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Super Street Fighter IV

Seth muss sterben!

Guy und Cody sind allen Downloadern des frisch erschienenen Retros Final Fight bekannt. Cody setzt auf Defense und Konter, Guy ist ein Allrounder, der sein ganzes Repertoire aus Alpha 3 mitgebracht hat. Damit bleiben gerade mal zwei echte Neuankömmlinge übrig. Und mit einem von den beiden komme ich trotz genereller positiver Einstellung ihm gegenüber nicht so richtig klar. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass Zangief nie so mein Mann war. Hakan ist ein voluminöser, türkischer Ringer, der sich kräftig einölt, um dem Gegner das Zugreifen zu erschweren.

Hier kann er damit auch über den Screen rutschen und sich so richtig einölen, um die Specials Oil Rocket, Oil Dive und Oil Shower auszuführen. Ehrlich, es sieht schon seltsam aus, wenn er seinen Gegner in den Schwitzkasten nimmt, nur um ihn dann über den ganzen Screen durch die Luft flutschen zu lassen. In Foren kann man gelegentlich Dinge wie „Hakan ist der Grund, warum es keine neuen SF-Charaktere geben sollte“ lesen, aber das halte ich für übertrieben. Hakan ist interessant und selbst wenn ich nicht mit seiner eher trägen Spielweise klarkomme, heißt das nicht, dass er nicht doch ein paar Fans finden wird.

Konventioneller – in einem relativen Sinne – gibt sich Juri. Taekwondo gibt ihr Tempo und schnelle Kicks in Verbindung mit hoher Geschwindigkeit sollten allen Chun-Li-Fans eine echte Alternative geben. Die beiden Neuen drehen wohl kaum das gesamte Konzept der Kämpfergestaltung um. Ganz im Gegenteil. Sie fügen sich schon fast ein wenig zu unauffällig in den Cast ein, was angesichts der Ausgewogenheit letztlich aber keine schlechte Sache sein dürfte. Capcom gab sich mit kleinen Anpassungen der Moves der bisherigen Kämpfer alle Mühe und erreicht einen Zustand annähernd perfekter Harmonie, der bei einem zahlenmäßig so großzügigem Cast selten ist.

Hakan und Juri verabreden ein Date...

Einsteiger freuen sich, dass zum Beispiel jeder Kämpfer jetzt zwei Ultra-Kombos hat, von denen zumindest eine halbwegs leicht ausführbar ist – Arcade-Sticks sind natürlich immer noch Pflicht für ernsthaftes Spiel. Andere Änderungen betreffen meist Kleinigkeiten, wie beispielsweise die verbesserte Trefferrate des Dragon Punch. Aber es sorgt auch dafür, dass sich das Gesamtspielgefühl, egal welche Kombination von Kämpfern antritt, erstaunlich homogen anfühlt.

Für den entscheidenden Spielmodus Versus, das Kräftemessen gegen andere Spieler, ist das auch das Wichtigste, um das sich Capcom in dieser Halb-Forsetzung/Update kümmern konnte. Nicht, dass nicht auch Street Fighter IV hier schon geglänzt hätte, aber das Super gibt dem Ganzen noch mal die Extra-Politur. Egal wer gegen wen mit welchem Kämpfer antritt, es gibt praktisch keine Killer-Typen, mit denen erfahrene Spieler jeden plattmachen. Stärken und Schwächen sind geschickt verteilt und der Aufbau des Solo-Modus macht auch klar, dass es eigentlich auch nur um diese Kämpfe geht. Einzelspieler scheint sich nach wie vor selbst als Bonus zu verstehen, gespickt mit mäßigen Anime In- und Extros, und kann, sofern ihr das aktiviert, jederzeit von einem menschlichen Herausforderer unterbrochen werden, gegen den ihr dann sofort antretet.

Auch gibt es keinen Mangel an Spielmodi gegeneinander. Zwei gegen zwei, drei gegen drei und vier gegen vier im Turnier, Ausdauer, jede Menge Ranking-Listen und ein Replay-Modus mit Kamerafunktion zur Detailanalyse sollten die Community für eine Weile bei Laune halten. Ganz sicher mindestens bis zu Super Hyper SF IV. Sonst passierte technisch allerdings wenig.

...aber es geht nicht gut. Oh, Hakan. Doch nicht so. Und nicht mitten auf der Straße.

Die Grafik dürfte immer noch die Geschmäcker streiten lassen. Poliert wurde nicht viel und zumindest meinem Geschmack nach war das auch nicht nötig. Der Look ist definitiv immer noch frisch und auf der Höhe der Zeit. Ein paar Backgrounds kamen dazu, die furchtbare Musik auf dem Titelscreen wurde gegen eine belanglose ausgetauscht und die restlichen Themen sind brillant wie gehabt. Nur dass die englischen Stimmen immer noch ziemlich grenzwertig ausfallen, dürfte inzwischen wohl eher Masche als Fehler sein.

Capcom blieb dem Konzept treu, dass ein Super oder Hyper die Street-Fighter-Formel nicht grundlegend ändert, es aber immer reicht, um Leute, die den Vorgänger besitzen – und natürlich mögen – ohne das Super ab sofort nur noch ein unerfülltes, trauriges Dasein fristen zu lassen. Wenn ihr Street-Fighter-IV–Fans seid, dann braucht ihr das sowieso. Habt ihr Street Fighter IV noch nicht ausprobiert, dann ist Super der perfekte Einstieg, insbesondere zum kleinen Preis. Mögt ihr kein Street Fighter, dann… warum lest ihr überhaupt bis hier!?

Super Street Fighter IV hätte fast die perfekte Wertung verdient, aber solange Seth dabei ist, gibt es sicher irgendeine Menschenrechtscharta, die das verbietet. Trotzdem schaffte es Capcom, das – zumindest meiner bescheidenen Ansicht nach – aktuell beste Prügelspiel ein gutes Stück zu verbessern und die Konkurrenz noch weiter hinter sich zu lassen. Ein Prügelspiel, das besser ist als Street Fighter IV. Lasst euch das auf der Zunge zergehen. Mehr muss man zu Super Street Fighter IV eigentlich nicht sagen.

Super Street Fighter IV erscheint am 30. Aril für Xbox 360 und PS3. Der Preis liegt bei beinahe schon freundschaftlichen 35 Euro.

9 / 10

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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