Nintendo Switch: I Am Setsuna, Shovel Knight Treasure Trove und... Neo Geo?

Neo-Geo-Offensive gleich zum Start. Warum eigentlich nicht?

Die Switch blickt nicht gerade auf das breiteste Launch-Line-up einer Konsole zurück. Dann wiederum hat man auch ein bisschen das Gefühl, alles würde ein bisschen ehrfürchtig Platz machen, um dem Run auf Zelda nicht im Weg zu stehen. Ein paar haben sich doch getraut und während wir einigen - Fast RMX, Snipperclips, Bomberman R und 1-2-Switch - jetzt Anfang der Woche noch vollumfängliche Tests zu Gute kommen lassen werden, wollen wir uns ein paar der kleineren und in der Mehrzahl bereits bestens bekannten Titel in diesem Round-up ansehen.

I Am Setsuna

Den Anfang macht Square Enix' traditionelles JRPG, das im Grunde noch halbwegs ofenfrisch auf der Switch aufschlägt. Es ist einer der wenigen Vollpreistitel zum Start des Handheld-Heimkonsolen-Hybriden. Zentrale Inspiration für das sehr klassisch gehaltene Rollenspiel war der ewige Liebling Chrono Trigger. Das ist überdeutlich zu erkennen, allerdings kommt das sehr ansehnliche und durchaus kompetent umgesetzte I Am Setsuna längst nicht an die Vorlage heran. Dafür ist das Spiel in fast jeder Hinsicht eine Idee zu schnarchig und monoton. Einfache Active-Time-Battle-Schlachten, wenig Interaktion - insgesamt wirkt die Hommage an den großen Klassiker ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Beinharte JRPG-Fans werden dennoch gute Seiten an I Am Setsuna finden, den - wie gesagt - kompetent läuft hier das meiste durchaus ab. Mit 40 Euro ist der Preis aber gerade im Vergleich mit dem zum Dahinschmelzen guten Zelda aber vielleicht ein bisschen viel verlangt, sodass man zumindest für den Moment nicht so recht weiß, an wen sich Square Enix' Alternativangebot richten soll.

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Schön, aber ein bisschen verschlafen kommt I Am Setsuna daher. Wer's ein wenig seichter mag, wird sich in dieser Hommage an klassische RPGs aber wohl fühlen.

Unterm Strich: Schön anzusehen, auch gut auf die Switch umgesetzt, aber im großen Genre-Kontext eben nur eines unter vielen Spielen dieser Art. Martins ursprünglichen Test dazu lest ihr hier.

Metal Slug 3

Das Fünferpack an NeoGeo-Titeln im Startaufgebot der Switch dürfte nicht nur mich überrascht haben. Aber hier sind sie. Größter Blickfang dürfte, wie eigentlich in jedem Store, in dem es jemals auftauchte, Metal Slug 3 sein. Jenes legendäre Jump-and-Shoot, das damals nur gegen Mondpreise zu importieren war. Nun also auch auf der Switch, wie gehabt im selben 4:3 Format und mitsamt der traditionellen Slow-Downs emuliert, ohne die man viele Stellen wohl kaum geschafft hätte. Ist immer noch ein tolles Spiel, aber die wohl schönsten Sprites überhaupt und ihre verschwenderischen Animationen kommen auf einem Röhrenfernseher eindeutig besser zur Geltung als skaliert auf dem LED der Switch. Trotzdem: Gut spielbar, gerade wegen des verhältnismäßig großen Bildschirms für ein Handheld und mit 6,99 Euro nicht zu teuer, um diese Bildungslücke nicht langsam mal zu schließen. Ein Metal Slug sollte jeder mal gespielt haben. Wer das bereits erledigt hat, darf weitergehen.

Shock Troopers

Acht Wege für ein Halleluja! Wer lieber aus der Draufsicht auf schön große Neo-Geo-Sprites ballert, der bekommt auf der Switch mit Shock Troopers das wohl beste Spiel zum Thema. Der zwanzig Jahre alte Titel hat sich spielerisch sogar vielleicht eine Spur besser gehalten als das schönere, jüngere, aber noch nie wirklich exakte und deshalb immer ein bisschen wahnsinnig machende Metal Slug.

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Heavy Metal, heavy Machineguns und heavy 90er-Flair durchziehen die ultimative Teenager-Ballerfantasie.

Einen wirklichen Look hatte Shock Troopers nie, aber es hat Schwung, Biss und vor Spielbeginn wählbare Routen durch die Welt, was ich persönlich schon immer liebte. Das humorvolle Metal Slug ist nicht ohne Grund das bekanntere, sehenswertere Spiel. Mit dem Controller in der Hand funktioniert Shock Troopers aber auch über seine Schauwerte hinaus noch bestens.

World Heroes Perfect

Kleine Auffrischung gefällig? Falls ihr irgendwann mal etwas von einem Arcade-Prügler mit Druckempfindlichen Buttons gehört habt, mit denen man die Angriffskraft steigern konnte, wenn man fester zulangte, dann war das die World-Heroes-Reihe. Das war ein lustiges Gimmick, taugte aber nicht für ein gutes Spiel. Mit dem Nachfolger mit dem Untertitel "Perfect" trennte man sich 1995 von seinem zentralen Abgrenzer gegenüber der Konkurrenz - und war damit direkt besser beraten. World Heroes Perfect ist ein richtig ordentlicher Prügler, hier und da wie so viele Prügler dieser Zeit haarscharf auf der Kippe zwischen Parodie bekannter Beat-em-up-Figuren und frechem Charakterklau, Hanzou ist der Ryu/Akira-Hybride, ohne den es seinerzeit irgendwie nicht ging und Brocken's Silhouette könnte man problemlos mit der M. Bisons verwechseln, usw.

