Demonstranten in Hongkong begehren mit Pokémon Go, Twitch und Tinder gegen die Staatsgewalt auf!

Widerständler nutzen neue Medien, um sich zu organisieren.

Zehn Wochen lang protestieren zahllose Menschen bereits in Hongkong gegen die chinesische Regierung. Alles begann mit Widerstand gegen einen neuen Gesetzentwurf zur Auslieferung Verdächtiger an China, mittlerweile eskalierte die Lage aber immer weiter und den Widerständlern geht es um Grundlegendes.

Um jedenfalls den immer repressiveren Gegenmaßnahmen zu begegnen, greifen die Demonstranten auf kreative Mittel zurück. Verabredete man sich zunächst in Whatsapp- oder Telegram-Gruppen mit zum Teil über 100.000 Mitgliedern zu Demonstrationen, schwenkte man mittlerweile auch auf andere Dienste wie die Streaming-Plattform Twitch, das Dating Portal Tinder und Dinge wie den Messenger für Pokémon Go für Terminabsprachen um, die hoffentlich geheim bleiben.

Auf Tinder etwa swiped man in Hongkong aktuell nicht länger nur mögliche paarungsbereite Großstädter nach links oder rechts, auch das Bild eines Flyers zu Demo-Treffzeiten und -Orten ist hier und da darunter. Im Pokémon Messenger verabredet man sich zu Fang-Sessions für bestimmte Pokémon.

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Auch auf anderem Wege wird Pokémon Go immer wieder vorgeschoben, um Versammlungsverbote und Nicht-Genehmigungen offizieller Demonstrationen zu umgehen. Dann ist man eben nicht auf einer Demonstration, sondern fängt zusammen Pokémon. Das Poster oben (danke South China Morning Post tauchte etwa auf Reddit auf und lud zu einem sozialen Fang-Event ein.

Unterdessen werden auf dem Telegram-Kanal Dadfindboy mittlerweile die Identitäten von Polizisten in zivil geteilt, die sich unter die Demonstranten gemischt hatten. Auch werden auf Zusammenkünften Informationen zur Organisation des Widerstands per Airdrop getauscht, um DDoS-Attacken, wie sie beispielsweise Telegram erfuhr, keine Angriffsfläche zu bieten.

Weitere Technik, die vielerorts zum Einsatz, beziehungsweise nicht mehr zum Einsatz kommt: Demonstranten nutzen etwa immer weniger ihre Oktopus-Karten, ein bargeldloses Bezahlmittel, um keine Datenspur zu hinterlassen, sondern bezahlen eher in Bar, was in Hongkong nicht Gang und Gäbe ist. Auch werden häufig Laserpointer eingesetzt, um Überwachungskameras zu blenden.

In Hongkong kommt es im Rahmen der Demonstrationen immer wieder zu Ausschreitungen und Zusammenstößen. Unschöner Höhepunkt waren angebliche Triaden-Schläger, die letzte Woche auf Demonstrierende losgingen. Viele bezichtigen die Regierung, hinter Angriffen wie diesem zu stecken.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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