Zum zweiten Mal in Folge war Bethesda der Auffassung, das Line-up in einer eigenen E3-Bühnenshow präsentieren zu wollen. Die Antwort auf die Frage, was ihre Haus-und-Hof-Studios Machine Games, Tango Gameworks und Arkane so treiben, erfolgt nur zur Hälfte. Zumindest letzteres Team steht nun mit zwei wahnsinnig ambitioniert scheinenden Projekten im Mittelpunkt. Schauen wir mal, was so los war.

Skyrim: Special Edition

Was genau? Bethesdas meistverkauftes Spiel, noch dazu eines der langlebigsten und landschaftlich beeindruckendsten der letzten Generation, erscheint am 26. Oktober für PS4 und Xbox One. Mit deutlich lebendigerer Beleuchtung, besseren Schnee- und Wasser-Shadern und all den Dingen, bei denen sich PC-Spieler mit Mod-Anbindung schon seit Jahren fragen, wie man darauf nur freiwillig verzichten kann. Ach, und Mods: Nach dem offensichtlich erfolgreichen Probelauf mit Fallout 4 hängt auch Skyrim am Netz und gibt euch Zugriff auf eine riesige Datenbank nutzererstellter Inhalte.

Und nun? Sicher hätte der Applaus bei Elder Scrolls 6 Trommelfelle reißen lassen. Und man darf sich fragen, wer in den letzten fünf Jahren kein Skyrim gespielt hat, sich also heute schon ein rotes Kreuz in den Kalender setzt. Dann wiederum: wieso nicht? Mit der gemoddeten PC-Version als Grundlage war der Port vermutlich kein Hexenwerk und dass eine Mod-Unterstützung die Langlebigkeit anregt, kann nur gut sein für die Marke. Ich spiele Skyrim auf der Xbox immer mal wieder gern für zwei, drei oder auch mal fünf Stunden. Wenn das ab Oktober in schönerer Form geschieht, kann ich damit leben, solange wir nächstes Jahr offline endlich nach Elsweyr dürfen...

Quake, Doom-DLC und Demo

Was genau? Quake ist zurück in Form von Quake Champions. Dooms Multiplayer-Part bekommt kostenlose Modi, einen ersten Premium-DLC "Unto the Evil" mit neuen Maps und eine den Startlevel umfassende Demo (die eine Woche lang verfügbar ist). Yay!

Und nun? Keine Ahnung, hatte Doom vorgestern in der Hand und musste bei dem 39-Euro-Preisschild ernsthaft überlegen, entschied mich aber für Kirschen. Die kann ich dann passend zur Demo verdrücken. Und im August zur Quakecon, wenn Quake Champions vorgestellt wird. Es gab lange keine Demos. Die Welt braucht mehr Demos. Und Quake. Kirschen sowieso.

Fallout-4-DLCs

Was genau? Drei Erweiterungen für jeden, der auch nach Far Harbor nicht genug hat von Bethesdas Fallout. "Contraptions", erhältlich ab nächster Woche (4,99 Euro), richtet sich an Siedlungsbauer und führt unter anderem Fahrstühle, Rüstungsständer, Waffenregale und Neckisches wie hölzerne Rollbahnen und Förderbänder ein. Die ihr dann irgendwie Incredible-Machine-mäßig verketten könnt, um eure Bewohner zu ärgern, oder so ähnlich. "Vault-Tec" (4,99 Euro) lässt euch eine eigene Vault aus dem oder besser: in den Boden stampfen, nutzbar über das aus dem Hauptspiel bekannte Baumenü. Als Vault-Tec-Aufseher kann man mit Bunkerbewohnern experimentieren wie mit Hamstern und... sicher noch einige andere Dinge tun.

Das klingt nicht nach einer großen Erweiterung, sondern nach einer süßen Idee, die man schon im Juli auf ihren Reiz abklopfen kann. "Nuka World" dagegen trägt ein größeres Preisschild (19,99 Euro) und schickt euch ab August in einen von Raidern besetzten Vergnügungspark. Was diesen DLC wirklich interessant machen könnte: Anscheinend kann man sich auf die Seite der Raider schlagen, friedliche Siedlungen unterwerfen und der Welt den Allerwertesten ins Gesicht drücken.

Und nun? Das sieht alles nicht übel aus, aber Fallout 4 ist auch ohne Zusätze so verschwenderisch riesig, dass Bethesda schon Markanteres auffahren muss, um zumindest mich noch einmal zurück ins Spiel zu locken. Far Harbor, immerhin der teuerste DLC für Fallout 4, lieferte nur mehr vom Selben. Und nach Witchers Blood and Wine hängt der neue Standard für 20-Euro-Erweiterungen himmelhoch.

