For Honor - Die Kunst des Duells

Mehr Mittelalter-Rainbow-Six als Golden Axe

Der Shugoki ist der Tank unter den vier wählbaren Klassen der Samurai-Fraktion. Ein echter Hüne mit furchteinflößender Dämonenmaske und einer mit Metallspitzen bestickten Keule in Final Fantasy-Dimensionen. Ein Heavy Hitter, der nicht nur übelst austeilen, sondern auch ordentlich einstecken kann. Das ist doch mal genau mein Typ von Kämpfer für die anstehende Runde Dominion bei einem Anspieltermin von For Honor in Paris. In diesem Modus kämpfen zwei Viererteams gegeneinander und sammeln Punkte durch das Besetzen und Halten von drei Zonen sowie dem gekonnten Massakrieren von Gegnern. Wer zuerst 1000 Punkte auf dem Konto hat, geht als Sieger aus der Schlacht. Soweit alles altbekannt. Was aus dem feudalen Schlachtengetümmel jetzt etwas ganz besonders macht, ist das erfreulich komplexe und taktisch orientierte Kampfsystem. Mit wildem Knöpfchendrücken kommt man vielleicht noch gegen die Pappnasen aus dem Tutorial oder dem AI-gesteuerten Kanonenfutter in der Kampagne oder einigen Multiplayer-Modi an. Gegen einen menschlichen Gegner bedeutet die Nichtbeachtung des Regelwerkes oftmals den zügigen Exitus.

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In For Honor geht wirklich nicht zimperlich zu. Wenn ihr mit Axt, Schwert oder Keule zulangt, spritzt das Pixelblut schon mal meterhoch.

Das Prinzip in aller Kürze: Steht ihr einem Kontrahenten gegenüber, geht ihr in die Abwehrhaltung. Ein Symbol auf dem Bildschirm zeigt an, ob der Gegner einen Angriff von links, recht oder oben ausführen wird. Da heißt es dann reaktionsschnell mit dem rechten Analogstick die richtige Richtung zur Abwehr ansteuern und so den Schlag zu parieren. Während der Gegner seine Kräfte sammelt, könnt ihr selber mit leichten oder schweren Angriffen austeilen oder per Knopfdruck einen Stoß ausführen, der ihn ins Taumeln bringt und euch so die Zeit für eine ganze Schlagserie bietet. Dazu gesellen sich klassenspezifische aktive und passive Fähigkeiten, wie nicht zu blockende oder sehr schnelle Angriffe, Exekutionen wie das brachiale "Break in Half" und die akribische Individualisierung der Spielfigur mit Waffen, Ausrüstung und Perks, die von der Auswahl her einem ausgewachsenen Rollenspiel kaum nachstehen.

Wie unterschiedlich die Klassen im Kampf agieren, bekomme ich mit meinem behäbigen Shugoki zu spüren. Während ich einen Eroberer aus der Ritter-Fraktion problemlos dominiere, seine Langschwert-Angriffe pariere und ein wuchtiger Keulenhieb locker die Hälfe seiner Lebenspunkte abzieht, sehe ich gegen den als Verstärkung auftauchenden wendigen Friedenshüter keine Schnitte. Bevor ich auch nur zu einem Hieb ansetzen kann, haben mich die Dolche des Schleichcharakters schon zwei-, dreimal erwischt.

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In dem Multiplayer-Modus Domination mischt sich auch computergesteuertes Kanonenfutter ein. Wirklich gefährlich sind aber nur die Helden des gegnerischen Teams.

Gerade gegen zwei oder mehr Gegner gibt es alleine kaum eine Chance auf Sieg, also ist Zusammenarbeit angesagt. Gemeinsam ein Ziel angehen, möglichst Feinde isolieren, schnell beseitigen und an der Stelle warten, ob ein unvorsichtiger Kamerad zur Reanimation des Gefallenen auftaucht. Die Modi Domination und Elimination, bei denen es ganz simpel darum geht, das feindliche Viererteam aufzureiben, profitieren dabei von den abwechslungsreichen Schauplätzen. Ob in der Wildnis, einer Zitadelle oder auf einer schmalen Brücke über einen Canyon, wahlweise tagsüber, nachts, mit Bewölkung oder im strahlenden Sonnensschein: Die Umgebungen sind nicht nur schick anzusehen, sondern bieten auch immer Möglichkeiten, den Gegner in einen Hinterhalt zu locken. So könnt ihr einen Feind mit einem gezielten Schildstoß von einer Anhöhe oder Brücke stoßen, das saugt ordentlich an der Lebensleiste.

