Borderlands 2 - Interview mit Randy Pitchford

"Wir wollen in erster Linie, dass unser Spiel auch offline funktioniert."

Alle wichtigen Neuerungen zu Borderlands 2 zeigte eine umfangreiche Anspielsession, aber die Gelegenheit mit Randy Pitchford, Präsident und CEO von Gearbox Software, einen Plausch zuhalten, darf man sich natürlich nicht entgehen lassen. Hier ein Gespräch über alte Alien-Rassen, DLCs und Cheater.

Eurogamer: Während des Spielens sind mir die Tag-Nacht-Wechsel aufgefallen. Waren die gescriptet? Wie weit geht eure Simulation von Pandoras Umwelt?

Randy Pitchford: Die Wechsel waren nicht gescriptet, sondern simuliert. Wenn man sich die Beschaffenheit des Planeten Pandora und seines Mondes ansieht, wird das deutlicher. Der Mond hat zwei Seiten. Eine ist bedeckt von nuklearem Feuer und erzeugt Hitze und Licht - fast wie eine kleine Sonne. Die andere Seite ist kalt und dunkel. Pandoras Mond dreht sich relativ schnell, sodass man alle zwanzig Minuten einen Helligkeitswechsel hat. Auf Pandora nennt man das Zyklen. Übrigens dauert es 40 Jahre, bis der Planet sein Zentralgestirn umrundet hat. Das bedeutet über zehn Jahre Winter.

Als die ersten Siedler nach Pandora kamen, geschah das während dieser Zeit, in der sich alle Wesen dort in einer Art Winterschlaf befinden. Das ist zwar nicht für das Spielerlebnis direkt wichtig, aber für die Hintergrundstory. Pandora liegt sehr weit abseits von bewohnten Systemen und war vor allem für Flüchtlinge interessant und für die Konzerne, um dort Minen zu errichten. Doch damals waren die ganzen Lebewesen im Kälteschlaf. Zehn Jahre später kamen sie an die Oberfläche und richteten heilloses Gemetzel und Chaos an. Für die Konzerne wurde es extrem teuer, dort nach Bodenschätzen zu suchen. Die Flüchtlinge dort mussten sich anpassen, um in dieser feindlichen Umgebung zu überleben. Das ist die Realität, mit der wir die Spieler konfrontieren.

Eurogamer: Kannst Du uns ein bisschen mehr über die verschiedenen Kammern erzählen, hinter denen die Konzerne und Kammerjäger her sind?

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Randall S. 'DuvalMagic' Pitchford II. Aber seine Freunde und das Internet nennen ihn Randy.

Randy Pitchford: Das geht alles auf eine uralte Alienrasse zurück, die nach ihrem Verschwinden Relikte zurückließ. Diese wurden zuerst von der Atlas Corporation gefunden, die ein Alienschiff auf einem anderen Planeten aufspürten. Das führte zur Erfindung von Digistruct, also dem Austausch von Materie und Energie, durch den man zum Beispiel Menschen teleportieren und wiederherstellen kann oder Gegenstände und Fahrzeuge als Blaupausen abspeichert und auf Wunsch wieder hervorholt. So wurde Atlas schnell zum mächtigsten Konzern des bekannten Universums. Das wiederum löste eine Art Goldrausch auf Alien-Technologie aus.

Als die Menschheit dann von den Kammern auf Pandora erfuhr, führte das zunächst zur falschen Annahme, dass es sich um Räume voller Schätze und Macht handele. Im ersten Borderlands stellte sich dann heraus, dass dort auch Monster eingesperrt sein können. Im zweiten Teil, fünf Jahre später, hat Handsome Jack, der Chef der Hyperion Corporation, die Minenroboter Pandoras bewaffnet und damit so ziemlich die ganze Kontrolle über den Planeten an sich gerissen. Er ist hinter dieser speziellen Kammer her, von der er glaubt, dass sie eine große Macht enthält, die er beherrschen kann.

Eurogamer: Kannst Du uns etwas über die Spielumgebungen verraten, die wir noch nicht gesehen haben? Auf den Events hat man bislang nur die üblichen Landschaftstypen gesehen, wie zum Beispiel Wüste, Grasland, Schnee, Stadt und Innenräume. Wie sieht es mit Easter Eggs aus? Ist ein Kuh-Level geplant?

