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Tom Clancy's H.A.W.X.

Völlig losgelöst

Eigentlich ist moderner Luftkampf langweilig. Statt fliegerischem Können kommt es im 21. Jahrhundert nur auf die größere Radar-Reichweite, die bessere Abfangrakete und die effektivere Abwehrmaßnahme an. Kaum taucht ein Gegner auf dem Bildschirm auf, wird ihm auf Knopfdruck ein Geschoss hinterhergejagt und mit etwas Glück verwandelt er sich in ein paar Kilometern Entfernung in eine dampfende Explosionswolke. Der heroische Dogfight aus dem zweiten Weltkrieg ist schon lange Geschichte, stattdessen findet am Himmel seit Jahrzehnten eine Aufrüstung ab, die den Schritt zum Computer-Piloten immer greifbarer macht.

Aus diesem Grund bewegen sich aktuelle Action-Flugsimulatoren immer weiter von der Realität weg. Auch wenn Titel wie Tom Clancy's H.A.W.X. in der Zukunft spielen, wird ihre Waffen-Reichweite oft drastisch reduziert, das Gegneraufkommen verdoppelt und die Zuladung auf Rekordniveau gehievt, um den Kampf in den Wolken wieder interessant zu gestalten.

Während bei Hardcore-Vorfahren a la F-16 Falcon die trockene Inszenierung und die oft langweiligen Luftgefechte zu einem schleichenden Niedergang des Genres führten, injiziert H.A.W.X. dem Genre eine dicke Portion dringend benötigtes Adrenalin. Weg von Zahlen, Fakten und Daten, hin zu aufreibenden Kämpfen und aktuellem Zeitgeschehen. Ein erfolgreicher Versuch, was uns die ersten acht Story-Missionen eindrucksvoll bestätigten.

Luft Luft Gefecht

Für diesen neuen Ansatz kann Ubisoft Rumänien (Blazing Angels) aber nicht alle Lorbeeren einstreichen. Namcos Ace Combat-Serie hat schon seit Jahren bewiesen, dass man mit neuen Gameplay-Ansätzen die trockene Hardcore-Schiene hinter sich lässt. Auch optisch lieferten die Japaner bei ihrem letzten Streich eine einmalige Vorstellung ab, an der sich H.A.W.X. an manchen Stellen noch immer die Zähne ausbeißt.

Insbesondere die Flugzeugmodelle wirken nicht ganz so detailliert wie bei der Konkurrenz und auch einige Bodentexturen sollten bis zum Release noch einmal überarbeitet werden. Dafür läuft der Titel mit 60 Frames pro Sekunden und die Ballungsgebiete sind deutlich dichter bebaut, was die Boden-Kämpfe zu einem tödlichen Katz- und Maus-Spiel avancieren lässt.

Nach einem gelungenen Einstieg, der im Gegensatz zur direkten Konkurrenz keine seltsamen Fantasie-Länder, sondern eine mögliche Zukunft präsentiert, kommt die fast prophetische Geschichte langsam in Fahrt. Eingebunden in das Tom Clancy Universum, bis hin zum Einsatz in einer Ghost Recon 2-Mission, mutiert die Welt zu einem gewaltigen, konventionellen Krisengebiet. Ihr schlüpft in die Rolle eines Kampfpiloten, der nach seinem Dienst in der amerikanischen Luftwaffe einem PMC (Private Military Corporation) beitritt.

Zumindest etwas Simulationsatmosphäre gibt es in der Cockpitansicht.

Artemis Global Security entpuppt sich dabei als gewaltiger Moloch, der heutige Vertreter a la Blackwater wie Amateure aussehen lässt. Doch schon nach ersten erfolgreichen Einsätzen dreht sich die komplette Handlung und es kommt zu einer gewaltigen Schlacht um das US-amerikanische Festland. Ihr kämpft um die Lufthoheit in Rio, seid im Mittleren Osten unterwegs und wehrt einen Angriff auf Washington ab.

Während das Geschehen Tom Clancy-typisch ein packendes, glaubwürdiges Szenario aufwirft und damit die japanische Konkurrenz weit hinter sich lässt, ist die Inszenierung deutlich trockener ausgefallen. Statt der leicht moralinsauren, aber hübsch aufgemachten Zwischensequenzen werden Euch die Missionen in recht unspektakulären Taktik-Videos erklärt, die wie bei EndWar mit sprechenden Generälen angereichert wurden. Die „Talking Heads“ versprühen dabei militärische Langeweile, erfüllen aber ihren Zweck. Neben der aktuellen Situation, den Missionszielen und den möglichen Feindkräften, wird Euch sogar ein passender Flieger vorgeschlagen, der perfekt zu den Parametern passt.

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