So spaßig sich die Mehrspieler-Kloppereien auch gestalten, mein persönliches Highlight waren die Online-Duelle. Mann gegen Mann - oder natürlich auch Frau - zeigt sich, wer die komplexe Kampfkunst wirklich drauf hat. Mein eingangs erwähnter Samurai-Koloss zeigte dabei erhebliche Schwächen gegenüber wendigen Klassen, die meine mächtigen Angriffe gar nicht erst zuließen. Da hilft dann nur reaktionsschnell kontern, bis dem Gegner die Puste ausgeht und dann endlich einen Treffer landen. Die Duelle können sich je nach Paarung schon eine ganze Weile hinziehen und auch ein sicher geglaubter Sieg kann im letzten Augenblick verhindert werden, wenn man denn seinen Recken richtig gut beherrscht.

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In der Mission Sabotage der Ritter-Kampagne sollt ihr eine Befestigung infiltrieren und das Tor öffnen. Allerdings ist die Seilwinde gut bewacht.

Für Multiplayer-Muffel wird noch eine recht umfangreich scheinende Kampagne geboten. Alleine, oder wahlweise auch kooperativ mit einem Kumpel, gilt es je Fraktion sechs Episoden zu bestreiten, die das Leben und Sterben in der For Honor-Parallelwelt genauer beleuchten. Zwei recht unterschiedliche Missionen konnte ich bei dem Anspieltermin ausprobieren. In "Sabotage" aus dem Zweig der Ritter-Fraktion, fand ich mich in der Rolle des weiblichen Stealth-Charakters Mercy wieder. Meine Aufgabe: Durch den Wald bis zu einer Garnison durchschlagen und dort das Tor öffnen, damit meine Rittersleut freien Durchritt haben. Da Mercy zwar schnell und wendig ist, aber nicht allzu viele Hiebe aushält, ist Schleichen angesagt und das Ausnutzen der Umgebung. So kann ich in der Garnison die Tür der Soldatenunterkunft blockieren und damit die Anzahl der potenziellen Gegner erheblich reduzieren.

Es muss also nicht immer nur Haudrauf sein, das gefällt. In der zweiten Mission geht es dann deutlich actionreicher zu. In einer opulenten "Ryse: Son of Rome"-Inszenierung zettle ich als aufständischer Wikinger einen Aufstand gegen den Stammesfürsten an, zerlege mit Brandbomben dessen Siedlung, plündere Vorräte und haue mit der Streitaxt alles kurz und klein, was mir in die Quere kommt. Das Kampfgetümmel gipfelt schlussendlich in einer wilden Verfolgungsjagd zu Pferde und einem knackigen Bosskampf.

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Schwerer Krieger gegen wendigen Attentäter: Ausgang ungewiss. Bei den anspruchsvollen Duellen ist echtes Können und cleveres Taktieren gefragt.

Ubisoft hat noch große Pläne für den anspruchsvollen Schlitzer: In den sogenannten Faction Wars sollen sich die honorigen Krieger plattformübergreifend beharken können, egal ob PlayStation 4, Xbox One oder der PC bevorzugt werden. Dieses Prinzip hat der französische Publisher ja bereits bei The Crew erfolgreich umgesetzt. Ihr wählt also eure favorisierte Seite und zieht mit Samurai, Wikinger oder Ritter in den Online-Krieg und erobert fleißig feindliche Territorien. Am Ende eines Tages, einer zweiwöchigen Runde sowie nach der zehn Wochen andauernden Saison wird abgerechnet und euer edler Streiter darf sich je nach Abschneiden über reichlich Loot in Form von purer Kosmetik freuen. Ein paar schicke Ornamente, ein hübscher Helm, nichts wirklich Spielbeeinflussendes. Ruhm und die Ehre, für die eigene Fraktion Siege errungen zu haben, ist was zählt.

Neue Karten und Gebiete sollen dann in regelmäßigen Abständen das Spielerlebnis bereichern. Kostenlos versteht sich, denn man will ja die Community auf keinen Fall spalten und jeder soll auch alles spielen können. Eine vernünftige Entscheidung, denn eine andere Herangehensweise würde garantiert schnell für allgemeine Verärgerung sorgen, *Hust* Evolve *Hust*. Ausprobieren könnt ihr die Faction Wars schon im Januar 2017, wenn ihr euch für einen Zugang zur geschlossenen Beta registriert.

Erscheint für: PS4, PC, Xbox One / Veröffentlichung: 14.2.2017 / angespielt auf PS4

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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