nicht, um einer Serie neue Fans zu gewinnen, sondern um Menschen, die die Originale spielten, eine maximal einladende Möglichkeit zu eröffnen, ihre Lieblingstitel auch heute noch zu erleben. In einer Grafik und Handhabung, die man anschauen kann, ohne an der Wahl seines Hobbys zu zweifeln.

Control spielt im selben Universum wie Alan Wake - Remedys spielübergreifendes Erzähluniversum ist in meinen Augen ein deutlich fruchtbarer Boden, als es Max Payne jemals war.

Und noch etwas stimmt mich überaus froh, dass es sich hierbei “nur” um Remakes handelt: Remedy braucht Max Payne nicht mehr und eine echte Fortsetzung würde sich für dieses Studio wie ein drastischer Rückschritt anfühlen. Nach einem so wunderbar schrägen und überraschenden Spiel wie Control will ich alles sehen, nur keine Rückkehr zu einem so einfach gestrickten Stoff wie Max Payne.

Der Gute hatte seine Zeit und die lasse ich punktuell mit diesen Neufassungen nur zu gerne noch einmal aufleben. Aber Remedy hat gerade erst sein eigenes, verbundenes Spieleuniversum eröffnet, indem es die Ereignisse um das Federal Bureau of Control mit Sitz im “Ältesten Haus” und Alan Wakes Abenteuer in dieselbe Zeitlinie bugsierte. Das ist eine befremdliche, spannende Welt mit wahnsinnig viel Potenzial und ich bin irre neugierig, in welche Richtung sich diese fortlaufende Kontinuität noch entwickelt. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos – von Max Payne konnte man das schon vor 20 Jahren nicht wirklich sagen.

Ich kann es kaum erwarten.

Ich nehme die Remakes also als das, was sie gedacht sind: Die gern gesehene, polierte Erinnerung aus einer einfacheren Zeit. Und danach freue ich mich auf die bekloppten Grenzen, die Remedy mit Alan Wake 2 und dem Rest des Control-verse so einreißen wird.

Details zur Rückkehr Remedys zur Marke, die sie groß gemacht hat, entnehmt ihr der ursprünglichen Meldung - Max Payne 1 und 2: Remedy kündigt Remakes der beiden Klassiker an.

Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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