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Guitar Hero 5

Das perfekte Musikspiel. Aaaaber...

Das Leben könnte viel einfacher sein, wenn man manchmal miteinander arbeiten würde. Auf der einen Seite steht die definitiv beste Musik-Rock-Rhythmus-Software, die derzeit verfügbar ist. Ich nehme es vorweg: Auf allen Ebenen der rein technischen Umsetzung und seiner Spielmodi setzt sich Guitar Hero 5 an die Spitze und noch vor den großen Konkurrenten Rock Band 2. Wenn es jedoch an die Songs geht, ein nicht ganz unwichtiger Faktor bei diesen Games, hat man wenig der schieren Masse von über 700 herunterladbaren Rock-Band-Liedern entgegenzusetzen. Wie wäre es also: Reicht euch die Hände, nennt es Rock Hero oder so und kombiniert die perfekte Software mit der perfekten Musiksammlung.

Gut, das wird wohl so schnell nicht passieren, also muss man sich fürs erste mit dem begnügen, was auf der Guitar-Hero-5–Scheibe zu finden ist, und ehrlich gesagt: Ich liebe es. Das ist mit Absicht komplett persönlich und subjektiv formuliert, da in der bunten Welt des Internets auch andere Meinungen herrschen. Zum Beispiel: „Für jeden guten Song gibt es zwei schlechte.“ Oder: „Coldplay? In einem Rock-Game? Wirklich?“ Oder ganz simpel: „Die Songliste ist furchtbar.“

Warum? Es gibt 85 Songs, was ein stattliche Zahl ist. In 25 davon werden die 60er, 70er und 80er abgehandelt und zwar mit echten Kick-Ass-Rocksongs: All Along The Watchtower, Ring of Fire, 2 Minutes to Midnight oder Spirit of Radio sind einfach coole All-Time-Favorites. Auch wenn 2 Minutes ein etwas dünnerer Edit zu sein scheint, als ich ihn in Erinnerung hatte. Radio vielleicht.

Die 90er könnten nicht stärker starten: Was fasst den Grunge besser zusammen, erhebt ihn auf seinen höchsten Level und schießt ihm die Rübe runter? Natürlich. Smells like Teen Spirit. Vielleicht sollte sich Courtney Love diesen Song noch einmal anhören, dann würde sie kapieren, wofür die Musik ihres Mannes stand. Jedenfalls nicht für Gewinnmaximierung durch Maximalklagen im Namen einer Kurt-Cobain-Stiftung oder überhaupt den Verkauf seines Images für ein Videospiel. Zugegeben, das ist ein großes Vielleicht, also weiter im Text. Garbage, Weezer, Rammstein, Blur, eine gute Auswahl des Mainstreams dieser Dekade. Und sie haben sogar einen Deep-Purple-Song gefunden, den ich mag. Wer hätte gedacht, dass das möglich wäre.

Guitar Hero 5 - Naked Trailer

Immerhin die Hälfte der Setlist stammt aus den letzten Jahren und lässt mit Blink 182, Beck, The Sword, Wolfmother, Children of Bodom oder den Kaiser Chiefs nicht viel aus. Natürlich gibt es Songs, die man nicht will und es dürfte unmöglich sein, eine solche Liste mit Tracks zusammenzustellen, die jedem auf der Welt gefällt. Es ist einfach nicht machbar. Letztendlich muss es heißen: Werft einen Blick drauf. Guckt, was ihr mögt, und entscheidet selbst. Ich kann dazu nur meine persönliche Einschätzung wiederholen: Sie rockt und mit ganz wenigen Ausnahmen mag ich sie.

Für eine kleine Unkostengebühr (280 Punkte) dürft ihr dann noch Songs aus GH World Tour und Greatest Hits an Bord holen. Dazu ladet ihr etwa 1,5 GB herunter, gebt den Key aus dem jeweiligen Spiel ein und schon wird die Playlist ein gutes Stück länger. Allerdings längst nicht so lang, wie es sein sollte. 35 beziehungsweise 20 Stücke aus World Tour und Greatest Hits wandern in die Liste, was viele als Enttäuschung empfinden dürften. Man darf davon ausgehen, dass es Lizenzgründe hat, Activision selbst wahrscheinlich nichts dafür kann und mit umgerechnet 3,50 Euro der Preis nicht zu dramatisch ausfällt. Schön ist das alles trotzdem nicht. Wer mehr investiert oder schon investiert hat, darf sich noch die Perlen aus 160 Downloadsongs herauspicken und, alles in allem, ergibt das eine stattliche Liste. Die von der endlosen und weiter gefächerten Rock Bands in den Staub getreten wird.

Dafür glänzt Guitar Hero 5, sobald es darum geht, das Spiel für alle zugänglich zu machen und es allen auf der Party zu erlauben, miteinander zu spielen. Keiner kann singen und den Bass hassen alle. Dazu kommt, dass einer es noch nie spielte, einer regelmäßig auf Expert zupft und der Dritte mehr ein Gelegenheitstrommler ist. Kein Problem. Ihr dürft hier alle nur denkbaren Kombinationen an Schwierigkeitsgraden und vor allem Instrumenten zusammenstellen. Ob nun 4-Mikro-Super-Karaoke, Trommelduelle mit vier Sets oder die klassische Aufteilung, alles ist möglich.

Noch nie war die Zusammensetzung einer virtuellen Band dermaßen flexibel und simpel. Der Band Leader füllt nur noch eine formale Rolle aus, jeder entscheidet über sein eigenes Schicksal, seine Figur, seine Rolle und sein Können, ohne dass er dabei groß Rücksicht nehmen muss. Betritt die wie auch immer zusammengestellte Band die Karriere, zeigt sich ein neuer Minimalismus in Guitar Hero.

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