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Train Sim World 3 im Test: Ich habe mir endlich meinen Traum vom Zugfahren erfüllt

Über die Räder gekommen.

Realitätsnahe und hochwertige Simulation, in der ein paar fehlende Details sowie ärgerliche Programmfehler stören.

Mensch, ist das schön, wenn die tonnenschwere Maschine einige Sekunden braucht, bevor das laute Triebwerk genug Energie bereitstellt hat, damit sich das Ross schleppend in Bewegung setzen und die nächsten vierhundert Meter mit 15 Meilen pro Stunde über den Bahnhof rangieren kann, um an einen langen Güterzug anzukoppeln!

Es war nie der größte, aber immer ein Traum von mir Lokomotive zu fahren. Und Train Sim World 3 kommt diesem Traum erfreulich nahe. Wenn ihr wollt, nehme ich euch deshalb mit auf die Reise in eine Simulation, die etwas länger ausgefallen ist, weshalb ein kurzes Inhaltsverzeichnis ausnahmsweise die Orientierung erleichtern soll.

Übersicht

Der Traum vom Schienenfahren

Alleine dieses Kreischen, mit dem sich die stählernen Räder durch enge Kurven beißen. Genauso das sanfte Rattern beim Überfahren einer Weiche vor Dresden Hauptbahnhof. Oder das tiefe Heulen bei der Einfahrt in die U-Bahn-Station des Piccadilly Circus. Überhaupt das vertraute Klingeln, Ächzen und Rauschen allen Nah- und Fernverkehrs, in dem man schon mal Passagier war, als Teenager im Führerstand mitfahren oder sogar die Tickets – damals noch mit Lochzange – entwerten durfte. Hach, ja.

Na, vielen Dank! Meine erste längere US-Route startete bei schönem Wetter und setzte sich dann so fort.

Verzeiht den historischen Schlenker in meine Jugend, aber es ist eben genau dieser Traum, den ich mir mit einer Eisenbahnsimulation schon immer mal erfüllen wollte. Meine Einstiegshürde bestand nur meist daraus, dass ich irgendwie davon ausging, viele dieser Simulationen kämen erst mit einem Haufen kostenpflichtiger Erweiterungen so richtig in Schwung und seien technisch nicht ganz auf der Höhe.

Inzwischen weiß ich freilich, dass Letzteres in diesem Fall schon mal nicht zutrifft. Denn Train Sim World 3 ist keine dieser… ich sag mal: einfachen Alltagssimulation, sondern spielt eher in der Liga des Microsoft Flight Simulator. Mit dem beeindruckenden Generationssprung, den dessen aktuelle Version hingelegt hat, kann es natürlich nicht mithalten, aber vor allem die Züge sehen zum einen von außen und zum anderen in den Führerständen wirklich gut aus.

Preise, Pakete & Downloadinhalte

Um euch einen Überblick zu verschaffen, lasst mich aber zunächst kurz beschreiben, was in Train Sim World 3 ohne jede Erweiterung überhaupt enthalten ist. Wobei das stark davon abhängt, für welche Version ihr euch entscheidet.

Zunächst mal solltet ihr dabei wissen, dass das zentrale Programm quasi nur aus einem Trainingszentrum besteht, in dem man die Grundlagen lernt – und sonst nichts. Keine Sorge: Das gibt es nicht einzeln zu kaufen, sondern ausschließlich in Verbindung mit verschiedenen Einstiegspaketen, die alle knapp 36 Euro kosten und für Besitzer des Spiels auch separat erhältlich sind.

Die Inhalte in der Dresdener Umgebung konnte ich mir selbstverständlich nicht entgehen lassen. Bei dieser S-Bahn macht es dank der Spiegelungen besonders viel Spaß, sich aus dem Fenster zu lehnen.

