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Sonic Generations

Verwirrend

Sonic Generations sieht gut aus. Das ist der erste Eindruck, den ich von Sonic mitnahm, als er mal wieder ganz im Stile eines geheilten Alkoholikers aus der Frischzellenkur zurück kam, um den Zirkel neu zu starten. Nur war das diesmal eigentlich nicht wirklich nötig. Sonic 4 war eine ansprechende Neuauflage der 2D-Tugenden des Igels, Sonic Colours schaffte es endlich, geschickt 2D und 3D zu verbinden, ohne das Spiel komplett in Stücke zu schmettern. Warum also Generations?

Weil es so gut aussieht. Hier, schaut auf all die kleinen Blumen im Vordergrund! Die Billionen Animationen im Hintergrund! Alles dazwischen in genug Ebenen, um jede 3D-Brille in helle Aufregung zu versetzen! Wo das Spiel abläuft?! WAS WEIß ICH DENN! SCHAUT WIE SCHNELL UND BUNT ALLES IST! Bäm. Igel tot. Ringe weg. Neustart.

Es gibt viele Gründe, warum die Mario-Spiele als Jump'n'Run schon immer ein wenig besser funktionierten als selbst die besten Sonics – in den frühen 90ern hätte ich lieber Dark Castle gespielt als das zu sagen –, aber einer davon ist grafische Zurückhaltung. Sonic mochte es schon immer bunt und wild, während bei Mario klare Formen und durchdesignte Schlichtheit dominierte. Das hat den Vorteil, dass Gegner, Plattformen und Extras gut zu erkennen sind und die Grafik dem Spiel nicht in den Weg kommt.

Genau das geschieht bei Sonic Generations. Zugegeben, Green Hill Zone sah noch nie so phänomenal aus. Alles dreht sich, alles bewegt sich, plastisch stechen einzelne Elemente hervor, mehr Ebenen als es gut sein kann verschieben sich zu einem Tiefeneffekt, der einen besonders mit 3D-Equipment wirklich hinreißend aus dem Screen heraus anspringt. Aber so hübsch alles ist, was bringt es, wenn man vor lauter visueller Überstimulation ständig was übersieht?

Sonic Generations - E3-Trailer

Das Tempo des Igels wurde nämlich in keiner Weise eingefangen. Wie eh und je torpediert sich das blaue Wunder mit Überschalldruck durch den charakteristischsten aller Sonic-Level und erfordert die übliche Mischung aus Reflexen, Gedächtniszellen und dem Wunsch, auch mal das Tempo rauszunehmen und auf vorsichtigere Erkundung zu gehen. Das klappt jedoch deutlich besser, solange die Retina bei der Aufgabe, irgendwie Irrelevantes von spielerischen Elementen zu trennen, nicht ständig kurz vor der Überlastung steht.

Man gewöhnt sich daran. Nach drei oder vier Runden in der sehr kurzen Demo – die auf 20 Tage begrenzt wurde, warum auch immer – sortiert sich die Wahrnehmung zunehmend. Es bleibt jedoch der Eindruck, dass dieses Spiel gerade ohne 3D-Brille deutlich schwieriger zu spielen ist. In 3D sind wenigstens Vorder- und Hintergründe optisch eindeutiger sortiert. Sonic Generations könnte damit die unbestimmte Ehre zuteil werden, von mir als erstes Spiel genannt zu werden, bei dem 3D nicht sinnloses Beiwerk bleibt. Bin mir nicht sicher, ob ich glücklich darüber bin.