Prey

Was genau? Es lebt, nachdem man es chirurgisch von der "2" am Ende trennen musste. Prey 2 heißt ab sofort nur noch Prey und erscheint irgendwann im nächsten Jahr. Der Texas-Zweig der Arkane Studios kümmert sich um das Sorgenkind, seit der Bruch zwischen dem ursprünglichen Entwicklerstudio Human Head und Bethesda entstand. Zu sehen war ein kurzer Trailer mit fantastischen Lichteffekten und einer coolen Schrotflinte ohne weitergehende Rückschlüsse auf die spielerische Seite. Da wir von den Arkane Studios sprechen, einer Art Looking Glass 2.0 mit einer Liebe für spielergesteuerte First-Person-Action, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, köchelte man hier einen reinen Shooter zusammen. Wer weiß, ob die Entwicklung nicht wirklich mit einem imaginären System Shock 3 im Geiste geschah. Die überrannte Raumstation ist schon mal ein gutes Vorzeichen.

Und nun? So richtig verstanden habe ich bis heute nicht, was am Material von Human Head auszusetzen war, zumindest auf Grundlage der kurzen Präsentation vor einigen Jahren. Bethesda wird seine Gründe gehabt haben. Nun darf Arkane die Möglichkeiten des Spielers ausarbeiten, was ihrer Laufbahn nach zu urteilen sicher nicht wenige sein werden. Außerdem kriegen wir irgendwann in den nächsten Jahren auch ein "richtiges" System Shock 3 von Otherside. Unabhängig davon, ob irgendeines dieser Spiele gut wird, sind das aufregende Zeiten. Wer hätte das vor fünf Jahren für möglich gehalten?

Elder Scrolls Online

Was genau? Zunächst mal eine furchtbar brüllend Stimmung machende Frau im Publikum. Wäre Elder Scrolls Online ein Mensch auf der Bühne, flöge ihm sicher Rüschiges um die Ohren. Das wäre bestimmt witzig, solange es seinen Termin einhält und am 23. Juni in Japan an den Start geht. Vorher noch, genauer gesagt morgen am 14. Juni, erscheint der Dark-Brotherhood-DLC für Konsolen. Unter der Bezeichnung "One Tamriel" heben die Entwickler ab Herbst außerdem sämtliche Begrenzungen auf. Ab dem Moment, wo man das Tutorial verlässt, kann man überall hingehen und sich mit jedem Spieler zusammentun.

Und nun? Ach, was für ein schön abenteuerlicher Trailer. So viele Ausblicke auf ferne Ecken der Welt, von exotischen Städten bis ins Winterwunderland. Schade, dass ich seit einem Jahr in Morrowind rumhänge und es, dem überfrachteten Tagebuch nach zu urteilen, auch nie verlassen werde. Es ist online eben nicht dasselbe. Trotzdem nett zu hören, dass sich das Spiel offenbar guter Gesundheit erfreut.

Dishonored 2

Was genau? Dishonored 2 kommt am 11. November! An sich schon ein Grund zur Freude. Diesmal kann man als Corvo oder als kaiserliche Tochter Emily spielen, beide mit unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Geschichte. Wieder geht es mit übernatürlichen Kräften in offene Locations, in die Höhe und um die Ecke, mit blutiger Klinge, dem gewaltlosen Weg oder irgendwas dazwischen. Schön auch, dass der Stil weiterhin aussieht wie ein leicht öliges Gemälde, mit verschobenen körperlichen Proportionen, Wachmännern mit Hälsen so dick wie ihre Köpfe. Es ahmt nicht verkrampft die Realität nach, sondern nimmt sie als Grundlage zur eigenen Interpretation einer eigentümlich auf Kante hängenden Welt.

Und nun? Das wird das Jahr von Arkane! Ihre drei bisherigen Spiele waren alle auf ihre Art genial und immer fest verankert mit dem Gedanken der spielerischen Freiheit, sei es der höchst interaktive Dungeon-Crawl in Arx Fatalis oder die dynamischen Kämpfe in Dark Messiah. Dishonored 2 führt diesen Gedanken anscheinend weiter, gibt euch das Rüstzeug und Optionen in der Vertikale. Allein dafür, dass Bethesda diese wundervolle Art von Spiel mit sicher nicht wenigen Millionen dotiert, wo der Vorgänger nicht unbedingt die Dämme brechen ließ, darf man sich ihnen verbunden fühlen.

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei. Nervt seine Kollegen mit Satzzeichen und solchen Dingen. Kümmert sich um das wundervolle Rock, Paper, Shotgun, und das solltet ihr ebenfalls.