Ihr müsst euch also entscheiden: Nehmt ihr das German Starter Pack, welches die Strecke Kassel-Würzburg sowie zwei Varianten des ICE, eine weitere Lokomotive samt notwendiger Trainings-Einheiten, Szenarios und Fahrpläne umfasst? Oder wollt ihr eure Fahrt lieber mit dem UK Starter Pack in der Nähe von London beginnen? Vielleicht zieht es euch mithilfe des US Starter Packs auch nach San Franzisko oder in einer vierten Variante gar nach Birmingham. Die fünfte Option besteht aus zwei Dampfloks auf der Strecke Liverpool-Crewe.

Gerade mal eine Strecke (mit verschiedenen Routen) scheint euch zu wenig? Das ging mir genauso, weshalb ich keine dieser Solo-Ausgaben, sondern die so genannte Standard Edition gekauft habe. Für knapp 45 Euro enthält die nämlich sowohl das German Starter Pack als auch die UK- und US-Pakete. Eine Deluxe Edition einschließlich dieser drei Pakete plus des Dampfross-Packs für knapp 60 Euro rundet das Angebot ab, aber die hat mich weniger interessiert. Zumal ich so schon – dem verführerischen Weihnachts-Ausverkauf bei Steam sei Dank – bei gleich 15 zusätzlichen Erweiterungen zugeschlagen habe.

Warum ich das getan habe? Nun, Train Sim World 3 rollt auch über die Schienen von Xbox Series S/X sowie PlayStation 5 und ist in der Standard Edition sogar Bestandteil des Game Pass. Mit anderen Worten: Ich wusste nach kurzen Probefahrten schon, was mich erwartet, wollte auf lange Sicht aber auf PC unterwegs sein. Und das geht selbst mit, aber erst recht ohne Preisnachlässe ganz schön ins Geld.

Train Sim World 3 ist wie seine Vorgänger auch auf den aktuellen Xbox- und PlayStation-Konsolen spielbar. Bei einer Auflösung von 4K schaffen sie dabei keine 60 Bilder pro Sekunde, was bei diesem Spiel allerdings tatsächlich kaum eine Rolle spielt. Ich habe mich hier deshalb ausnahmsweise gegen den Performance-Modus und für die schöneren Ansichten entschieden. (Xbox Series X, 4K-Modus)

Immerhin kostet jeder große DLC, sprich jede neue Strecke samt Lok, diese 36 Euro und jeder kleine DLC (meist einzelne Lokomotiven), noch mal sieben Euro. Das ist zumindest der aktuelle Stand bei den Inhalten zu Train Sim World 3, von denen es bislang ohnehin nicht allzu viele gibt. Die Strecke Bremen-Oldenburg (samt beneidenswert schicker, weil in blau gehaltener BR 155) ist neben den zuvor erwähnten da schon die einzige weitere Route. Hinzu kommen drei Lokomotiven sowie eine Modelleisbahn in einem liebevoll modellierten, weihnachtlich geschmückten Zimmer. Na, warum nicht?

Das Wichtige ist, dass auch alle für Train Sim World 2 veröffentlichen Erweiterungen im Nachfolger funktionieren, sodass insgesamt mehr als 60 Inhalte zur Verfügung stehen. Die Strecken des Vorgängers sind dabei mit meist knapp 30 Euro etwas günstiger, während Lokomotiven dafür etwa 14 Euro kosten. Im Epic Store ist Train Sim World 3 übrigens ebenfalls erhältlich. Da lässt die Übersicht bei Titeln mit zahlreichen Erweiterungen jedoch stark zu wünschen übrig.

Freie Fahrt ohne Karriereaussichten

Damit aber genug der Wegweiser durch den Lokschuppen. Woraus besteht nun eigentlich der berufliche Alltag eines Lokführers, wie ihn Entwickler Dovetail Games präsentiert? Denn tatsächlich dreht sich die Simulation ausschließlich um das Fahren der Züge. In die Rollen von Fahrdienstleitern oder Zugführern schlüpft man daher nicht und eine Multiplayer-Komponente gibt es hier ebenso wenig. Die ist technisch wohl nicht ohne weiteres umzusetzen.

Praktisch ist auch die Möglichkeit, per Quick Play eine schnell Partie zu starten, bei der das Spiel eins der vorhandenen Szenarien zufällig auswählt. Ihr habt dabei die Wahl, ob es maximal 30 Minuten oder länger dauern soll.

