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1-2-Switch - Test

Die Definition eines Pack-in-Spiels. Nur, dass es keins ist.

Von "nett" bis "nein, danke!" - dieser Mix aus Trinkspiel und Hardware-Demo wirft die Frage auf: Warum liegt sie nicht jeder Switch bei?

Minispielesammlungen haben bei Nintendo eine lange und durchaus ehrwürdige Tradition. Von Mario Party bis Wario Ware, über Wii Sports bis hin zu Nintendoland stand der Kyotoer Konzern auch immer für die Freude am Ausprobieren kurzer, unmittelbar erfassbarer und punktgenau portionierter Happen an Spaß. Dass das nicht immer abendfüllendes Format haben musste - geschenkt. Gerade Wii Sports zog sich dadurch, dass es einfach jeder mal anfassen und mit seinem eigenen Mii Bowlingkugeln eine imaginäre Bahn runterfeuern wollte, auch so schon sehr viel mehr in Breite und Länge, als die Substanz es eigentlich hergab. Allein das gemeinsame Erleben war die endlose Wiederholung wert, die das Spielerische unbeirrt durchzog. Näher daran, an die Stelle des Gesellschaftsspiels zu rücken, waren Videogames nie.

Mal toll...

1-2-Switch hat lebhafte Erinnerungen daran, wie das war im Winter 2006 und versucht sogar, noch einen Schritt weiterzugehen. 28 Mini-Games mit mal mehr, mal weniger punktgenauer Bewegungssteuerung werden munter gemischt und subtrahieren dabei zu ordentlichen Teilen fast noch komplett den Fernseher aus dieser Gleichung. Sehr, sehr viele Disziplinen in 1-2-Switch verlangen von euch, eurem Gegenüber beim Spielen direkt in die Augen zu blicken. Dabei gelingt dem Spiel der eine oder andere charmante Eisbrecher für belebte Parties - ich warte schon auf erste Social-Media-Bekundungen der Marke "Wir haben uns auf der Party von X beim 1-2-Switch-Revolverduell unsterblich ineinander verliebt". Aber auch das eine oder andere fremdschämige Controllergift ist dabei.

Das beginnt schon damit, dass einige der wortlosen und mit realen Schauspielern aufgenommenen Einführungsfilmchen bisweilen unerträglich lifestylig daherkommen. Gute Spieleschnipsel, wie erwähntes Revolverduell oder das Samurai-Training, bei der ein Spieler von oben ein imaginäres Katana niedersausen lässt und der andere es fangen muss, machen Spaß. Für die Momente, die sie dauern, sind sie ein durchaus zum Schmunzeln anregender Poker darüber, wer zuerst Nerven zeigt. Das Kugelnzählen demonstriert eindrucksvoll, wie schön authentisch sich das "HD-Rumble" anfühlen kann, wenn der Entwickler sich reinhängt. Auch Tresorknacker gefällt für ein zwei Runden, wenn man ganz leichte Unterschiede in der Vibration feststellen und an dieser Position verharren muss.

Dann sind da noch die "Wackelspiele", von denen die guten - Kühemelken, Wettrennen - in ihrer albernen Intensität nette Auflockerungen sind, andere aber eher nervig, und die Spiele, die man schon wieder vergisst, sobald man sie hinter sich hat, wie zum Beispiel... mh... äh... na ja... ich denke, ihr seht, was ich meine. Und selbst wenn eine Reihe von Games auf einer Party gut ankommt, früher oder später landet man bei den liebestollen Gorillas, die sich im Takt der Musik an die Brust klopfen sollen. Ist das der erste Titel in eurer Rotation, ist die Spieleparty schneller vorbei, als ihr ersatzweise die gute, alte Wii anschließen könnt.

...mal oll. Aber immer schnell vorbei.

Böse kann ich 1-2-Switch dennoch nicht sein, hier und da ist es sogar durchaus erhellend, vor allem, weil man merkt, wie selten man Anderen normalerweise direkt in die Augen schaut. 1-2-Switch forciert das und schafft so sekundenweise eine Nähe, die durchaus entwaffnend wirkt. Andere Spiele sind dagegen einfach nur zum Abgewöhnen, wieder andere für ein oder zwei Mal interessant, bevor man genug davon hat und froh ist, direkt zum nächsten überzugehen. Wii Sports zog aus fünf Disziplinen deutlich mehr Spaß.

Man kommt nicht umhin, zu bemerken: Läge dieses sich noch auf der guten Seite die Waage haltende Medley kostenlos der Konsole bei, wäre der Dialog über dieses Spiel ein ganz anderer, deutlich wohlwollenderer. Insofern lagen die Vorverurteilungen der Marke "Das sollte ein Pack-in-Titel sein" durchaus richtig, wenngleich sie in ihrer Härte nicht ganz berechtigt waren. Die meisten Momente von 1-2-Switch, in denen die Laune abflacht, sind eher mediokrer und auf eine uninteressante Art substanzloser Natur, nichts worüber man mit hochrotem Kopf Tiraden vom Stapel lassen müsste. Das hier ist immer noch Nintendo, über die wir hier reden und die setzen nur selten wirklichen Mist vor die Tür, was 1-2-Switch mit den drei oder vier goldenen Momenten, die es unter den richtigen Vorzeichen zu bescheren in der Lage ist, gelungen unterstreicht. Aber der Sinn und Zweck hinter einem Spiel mit ausgeprägten Showpiece-Charakter, der ist ein gutes Stück weit daran gebunden, wie man es unter die Leute bringt. Und hier stellt sich Nintendo selbst ein Bein. Das hätte nicht sein müssen.


Entwickler/Publisher: Nintendo/Nintendo - Erscheint für: Nintendo Switch - Preis: 39,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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