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Ja, das ist ein Hai, den er da nach seinem Gegner wirft.

Auch hier wieder nicht in der bestmöglichen Emulation - diese Sprites poppen auf der Röhre und in nativem 320 x 224 Pixeln einfach am besten -, aber auch so gut spielbar und mit 6,99 auch nicht teuer.

Waku Waku 7

Bildhübscher Anime-Prügler, der aus seinen nur sieben Spielfiguren maximales Charisma zieht. Auch hier hoher Hommage-Faktor bei einigen Figuren, dafür aber hübsch überdrehte Specials und ein Kampfsystem, das man durchaus als "tight" bezeichnen darf. Ist seinerzeit ziemlich untergegangen, deshalb aber nicht weniger einen Blick wert, auch wenn es deutlich kompletter angelegte Prügler gibt, selbst auf der Switch. Wenn man nur eines dieser drei Beat 'em ups kaufen will und es gerne ein wenig schräger sein darf, ist dieser angenehm aus der Reihe tanzende Vertreter eine gute Wahl.

King of Fighters 98

Das vermutlich beste King of Fighters der klassischen Machart. In jeder Hinsicht auch heute noch ein wundervoll spielbares Beat 'em up und ein Wasserstandsmesser für das Genre. Zudem ein schönes Aushängeschild, wenn es darum ging, Werbung für Sprite-Grafik zu machen, während alle Welt sich einredete die ersten Tekkens, Virtua-Fighters und Toshindens mit ihren grobschlächtigen Polygonen sähen gut aus. Nach allen objektiven Maßstäben wohl das rundeste Beat 'em up dieser Auswahl.

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Diese Animationen, diese Sprites. 'Never forget' was möglich war, wenn auf die Limitationen gängiger 2D-Hardware pfiff.

Wenn dieses Fünferpack an Neo-Geo-Spielen eines beweist, dann dass diese Darstellungsform noch längst nicht überholt ist. Wie auch schon bei World Heroes gilt: 6,99 Euro ist es wert, wenngleich die Optik ihren Weg auf das Handheld und LED-TVs nicht komplett ohne Reibungsverluste übersteht. Gut genug sieht's aber immer noch aus.

Shovel Knight Treasure Trove

Yacht Club Games stellte kürzlich sein Bezahlmodell für Shovel Knight um und liefert nun das Basisspiel und alle seine bereits erhältlichen und noch kommenden Erweiterungen in der so genannten Treasure Trove zum Preis von 24,99. Den ist der 8-Bit-Liebesbrief locker wert. Selten verstand eine Retro-Hommage es derart genau, den Esprit, den Look und den Sound dieser Ära so perfekt einzufangen. Wäre das hier um 1990 auf dem NES herausgekommen, wir sprächen heute über einen ewigen Klassiker, der selbst Nintendos Eigenproduktionen in den Schatten stellte. Wer mehr über die Qualitäten dieses außergewöhnlichen Hüpfers wissen will, liest am besten unseren ausführlichen Shovel Knight Test.

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Die Specter-Knight-Erweiterung - härter wird Shovel Knight wohl nicht mehr. Zumindest, bis demnächst mit King Knight die nächste Fortsetzung des modernen Klassikers ansteht.

Gerade weil das Spiel so sehr nach NES aussieht, gehört es irgendwie zum guten Ton, es auf einer Nintendo-Plattform zu spielen. Gut, dass es sich auf der Switch sowohl stationär wie auch unterwegs einfach blendend macht.

Alles in allem: Klar, nicht jeder hat jetzt großartig darum gebettelt, ein gefühltes Drittel der Launchtitel mit 20 Jahre alten Neo-Geo-Spielen zu befüllen und die Beat-em-up-lastige Auswahl mag zwar repräsentativ sein, wirkt aber wenig ausgewogen. Trotzdem ist es schön, dass diese Titel da sind - wider das Vergessen und so. Und ein Spiel wie Shovel Knight hat nach diesem Formfaktor - mal unterwegs, mal Zuhause am TV - buchstäblich geschrien.

Wenn wir in ein paar Jahren auf die Launch-Tage der Switch zurückblicken, wird kaum etwas aus diesem Round-up unsere Erinnerungen dominieren. Das bleibt Spielen wie Zelda und sicher auch Snipperclips vorbehalten und einem Moment wie dem ersten Mal, als man die Konsole aus dem Dock nahm und das Bild nahtlos auf den kleineren Handheld-Bildschirm rüberwanderte - ein Effekt, der so schnell nicht alt wird. Der eine oder andere Jüngere wird sich an den frühen März des Jahres 2017 aber vielleicht auch als die Zeit erinnern, in der er seine Liebe zu SNK-Titeln und über die Maßen prachtvoll animierte Sprites entdeckte. Und wenn das dabei herauskommt, dann war es das definitiv wert.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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