Man steuert also Züge und tut das, indem man aus allen gekauften Inhalten eine Strecke samt dort möglicher Lokomotive aussucht, um entweder einem vorgegebenen Fahrplan zu folgen oder ein von Dovetail geschriebenes Szenario zu spielen, in dem zum Beispiel bestimmte Witterungsbedingungen die Fahrt erschweren. Solche Szenarien darf man auch selbst erstellen und online teilen beziehungsweise herunterladen, sodass recht viele zur Verfügung stehen.

Erwartet nur keine Kampagne oder ähnliches. Man fährt halt Zug. Und je fehlerfreier man das tut, desto mehr Punkte bekommt man, um ein Level zu steigern, das nicht die geringste Bedeutung hat. Im Grunde sind Pünktlichkeit und Sicherheit damit fast völlig egal. Erledigt man bestimmte Aufgaben soundso häufig, schaltet man zudem Verzierungen für selbst erstellte Lackierungen frei. Man erhält aber weder motivierendes noch tadelndes Feedback.

Gut, man könnte an Bahnhöfen und anderswo aussteigen, um Sammelgegenstände aufzulesen. Mir gibt das wenig. Dass man nicht an den Sitz im Führerstand gebunden ist, sondern durch den gesamten Zug, große Teile der Bahnhöfe sowie die unmittelbare Umgebung laufen darf, ist für sich genommen aber klasse. Dadurch hat das virtuelle Sein als Triebfahrzeugführer (so die offizielle Bezeichnung, wie ich gelernt habe) nämlich eine größere Präsenz als in vergleichbaren Simulationen, was dem Hineinversetzen in die nachempfundene Wirklichkeit guttut.

So sieht Brigitte also die Welt, wenn sie über sich und das Unterwegssein nachdenkt. Und über Mario.

Im Trainingszentrum geht man somit auf eine der dort geparkten Loks zu und steigt ein, um beliebig lange Proberunden zu drehen oder das Rangieren zu üben. Oder man setzt sich einfach mal in ein Abteil, um jenen Ausblick zu genießen, der sonst Fahrgästen vorbehalten ist.

Stahlarbeiter - Der Alltag als Lokführer

Sinnvoll ist die Bewegung nicht zuletzt dort, wo man nach dem Erreichen einer Endstation durch den gesamten Zug oder über den Bahnsteig läuft, um im gegenüberliegenden Steuerwagen die Rückfahrt anzutreten. Man kann sogar aussteigen, um Weichen umzulegen. Außerdem gibt es einige wenige Schalter, die im Triebwagen außerhalb der Fahrerkabine liegen. Die könnte man über Tastaturkürzel oder Gamepad-Eingaben zwar fernsteuern, aber das aktive Umstellen vor allem der Schalter und Hebel macht mir bedeutend mehr Spaß.

Denn um das zu tun, drückt man eine Taste und hält sie so lange gedrückt, bis man Maus beziehungsweise Analogstick in die gewünschte Position geschoben oder gezogen hat. Ich mag solches Nachahmen realer Bewegungen, weil es das Gefühl vermittelt, mit der virtuellen Welt zu interagieren, anstatt lediglich eine Oberfläche anzuklicken.

Es ist zu einem großen Teil auch einfach stimmungsvolles Sightseeing - erst recht, wenn man gemütlich durch die winterliche Schweiz zuckelt.

Schade finde ich nur, dass die Beschleunigung der Analogsticks dermaßen abrupt erfolgt, dass schon ein kleines Kippen zu relativ großen Bewegungen führt. Das macht das Anvisieren mancher Interaktionspunkte unangenehm umständlich. Meistens hantiere ich deshalb mit der Maus und bin froh, dass man dieses Beschleunigungsverhalten zumindest bei Steam direkt für den Controller verändern darf.