Randy Pitchford: (Lacht) Leider darf ich überhaupt nichts verraten. Wenn wir etwas noch nicht gezeigt haben, hat das schon seinen Grund. Wir wollen auf keinen Fall etwas spoilern, aber es gibt einige ziemlich ungewöhnliche Umgebungen. Und massenhaft Easter Eggs. Es fällt mir wirklich schwer, nichts zu verraten - es gäbe so viele coole Sachen zu erzählen. Das Spiel ist riesig.

Eurogamer: Wie groß ist der zweite Teil im Vergleich zum Ersten?

Randy Pitchford: Ungefähr doppelt so groß.

Eurogamer: Reden wir über die Fahrzeuge. Wie weit kann man sie nach seinem eigenen Geschmack anpassen und bewaffnen? Wird es besondere Missionen rund um Fahrzeuge geben? Zum Beispiel Autorennen?

Randy Pitchford: Auf jeden Fall haben wir mehr Optionen als im ersten Borderlands, wo man nur zwei Bewaffnungen und ein paar Farben zur Auswahl hatte. Es gibt mehr Fahrzeuge, mehr Bewaffnungen und mehr Skins. Borderlands 2 ist kein Rennspiel, aber es wird einige spaßige Dinge geben, die man mit den Vehikeln anstellen kann. Wir wollen aber auf keinen Fall, dass die Geschichte ins Stocken gerät, weil man irgendein Rennen gewinnen muss oder ähnliches. Es soll einfach Spaß machen, herumzufahren, mehr nicht.

Eurogamer: Habt ihr schon Pläne für Download-Content oder ähnliche Dinge?

Randy Pitchford: Aktuell sind wir natürlich noch sehr mit dem Hauptspiel beschäftigt, aber wir haben uns schon ein paar Gedanken dazu gemacht. Wir haben viele Ideen. Zum Beispiel haben wir bereits eine fünfte Charakterklasse namens Mechromancer angekündigt, die wir irgendwann als DLC veröffentlichen wollen. So eine Art weiblichen Necromancer, nur mit Robotern, die man auf die Feinde hetzen kann. Wir versuchen, sie 60 bis 90 Tage nach dem Launch zum Download anzubieten. Der Preis steht noch nicht fest, aber wir haben mit unseren Publishern vereinbart, dass Vorbesteller bei bestimmten Händlern sie dann kostenlos erhalten.

Eurogamer: Wie steht ihr zum Thema Cheaten? Die Speicherstände verbleiben auch in Borderlands 2 auf meinem Rechner - ist das nicht ein Problem im Mehrspieler-Modus? Was, wenn es in Richtung PvP geht?

Randy Pitchford: Wir wollen in erster Linie, dass unser Spiel auch offline funktioniert. Wenn einer keine Verbindung ins Netz oder wenig Bandbreite hat, kann er trotzdem Borderlands 2 spielen. Durch diese Entscheidung lassen wir das Spiel natürlich offen für Leute, die unbedingt cheaten wollen. Das kann man schwer verhindern. Aber was könnte schlimmstenfalls passieren? Wenn einer schummeln will, verdirbt das in erster Linie seinen eigenen Spaß. Borderlands ist außerdem in erster Linie ein kooperatives Spiel und schon im ersten Teil war PvP nicht das große Ding. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt und entsprechend auf die Spieler hören. Aber das Thema ist natürlich schwierig. Wir wollen den Spielern zum Beispiel die Möglichkeit bieten, ihr Zeug per Cloud online zu speichern. Und wir werden in diesem Zusammenhang wahrscheinlich Systeme einbauen, die zwischen sicheren Online-Daten und manipulierbaren lokalen Dateien unterscheiden können.

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Über den Autor:

Frank Erik Walter

Frank Erik Walter

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Tagsüber arbeitet Frank als freier Journalist. Nachts jagt er seit 2010 flüchtige MMOs für Eurogamer.de und die MMO PRO. Skittles und Tetris sind sein Kryptonit.

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