Civilization VI - Vertraut und doch so anders!

Aufteilung in Distrikte, kombinierbare Einheiten, strikte Trennung von Technologie und Kultur - und Tratsch als die bessere Diplomatie.

Theodore Roosevelt ist mein Anführer. Der 26. Präsident der Vereinigten Staaten soll meine Fraktion zu einer prosperierenden Kultur und schlussendlich zur virtuellen Weltherrschaft führen. Er ist nur eine der knapp 20 historischen Persönlichkeiten, für die ich mich ebenfalls hätte entscheiden können. Mit im Aufgebot außerdem Leute wie Montezuma, Pedro Brazil, Hojo Tokimune, Qin Shi Huang, Queen Victoria oder Caterina de' Medici.

Keine fünf Minuten später bin ich mitten im Spiel, habe mich für Kontinente anstatt einer einzigen großen Landmasse als Start-Spielwelt entschieden und warte in dem neugegründeten Washington darauf, dass Siedler und Spione fertig gestellt werden. Darauf, dass Gebäude erbaut, neue Technologien erlernt und Ressourcen gesammelt werden können - und Weltwunder in meiner sich immer weiter ausdehnenden Stadt einen Platz finden. Alles wirkt vertraut und doch ist vieles anders. Nicht nur die komplett überarbeitete Grafik, die aufgeräumter und übersichtlicher wirkt, mit schicken Details glänzt. Auch an der Spielmechanik wurde kräftig geschraubt.

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Das amerikanische Imperium soll unter der Führung von Theodore Roosevelt prosperieren.

„Die Weltkarte ist der Star der Civilization-Spiele. Aber die ist in den letzten Spielen zu kurz gekommen. Die Mechaniken bei dem Auf- und Ausbau einer Stadt, haben sich viel zu häufig einfach nur wiederholt", erklärt mir Ed Beach, Lead Designer bei Firaxis, mit ernster Miene. Beach, der vor seiner Arbeit an Civilization hochkomplexe Brettspiele wie beispielsweise Virgin Queen entwickelt hat, wünscht sich von dem Paradebeispiel eines 4X-Spiels - eXplore, eXpand, eXploit, und eXterminate - mehr von dem zweiten X, der Ausbreitung. Es hat ihn gestört, dass sich Spieler einfach auf eine Stadt konzentrieren konnten, mitunter alle verfügbaren Weltwunder in einer Ansiedlung erbauten.

So simpel soll es nicht mehr werden. Ihr wollt die Pyramiden? Dann braucht es auch eine Wüste. Stonehenge soll es sein? Aber nicht, ohne dass sich ein ergiebiger Steinbruch in unmittelbarer Nähe befindet. Mehr als maximal ein halbes Dutzend Wunder werden es nicht in einer Stadt. Die Karte erkunden, immer wieder neue Siedlungen ausbauen und das Terrain sinnvoll nutzen, das ist der Weg für Weltwunder-Komplettisten.

Eingeführt werden sogenannte Distrikte. Das sind Hexfelder, die Gebäude einer bestimmten Art zusammenfassen. Beispielsweise ein militärischer Distrikt mit Übungsplätzen und Kasernen oder ein industrieller Distrikt mit Fabriken. Diese könnt ihr aber nicht einfach irgendwo einrichten, sondern müsst euch an gewisse Regeln halten. Ein Minendistrikt kann nur außerhalb des Stadtkerns entstehen und gibt zusätzliche Boni, wenn sich auch entsprechende Ressourcen unmittelbar angrenzend befinden. Schon bei der Auswahl des Standortes werden euch die entsprechenden Statusverbesserungen angezeigt. Nicht einfach nur die neuesten Errungenschaften bauen, sondern genau überlegen, an welcher Stelle sich der größte Nutzen daraus ziehen lässt. Und die eben bereits erwähnten Wunder gehören auch auf ein passendes Distrikt-Hexfeld und nicht einfach mitten in die Pampa.

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In Distrikten werden gleichartige Gebäude zusammenfasst. Der Vorteil: Wenn ihr diese clever positioniert, beispielsweise einen Minen-Distrikt nahe an Steinbrüchen, hagelt es wertvolle Boni.

Zusammenfassen ist auch bei der militärischen Organisation angesagt. Ohne Armee wird eurer Expansionsdrang schnell gebremst, denn die konkurrierenden Anführer schauen nicht allzu lange tatenlos zu, wie ihr euch entfaltet. Um das Schlachtengetümmel, mit etwas Pech auch gleich an mehreren Fronten, übersichtlicher zu gestalten, werden zwei gleiche Einheiten auf einem Feld zu einem Korps geeint. Drei Einheiten ergeben eine Armee. Zusätzlich sind Unterstützer wie Belagerungstürme oder Geschütze in der Kategorie Support zu finden und verstärken automatisch eure Truppen. Das sorgt für Übersicht auf dem Schlachtfeld und effektive Abwehr von eindringenden Aggressoren oder unterstützt euren eigenen Eroberungsdrang. Wie ihr denn nun an die Weltherrschaft gelangt, das bleibt ja immer noch euch überlassen.