Und wie großartig es sich dann jedes Mal anfühlt, wenn man von etlichen hundert Tonnen langsam in Bewegung versetzt wird! Oder an Bord der schweizerischen Arosalinie ständig auf der Bremse steht, um das abschüssige Gefälle auszugleichen. Irgendwann kann man das Triebwerk ganz ohne Hilfen starten, alle Sicherheitssysteme bedienen, Signale lesen und vieles mehr. Kein Witz: Ich hatte in den letzten Tagen gleich mehrmals ein so unverschämt breites Grinsen im Gesicht… erst gestern wieder, als ich Londons Bakerloo Line zum ersten Mal mit abgeschalteten HUD-Anzeigen nach einer sanften Bremsung punktgenau zum Stehen brachte.

Habt ihr so was auch schon mal erlebt? Vor einigen Jahren stand ich im Regen an einem kleinen Bahnsteig, als nach langer Warterei endlich die S-Bahn ein- - und ohne anzuhalten dran vorbei fuhr. Ein paar hundert Meter weiter kam sie dann zum Stehen, rollte zurück und ließ uns doch noch einsteigen.

Nun, genau das ist mir in Train Sim World 3 selbstverständlich auch passiert. Mehrmals. Und umso schöner ist es eben, wenn man Dreh dann irgendwann halbwegs zuverlässig raushat.

Hätte ich vorher nicht gedacht, aber die Londoner U-Bahn zu bewegen, macht mir mit am meisten Spaß.

Zugegeben: Die britische U-Bahn gehört zum einfachsten, was man hier fahren kann, und überhaupt ist das Führen eines Zugs nicht allzu schwer. Man muss nur erst mal ein Gespür dafür bekommen, wie viel kinetische Energie da auf den Schienen unterwegs ist und wie lange es dauert sie anzuhalten. Ich hatte vorher jedenfalls keine Ahnung davon, dass so ein massiver Zug auf ebener Fläche viele Kilometer fast ohne Geschwindigkeitsverlust rollt, falls man nicht eingreift. Kein Wunder, dass amerikanische Güterzüge von mehreren Lokomotiven gezogen werden, in denen bis zu drei unabhängige Bremssysteme verbaut sind!

Diesen Aspekt der Simulation bekommt Dovetail wirklich hervorragend hin, zumal in Teil drei zum ersten Mal wechselndes Wetter eine Rolle spielt. Immerhin sollte man bei Schnee und Regen nicht nur die Scheibenwischer anstellen, sondern auch so behutsam beschleunigen und bremsen, dass man nicht mit durchdrehenden Rädern am Ziel vorbeischießt oder gar nicht erst rechtzeitig dorthin kommt.

Man kann übrigens einen einzelnen Spielstand anlegen, um diesen so lange beliebig oft laden, bis man einen weiteren anlegt. Speichert deshalb vor allem anfangs häufig ab, bevor ihr zum Beispiel in Bahnhöfe einfahrt oder euch beim Rangieren vertun könntet. Das erspart ein paar Frustmomente.

Als gelungen empfinde ich dabei das übersichtliche HUD, mit dem sich auch Einsteiger schnell an die wichtigsten Bedienelemente herantasten, während selbst Experten von Anzeigen profitieren, die unter anderem eine genaue Streckenkenntnis ersetzen. Auf denen sieht man zum Beispiel, wann man das nächste Mal ein Signal oder eine Geschwindigkeitsveränderung erreicht. Das nimmt einem das Fahren nicht ab, erspart jedoch das vorherige Auswendiglernen, sodass man stets sofort loslegen kann. Wer will, blendet einzelne oder alle Anzeigen aber selbstverständlich aus.

Die Grenzen der Realität

An der Stelle geht mir Train Sim World 3 allerdings nicht weit genug. Denn so schön es ist, die Hilfen Schritt für Schritt zu deaktivieren, um sie irgendwann komplett abzuschalten, so schnell stößt man leider an die Grenzen der Simulation. Es sind nämlich nicht alle Knöpfe interaktiv; spätestens bei vielen elektronischen Displays ist Schluss, da etliche Tasten dort lediglich als Deko dienen.

Wo genau die Grenze liegt, hängt davon ab, wie genau die jeweilige Lokomotive nachgebaut wurde. Oft kann man sehr wohl die Anzeige des Fahrtziels einstellen oder Informationen über Triebwerk und Bremsen aufrufen. Doch fast immer findet man eben auch Funktionen, die nicht zur Verfügung stehen.

