Ihr solltet unbedingt Alien: Isolation spielen

Niemand hört euch schreien. Okay, vielleicht doch.

Eigentlich bin ich niemand, der sich großartig für Survival-Horror interessiert. Entsprechend mau sind meine Erfahrungen in diesem Genre. Von Resident Evil habe ich nur Teil fünf und sechs gespielt. Von Dead Space mochte ich die ersten beiden Teile, muss den dritten aber noch nachholen. Und Outlast? Gab es mal bei den Games with Gold auf der Xbox One. Hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen, nach ca. 30 Minuten war ich damit wieder fertig.

Da braucht es schon die Mutter aller Monster - das Alien aus der gleichnamigen Filmreihe -, um mich so richtig davon überzeugen. Und ich traute mich an den Titel heran, obwohl ich eben nicht die Erfahrungen mit solchen Spielen habe und im Vorfeld so einige Stimmen vernommen hatte, die davor warnten, dass der Titel doch recht schwer und frustrierend sein kann. Aber wie heißt es so schön? No risk, no fun.

Und so war es dann am Ende auch: Spaß hatte ich allemal, selbst wenn ich in mancher Situation und in manchem Level gerne mal in den Controller gebissen hätte, weil das Alien mir das Leben alles andere als leicht machte. Am Ende war es, mal abgesehen von einigen wenigen Stellen, nicht so frustrierend, wie ich vorher annahm. Ganz im Gegenteil: Dass ich so verwundbar bin, ein falscher Schritt oder ein unnötiges Geräusch den sicheren Tod bedeuten können, sorgte für ausreichend Nervenkitzel und ein bisschen Panik. Ich verbrachte zahlreiche Minuten unter Schreibtisch, in Schränken und Schächten, kroch in geduckter Haltung durch die Gegend, dabei ständig den Blick auf die Umgebung und den Bewegungssensor gerichtet, die Ohren nach den stampfenden Geräuschen des Aliens lauschend.

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Selbst wenn ich zehnmal oder öfter an einer Stelle starb, was nun wirklich nicht oft vorkam, gab ich nicht auf. Nichts ist ärgerlicher, als gerade durch eine Tür zu gehen und das Alien direkt vor sich zu sehen. Ist dann nicht rechtzeitig der Flammenwerfer gezückt, war es das schon wieder mit diesem Versuch. Aber stattdessen packte mich in solchen Situationen der Ehrgeiz und ich wollte der schleimigen Kreatur zeigen, dass ich sie austricksen kann.

Am Ende und nach einem etwas schwächelnden Mittelteil ist mir das gelungen und ich bin froh um dieses Erlebnis, denn Creative Assembly hat das Alien-Feeling hier verdammt gut eingefangen. Die Art und Weise, wie die Retro-SciFi-Vorlage des 1979 veröffentlichten Films umgesetzt wurde, ist schlichtweg fantastisch. All die Details, die vertraut wirkenden Geräusche und Elemente, wenn ihr die Filme gesehen habt, sorgen für nostalgische Gefühle und wecken Erinnerungen an die Jugend, als ich mich beim Anschauen des ersten Teils schon ein wenig gegruselt habe. Lang ist's her. Übrigens: Gespielt habe ich nur nach Einbruch der Dunkelheit und ohne das Licht im Raum anzuschalten. Das sorgt gleich noch mal für mehr Stimmung.

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Dass der Titel seine Stärken und Schwächen hat, konntet ihr vor drei Jahren schon in Alex' Test zum Spiel lesen. Für mich waren es eben besonders diese spezielle Atmosphäre und die Umsetzung der Vorlage, auch wenn man eine eigenständige Geschichte erzählt, die den Reiz an Alien: Isolation ausmachten. Hätte ich es (durch-)gespielt, wenn es kein Alien-Lizenzspiel gewesen wäre? Vermutlich nicht. Das weckte im Endeffekt mein Interesse und wenn ihr euch nur ein Fünkchen für diese Reihe interessiert, solltet ihr euch dieses Spiel nicht entgehen lassen.

Warum ich euch das gerade jetzt erzähle? Nun, einerseits deswegen, weil ich es erst vor kurzem zum ersten Mal gespielt habe. Und andererseits, weil mir, während ich diese grandios eingefangene Atmosphäre in mir aufsog, wieder klar wurde, dass dieses Spiel wohl so schnell leider keine Fortsetzung finden wird. Aber so ist das eben manchmal mit diesen Perlen. Ganz egal, ob nun bei Filmen oder Spielen, leider bleibt mitunter der erhoffte Erfolg aus, obwohl es das jeweilige Werk zweifellos verdient hätte.

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Es ist nicht so, dass sich Alien: Isolation besonders schlecht verkauft hätte, immerhin sind es über zwei Millionen Exemplare. Das Problem daran ist vielmehr die Art und Weise, wie diese von den Spielern gekauft wurden, die Mehrheit nämlich zu reduzierten Preisen, wodurch Publisher Sega nicht den erwarteten kommerziellen Erfolg erzielte. Hinzu kommt, dass Creative Assemblys Konsolen-Team mittlerweile mit anderen Projekten beschäftigt ist und viele Mitarbeiter des früheren Alien-Teams gar nicht mehr dort arbeiten.

Das ist schade und nur ein weiteres von vielen Beispielen in dieser Industrie dafür, dass Qualität nicht gleichbedeutend mit guten Verkaufszahlen und Erfolgen ist - die Arkane Studios können davon ebenfalls ein Lied singen. Es ist jedenfalls schön, wenn solche Experimente in einer Welt der millionenschweren Blockbuster-Produktionen noch möglich sind und ich hoffe, dass sie das in Zukunft weiterhin sein werden. Vielleicht kriegen wir ja irgendwann aus heiterem Himmel doch noch ein weiteres, gutes Alien-Spiel, selbst wenn es nicht Alien: Isolation 2 ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis dahin spielt ihr am besten einfach Alien: Isolation, wenn ihr das noch nicht getan hab. Es lohnt sich.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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