  • Erscheint für:
    PC
  • Veröffentlichung
    21. Oktober 2016
  • Angespielt auf PC

Aber ohne die stete Weiterentwicklung eurer langsam in die Gänge kommenden Zivilisation, wird es eh nichts mit der Expansion. Die Errungenschaften, die euch zu Beginn im Rundentakt zugestanden werden, sind nun übersichtlich in zwei Bäumen zu finden. Technologische Errungenschaften werden über den Tech-Tree, kulturelle über den Civic-Tree ausgewählt. Immer beide Bäume im Auge zu behalten, ist eine Notwendigkeit, finden sich doch beispielsweise neue Waffentechnologien im Tech-Tree, Verbesserungen in der militärischen Organisation dagegen im Civic-Tree. Macht ja auch Sinn, Ereignisse wie die Erfindung des Rades nicht mit gesellschaftlichen Bereicherungen, wie der Dichtkunst durcheinanderzuwürfeln.

Übrigens kommt ihr nach 266 Runden an das Ende der kulturellen Fahnenstange und dürft eure Gesellschaft mit den Freuden der Globalisierung und Social Media bereichern. Clever: Um schneller an eure Ziele zu gelangen, könnt ihr zusätzliche Bedingungen erfüllen und so den Errungenschaften einen zeitlichen Boost verpassen. Soll es zügig mit der Theologie voran gehen? Dann gründet eine Religion. Eine bessere Geschichtsschreibung gefällig? Dann erstellt zwei Campus-Distrikte, um die Bildung zu erhöhen.

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Welche Regierungsform darf's denn sein? Habt ihr die ersten Runden überstanden, könnt ihr euch unter anderem für demokratische, autokratische oder auch republikanische Staatsformen entscheiden. Wenn es nicht funktioniert, ein Wechsel ist möglich.

Auch der künstlichen Intelligenz der Computergegner wurde ein Upgrade spendiert. "In den vorherigen Spielen hatten die konkurrierenden Führer eine eher einfache Agenda. Der eine hatte die Ausdehnung seiner Städte im Sinn, der andere setzte auf möglichst starke Armeen. Die Ziele und die Handlungen der historischen Persönlichkeiten sind jetzt wesentlich differenzierter", erklärt mir Beach. Beispiel Montezuma, der Azteken-Führer hat ein Faible für Luxus. Besitzt eure Fraktion keine Diamantenminen oder reichhaltige Schätze, werdet ihr geflissentlich übersehen. Hortet ihr dagegen Edelsteine, habt ihr bald ungebetenen Besuch vor der Tür. Dehnt ihr euch zu sehr aus, gefällt das der Queen Victoria nicht. Ignoriert ihr einfach die französische Fraktion unter der Königin Caterina de' Medici, wird die Stimmung eisig bis feindlich.

Aber es muss ja nun nicht jeder Konflikt mit Waffengewalt gelöst werden. Diplomatie und Spionage können den Spielablauf maßgeblich beeinflussen. Zumindest später, wenn euch die Feinheiten der Interaktion überhaupt zur Verfügung stehen. Mit geschicktem Taktieren und den richtigen Bündnissen zur rechten Zeit lassen sich ärgerliche Kriege vermeiden. Und genau an dieser Stelle kommt das neue Gossip-System zum Tragen. Also, Klatsch und Tratsch als wichtige Informationsquelle.

Händler und, sagen wir mal, kontaktfreudige Damen auf Auslandsbesuch, sorgen dafür, dass euch wichtige Informationen über eure Mitstreiter bekannt werden. In fünf Geheimnisstufen erfahrt ihr, genügend Gossip-Erfahrung vorausgesetzt, alles über die Ziele und Aktionen eurer Gegner. Meistert ihr die Kunst des Aushorchens zur Perfektion, wird euch sogar die geheime Agenda angezeigt, mit der jeder Führer in das Spiel startet.

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Technologische und kulturelle Errungenschaften sind in separaten Bäumen aufgelistet. Bis ihr es zur Globalisierung schafft, vergehen aber einige Spieljahrhunderte.

Nach gut 100 Runden hat sich mein Roosevelt-Reich schon ordentlich vergrößert. Trotzdem habe ich nur einen Bruchteil des hochkomplexen Globalstrategiespiels gesehen und noch lange nicht alle Möglichkeiten ausprobieren können. Eigentlich wollte ich mich noch unbedingt mit den unabhängigen Stadtstaaten beschäftigen. Orte wie Valetta, Sansibar oder Brüssel verschaffen einzigartige Boni, wenn sie als Verbündete gewonnen werden. Oder mich in die Regierungsformen vertiefen, die ich meinem virtuellen Imperium verpassen kann. Eine Autokratie, Oligarchie, Republik oder doch lieber eine Monarchie? Mitbestimmung steigert die Zufriedenheit meines Volkes, ein hartes Regime lässt mich schneller an Wunder kommen.

Vieles ist wohlig vertraut. Die neuen Features und Regeländerungen, etwa der Aufbau von Distrikten und die strikte Trennung zwischen technologischen und kulturellen Errungenschaften. Die erhebliche Steigerung der Übersicht bei kriegerischen Konflikten oder die Erweiterung der Spionagetätigkeiten - das alles fügt sich nahtlos in die bekannte Spielmechanik ein.

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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