Einige Inhalte liefert Dovetail leider ohne Handbuch aus – was das Arbeiten im Führerstand zwar nicht wesentlich erschwert, aber doch seltsam wirkt. Zudem erfährt man dann nichts Interessantes über Strecke oder Lokomotive, worauf aber auch einige der vorhandenen Handbücher leider verzichten. (Xbox Series X, 4K-Modus)

Das liegt sicherlich mit daran, dass das Drumherum ebenfalls kaum simuliert wird. Schließlich existiert nicht nur fast kein Funkkontakt, es gibt auch kein Personal, das beim An- oder Abkuppeln hilft, weshalb man auf stehende Wagen einfach langsam auffährt und schon hängen sie fest hintendran. Bremsprobe? Braucht’s hier nicht. Und falls beim Rangieren Weichen gestellt werden müssen, tut man das mit magischen Klicks auf einer Übersichtskarte jederzeit selbst. Die Kollegen im Stellwerk werden ja nicht simuliert.

Das finde ich bedauerlich, zumal sich diese Grenze zwischen erstklassiger Simulation und fehlendem Nachmachen auch durch die Kulisse zieht. So hoch der Wiedererkennungswert großer Bahnhöfe jedenfalls vom Zug aus ist, so schnell erkennt man Risse, wenn Unterführungen in Richtung Innenstadt einfach zugemauert sind, sogar Treppen zu weiteren Bahnsteigen nicht existieren und die Gleise der S-Bahn im Hamburger Hauptbahnhof vom Fernverkehr genutzt werden.

Manche Bahnsteiganzeigen stimmen zudem nicht und es fehlt der Großteil dieser Durchsagen, von denen man ohnehin nur die Hälfte versteht, die aber viel dazu beitragen, dass ein Bahnhof wie ein Bahnhof klingt. Und, Mensch: Selbst, wenn die Darstellung von Personen nicht im Vordergrund steht, so kann man namhafte Knotenpunkte wie die in München und Hamburg doch nicht als leergefegte Leichenhallen präsentieren!

Hamburg Hauptbahnhof: geradeaus der Ausgang Richtung U1/3, rechts die Treppe zu den Bahnsteigen. Erkennt man sofort!

Es geht ein bisschen hin und her. Während viele Umgebungen, einzelne Gebäude sowie Kleinigkeiten, zu denen etwa einzelne Graffiti zählen, vor allem beim Vorbeifahren sehr überzeugend an ihre Vorbilder erinnern, so stark fällt die Kulisse ab, wenn man aussteigt oder auf weniger im Fokus stehende Details blickt. Vieles davon ist halb so wild. Mitunter war ich aber durchaus enttäuscht.

Und dann sind da noch Programmfehler, die man besten Fall noch mit verdrehten Augen wegsteckt, wenn die Routen verschiedener Erweiterungen bei der Streckenwahl vertauscht sind oder man zum Weiterkommen im Tutorial eine Fahrgasttür per Hand öffnen und schließen muss – die im schlimmsten allerdings dafür sorgen, dass manche Tutorials einfach nicht weitergehen oder man einen gekauften Doppelstockzug gar nicht fahren kann, weil er sich wegen eines seit Monaten bekannten Problems partout nicht vom Fleck bewegt.

Spätestens da hilft es freilich nicht mehr, beide Augen zuzudrücken, weshalb derartige Patzer großen Anteil daran haben, dass ich Train Sim World 3 in seiner Gesamtheit und im aktuellen Zustand nicht ohne weiteres empfehlen kann.

Mit 30 Bildern pro Sekunde - meist 40, wenn man es drauf anlegt - sieht Train Sim World 3 auch auf Steam Deck gut aus, bringt den Handheld allerdings mächtig ins Schwitzen.

Auch sonst gibt es ein paar Kleinigkeiten, von denen mich das recht häufige kurze Nachladestottern mit am stärksten stört. Abgesehen davon könnte der Übergang zwischen verschiedenen Detaildarstellungen an Bäumen und anderen Objekten gerne unauffälliger erfolgen. Immerhin ist Sightseeing hier eine der Hauptbeschäftigungen – selbst dann, wenn man pflichtbewusst geradeaus blickt.

Seid euch nicht zuletzt darüber bewusst, dass das Spiel für die höchste Grafikeinstellung einen halbwegs potenten Rechner verlangt. Wobei man es sogar auf dem Steam Deck spielen kann, wo es meist recht zuverlässig 30 Bilder pro Sekunde schafft. Man sollte nur keine allzu langen Routen planen, da der Akku relativ schnell schlappmacht. Ach, und solltet ihr über einen Darstellungsfehler im Hauptmenü stolpern, könnt ihr ihn mit unserem Tipp relativ leicht beseitigen.

Test zu Train Sim World 3 – Fazit

So, Endstation! Ich weiß, das ist ganz schön viel Text für ein ganz schön nischiges Erlebnis. Aber ich weiß auch, dass ich mir selbst lange keinen so rechten Eindruck davon verschaffen konnte, was genau mich in dieser und ähnlichen Simulationen erwartet. Und um nicht um den heißen Brei zu reden: Es gibt ärgerliche Dämpfer, die das Vergnügen spürbar einbremsen. So gibt es Flecken, an denen die Illusion von Realität ziemlich brutal zerrissen wird. Außerdem werden nicht alle Funktionen der Lokomotiven vollständig simuliert und mir fehlt vor allem im beruflichen Umfeld der Triebfahrzeugführer ein Kontakt zu Kollegen, dem Stellwerk oder wenigstens einem schlecht gelaunten Vorgesetzten.

Das Entscheidende ist aber: Das Fahren fühlt sich in allen Führerständen so klasse an, dass ich diesen großen Weihnachtseinkauf nicht bereut habe. Ich bin jedenfalls froh darüber, mit Train Sim World 3 endlich den Einstieg ins virtuelle Zugfahren gewagt zu haben. Denn egal, was andere Simulationen können: Diese hier bekommt vieles verdammt gut hin. Das fängt bei der überzeugenden Physik an und geht über gelungene Hilfen bis hin zur glaubwürdigen Darstellung der massiven Maschinen samt eines Großteils ihres direkten Umfelds. Man sollte auch das Einbinden Community nicht vergessen, die zwar keine Mods erstellen, aber eigene Szenarien kreieren darf.

Falls ihr also einen ähnlich alten Traum träumt oder aus ganz anderen Gründen mal Zugpferd spielen wollt: Ich denke, dass ihr hier trotz mancher Hürde gut aufgehoben wärt.

Train Sim World 3 – Wertung: 7/10

Pro und Contra

Pros:

  • Akkurate Simulation sehr unterschiedlicher Züge
  • Sehr schicke Lokomotiven und trotz einiger unansehnlicher Flecken hoher Wiedererkennungswert von Strecken und Bahnhöfen
  • Freies Herumlaufen und manuelles Bedienen aller interaktiven Hebel, Schalter und Knöpfe
  • Erstellen und teilen selbst erstellter Szenarien und Lackierungen
  • Hilfreiche, schrittweise abschaltbare Bildschirmanzeigen
  • Zahlreiche Erweiterungen von Routen und Lokomotiven…

Contra:

  • … die oft relativ teuer sind und insgesamt schnell ins Geld gehen
  • Keine Karriere oder zumindest bedeutendes Feedback zur geleisteten Arbeit
  • Programmfehler, die mitunter das Weiterkommen behindern oder gar blockieren
  • Detaillierter Betrieb der Lokomotiven wird nicht erklärt, und nicht in Handbüchern
  • Nicht alle Knöpfe und Schalter im Führerstand sind aktiv
  • Keine Hintergrundinformationen zu Lokomotiven, Strecken usw.

Entwickler: Dovetail Games - Publisher: Dovetail Games - Plattformen: PC, Xbox Series S/X, PlayStation 5 - Release: 06.09.2022 - Genre: Simulation - Preis (UVP): ab knapp 36 Euro

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